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Traumstraßen

Sandhills Journey: zwei Tage Grasland auf Nebraskas Highway 2

Die Sandhills Journey ist ein National Scenic Byway auf dem Nebraska Highway 2, knapp 440 Kilometer lang von Grand Island im Osten bis Alliance im Westen. Mit einer Nacht in Thedford wird daraus eine Fahrt über zwei Tage.

Vom USA Reisen Magazin · Community-Content: Sylvia Spleth

Lesezeit etwa 9 Minuten

Luftaufnahme: links ein gewundener Fluss zwischen Buschwerk, in der Mitte eine Bahnstrecke, rechts eine Landstraße mit einem Gehöft, dahinter grasbewachsene Hügel bis zum Horizont; an einer Stelle liegt heller Sand offen.
Straße, Bahnlinie und Middle Loup River in den Nebraska Sandhills.

Links und rechts der Straße wächst über weite Strecken Gras, auf Hügeln, die aus Sand bestehen. Die Sandhills in der nördlichen Mitte Nebraskas sind ein Dünenfeld, das von Gras festgehalten wird, und mit knapp 50.000 Quadratkilometern ist es nach Angaben der University of Nebraska das größte seiner Art in der westlichen Hemisphäre. Dass das Gras den Sand hält und der Sand darunter Wasser speichert, begleitet die ganze Fahrt nach Westen: vom Museum in Broken Bow über einen gepflanzten Wald bei Halsey bis zu einem Schutzgebiet für Zugvögel im Westen.

Übersichtskarte der Sandhills Journey auf dem Nebraska Highway 2 von Grand Island im Osten nach Alliance im Westen, mit Broken Bow, dem Bessey Recreation Complex bei Halsey, Thedford und Hyannis; Middle Loup River und Dismal River; westlich von Hyannis zweigt ein eigener Abstecher nach Süden zum Crescent Lake National Wildlife Refuge ab; Maßstabsleiste 50 Kilometer.

Broken Bow und die Fotografien der Siedler

Nach gut 120 Kilometern ab Grand Island ist Broken Bow erreicht. Das Custer County Museum zeigt dort eine eigene Galerie mit Aufnahmen von Solomon D. Butcher. Butcher lebte die meiste Zeit seines Lebens im Custer County und fotografierte vor allem hier die Generation, die das Grasland besiedelte. Fast 4.000 Abzüge und Negative hat er hinterlassen. Die Negative besitzt heute die Nebraska State Historical Society, das Museum zeigt Originalabzüge, die Familien aus der Gegend geschenkt haben.

Auf vielen dieser Bilder stellen sich Familien vor ihren Häusern aus Grassoden auf, also aus Blöcken, die aus der Grasnarbe gestochen wurden. Hinter ihnen liegt Prärie ohne Bäume. Vor diesem Hintergrund ist zu sehen, was rund 80 Kilometer weiter bei Halsey steht.

Vor einem niedrigen Haus aus Grassoden mit einem Geweih am Giebel sitzen eine Frau und ein Mann mit zwei kleinen Kindern an einem Tisch; rechts steht ein Junge neben einem dunklen Rind.
Familie vor einem Grassodenhaus in Custer County, Nebraska, 1886 (Aquarell).

Wer Vorfahren in der Gegend vermutet, findet im Forschungszentrum des Museums Familienakten, Nachrufe, Zeitungen auf Mikrofilm und ein Verzeichnis der Heimstätten im Custer County, übertragen aus den Grundbüchern des General Land Office. Für einen längeren Rechercheaufenthalt bittet das Museum um vorherigen Anruf.

Was den Sand an seinem Platz hält

Fast das ganze Land der Sandhills ist in Privatbesitz, an der Straße liegen Ranches und Äcker. Die Rinder auf den Weiden gehören zur Erklärung der Dünen: Nach Darstellung der University of Nebraska verdankt der empfindliche Sandboden seinen Halt der Rinderzucht und einer sorgfältigen Weidewirtschaft, die seit der Ansiedlung europäischstämmiger Siedler betrieben wird. Ruhig lag der Sand nicht immer. In seiner erdgeschichtlich kurzen Vergangenheit war er oft in Bewegung, geprägt von langen Dürreperioden. Lange vor den Ranches zogen Bisonherden durch das Grasland, und Indianerstämme wie die Pawnee und Sioux nutzten es als gemeinsame Jagdgründe.

