Die Mammoth Cave von unten und von oben
In die Gänge der Mammoth Cave in Kentucky kommt man nur mit einem Tourticket, und die Touren unterscheiden sich stark: in Dauer, Stufen und Enge, vor allem aber darin, welchen Teil der Höhle sie zeigen. Wer weiß, wie die Gänge entstanden sind, findet leichter die passende. Über der Höhle liegen Wald, Dolinen und der Green River.

Hinter dem Visitor Center führt ein steiler, gepflasterter Weg etwa 400 Meter hinab zum Historic Entrance, der größten natürlichen Öffnung des Höhlensystems. Der Eingang ist jederzeit frei zugänglich. Ist gerade keine Tour unterwegs, kann man 65 Stufen hinabsteigen und etwa 90 Meter weit in die Öffnung hineingehen, bis ein Gittertor den Weg versperrt. Durch diesen Eingang stiegen vor 4.000 bis 5.000 Jahren die ersten Menschen in die Höhle, um Mineralien zu holen. Später wurde hier Salpeter abgebaut, und seit 1816 kommen Besucher.
Kalk, Wasser und fünf Stockwerke

Die Mammoth Cave ist eine Lösungshöhle. Regenwasser sickert durch den Boden und nimmt dabei Kohlendioxid auf. So entsteht eine schwache Säure. Sie dringt in feine Risse und Fugen des Kalksteins und löst ihn. Aus den Rissen werden Kanäle, durch die das Wasser leichter fließt, und aus den Kanälen mit der Zeit Gänge, die groß genug für Menschen sind.
Gestein und Gänge trennen mehr als 300 Millionen Jahre. Der Kalkstein entstand vor etwa 330 Millionen Jahren in einem warmen, flachen Meer, das damals weite Teile des heutigen amerikanischen Südens bedeckte. Die Gänge begannen sich erst vor etwa 10 bis 15 Millionen Jahren zu bilden, als Bäche an der Oberfläche Wasser durch kleine Risse in den Fels sickern ließen.
Heute liegen die Gänge in fünf Ebenen übereinander: vier ältere, die das Wasser verlassen hat, und darunter die heutige Flussebene, mehr als 90 Meter unter der Oberfläche. Entstanden sind die Stockwerke durch einen Vorgang, der sich mehrmals wiederholte. Am Grundwasserspiegel oder knapp darunter löst das Wasser Röhren, die ganz mit Wasser gefüllt sind. Sinkt der Spiegel, laufen die oberen Röhren leer und trocknen. Weiter unten beginnt dieselbe Arbeit von Neuem. Abgeschlossen ist das nicht: Noch immer fließen unterirdische Flüsse aus der Höhle in den Green River.
Dass so viele Gänge trocken sind, hat auch mit dem zu tun, was über ihnen liegt. Auf dem Kalk ruht eine Schicht aus Schieferton, die kaum Wasser durchlässt und die Gänge darunter vor eindringendem Wasser schützt. Ganz oben auf den Höhenzügen liegt meist Sandstein, der der Verwitterung widersteht. Nur an einzelnen Stellen sickert Wasser in die Höhle, und dort finden sich Tropfsteine. Für die Wahl der Tour ist das die erste Unterscheidung.
Große Gänge oder Tropfsteine
Hinter das Gittertor kommt man nur mit einem Ticket für eine Tour, und fast alle Touren führt ein Ranger. Die Auswahl wechselt mit den Jahreszeiten. Nicht jede Tour wird an jedem Tag angeboten, und gefragte Termine sind oft Wochen im Voraus ausgebucht. Viele Touren überschneiden sich. Es lohnt deshalb, zuerst zu entscheiden, was man sehen möchte, und erst dann nach Stufen, Enge und Dauer zu wählen.
