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Saisonzeiten

Big Bend: warum der Wetterbericht nur für die mittlere Höhe gilt

Das Chisos Basin liegt gut 1.000 Meter über dem Ufer des Rio Grande, und beide gehören zum Big Bend National Park im Südwesten von Texas. Tagsüber ist es am Fluss deshalb meist deutlich wärmer als oben in den Bergen, in Winternächten kann es umgekehrt sein.

Vom USA Reisen Magazin · Community-Content: Sylvia Spleth

Lesezeit etwa 7 Minuten

Blick in eine V-förmige Lücke zwischen zwei felsigen Bergflanken, durch die man in eine weite Ebene sieht. Rechts eine große, gerundete Felswand im Licht, im Vordergrund dichtes grünes Buschwerk.
Das Window im Chisos Basin.

Wie groß der Unterschied ist, zeigen die Monatsmittel der Tageshöchstwerte an den drei Hauptmessorten des Big Bend National Park, gemittelt über fünf Jahre. Im Juni liegen sie in Rio Grande Village am Fluss bei knapp 42 Grad, in Panther Junction bei 35 und im Chisos Basin bei gut 31 Grad. Das sind Mittelwerte, kein Wetter für einen bestimmten Tag und keine langjährigen Normalwerte. Die großen Wettervorhersagen nennen nur Panther Junction, und die Parkverwaltung weist ausdrücklich darauf hin, dass dieser Ort für den größten Teil des Parks nicht typisch ist. Als grobe Orientierung nennt sie für die Wüste und den Fluss etwa 6 Grad mehr, für die Chisos Mountains im Schnitt ungefähr ebenso viel weniger.

Breites Panorama einer Bergkette mit Felsgipfeln im warmen Licht, davor flache Wüste mit Buschwerk und im Vordergrund ein Kaktus mit flachen, runden Gliedern.
Die Chisos Mountains im Big Bend National Park.

Am Rio Grande: heiß am Tag, kalt in Winternächten

Rio Grande Village liegt auf rund 564 Metern am Fluss, der hier die Grenze zu Mexiko bildet. Im Januar liegt das Monatsmittel der Höchstwerte dort bei gut 21 Grad, im Juni bei knapp 42. Nachts kann sich die Faustregel umkehren: Im Dezember liegt das Mittel der Tiefstwerte am Fluss bei knapp zwei Grad unter null, im Chisos Basin bei 5 Grad. Wer im Winter früh am Fluss aufbricht, sollte deshalb mit Frost rechnen und Kleidung für mehrere Temperaturlagen dabeihaben.

Ein ruhiger Fluss, gesäumt von dichtem Ufergebüsch in Gelb und Orange, dahinter eine lange, steile Felswand unter einem bewölkten Himmel.
Der Rio Grande im Big Bend National Park.

Für einen kurzen Gang an den Fluss bietet der Rio Grande Village Nature Trail zwei Möglichkeiten. Wer nur den Anfang geht, bleibt auf einem Steg von gut 90 Metern durch ein quellgespeistes Feuchtgebiet, der auch mit dem Rollstuhl befahrbar ist. Der ganze Weg ist hin und zurück 1,2 Kilometer lang und steigt über Stufen auf einen Hügel mit Blick auf den Rio Grande. Mittags kann es dort sehr heiß werden. Der Weg beginnt hinten im Campground gegenüber Stellplatz 18, geparkt wird am Amphitheater. Von dort sind es nach unserer Berechnung rund 600 Meter bis zum Start, mit dem Rückweg also zusammen rund 2,4 Kilometer zu Fuß.

Baden im Rio Grande wird nicht empfohlen, auch wenn das Wasser bei Hitze einlädt. Selbst wo es ruhig aussieht, gibt es starke Unterströmungen, tiefe Löcher und scharfe Steine. In der Regenzeit kommt eine zweite Gefahr hinzu: Regen viele Kilometer entfernt kann den Fluss und trockene Bachbetten plötzlich anschwellen lassen, auch wenn der Himmel darüber klar ist.