Vom Wasser sieht man auf der Fahrt meist wenig. Die Sandhills liegen über dem tiefsten Teil des Ogallala-Grundwasserleiters, und der Sand nimmt Regen und Schmelzwasser auf wie ein Schwamm. In manchen Tälern zwischen den Dünen steht das Grundwasser so nah unter der Oberfläche, dass Pflanzenwurzeln es erreichen. Dort wachsen die Pflanzen dichter als auf den trockeneren Kuppen. Ganz im Westen speist es Feuchtwiesen und Seen.

Was das Grasland für Tiere bedeutet, beschreibt Michael Forsberg von der University of Nebraska: Präriehühner, die im April im Morgengrauen auf ihren Balzplätzen rufen, Wiesenstärlinge und Brachvögel, die am Boden brüten, und nachts einen der dunkelsten Himmel, die es in den 48 zusammenhängenden Staaten noch gibt.

Ein gepflanzter Wald bei Halsey

Bei Halsey steht etwas, das dort nicht von selbst gewachsen ist: ein Wald. Charles E. Bessey, Botanikprofessor an der University of Nebraska, stellte sich einen Wald auf den offenen Sandhills vor. 1902 begann man hier mit dem Versuch, Bäume zu ziehen und in der Umgebung zu pflanzen. Daraus wurde laut Forest Service der größte von Menschen gepflanzte Wald der USA.

Aquarell: Gruppen von Kiefern auf grasbewachsenen Dünenhügeln, dazwischen offene Wiesen, zum Horizont hin dichtere Kiefernbestände unter einem Himmel mit Haufenwolken.
Gepflanzter Wald bei Halsey in Nebraska, Ansicht von 2007 (Aquarell).

Die Sämlinge kamen aus einer eigenen Baumschule, die im selben Jahr gut eineinhalb Kilometer westlich von Halsey entstand. Sie ist die älteste Sämlingsbaumschule des Forest Service und für Besucher geschlossen. Sandiger Boden und reichlich Wasser bieten ihr gute Bedingungen für junge Bäume, im selben Sand, den ringsum das Gras festhält. Bäume zieht sie bis heute: Seit 1926 liefert sie Sämlinge für das Programm Nebraska Conservation Trees an Landbesitzer im ländlichen Nebraska, inzwischen auch in North Dakota, South Dakota, Wyoming, Colorado und Kansas. Als Saatgutbank der Region lagert sie außerdem etwa 6,8 Tonnen Nadelbaumsamen als Reserve für den Fall von Bränden oder Insektenbefall.

Unverändert ist der Wald nicht geblieben. Seit den 1960er Jahren haben ihn mehrere Brände verändert, zuletzt das Bovee-Feuer im Oktober 2022. Es erfasste das Nebraska State 4-H Camp und den Scott Lookout Tower, einen historischen Aussichtsturm. Den Turm kann man besuchen und von außen ansehen, betreten darf man ihn nicht.

Am Forstschild zweigt State Spur 86B nach Süden ab, zum Bessey Recreation Complex am Middle Loup River. Das Erholungsgebiet ist das ganze Jahr geöffnet. Es gibt einen Fischteich, Picknickplätze, einen Campingplatz und Wege für Wanderer, Radfahrer und Geländefahrzeuge, im Fluss kann man schwimmen. Für die Tagesnutzung wird eine Gebühr fällig. Im Frühjahr stellt der Forest Service Beobachtungsverstecke auf, aus denen man Präriehühnern bei ihren Balztänzen zusehen kann. Nach der Flussquerung führt State Spur 86B nach Westen weiter und endet nach etwa fünf Kilometern am Turm. Ein knapp fünf Kilometer langer Wanderweg, der Scott Lookout National Recreation Trail, verbindet Turm und Erholungsgebiet. Im Südosten reicht der Forstbezirk bis an den Dismal River, einen zweiten Fluss der Sandhills.

Luftaufnahme eines breiten, flachen Flusses; im Vordergrund Laubbäume und ein Feldweg, am anderen Ufer eine helle Sandbank, dahinter weites, grasbewachsenes Hügelland.
Dismal River im Nebraska National Forest.