Wer die großen Räume sehen will, nach denen die Höhle benannt ist, beginnt am Historic Entrance. Die Historic Tour führt in zwei Stunden über gut drei Kilometer zuerst durch weite Gänge und dann in engere Abschnitte. Einer davon ist Fat Man's Misery, ein Gang in Form eines Schlüssellochs: Oben verläuft die ovale Röhre, die einmal voller Wasser stand, darunter eine schmale Rinne, die der Bach einschnitt, als der Spiegel sank. Am Mammoth Dome, einem über 57 Meter hohen Schacht, liegen allein 155 der insgesamt 540 Stufen. Eine Ausweichroute gibt es auf dieser Tour nicht.
Einer der bekanntesten Tropfsteinbereiche, Frozen Niagara, liegt in einem anderen Teil der Höhle. Dorthin fährt ein Bus vom Visitor Center. Die Tour Domes and Dripstones beginnt in einer Doline und steigt über 280 Stufen durch senkrechte Schächte hinab, bevor sie nach zwei Stunden bei Frozen Niagara endet. Mit allen Treppen sind es gut 600 Stufen. Wer weniger klettern möchte, bucht Frozen Niagara allein: eine gute Stunde, etwa 400 Meter Weg und 64 Stufen, dazu 98 weitere, die man auslassen kann. Beide Touren zusammen zu buchen lohnt sich nicht, denn Domes and Dripstones enthält die ganze Strecke von Frozen Niagara.

Für Familien mit kleinen Kindern oder Besucher, die keine Enge mögen, ist die Mammoth Passage Tour gedacht. Sie bleibt in den großen Räumen hinter dem Historic Entrance, auf breiten Wegen und mit 135 Stufen. Tropfsteine sieht man dabei nicht. An ausgewählten Tagen gibt es davon eine Fassung ohne Führung, die Discovery Tour, ebenfalls mit Ticket. Ranger stehen dabei entlang des Weges für Fragen bereit. Ohne eine einzige Stufe kommt die Accessible Tour aus. Zu ihrem Aufzugseingang fahren die Teilnehmer im eigenen Auto in einer Kolonne. Rollstühle oder andere Hilfen stellt der Park nicht. Wer Unterstützung braucht, bringt eine Begleitperson mit.
Mehr Zeit im Fels verlangt die Grand Avenue Tour. Sie dauert vier Stunden, führt über mehr als 1.500 Stufen und enthält Frozen Niagara sowie fast die ganze Strecke von Domes and Dripstones. Daneben gibt es Kriechtouren abseits der ausgebauten Wege, für Kinder und für Erwachsene, jeweils mit Altersgrenzen und Vorgaben für Schuhe und Körpermaße. Auf den hier beschriebenen Touren müssen Kinder unter 16 Jahren von einem Erwachsenen ab 18 begleitet werden. Für die Kriechtouren gelten eigene Regeln.
In der Tiefe hat die Höhle rund 12 Grad. An den Eingängen schwankt die Temperatur stärker, vor allem im Winter, und draußen kann es im Sommer über 32 Grad heiß werden. Empfohlen sind feste Schuhe und eine leichte Jacke. Nach jeder Tour gehen alle Teilnehmer über Matten, auf denen die Schuhsohlen gereinigt werden. Das soll die Ausbreitung des Weißnasen-Syndroms bremsen, einer Pilzkrankheit, die Fledermäuse in Nordamerika tötet und seit 2012 auch in der Mammoth Cave nachgewiesen ist.
Salpeter und die ersten Führer
Bevor die Höhle Besucher anzog, war sie ein Bergwerk. Seit dem 18. Jahrhundert gewannen Sklaven in der Tiefe Salpeter, den wichtigsten Bestandteil des Schwarzpulvers. Im Krieg von 1812 wurde er dringend gebraucht. Die Männer arbeiteten in Kälte und Dunkelheit, manchmal von vor Sonnenaufgang bis nach Einbruch der Nacht, im Rauch der Öllampen und Feuer. Nach dem Krieg endete der Abbau, und aus dem Bergwerk wurde ein Ausflugsziel.
