Nashville und Memphis: vier Nächte für Country, Blues und Soul
Nashville erzählt Country als Bühne, Radiosendung und Studio, Memphis vom Blues über Rock ’n’ Roll und Soul bis zu Elvis Presley und zur Bürgerrechtsbewegung. Unser Vorschlag verbindet beide Städte mit vier Nächten.

Drei Orte in Nashville und fünf in Memphis tragen diesen Vorschlag. Jeder steht für einen anderen Teil der Musikgeschichte, und jeder braucht seine eigene Zeit. Verbunden sind beide Städte durch die Interstate 40, nach unserer Modellrechnung rund 340 Kilometer und knapp vier Stunden reine Fahrzeit ohne Verkehr und Pausen.

Nashville: ein Saal, ein Museum, ein Studio
Das Ryman Auditorium wurde als Gotteshaus gebaut. 1892 eröffnete es als Union Gospel Tabernacle. Möglich machten den Bau vor allem der Einsatz des Predigers Sam Jones und die Spenden des Dampfschiffkapitäns Tom Ryman. Nach Rymans Tod erhielt das Haus dessen Namen. Von 1943 bis 1974 kam aus diesem Saal die Grand Ole Opry, die Live-Radiosendung des Senders WSM. Die Tennessee Encyclopedia sieht in ihrer wirtschaftlichen Kraft und Anziehung die Hauptgründe dafür, dass Nashville zu einem Zentrum für Aufnahmen und Musikgeschäft wurde. Am benachbarten Broadway wuchs in jenen Jahren eine Szene aus Honky-Tonks, einfachen Musikkneipen. Heute geht man in etwa einer Stunde selbstständig durch den Ryman. Backstage-Führung und eigener Rundgang dauern zusammen etwa anderthalb Stunden. Wie weit die Führung hinter die Bühne reicht, hängt vom Veranstaltungs- und Produktionsplan des Hauses ab.

Die Country Music Hall of Fame and Museum, ein gemeinnütziges Museum, sammelt Kostüme, Instrumente, Aufnahmen, Liedmanuskripte und Filmmaterial aus der Geschichte der Country-Musik. Ihr Kern ist die eigentliche Ruhmeshalle mit Ehrentafeln für Musiker, Songschreiber und Leute aus der Branche. Der Betreiber empfiehlt für den Rundgang mindestens zwei Stunden.
Vom Museum fahren Busse zum Historic RCA Studio B an der Music Row. Die Führung gibt es nur zusammen mit dem Museumseintritt, die Plätze sind begrenzt. Das Studio wurde 1957 gebaut und steht für den „Nashville Sound“, einen Stil mit Hintergrundchören und Streichern, der dazu beitrug, Nashville als internationales Aufnahmezentrum zu etablieren. Bis 1977 betrieb es RCA Records. Nach Angaben des Museums nahmen hier Elvis Presley und Dolly Parton auf, sie 1971 „Coat of Many Colors“. Museum und Studio planen wir zusammen als halben Tag.
Das Grand Ole Opry House am Opry Mills Drive ist seit dem 16. März 1974 die Bühne der Sendung, einen Tag nach dem letzten Abend im Ryman. Wir sehen es als Möglichkeit für einen Abend, wenn eine Vorstellung oder Führung frei ist. Die Führung nach der Show setzt ein Showticket voraus.

