White Sands: Warum sich hier Dünen aus wasserlöslichem Gips halten
Gips löst sich in Wasser, und doch liegt im Süden von New Mexico ein Dünenfeld aus Gipssand, das der National Park Service als größtes Gipsdünenfeld der Welt bezeichnet. Nach Darstellung des NPS machen das ein Becken ohne Abfluss, ein verdunsteter eiszeitlicher See und Grundwasser dicht unter der Oberfläche möglich. Für den Besuch zählen Wind, Hitze und Raketentests.

Gipssand ist nach Angaben des National Park Service (NPS) selten, in Dünenform noch seltener. Im Tularosa Basin im Süden von New Mexico, zwischen Alamogordo und Las Cruces, bedeckt er dennoch rund 712 Quadratkilometer. Der Wind, der die Dünen verschiebt, bestimmt auch den Besuch im White Sands National Park mit: Er verweht Fußspuren und treibt Sand auf die Parkstraße. Hinzu kommt die Nachbarschaft zu einem militärischen Testgelände.
Sand ist eine Frage der Korngröße

Als Sand gilt nach der Definition, die der NPS verwendet, jedes Mineralkorn mit einem Durchmesser zwischen 0,065 und 2 Millimetern. Um welches Mineral es sich handelt, spielt für den Begriff keine Rolle. Die meisten Sande der Erde bestehen aus Quarz. In White Sands besteht der Sand laut NPS zu etwa 98 Prozent aus reinem Gips.
Gips ist Calciumsulfat-Dihydrat, ein weiches Mineral aus der Gruppe der Evaporite. Er löst sich in Wasser und kristallisiert wieder aus, wenn das Wasser verdunstet, ähnlich wie Salz. Die kristalline Form des Minerals heißt Selenit.
Die weiße Farbe führt der NPS auf die Körner selbst zurück. Ihre Oberflächen sind zerkratzt und werfen das Licht zurück. Unmittelbar nach einem Regenschauer wirken die Dünen hellbraun, bis Wind und Sonne sie wieder getrocknet haben.
Die höchsten Dünen sind laut Parkstatistik rund 18 Meter hoch. Unter den flachen Bereichen zwischen den Dünen reicht die Gipsschicht noch etwa 9 Meter in die Tiefe. Welcher Anteil davon im Nationalpark liegt, geben seine Seiten unterschiedlich an: Zwei nennen rund 40 Prozent oder etwa 298 Quadratkilometer, eine dritte „mehr als die Hälfte“. Nach der Parkstatistik gehört der übrige Teil zur White Sands Missile Range, einem militärischen Testgelände.
Ein Becken ohne Abfluss
Der Gips selbst ist weit älter als die Dünen. Vor rund 280 bis 250 Millionen Jahren bedeckte laut NPS ein flaches Meer die Region. Steigende und fallende Meeresspiegel hinterließen dicke Gipsschichten. Vor rund 30 Millionen Jahren dehnte sich die Erdkruste, und zwischen den San Andres Mountains im Westen und den Sacramento Mountains im Osten bildete sich das Tularosa Basin. Regen und Schmelzwasser lösen Gips aus den umliegenden Bergen und tragen ihn ins Becken.
Der NPS vergleicht das Becken mit einer Badewanne ohne Abfluss: Der gelöste Gips gelangt hinein, aber weder zu einem Fluss noch ins Meer wieder hinaus. Während der letzten Eiszeit lag hier Lake Otero, ein rund 4.100 Quadratkilometer großer See. Vor etwa 12.000 Jahren, am Ende der Eiszeit, begann er zu verdunsten. Die trockenen Teile des Seebodens bilden heute die Ebene Alkali Flat. Übrig geblieben ist Lake Lucero, eine Playa, die nur zeitweise Wasser führt.
Den Weg vom Seeboden zur Düne beschreibt der NPS in mehreren Schritten. Unter der Oberfläche wuchsen Selenitkristalle. Der Wind trug Ton und Schluff ab, Frost und Tauwetter zerbrachen die Kristalle in immer kleinere Stücke und schließlich zu Sand. Die Körner trieb der Wind in kurzen Sprüngen, von Geologen Saltation genannt, nach Nordosten. Das Dünenfeld selbst ist demnach jünger als 10.000 Jahre.