Unter den ersten Führern waren junge Sklaven. Stephen Bishop kam 1838 an die Höhle und führte schon als Jugendlicher Besucher. Er ging nicht nur die bekannten Wege, sondern erkundete neue Gänge. Nachdem er mit einem Besucher ein Hindernis namens Bottomless Pit überquert hatte, ließ sich ein großer Teil des Labyrinths dahinter erforschen. Den Mammoth Dome rechnet man ihm als Entdeckung zu. 1842 zeichnete er aus dem Gedächtnis eine Karte der erkundeten Gänge, die zwei Jahre später in einem Buch erschien. Bishop wurde später frei und starb 1857.
Auch Mat und Nick Bransford führten als Sklaven Besucher durch die Höhle. Ihre Familie blieb fast ein Jahrhundert dabei. Mats Enkel Matt und Louis führten noch bis 1937 und 1939. Als der National Park Service 1941 den Betrieb übernahm, wurde keiner der schwarzen Führer weiterbeschäftigt. Erst 2004 kehrte mit Jerry Bransford, einem Ururenkel Mats, wieder ein Mitglied der Familie als Führer an die Höhle zurück.
Über der Höhle
Die Landschaft über den Gängen gehört zur selben Geschichte. Im Karst sinkt an manchen Stellen der Boden ein, weil darunter Gestein gelöst wurde oder eine Höhle eingestürzt ist. So entstehen Dolinen, Senken im Gelände. Der Park nennt die Mammoth Cave die längste bekannte Höhle der Welt, mit mehr als 640 Kilometern vermessener Gänge. Von oben sieht man davon nur Wald, Hügel und solche Senken.
Eine besonders große ist Cedar Sink auf der Südseite des Parks, etwa zehn Autominuten vom Visitor Center entfernt. Vom Parkplatz am Ausgangspunkt führt ein knapp zwei Meter breiter Erdweg zur Doline. Über Treppen steigt man etwa 45 Meter in sie hinab und am anderen Ende wieder hinauf, insgesamt 295 Stufen. Unten ist der Boden fast eben. Im Frühjahr und Sommer blühen hier viele Wildblumen. Für den Weg rechnet man 45 bis 60 Minuten, dazu die Fahrt und etwas Zeit für die Parkplatzsuche, denn der Parkplatz kann voll sein.

Etwa sechs Autominuten vom Visitor Center entfernt setzt die Green River Ferry über den Fluss, in den die unterirdischen Flüsse münden. Die Fähre gibt es seit 1934, sie ist die letzte, die im Park noch verkehrt, und nimmt Autos, Wanderer und Radfahrer mit. Ob sie fährt, hängt vom Wasserstand ab. Vom Parkplatz an der Fähre beginnt der Echo River Spring Trail, ein barrierefreier Rundweg von etwa 1,6 Kilometern durch den Wald zu einer Quelle.

Mit zwei Nächten in der Umgebung
Für eine Geschichtstour, eine Tropfsteintour und die Landschaft darüber reichen zwei Nächte in der Umgebung des Parks. Die nächsten großen Flughäfen liegen in Nashville, etwa anderthalb Stunden Fahrt entfernt, und in Louisville, etwa 80 Minuten. Wer aus Louisville kommt, wechselt unterwegs von der Eastern in die Central Time, nach der sich auch die Tourzeiten richten.

Am ersten Tag fährt man an und plant die Historic Tour für den Nachmittag. Am Visitor Center sollte man mindestens 30 Minuten vor Beginn sein, um zu parken und die Tickets abzuholen. Vorher bleibt Zeit für den kurzen Weg zum Historic Entrance. Am zweiten Vormittag folgt Domes and Dripstones oder, mit weniger Stufen, Frozen Niagara. Am Nachmittag fährt man zu Cedar Sink und rechnet für Hin- und Rückfahrt, Parkplatz und Weg etwa anderthalb Stunden. Wer danach noch Zeit hat, fährt zum Parkplatz an der Fähre. Dort beginnt und endet der Weg zur Quelle. Über den Fluss setzen muss man dafür nicht. Am dritten Tag folgt die Rückfahrt zum Flughafen.