Panther Junction: der Ort der Vorhersage

Panther Junction liegt auf 1.143 Metern zwischen Fluss und Bergen. Hier sitzt die Parkverwaltung, und das Visitor Center ist täglich von 8:30 bis 17 Uhr geöffnet. Wie trocken die Chihuahua-Wüste ist, zu der Big Bend gehört, zeigt der Niederschlag: Im Jahr fallen hier im Mittel rund 317 Millimeter, am Fluss rund 235 und im Chisos Basin rund 438, fast doppelt so viel wie am Fluss. Gut zwei Drittel davon fallen an allen drei Orten von Mai bis September.

Ein schmaler Erdpfad windet sich durch ein trockenes Tal zwischen Felsblöcken und Felstürmen, dazwischen spärliche Sträucher und Yuccas, in der Ferne niedrige Berge.
Trockenes, felsiges Gelände im Big Bend National Park.

Weil sich die Vorhersagen auf Panther Junction beziehen, ist der Ort für die Planung der Bezugspunkt. Zeigt die Vorhersage dort 30 Grad, kann man am Fluss grob mit etwa 36 und im Basin mit etwa 24 Grad rechnen. Die tatsächliche Wetterlage und die Nacht können davon deutlich abweichen.

Im Chisos Basin: kühler, aber nicht kühl

Das Chisos Basin liegt auf rund 1.646 Metern in den Chisos Mountains. Hier stehen die Lodge und ein zweites Visitor Center, täglich von 8:30 bis 16 Uhr geöffnet und mittags geschlossen. Im Sommer ist es in den Bergen rund 6 bis 8 Grad kühler als in der Wüste, die bis zum späten Vormittag meist weit über 37 Grad erreicht. Im Juni liegt das Monatsmittel der Höchstwerte im Basin trotzdem bei gut 31 Grad. Eine sichere Ausweichmöglichkeit vor der Hitze sind die Berge damit nicht, auch hier wandert man im Sommer früh am Tag.

Für den Blick auf das Window genügt ein kurzer Weg. Der Window View Trail ist ein befestigter Rundweg von 0,5 Kilometern mit 15 Metern Höhenunterschied, er beginnt am Parkplatz bei Lodge und Visitor Center und ist mit dem Rollstuhl befahrbar. Durch das Window, eine Öffnung in der Felsumrandung des Basin, kann man von dort am Abend die Sonne untergehen sehen. Wer bis an das Window selbst will, nimmt den Window Trail: rund 9 Kilometer hin und zurück, hinunter bis zur Abbruchkante, mit etwa vier Stunden Gehzeit.

Blick in eine V-förmige Lücke zwischen zwei felsigen Bergflanken, durch die man in eine weite Ebene sieht. Rechts eine große, gerundete Felswand im Licht, im Vordergrund dichtes grünes Buschwerk.
Das Window im Chisos Basin.

Welche Jahreszeit zu welchem Plan passt

Für einen Tag, der Fluss und Berge verbindet, eignet sich die Zeit von November bis April. Dann liegen die Monatsmittel der Höchstwerte am Fluss zwischen gut 21 und knapp 34 Grad, und auch das Visitor Center in Rio Grande Village hat geöffnet. Es ist zugleich die Zeit, in der die meisten Besucher kommen.

Von Mai bis August passt dieser Plan nicht, weil es am Fluss schon am späten Vormittag zu heiß wird. Wer dann kommt, ist nur früh am Morgen unterwegs und meidet die Mittagshitze. Zwischen Juli und September kommen Gewitter hinzu, mit örtlich heftigem Regen und Sturzfluten. Im Winter muss man dagegen mit Frost und wechselndem Wetter rechnen, an einem Tag schwanken die Temperaturen um knapp 17 Grad und mehr.

Wasser gehört in jeder Jahreszeit ins Auto, mindestens rund 3,8 Liter pro Person und Tag. Auf Quellen im Gelände ist kein Verlass.

Orientierungskarte des Big Bend National Park mit der Fahrt vom Chisos Basin über Panther Junction zum Amphitheater in Rio Grande Village und zurück, dazu Study Butte, die Nationalparkgrenze, der Rio Grande als Grenze zwischen Texas und Mexiko und ein Maßstab für 10 Kilometer.