Thedford, Seneca und die Zeitzone

Halsey hat einen Laden, ein Restaurant mit Bar und ein Hotel. Mehr Auswahl bietet Thedford, gut 27 Kilometer weiter westlich, mit Restaurants, Tankstellen, Unterkünften und einem Lebensmittelgeschäft. Dort endet der erste Tag.

Am zweiten Morgen geht es weiter nach Westen durch Ranchland. Kurz vor Seneca beginnt die Mountain Time, die Uhr wird eine Stunde zurückgestellt. In mehreren Orten der folgenden Strecke gibt es keine Tankstelle, und das Mobilfunknetz kann je nach Anbieter schwach werden.

Abstecher zu den Feuchtgebieten von Crescent Lake

Im Westen, schon im Nebraska Panhandle, ist das Wasser aus dem Sand offen zu sehen. Südlich des Highway 2 schützt das Crescent Lake National Wildlife Refuge auf mehr als 18.600 Hektar Wiesen, die vom Grundwasser feucht gehalten werden, außerdem Hochflächen und Feuchtgebiete. Gegründet wurde es 1931 als Brutgebiet für Zugvögel.

Unregelmäßige offene Wasserflächen und Grasinseln in einer Feuchtwiese zwischen niedrigen, grasbewachsenen Sandhügeln.
Feuchtgebiete im Crescent Lake National Wildlife Refuge, Nebraska (Aquarell).

Die ausgeschilderte Zufahrt zweigt kurz vor Antioch, knapp 13 Kilometer westlich von Ellsworth, nach Süden ab. Für die Schotterstraßen und einspurigen Asphaltwege dahinter setzt Recreation.gov etwa eine Stunde Fahrt an, mit dem Rückweg also rund zwei Stunden zusätzlich zur Zeit im Schutzgebiet. Offen ist es von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang, den Zustand der Zufahrten nennt der Fish and Wildlife Service.

Alliance: eine Bibliothek und ein Kreis aus Autos

In Alliance endet die Strecke. Nach Angaben des Carnegie Arts Center war das Haus die erste Bibliothek der Stadt, gebaut mit einem Zuschuss, den eine Frauengruppe eingeworben hatte. In den 1980er Jahren war es baufällig, die Bibliothek zog aus. Eine Künstlergruppe aus Alliance sammelte Geld und baute die frühere Carnegie-Bibliothek zum Kunstzentrum um. Heute zeigt es wechselnde Ausstellungen, der Eintritt ist frei.

Zwei helle Pfeiler tragen einen Dreiecksgiebel über einer zurückgesetzten Holztür; eine kurze Steintreppe und zwei Lampen stehen davor.
Eingang des Carnegie Arts Center in Alliance, Nebraska, Ansicht von 1993 (Aquarell).

Rund vier Kilometer nördlich der Stadt steht an Highway 87 Carhenge: Stonehenge in Größe und Anordnung, nachgebaut aus 39 Autos. Jim Reinders hatte das Vorbild in England studiert und errichtete die Anlage als Denkmal für seinen Vater, der auf dieser Farm gelebt hatte. Gebaut hat er sie im Juni 1987 mit seiner Familie, rund 35 Leuten, eingeweiht wurde sie zur Sommersonnenwende desselben Jahres.

Aus der Nähe zeigt sich, wie aus Autos Steine wurden. Ein einheitliches Grau überzieht alle Wagen. Die aufrechten stecken teils mit dem Heck gut eineinhalb Meter tief im Boden, die Bögen darüber sind verschweißt, und den Fersenstein vertritt ein Cadillac von 1962. Neben dem Kreis sind im Car Art Reserve weitere Autoskulpturen entstanden, darunter Reinders’ „Fourd Seasons“ aus Fords, angelehnt an Vivaldis „Vier Jahreszeiten“. Seit 2013 gehört Carhenge der Stadt Alliance. Es ist an jedem Tag des Jahres von der Morgen- bis zur Abenddämmerung kostenlos zugänglich.

Detailkarte von Alliance: im Süden der Karte das Carnegie Arts Center an der 4th Street, von dort über NE 87 (Flack Avenue, weiter County Road 59) nach Norden zur Zufahrt am Parkbereich von Carhenge; Objektpunkte und Straßenendpunkte getrennt markiert; Maßstabsleiste 1 Kilometer.