Memphis: vom Blues bis zum Lorraine Motel
An der Ecke von Union Avenue und Marshall Avenue eröffnete der Radiotechniker Sam Phillips 1950 den Memphis Recording Service. Er nahm Hochzeiten auf, Amateure, die sich einmal auf Platte hören wollten, und schwarze Musiker wie B. B. King, deren Bänder er an andere Plattenfirmen verpachtete. 1952 gründete er das eigene Label Sun. Im Sommer 1954 gelang hier Elvis Presley, dem Gitarristen Scotty Moore und dem Bassisten Bill Black eine Musik, die sich gut verkaufte. Carl Perkins, Jerry Lee Lewis und Johnny Cash folgten. 1960 zog Phillips mit dem Studio in größere Räume. Der alte Aufnahmeraum, früher eine Kühlerwerkstatt, misst rund neun mal fünfeinhalb Meter. In ihm finden heute die Führungen statt.
Sun Studio verkauft Tickets nur vor Ort und nur für denselben Tag, solange Plätze frei sind. Der Betreiber rät, früh am Tag zu kommen und ein Ticket für später zu kaufen, und empfiehlt eine bis anderthalb Stunden Aufenthalt. Kinder unter fünf Jahren dürfen nicht an der Führung teilnehmen.
Gut anderthalb Kilometer sind es nach Angaben des Studios bis zur Beale Street. Die Tennessee Encyclopedia beschreibt sie als einstigen kulturellen Mittelpunkt des afroamerikanischen Memphis, Sitz von Kirchen, Politik und Bürgerrechtsarbeit. Der Kapellmeister W. C. Handy, der den ländlichen Blues in Noten fasste, wurde hier als „Father of the Blues“ bekannt. Ab 1969 ließ die Stadt bei der Stadterneuerung 474 Gebäude abreißen. Heute ist die Straße als historischer Bezirk ausgewiesen, ihre Lokale wurden für Besucher wieder geöffnet.
Soul kam bei Stax aus einem ehemaligen Kino. 1960 mieteten die Geschwister Jim Stewart und Estelle Axton das Capitol an der East McLemore Avenue. Nach der Tennessee Encyclopedia prägte der geneigte Saalboden den Klang der Aufnahmen. Aus den ersten Buchstaben ihrer Nachnamen entstand der Name Stax. Hausband wurden Booker T. and the MGs, schwarze und weiße Musiker gemeinsam, und auch die Firma selbst war nicht nach Hautfarbe getrennt. 1975 und 1976 endete Stax im Konkursverfahren. Das Museum steht am ursprünglichen Ort, das Studio A ist dort mit seinem geneigten Boden nachgebaut. Montags ist das Museum geschlossen.

Graceland wurde 1939 südlich von Memphis gebaut. Im Frühjahr 1957 kaufte der 22-jährige Elvis Presley das Anwesen. Es blieb sein Zuhause bis zu seinem Tod am 16. August 1977, begraben liegt er im Meditation Garden auf dem Gelände. Seit 1982 ist Graceland für Besucher geöffnet. Die Tennessee Encyclopedia erklärt Presleys Erfolg mit seiner eigenen Verbindung von Country, Blues und Gospel des Südens. Für das Haus allein nennt der Betreiber eine bis anderthalb Stunden, für den umfassenden Rundgang mit Automuseum und weiteren Ausstellungen zweieinhalb bis dreieinhalb Stunden. Die Touren beginnen zu festen Zeiten.
Das Lorraine Motel war in der Zeit der Rassentrennung eine Adresse für schwarze Reisende. Das National Civil Rights Museum nennt Gäste wie Louis Armstrong, Nat King Cole, Aretha Franklin und Otis Redding und schreibt, im Motel seien zwei bekannte Lieder entstanden, darunter Eddie Floyds „Knock on Wood“. Im April 1968 wurde Martin Luther King Jr. hier auf dem Balkon vor Zimmer 306 erschossen. Er war nach Memphis gekommen, um den Streik der überwiegend afroamerikanischen Müllarbeiter zu unterstützen. Seit 1991 gehört ein Teil des Motels zum Museum, das die Geschichte der Bürgerrechtsbewegung erzählt. Der Betreiber rechnet mit anderthalb bis zwei Stunden. Zeitfenstertickets gibt es online, ohne Ticket kommt man nur nach Verfügbarkeit hinein. Dienstags ist das Museum geschlossen.