Fragen und Antworten
Kann man die Mammoth Cave ohne Führung besichtigen?
Den Historic Entrance kann man jederzeit frei ansehen und, wenn gerade keine Tour hindurchgeht, bis zum Gittertor kurz hinter der Öffnung hineingehen. Weiter kommt man nur mit einem Tourticket. Ohne Führung geht nur die Discovery Tour, die an ausgewählten Tagen angeboten wird. Ranger stehen dabei entlang des Weges für Fragen bereit.
Welche Tour passt für den ersten Besuch?
Wer Geschichte und große Gänge sehen will, nimmt die Historic Tour, wer Tropfsteine sucht, Domes and Dripstones oder die kürzere Frozen Niagara Tour. Mit kleinen Kindern oder bei Abneigung gegen Enge eignet sich die Mammoth Passage Tour, ohne Stufen die Accessible Tour.
Wie warm ist es in der Höhle?
In der Tiefe rund 12 Grad, an den Eingängen je nach Jahreszeit kälter oder wärmer. Empfohlen sind feste Schuhe und eine leichte Jacke.
Warum muss man nach der Tour über eine Matte gehen?
Die Reinigung der Schuhsohlen soll die Ausbreitung des Weißnasen-Syndroms bremsen, einer Pilzkrankheit, die Fledermäuse tötet. Sie gilt für alle Teilnehmer ohne Ausnahme.
Wie viel Zeit sollte man einplanen?
Für eine Tour in die großen Gänge, eine Tropfsteintour und einen Weg an der Oberfläche zwei Nächte in der Umgebung, mit An- und Abreise an drei Tagen. Zur Tour sollte man mindestens 30 Minuten vor Beginn am Visitor Center sein.
Weiterführende Informationen
- National Park Service, Mammoth Cave National Park: How Mammoth Cave Formed
- National Park Service, Mammoth Cave National Park: Rocks of Mammoth Cave
- National Park Service: Karst Landscapes
- National Park Service, Mammoth Cave National Park: Explore All Tours
- National Park Service, Mammoth Cave National Park: Cave Tours
- National Park Service, Mammoth Cave National Park: Frequently Asked Questions
- National Park Service: Mammoth Cave Historic Entrance
- National Park Service, Mammoth Cave National Park: African American History
- National Park Service: Stephen Bishop
- National Park Service, Mammoth Cave National Park: Timeline
- National Park Service, Mammoth Cave National Park: Bats
- National Park Service: Explore Wildflowers at Cedar Sink
- National Park Service: Green River Ferry
- National Park Service, Mammoth Cave National Park: Mammoth Cave Map & Guide
- National Park Service, Mammoth Cave National Park: Directions
- National Park Service: NPS Geodiversity Atlas – Mammoth Cave National Park, Kentucky
Angaben zu Öffnungszeiten, Eintritt, Angeboten und Zugänglichkeit können sich ändern. Maßgeblich sind die verlinkten Stellen.
Weiterführende Webseiten für unsere Community:
Dieser Beitrag beruht auf Recherche in den genannten Quellen.
Weiterlesen
Weitere passende Beiträge
-
Natur
Arches National Park: Wie aus Salz und Sandstein die Bögen entstehen
-
Natur
White Sands: Warum sich hier Dünen aus wasserlöslichem Gips halten
-
Routenvorschläge
Nashville und Memphis: vier Nächte für Country, Blues und Soul
-
Essen & Trinken
Bourbon und Handarbeit bei Maker's Mark in Loretto
-
Natur
Wo der Congaree den Wald überflutet
-
Saisonzeiten
Great Basin National Park zwischen Beifußsteppe, Grannenkiefern und Höhle
-
Natur
Ein Riff in der Wüste: die Guadalupe Mountains in Texas
-
Natur
Everglades: wie das Wasser die Landschaft ordnet
-
Natur
Crater Lake: der See im eingestürzten Mount Mazama