Zwei Tage planen

Der erste Tag führt von Grand Island über Broken Bow und Halsey nach Thedford. Das sind gut 230 Kilometer und knapp drei Stunden reine Fahrt; der Abstecher zum Bessey Recreation Complex kostet nur wenige Minuten mehr. Dazu kommen nach unserer Planung etwa eine Stunde im Museum und ein bis anderthalb Stunden im Erholungsgebiet. Der zweite Tag von Thedford nach Alliance umfasst rund 200 Kilometer und etwa zweieinhalb Stunden Fahrt, dazu etwa 45 Minuten im Carnegie Arts Center und eine halbe Stunde oder etwas mehr in Carhenge. Die Fahrzeiten sind Planwerte ohne Pausen. Der Turm, Crescent Lake und andere Halte kommen hinzu.

Der Plan setzt voraus, dass Museum und Kunstzentrum an den gewählten Tagen geöffnet haben. Beide öffnen nicht an jedem Wochentag, und ihre Zeiten wechseln mit der Saison. Die Angaben für den Reisetermin stehen auf den Seiten des Custer County Museum und des Carnegie Arts Center.

Die Rückfahrt ist in diesen zwei Tagen nicht enthalten. Wer von Alliance zurück nach Grand Island muss, fährt dieselbe Strecke noch einmal oder plant eine andere Route mit eigener Zeit.

Fragen und Antworten

Wie lang ist die Sandhills Journey?

Knapp 440 Kilometer auf dem Nebraska Highway 2 zwischen Grand Island und Alliance. Mit einer Nacht in Thedford teilt sich die Fahrt in gut 230 und rund 200 Kilometer.

Wo übernachtet man unterwegs?

Für die Mitte der Strecke bietet sich Thedford an, mit Unterkünften, Restaurants und Tankstellen. In Halsey gibt es ein Hotel, im Bessey Recreation Complex einen Campingplatz, von dem ein Teil der Plätze zeitweise reserviert werden kann.

Wo kann man tanken?

Unter anderem in Thedford. In Sweetwater, Hazard, Halsey, Seneca, Whitman, Ashby, Bingham, Ellsworth, Lakeside und Antioch gibt es kein Benzin. Vor den langen Abschnitten im Westen lohnt es sich deshalb, den Tank zu füllen.

Kann man auf den Scott Lookout Tower steigen?

Nein. Der Turm wurde beim Bovee-Feuer 2022 beschädigt. Man kann bis zu ihm fahren oder wandern und ihn von außen ansehen, aber nicht betreten. Den aktuellen Stand nennt der Forest Service.

Ändert sich unterwegs die Uhrzeit?

Ja. Von Grand Island bis kurz vor Seneca gilt Central Time, von Seneca bis Alliance Mountain Time. In Fahrtrichtung Westen stellt man die Uhr eine Stunde zurück.

Kostet Carhenge Eintritt?

Nein. Carhenge ist an jedem Tag des Jahres von der Morgen- bis zur Abenddämmerung kostenlos zugänglich, Spenden sind erwünscht.

Weiterführende Informationen

  1. Nebraska Department of Transportation: Scenic Byways
  2. Federal Highway Administration: Sandhills Journey Scenic Byway
  3. Sandhills Journey National Scenic Byway: About the Sandhills Journey
  4. Sandhills Journey National Scenic Byway: Visitor Information
  5. University of Nebraska–Lincoln: A Kingdom of Grass: The Nebraska Sandhills
  6. Custer County Historical Society: Custer County Museum
  7. USDA Forest Service: Nebraska National Forest – Bessey/Halsey
  8. USDA Forest Service: Charles E. Bessey Tree Nursery
  9. USDA Forest Service: Scott Lookout Tower
  10. USDA Forest Service: Bessey Recreation Complex and Campground
  11. U.S. Fish and Wildlife Service: Crescent Lake National Wildlife Refuge
  12. Recreation.gov: Crescent Lake National Wildlife Refuge
  13. Carhenge: History
  14. Carhenge: Contact Us
  15. Visit Alliance: Attractions
  16. Carnegie Arts Center: Visit Us
  17. KOLN: Carnegie Arts Center: A destination for art enthusiasts in western Nebraska

Angaben zu Öffnungszeiten, Eintritt, Angeboten und Zugänglichkeit können sich ändern. Maßgeblich sind die verlinkten Stellen.

Dieser Beitrag beruht auf Recherche in den genannten Quellen.

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