Ein oder zwei Tage am Blue Ridge Parkway
Der Blue Ridge Parkway führt durch Virginia und North Carolina. Wer nur einen oder zwei Tage hat, wählt einen Abschnitt, und die Mileposts am Straßenrand machen die Rechnung einfach.

Der Blue Ridge Parkway verbindet den Shenandoah-Nationalpark in Virginia mit den Great Smoky Mountains in North Carolina, rund 755 Kilometer weit. Nach der Faustregel des National Park Service kommt man auf ihm in einer Stunde etwa 48 Kilometer voran. Für die ganze Strecke wären das gut 15 Stunden reine Fahrzeit. Wer einen oder zwei Tage hat, sucht sich deshalb einen Abschnitt aus.
Rechnen mit Mileposts

Am Rand des Parkways steht nach jeder Meile, also alle gut 1,6 Kilometer, ein Pfosten aus Beton. Die Zählung beginnt mit Milepost 0 am Rockfish Gap in Virginia und endet mit Milepost 469 bei Cherokee in North Carolina. Der NPS verwendet die Mileposts als Adressen, und die offizielle Karte ist nach ihnen geordnet. Navigationsgeräte kennen diese Adressen nicht. Der NPS rät deshalb, mit dem Gerät nur einen Ort nahe der Straße anzusteuern und dann den Schildern zu folgen.
Aus zwei Mileposts lässt sich die Strecke dazwischen ablesen. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 72 km/h, oft ist weniger erlaubt. Die Fahrt kostet nichts, Tankstellen gibt es am Parkway aber keine, nur an den Zufahrten. Das Mobiltelefon hat an vielen Stellen keinen Empfang.
Virginia: Humpback Rocks und Peaks of Otter

Gut 9 Kilometer hinter dem Nordende liegt Humpback Rocks. Während des Baus sammelten Landschaftsarchitekten in der Umgebung alte Gebäude und stellten sie hier auf. Die Farm zeigt nach Angaben des NPS das Leben in den Bergen in den 1890er-Jahren: Blockhütte, Hühnerstall, Erdkeller, Scheune, einen gegen Bären gesicherten Schweinestall und ein Quellhaus. Ein kurzer Weg führt vom Besucherzentrum hinüber. Im Sommer sind die Gebäude geöffnet und besetzt, im Winter kann man den Weg trotzdem gehen und sie von außen ansehen. Hinauf zu den Felsen ist es kurz, aber steil.
Bei Milepost 85.6, nach unserer Rechnung rund 128 Kilometer und gut zweieinhalb Stunden weiter, folgt Peaks of Otter. Schon im 19. Jahrhundert öffneten die Bewohner hier ihre Häuser für Gäste, die sich in den Bergen erholen wollten. Polly Wood’s Ordinary, eine frühe Schänke, war von den 1830er-Jahren an die erste Unterkunft der Gegend. Heute steht die Lodge am Abbott Lake, darüber der spitze Gipfel des Sharp Top.
Mabry Mill

Gut 145 Kilometer und etwa drei Stunden weiter südlich steht bei Milepost 176 die Mühle von Ed und Lizzie Mabry. Der NPS hat ihre Geschichte aufgeschrieben. Die beiden heirateten 1891 und gingen später für drei Jahre nach West Virginia, wo Ed als Schmied für ein Kohlebergwerk arbeitete. Danach kehrten sie zurück und zogen dorthin, wo heute die Mühle steht. Als Erstes baute Ed 1900 und 1901 eine Schmiede und Stellmacherei. Zwischen 1903 und 1905 erwarben die beiden Land und Wasserrechte, die Mühle war wohl 1908 fertig, bis 1910 kam ein Sägewerk dazu. Drei Jahrzehnte lang mahlten sie Mais, sägten Holz und schmiedeten, bis Ed in den 1930er-Jahren krank wurde.
Sägewerk und Schmiede stehen noch, innen sind sie nur in der Saison zugänglich. Ein 800 Meter langer Weg führt an den Gebäuden vorbei. An Wochenenden im Sommer und Frühherbst gibt es Vorführungen, und seit Jahrzehnten wird hier am Sonntagnachmittag Musik gespielt und getanzt.
Bei Blowing Rock: Moses Cone und das Viadukt