Wie sich die Tage verteilen
Aus unserer Sicht passen vier Nächte, je zwei in Nashville und in Memphis, mit Abreise ab Memphis. Am Ankunftstag reicht die Zeit je nach Ankunft für den Ryman. Der zweite Tag gehört dem Museum und dem Studio B, abends kommt das Opry House in Frage, wenn Termine frei sind. Am dritten Tag fährt man nach Memphis, mit Pausen ist das ein halber Tag. Sun Studio kommt am Nachmittag nur dazu, wenn es noch Tickets gibt, der Abend gehört der Beale Street. Den vierten Tag teilen sich Graceland und das Civil Rights Museum. Fällt er auf einen Dienstag, tritt Stax an die Stelle des Museums. Vor der Abreise bleibt je nach Uhrzeit Raum für Stax oder das ausgelassene Museum.
Sind am Fahrtag keine Sun-Tickets mehr frei, würden wir das Studio nicht noch in den vierten Tag zwängen, der mit Graceland und dem Museum schon voll ist. Wer alle Orte sehen möchte, plant besser eine dritte Nacht in Memphis. Dann trägt der fünfte Tag Stax, Sun Studio und die Beale Street. Montag und Dienstag sollten so liegen, dass Stax und das Civil Rights Museum an verschiedenen Tagen geöffnet sind.
Drei Nächte, eine in Nashville und zwei in Memphis, verlangen eine Auswahl. Hall of Fame und Ryman am selben Tag gehen nur bei früher Ankunft, Studio B und das Opry House entfallen, und in Memphis bleibt ein Museum offen. Wer nach Nashville zurück muss, rechnet für die Rückfahrt einen weiteren halben Tag ein. Ob sich ein Mietwagen in der anderen Stadt zurückgeben lässt, klärt man vorab mit dem Vermieter.
Fragen und Antworten
Wie viele Nächte braucht man für Nashville und Memphis?
Wir empfehlen vier Nächte, zwei in jeder Stadt. Wer Sun Studio, Stax, Graceland und das National Civil Rights Museum alle besuchen möchte, plant insgesamt fünf Nächte, davon drei in Memphis, und legt die Tage so, dass Stax nicht auf einen Montag und das Museum nicht auf einen Dienstag fällt.
Kann man reguläre Führungen im Sun Studio im Voraus buchen?
Nein. Tickets für eine bestimmte Uhrzeit verkauft Sun Studio nur vor Ort und nur für denselben Tag, solange Plätze frei sind. Auch ein Gutschein reserviert keinen Termin, wenn die Führungen eines Tages ausverkauft sind. Der Betreiber rät, früh zu kommen und ein Ticket für später am Tag zu kaufen.
Welche Museen haben Ruhetage?
Das Stax-Museum ist montags geschlossen, das National Civil Rights Museum dienstags. Die Country Music Hall of Fame schließt an einzelnen Feiertagen und zur jährlichen Aufnahmezeremonie. Die aktuellen Zeiten stehen auf den Seiten der Betreiber.
Wie lange fährt man von Nashville nach Memphis?
Nach unserer Modellrechnung rund 340 Kilometer auf der Interstate 40 und knapp vier Stunden reine Fahrzeit ohne Verkehr und Pausen. Mit Pausen planen wir einen halben Tag.
Was ist das Besondere am Studio B?
Das 1957 gebaute RCA-Studio an der Music Row steht für den „Nashville Sound“ mit Hintergrundchören und Streichern. Die Führung startet an der Country Music Hall of Fame and Museum und ist nur zusammen mit dem Museumseintritt buchbar.
Weiterführende Informationen
- Country Music Hall of Fame and Museum: Plan Your Visit
- Country Music Hall of Fame and Museum: Museum Policies and FAQ
- Country Music Hall of Fame and Museum: Studio B
- Country Music Hall of Fame and Museum: Tour Studio B
- Tennessee Encyclopedia (Tennessee Historical Society): Country Music Hall of Fame and Museum
- Ryman Auditorium: History of Nashville Auditorium
- Ryman Auditorium: Ryman Auditorium Tours
- Tennessee Encyclopedia (Tennessee Historical Society): Ryman Auditorium
- Grand Ole Opry: Tour the Opry
- Grand Ole Opry: Directions, Parking, & Transportation
- Tennessee Encyclopedia (Tennessee Historical Society): Grand Ole Opry
- Sun Studio: Visit
- Sun Studio: About
- Tennessee Encyclopedia (Tennessee Historical Society): Sun Records
- Tennessee Encyclopedia (Tennessee Historical Society): Beale Street
- National Park Service, NPGallery: Beale Street Historic District
- Stax Museum of American Soul Music: Stax Museum of American Soul Music
- Stax Museum of American Soul Music: Collection
- Stax Museum of American Soul Music: About Stax Museum
- Tennessee Encyclopedia (Tennessee Historical Society): Stax Records
- Graceland: History
- Graceland: Tips for Visiting Graceland
- Tennessee Encyclopedia (Tennessee Historical Society): Graceland
- National Civil Rights Museum: Visit
- National Civil Rights Museum: The Famous Lorraine Motel
- Tennessee Encyclopedia (Tennessee Historical Society): National Civil Rights Museum
Angaben zu Öffnungszeiten, Eintritt, Angeboten und Zugänglichkeit können sich ändern. Maßgeblich sind die verlinkten Stellen.
Weiterführende Webseiten für unsere Community:
Dieser Beitrag beruht auf Recherche in den genannten Quellen.
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