Lake Lucero: Hier entstehen noch Kristalle

Abgeschlossen ist dieser Vorgang nicht. Nach Angaben des NPS füllt sich Lake Lucero nach starkem Regen auf eine Fläche von rund 26 Quadratkilometern. Danach bilden sich neue Selenitkristalle von zwei bis drei Zentimetern Länge. Die meisten Kristalle entstehen, wenn große Fluten das mineralreiche Wasser konzentrieren – das geschieht alle 10 bis 14 Jahre. Nach der NPS-Seite zu den Rangerführungen können einzelne Kristalle dort bis zu knapp 61 Zentimeter lang werden.
Bei der Frage, woher der Sand der Dünen hauptsächlich stammt, setzen zwei Darstellungen des NPS unterschiedliche Schwerpunkte. Die Seite über Lake Lucero nennt den See und Alkali Flat die Hauptquelle neuer Dünen. Der Geodiversity Atlas des NPS sieht den Gips in den Ablagerungen des früheren Lake Otero als wichtigste Quelle und Lake Lucero als zweitrangige. Alkali Flat ist dabei selbst ein Teil dieses ehemaligen Seebodens.
Der See ist nur bei Rangerführungen zugänglich – der Weg dorthin verläuft über Gelände der Missile Range. Selenitkristalle dürfen nicht mitgenommen werden.
Grundwasser hält das Feld, der Wind verschiebt die Dünen

Dass das Feld nicht davonweht, führt der NPS auf das Grundwasser zurück. Es steht nur etwa 30 bis 90 Zentimeter unter der Oberfläche und hält die Dünen das ganze Jahr über feucht.
Die einzelnen Dünen bewegen sich trotzdem. Nach einem beim NPS veröffentlichten Forschungsbeitrag sind die ersten Dünen am Westrand des Feldes, wo der Wind von Alkali Flat her auf sie trifft, wenige Meter hoch und wandern bis zu sechs Meter im Jahr. Wenige Kilometer weiter im Feld sind sie 6 bis 10 Meter hoch und bewegen sich um etwa drei Meter im Jahr. Größer werden die Dünen demnach vor allem durch Zusammenstöße: Kleine, schnelle Dünen holen größere, langsamere ein und verschmelzen mit ihnen. Die meisten dieser Zusammenschlüsse finden im ersten Kilometer hinter dem Rand statt. Pflanzen stabilisieren nach Darstellung des Parks die vorderen Kanten der Dünen.
Auch auf die Parkstraße, den Dunes Drive, treibt der Wind Sand. Nach Angaben des Parks räumen Mitarbeiter fast täglich mit schwerem Gerät Verwehungen ab und ebnen die Fahrbahn. Die Straße führt rund 13 Kilometer weit in das Feld. Hin und zurück sind es rund 26 Kilometer, die reine Fahrzeit beträgt etwa 45 Minuten. Nach der NPS-Seite zum Dunes Drive sind die ersten rund 8 Kilometer asphaltiert, die letzten knapp 5 bestehen aus festgefahrenem Gipssand. Die Zustandsseite des Parks spricht dagegen von je etwa der Hälfte.
Fährten aus der Eiszeit

Laut NPS besitzt der Park das weltweit größte Vorkommen fossiler Fährten aus der Eiszeit, darunter Spuren von Mammuts, Riesenfaultieren und Schattenwölfen. Viele Spuren verschwinden nach der Freilegung schon nach etwa zwei Jahren wieder. Nach Angaben des U.S. Geological Survey (USGS) wurden menschliche Fußspuren im Park 2021 auf ein Alter von 21.000 bis 23.000 Jahren datiert. Diese Altersbestimmung beruhte auf Radiokarbonmessungen an Samen von Wasserpflanzen und war umstritten. Eine Folgestudie bestätigte das Alter 2023 mit zwei weiteren, voneinander unabhängigen Methoden. Einen Überblick über diese Zeit gibt der Ice Age Trail. Der knapp 1,3 Kilometer lange Rundweg mit neun Infotafeln beginnt gut 4,3 Kilometer hinter dem Visitor Center.
Orientierung auf beweglichem Grund

Vor dem Aufbruch zählen Temperatur und Wasser. Der NPS nennt eine Temperaturgrenze: Ab 29,4 Grad solle man keine Wanderung beginnen. Im Sommer steigt die Temperatur auf knapp 38 Grad und mehr. Im Winter sinkt sie nach Sonnenuntergang auf etwa minus 5 bis minus 7 Grad, möglich sind laut NPS auch etwa minus 12 Grad. Von Februar bis Mai ist Windsaison mit Staubstürmen, von Juli bis September kommt es zu Gewittern. Trinkwasser gibt es nur am Visitor Center. Als Mindestmenge rät der NPS zu knapp 3,8 Litern pro Person und Tag.