In North Carolina, bei Milepost 294, baute der Textilunternehmer Moses H. Cone um 1900 mit seiner Frau Bertha einen Sommersitz. Nach Angaben des NPS ließ er rund 40 Kilometer Kutschwege sorgfältig so anlegen, dass sie in sanften Kurven verlaufen und weite Ausblicke bieten. 1949 schenkte die Familie das Anwesen dem National Park Service. Zum Herrenhaus Flat Top Manor gehört heute ein Laden der Southern Highland Craft Guild für Kunsthandwerk.
Gut 16 Kilometer weiter zieht sich der Linn Cove Viaduct in Kurven am Hang des Grandfather Mountain entlang. Dass die Straße hier auf Pfeilern steht, hat einen Grund: Der Berg sollte beim Bau so wenig wie möglich verletzt werden. Eine Baustraße gab es nicht: Die Fahrbahn wurde nach Angaben des NPS aus vorgefertigten Betonteilen zusammengesetzt und von oben vorgebaut, über das jeweils schon fertige Stück. Am Boden entstanden nur die Fundamente für sieben Pfeiler. Damit sich das Viadukt in den Hang fügt, wurde der Beton mit Eisenoxid eingefärbt und so dem Farbton der Felsen angepasst.
1987 wurde das Viadukt für den Verkehr geöffnet. Damit war der Parkway fertig, 52 Jahre nach Baubeginn, und der Umweg von gut 22 Kilometern über die US 221 entfiel. Wie das Bauwerk am Hang liegt, sieht man nur von außen, denn auf dem Viadukt darf man nicht halten. Den Blick darauf hat man von Aussichtspunkten in der Nähe und vom Tanawha Trail, der an der Rough Ridge über Holzstege führt.
Von Asheville bis Waterrock Knob