Ein milder Tag vom Basin zum Fluss und zurück

Für einen Tag zwischen November und April, der alle drei Höhen verbindet, haben wir zwei Nächte im Chisos Basin eingeplant, mit Anreise am Vorabend und Weiterreise am Morgen danach. Gegen 8:30 Uhr geht es vom Parkplatz im Basin hinunter nach Rio Grande Village. Bis zum Amphitheater sind es nach unserer Berechnung 48,4 Kilometer, im Modell eine Stunde Fahrt, mit Puffer etwa 1 Stunde 10 Minuten.

Für den Fußweg vom Parkplatz und den ganzen Nature Trail, zusammen rund 2,4 Kilometer, rechnen wir etwa 1 Stunde 20 Minuten, danach eine Pause von 30 bis 45 Minuten. Weiter geht es 33,1 Kilometer nach Panther Junction, mit Puffer etwa 45 Minuten, und eine halbe Stunde im Visitor Center. Ins Basin zurück sind es 15,4 Kilometer, etwa eine halbe Stunde.

Am späten Nachmittag folgt der Window View Trail. Zusammen fährt man an diesem Tag 96,9 Kilometer, im Modell zwei Stunden, mit Puffer etwa 2 Stunden 25 Minuten. Mit langer Mittagspause ist man rund acht bis neun Stunden unterwegs. Der Plan nutzt nur die asphaltierten Straßen zwischen Basin, Panther Junction und Rio Grande Village. Nach Unwettern können Straßen im Park gesperrt sein, deshalb gehört vor der Abfahrt ein Blick auf die aktuellen Hinweise des Parks dazu.

Eine zweispurige Asphaltstraße mit doppelter gelber Mittellinie führt geradeaus auf eine Bergkette mit schroffen Felsgipfeln zu, an den Rändern Gras und Buschwerk.
Straße im Big Bend National Park.

Fragen und Antworten

Warum gilt die Wettervorhersage nicht für den ganzen Park?

Sie beschreibt Panther Junction auf 1.143 Metern. Als grobe Orientierung ist es in der Wüste und am Rio Grande etwa 6 Grad wärmer, in den Chisos Mountains ungefähr ebenso viel kühler. Nachts kann es am Fluss kälter sein als in den Bergen.

Wann ist die beste Reisezeit für Big Bend?

Aus unserer Sicht die Zeit von November bis April, auch wenn dann die meisten Besucher kommen. Von Mai bis August ist es sehr heiß, und von Juli bis September kommen Gewitter hinzu.

Sind die Chisos Mountains im Sommer eine Ausweichmöglichkeit vor der Hitze?

Nur bedingt. Sie sind rund 6 bis 8 Grad kühler als die Wüste, doch im Juni liegt das Monatsmittel der Höchstwerte im Basin noch bei gut 31 Grad. Auch dort wandert man im Sommer früh am Tag.

Kann man im Rio Grande baden?

Baden wird nicht empfohlen. Auch ruhiges Wasser hat starke Unterströmungen, tiefe Löcher und scharfe Steine.

Wo parkt man für den Rio Grande Village Nature Trail?

Am Parkplatz des Amphitheaters in Rio Grande Village. Von dort sind es rund 600 Meter zu Fuß bis zum Start gegenüber Stellplatz 18.

Wie viel Wasser sollte man mitnehmen?

Mindestens rund 3,8 Liter pro Person und Tag, in jeder Jahreszeit. Auf Quellen im Gelände ist kein Verlass.

Weiterführende Informationen

  1. National Park Service: Big Bend National Park Weather
  2. National Park Service: Safety
  3. National Park Service: Alerts & Conditions
  4. National Park Service: Operating Hours & Seasons
  5. National Park Service: Directions & Transportation
  6. National Park Service: Chisos Basin Construction Update
  7. National Park Service: Window View Trail
  8. National Park Service: Birdwatch at Rio Grande Village Nature Trail
  9. National Park Service: The Paisano, Visitor Guide (Wandertabelle)

Angaben zu Öffnungszeiten, Eintritt, Angeboten und Zugänglichkeit können sich ändern. Maßgeblich sind die verlinkten Stellen.

Dieser Beitrag beruht auf Recherche in den genannten Quellen.

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