Unterwegs geht man von Pfosten zu Pfosten. Laut der Zustandsseite des Parks gibt es fünf markierte Wege, darunter den derzeit geschlossenen Interdune Boardwalk. Mit Ausnahme des Interdune Boardwalk sind die Wege mit farbigen Pfosten gekennzeichnet, die der Wind umwerfen kann. Der NPS rät umzukehren, wenn der nächste Pfosten nicht zu sehen ist. Auf die eigenen Fußspuren solle man sich für den Rückweg nicht verlassen, weil der Wind sie binnen Minuten verwehen kann. Auch GPS kann im Dünenfeld unzuverlässig sein, deshalb sollte man sich nicht allein darauf verlassen. Das Mobilfunknetz ist lückenhaft. Nach Angaben des NPS sind im Park Menschen an Hitzefolgen, Unterkühlung und Austrocknung gestorben, einige auch, weil sie sich verirrt hatten.
Der längste Weg, der Alkali Flat Trail, führt über bis zu rund 18 Meter hohe Dünen an den Rand des ehemaligen Seebodens. Der NPS stuft ihn als anstrengend ein: rund 8 Kilometer hin und zurück, im Mittel rund vier Stunden. Er beginnt am Ende der Schleife des Dunes Drive, knapp 12 Kilometer vom Visitor Center entfernt. Kürzer ist mit rund 1,6 Kilometern der Dune Life Nature Trail.
Unbekannte Gegenstände im Sand soll man nicht berühren: Laut NPS können Blindgänger aus Raketentests im Park liegen.
Wer auf den Dünen Schlitten fahren will, dem empfiehlt der Park gewachste Plastikteller aus seinem Laden. Er warnt, dass der Fuß einer Düne sehr hart sein kann. Nach der Zustandsseite des Parks ist das Schlittenfahren am Interdune Boardwalk und auf den Dünen ringsum derzeit gesperrt, im übrigen Park erlaubt.
Ein Park am Raketentestgelände
Präsident Herbert Hoover erklärte White Sands am 18. Januar 1933 zum National Monument. Seit dem 20. Dezember 2019 ist es ein Nationalpark. Seit 1942 wird das Land um das Schutzgebiet militärisch genutzt. Ab 1945 testete das Militär dort Raketen und bat um die ersten Schließungen des Parks. Diese Praxis besteht laut NPS bis heute. Die White Sands Missile Range und die Holloman Air Force Base grenzen an den Park, im Westteil gibt es ein gemeinsam genutztes Gebiet.
Während eines Tests kann der Dunes Drive laut NPS bis zu drei Stunden lang gesperrt sein. Auch der Highway US-70 zwischen dem Park und Las Cruces kann dann gesperrt werden. Visitor Center und Laden bleiben geöffnet. Meist erfährt der Park nach eigenen Angaben frühzeitig von geplanten Tests, die Mitteilung kann aber auch erst 24 Stunden vorher eintreffen. Die Termine veröffentlicht er auf seiner Seite „Park Closures“. Nach dem Stand vom 4. Oktober 2026 ist dort für den 15. Oktober 2026 von 7 bis 9 Uhr eine Schließung des Parks mit Sperrung der US-70 angekündigt. Weitere Sperrungen sind kurzfristig möglich. Die Missile Range sperrt außerdem Abschnitte von US-70, US-54 und US-380. Ihre Bandansage wird nach eigenen Angaben meist werktags am Nachmittag für den folgenden Tag aktualisiert.
Unabhängig von den Tests gelten nach dem Stand vom 4. Oktober 2026 weitere Einschränkungen. Nach Angaben des Parks besteht auf einem Abschnitt des Dunes Drive ein Sicherheitskorridor. Seine genaue Lage steht in den praktischen Angaben. Durchfahren ist erlaubt, Anhalten, Parken und Aussteigen nicht. Das Gebiet südlich der Straße ist in diesem Abschnitt gesperrt. Als Hintergrund nennt der NPS die Bergung nach einem Unfall der US Air Force im Park. Einzelheiten enthalten die geprüften NPS-Seiten nicht. Wegen des Korridors ist der Interdune Boardwalk geschlossen – laut NPS der einzige barrierefreie Weg. Geschlossen ist außerdem das Backcountry-Camping, ein Datum für die Wiedereröffnung nennt der Park nicht. Übernachten ist im Park derzeit nicht erlaubt.
Fragen und Antworten
Warum ist der Sand in White Sands so weiß?