Das Blue Ridge Parkway Visitor Center bei Milepost 384 in Asheville ist das ganze Jahr geöffnet, nur an drei Feiertagen nicht. Südlich davon führt der Parkway durch die meisten seiner 26 Tunnel. Zwischen dem Besucherzentrum und Waterrock Knob zählen wir in der Liste des NPS zwölf. Licht gibt es in den Tunneln nicht, man fährt mit Abblendlicht.
Bei Milepost 431.4 erreicht die Straße am Richland Balsam mit knapp 1.845 Metern ihren höchsten Punkt. Knapp 32 Kilometer weiter liegt Waterrock Knob, auf rund 1.774 Metern das höchstgelegene Besucherzentrum des Parkways. Von dort blickt man weit über mehrere Bergketten der Appalachen. Das Wetter oben ist nach Angaben des NPS oft ganz anders als im Tal. Vom Besucherzentrum in Asheville sind es auf dem Parkway rund 108 Kilometer, gut zwei Stunden reine Fahrzeit.
Den Abschnitt wählen
Welcher Abschnitt passt, hängt vor allem von drei Fragen ab: wie viele Stunden man am Steuer sitzen will, wie viel man zu Fuß gehen möchte und was in der gewählten Jahreszeit geöffnet ist. Die Straße ist nach Angaben des NPS ganzjährig geöffnet, durchgehend befahrbar ist sie deshalb nicht immer. Abschnitte können wegen Wetter oder Bauarbeiten gesperrt sein, im Winter wegen Eis und Schnee auch lange, und Sperrungen kommen auch plötzlich. Die meisten Besucherzentren, Campingplätze und Picknickplätze sind nur von Frühjahr bis Herbst geöffnet. Am dichtesten ist der Verkehr im Juni, Juli, August und Oktober, vor allem an Wochenenden. Die Herbstfarben kommen meist Mitte bis Ende Oktober.
Nach unserer Einschätzung passt ein Tag zu einem der drei Abschnitte: im Norden von Humpback Rocks bis Peaks of Otter, bei Blowing Rock mit kurzer Fahrt und mehr Zeit zu Fuß oder von Asheville bis Waterrock Knob. Mit zwei Tagen lässt sich im Norden Mabry Mill anschließen, mit einer Nacht bei Peaks of Otter. Ob ein Vorschlag fahrbar ist, zeigt die Seite des NPS zum Straßenzustand. Am Stück fährt man einen Abschnitt nur, wenn die Teilstücke zwischen den gewählten Halten offen sind. Ist ein Teilstück gesperrt, lassen sich einzelne Halte nur dann über eine Zufahrt von außen erreichen, wenn der Halt geöffnet und die Zufahrt frei ist. Auch das zeigt diese Seite.
Fragen und Antworten
Wie lange braucht man für den ganzen Parkway?
Nach der Faustregel des NPS, etwa 48 Kilometer in der Stunde, gut 15 Stunden reine Fahrzeit für rund 755 Kilometer. Halte, Wetter und Verkehr kommen hinzu.
Gibt es am Parkway Tankstellen?
Nein. Tankstellen liegen nach Angaben des NPS nur an den Zufahrten abseits der Straße. Man tankt deshalb vor einem längeren Abschnitt.
Kostet die Fahrt Eintritt?
Nein, für die Fahrt auf dem Parkway verlangt der NPS keine Gebühr. Zahlen muss man auf den Campingplätzen.
Ist der Parkway das ganze Jahr durchgehend befahrbar?
Nein. Die Straße ist ganzjährig geöffnet, aber Abschnitte können wegen Wetter oder Bauarbeiten gesperrt sein, im Winter wegen Eis und Schnee manchmal lange. Welche Teilstücke offen sind, zeigt der NPS auf seiner Seite zum Straßenzustand.
Kann man am Linn Cove Viaduct halten?
Auf dem Viadukt selbst nicht. Den Blick darauf hat man von Aussichtspunkten in der Nähe und vom Tanawha Trail an der Rough Ridge.
Weiterführende Informationen
- National Park Service, Blue Ridge Parkway: Getting Around
- National Park Service, Blue Ridge Parkway: Directions
- National Park Service, Blue Ridge Parkway: Auto Touring
- National Park Service, Blue Ridge Parkway: Driving Safety
- National Park Service, Blue Ridge Parkway: Tunnel Heights
- National Park Service, Blue Ridge Parkway: Frequently Asked Questions
- National Park Service, Blue Ridge Parkway: Fees & Passes
- National Park Service, Blue Ridge Parkway: Visitor Centers
- National Park Service, Blue Ridge Parkway: Winter Recreation
- National Park Service, Blue Ridge Parkway: Humpback Rocks (MP 5.8)
- National Park Service, Blue Ridge Parkway: Peaks of Otter (MP 85.6)
- National Park Service, Blue Ridge Parkway: Mabry Mill (MP 176)
- National Park Service: Ed and Lizzie Mabry
- National Park Service, Blue Ridge Parkway: Moses H. Cone Memorial Park (MP 294)
- National Park Service, Blue Ridge Parkway: Linn Cove Viaduct
- National Park Service, Blue Ridge Parkway: Linn Cove Viaduct (History & Culture)
- National Park Service: Richland Balsam Overlook
- National Park Service, Blue Ridge Parkway: Waterrock Knob (MP 451.2)
- National Park Service, Blue Ridge Parkway: Road Status and Closures
Angaben zu Öffnungszeiten, Eintritt, Angeboten und Zugänglichkeit können sich ändern. Maßgeblich sind die verlinkten Stellen.
Weiterführende Webseiten für unsere Community:
Dieser Beitrag beruht auf Recherche in den genannten Quellen.
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