Der Natchez Trace Parkway zwischen Natchez und Nashville
Die Parkstraße zwischen Natchez in Mississippi und Nashville in Tennessee erinnert an einen Weg, den Menschen über Jahrtausende gegangen sind. Was man davon sieht, hängt vom gewählten Abschnitt ab.

Der Natchez Trace Parkway führt rund 715 Kilometer weit von Natchez am Mississippi bis kurz vor Nashville. Für die Planung hilft eine andere Rechnung mehr als die Gesamtlänge: wie weit ein Halt vom Anfang oder vom Ende der Straße entfernt liegt. Nach den Streckenangaben des National Park Service (NPS) erreicht man Emerald Mound nach rund 17 Kilometern ab dem Südende und den Hohlweg des alten Trace nach rund 67. Das Grab von Meriwether Lewis liegt rund 94 Kilometer vor dem Nordende.
Wer den alten Trace benutzte

Der alte Natchez Trace bestand aus einem Netz von Pfaden. Nach Darstellung des NPS ist der Korridor seit mehr als 10.000 Jahren ein Verkehrsweg. Er führt durch das Land der Natchez, Chickasaw und Choctaw, deren Vorfahren hier über Jahrtausende lebten und Handel trieben. Um 1785 bekam er eine neue Rolle. Bootsleute aus dem Norden, „Kaintucks“ genannt, ließen ihre Waren auf Flachbooten den Mississippi hinab nach Natchez und New Orleans treiben. Gegen die Strömung kamen die Boote nicht zurück. Die Männer verkauften sie als Bauholz und gingen zu Fuß oder ritten über den Trace nach Hause. Am Weg entstanden einfache Unterkünfte, „stands“ genannt.
Der Weg trug auch Menschen, die ihn nicht freiwillig gingen. Versklavte wurden über den Trace zum großen Sklavenmarkt in Natchez getrieben. Als Indianerstämme gezwungen wurden, ihre Heimat zu verlassen, gingen manche nach Darstellung des NPS womöglich noch über den Trace, bevor sie auf dem Trail of Tears nach Westen zogen. Der Trail of Tears kreuzt den Parkway an vier Stellen. 1800 machte Präsident John Adams ihn zur Postroute an der damaligen Westgrenze. Im Krieg von 1812 bewegte General Andrew Jackson Truppen darüber. Der Kongress beschloss 1938, an diesen Korridor mit einer Parkstraße zu erinnern. Fertig wurde sie 2005. Der NPS beschreibt sie als gestaltete Landschaft und als den einzigen National Parkway, der an einen uralten Reiseweg erinnert. Ihre Streckenzählung verläuft in der Richtung, in der die Bootsleute heimwärts gingen: von Natchez nach Norden.
Hügel und Haus nördlich von Natchez


Auf den ersten rund 67 Kilometern nördlich von Natchez liegen drei Orte, an denen sich diese Geschichte zeigt. Emerald Mound, rund 17 Kilometer hinter dem Südende, ist nach Angaben des NPS der zweitgrößte zeremonielle Hügel der Mississippi-Kultur in den Vereinigten Staaten, übertroffen nur vom Monk’s Mound bei Cahokia in Illinois. Gebaut und genutzt wurde er zwischen 1200 und 1600. Er ist knapp 11 Meter hoch, misst an der Basis rund 235 mal 133 Meter und bedeckt gut 3 Hektar. Oben stehen zwei kleinere Hügel, der größere am Westende. Mit ihm kommt die Anlage auf etwa 18 Meter Höhe.
Gut 8 Kilometer weiter steht Mount Locust. William und Paulina Ferguson kauften das Anwesen 1784 und bauten das Haus, das heute zu den ältesten erhaltenen Gebäuden der Gegend gehört. Als immer mehr Bootsleute nach Norden zogen, machten die Fergusons es zu einem „stand“. Für 25 Cent gab es einen Maisbrei mit Milch und einen Schlafplatz auf der Veranda oder auf dem Gelände. Später war Mount Locust eine Baumwollplantage. Auf der Westseite des Grundstücks liegt ein Friedhof mit den Gräbern von 43 Versklavten.
Der eingetiefte Weg bei Port Gibson