Die Dünen bestehen laut National Park Service zu etwa 98 Prozent aus Gips, die meisten anderen Sande der Erde dagegen aus Quarz. Die weiße Farbe erklärt der NPS mit den zerkratzten Oberflächen der Gipskörner, die das Licht zurückwerfen. Unmittelbar nach Regen wirken die Dünen hellbraun, bis sie wieder getrocknet sind.
Müssen Besucher ohne US-Wohnsitz in White Sands die Zusatzgebühr von 100 US-Dollar zahlen?
Nein. Die Zusatzgebühr für Nichtansässige gilt 2026 laut NPS nur in elf Nationalparks, White Sands gehört nicht dazu. Der Eintritt beträgt 25 US-Dollar pro Privatfahrzeug und gilt sieben Tage. Stand: September 2026.
Kann der White Sands National Park wegen Raketentests geschlossen sein?
Ja. Laut NPS kann der Dunes Drive für bis zu drei Stunden gesperrt werden. Auch die US-70 zwischen dem Park und Las Cruces kann dann gesperrt sein. Das Visitor Center bleibt geöffnet. Meist erfährt der Park frühzeitig davon, mitunter aber erst 24 Stunden vorher. Die Termine listet er auf seiner Seite „Park Closures“. Für den 15. Oktober 2026 ist dort von 7 bis 9 Uhr eine Schließung angekündigt (Stand: 4. Oktober 2026).
Kann man im White Sands National Park übernachten?
Derzeit nicht. Das Backcountry-Camping ist laut NPS geschlossen, ein Datum für die Wiedereröffnung ist nicht angegeben (Stand: 4. Oktober 2026). Der Park öffnet um 7 Uhr und schließt 30 Minuten nach dem örtlichen Sonnenuntergang.
Kann man Lake Lucero besuchen?
Nur bei einer Führung mit Rangern. Laut NPS sind Führungen am 21. November und 19. Dezember 2026 sowie am 9. Januar, 13. Februar und 13. März 2027 geplant, jeweils um 10 Uhr und für höchstens 50 Personen. Tickets gibt es jeweils einen Monat vorher über Recreation.gov. Sie kosten 8 US-Dollar ab 16 Jahren und 4 US-Dollar für Kinder bis 15 Jahre. Treffpunkt ist das Small Missile Range Gate an der US-70. Die genaue Lage steht in den praktischen Angaben. Von dort geht es rund 28 Kilometer im eigenen Auto im Konvoi weiter. Auf dem Gelände der Missile Range ist Fotografieren verboten, und bei schlechtem Wetter oder Testbetrieb kann die Führung ausfallen. Selenitkristalle dürfen nicht mitgenommen werden.
Weiterführende Informationen
- National Park Service, White Sands: Sand
- National Park Service, White Sands: Gypsum
- National Park Service, White Sands: Geology of White Sands
- National Park Service, White Sands: Lake Lucero
- National Park Service, White Sands: Hydrology
- National Park Service, White Sands: Natural Features & Ecosystems
- National Park Service, White Sands: Nature & Science
- National Park Service, White Sands: Park Statistics
- National Park Service: NPS Geodiversity Atlas—White Sands National Park
- National Park Service: Constructing the Dune-Field Pattern at White Sands National Monument
- National Park Service, White Sands: Paleontology
- U.S. Geological Survey: Study confirms age of oldest fossil human footprints in North America
- National Park Service, White Sands: White Sands National Park History
- National Park Service, White Sands: Driving Dunes Drive
- National Park Service, White Sands: Hiking
- National Park Service: Hiking Alkali Flat Trail
- National Park Service: Hiking the Ice Age Trail
- National Park Service, White Sands: Safety
- National Park Service, White Sands: Hiking Safety Tips
- National Park Service, White Sands: Operating Hours & Seasons
- National Park Service, White Sands: Park Closures
- National Park Service, White Sands: Current Conditions
- National Park Service, White Sands: Safety Corridor In Effect
- National Park Service, White Sands: Backcountry Camping
- National Park Service, White Sands: Lake Lucero Tour
- National Park Service, White Sands: Sledding
- National Park Service, White Sands: Directions
- National Park Service, White Sands: White Sands Visitor Center
- National Park Service, White Sands: Fees & Passes
- National Park Service: Nonresident Fees on Commercial Tours: FAQ
- U.S. Army, White Sands Test Center: WSMR Road Block Schedule
Angaben zu Öffnungszeiten, Eintritt, Angeboten und Zugänglichkeit können sich ändern. Maßgeblich sind die verlinkten Stellen.
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Dieser Beitrag beruht auf Recherche in den genannten Quellen.
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