Nahe Port Gibson, rund 67 Kilometer hinter dem Südende, sieht man, was das viele Gehen mit dem Weg gemacht hat. Wo der Boden aus weichem Löss besteht, trug der viele Verkehr ihn nach und nach ab, sodass der Pfad tief einsank. Für den kurzen Gang durch diesen „Sunken Trace“ veranschlagt der NPS fünf Minuten. Bequem war die Reise auf dem alten Weg nicht. Der NPS erinnert daran, dass ein gebrochener Arm oder ein gebrochenes Bein für jemanden, der allein unterwegs war, den Tod bedeuten konnte.
Welcher Abschnitt in welche Zeit passt
Für die ganze Strecke nennt der NPS auf seiner Seite mit häufigen Fragen mindestens zehn Stunden reine Fahrzeit, auf seiner Geschichtsseite mehr als elf. Hilfreicher für die Planung sind die Teilstrecken, die er von Tupelo aus angibt. Dort steht das Besucherzentrum des Parkways, rund 428 Kilometer hinter dem Südende. Nach Natchez braucht man von Tupelo aus 5,5 bis 6 Stunden, nach Jackson 3,5 bis 4 und nach Nashville 4 bis 4,5 Stunden. Das sind Fahrzeiten ohne Halte und ohne Umleitungen, keine Dauer für einen Ausflug.
Daraus ergeben sich nach unserer Einschätzung drei sinnvolle Zuschnitte. Ein Tag reicht für den Süden. Von der Liberty Road in Natchez, wo der Parkway beginnt, bis zum Sunken Trace sind es etwa 67 Kilometer einfache Strecke, unterwegs liegen Emerald Mound und Mount Locust. Der Rückweg kommt hinzu. Für den Norden zwischen Tupelo und Nashville braucht man mit Halten einen vollen Tag oder besser zwei. Von Tupelo bis zum Ende sind es rund 286 Kilometer. Wer die ganze Straße fährt, teilt sie bei Tupelo und plant für die Halte drei Tage oder mehr. Schnell kommt man dabei nicht voran: Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei gut 80 km/h, soweit nichts anderes ausgeschildert ist, und gewerbliche Fahrzeuge sind auf der Parkstraße verboten.
Unterwegs auf der Parkstraße
Die Fahrspuren sind nach Angaben des NPS gut 3,3 Meter breit, einen Seitenstreifen gibt es kaum. Der Parkway ist zugleich eine ausgewiesene Fahrradroute, und Radfahrer dürfen die ganze Spur nutzen. Mehr Verkehr herrscht an Werktagen zu den Pendlerzeiten im Raum Jackson und im Raum Tupelo. Auf- und Abfahrten gibt es laut NPS mehr als 800. Den südlichen Anfang erreicht man in Natchez über die Liberty Road, das Nordende am Highway 100, gut 27 Kilometer südwestlich der Innenstadt von Nashville.
Auf einer so langen Strecke ist nicht immer alles offen. Nach Angaben des NPS kann es wegen Wetters, Bauarbeiten oder Notfällen jederzeit vorübergehende Sperrungen geben. Welche Abschnitte gerade geschlossen sind und wie die Umleitungen verlaufen, steht auf seiner Seite „Road and Site Status“. Wer einen bestimmten Abschnitt fahren will, prüft sie vor der Abfahrt.
Der Norden und die Double Arch Bridge

Im Norden, in Tennessee, liegen zwei Stellen aus späterer Zeit. Nahe Hohenwald, rund 94 Kilometer vor dem Nordende, liegt Meriwether Lewis begraben, bekannt als Teilnehmer der Lewis-und-Clark-Expedition. Er starb 1809 auf einer Reise über den alten Trace. Das Denkmal über dem Grab entstand 1848 mit Geld des Parlaments von Tennessee. Seine Säule ist absichtlich abgebrochen, ein damals verbreitetes Zeichen für ein früh beendetes Leben. Für den Sonnenuntergang empfiehlt der NPS drei Aussichtspunkte weiter nördlich: Swan Valley, Baker Bluff und Water Valley.
Kurz vor dem Ende überspannt die Double Arch Bridge das Tal Birdsong Hollow in etwa 47 Metern Höhe. Sie wurde 1994 fertig und war nach Angaben des NPS die erste in Segmentbauweise errichtete Betonbogenbrücke der Vereinigten Staaten. Ihre beiden Bögen tragen die Fahrbahn ohne die üblichen senkrechten Stützen. Sie liegt knapp 10 Kilometer südlich des Nordendes am Highway 100. Ob man sie von dort aus anfahren kann, hängt davon ab, welche Abschnitte gerade offen sind. Das zeigt die Statusseite des NPS.
Fragen und Antworten
Wie lange braucht man für den ganzen Natchez Trace Parkway?
Der NPS nennt für die rund 715 Kilometer mindestens zehn Stunden reine Fahrzeit, an anderer Stelle mehr als elf. Mit Halten an den historischen Orten sind nach unserer Einschätzung drei Tage oder mehr realistischer. Als Etappenort in der Mitte bietet sich Tupelo an: von dort nach Natchez 5,5 bis 6 Stunden, nach Nashville 4 bis 4,5 Stunden.
Wo erfährt man, ob ein Abschnitt gesperrt ist?
Auf der Seite „Road and Site Status“ des NPS. Vorübergehende Sperrungen wegen Wetters, Bauarbeiten oder Notfällen sind nach seinen Angaben jederzeit möglich. Wer einen bestimmten Abschnitt fahren will, prüft die Seite vor der Abfahrt.
Darf man mit dem Wohnmobil auf den Natchez Trace Parkway?
Ja. Fahrzeuge dürfen nach Angaben des NPS einschließlich Anhänger höchstens knapp 17 Meter lang und knapp 4,3 Meter hoch sein. Diese Höhe lassen die Brücken des Parkways mindestens frei, ausgenommen an den Zufahrten zu Jackson Falls und Mangum Mounds. Einige Parkplätze sind für Wohnmobile gesperrt, etwa Mangum Mounds mit einer Durchfahrtshöhe von gut 3,5 Metern. Ist Mount Locust geschlossen, fehlt dort laut NPS eine Wendeschleife für Wohnmobile. Gewerbliche Fahrzeuge sind verboten.
Wo beginnt man den Natchez Trace Parkway am besten?
Die Streckenzählung beginnt in Natchez am Mississippi. Wer im Süden startet, hat Emerald Mound, Mount Locust und den Sunken Trace auf den ersten rund 67 Kilometern. Wer von Nashville kommt, fährt am Highway 100 auf. Die Double Arch Bridge liegt knapp 10 Kilometer südlich davon. Ob der Abschnitt bis dorthin offen ist, steht auf der Statusseite des NPS.
Weiterführende Informationen
- National Park Service, Natchez Trace Parkway: Frequently Asked Questions
- National Park Service, Natchez Trace Parkway: History & Culture
- National Park Service: Emerald Mound, Milepost 10.3
- National Park Service: Mount Locust Historic House, Milepost 15.5
- National Park Service: Sunken Trace, Milepost 41.5
- National Park Service: Meriwether Lewis Burial Monument, Milepost 385.9
- National Park Service, Natchez Trace Parkway: Double Arch Bridge at Birdsong Hollow
- National Park Service, Natchez Trace Parkway: Road and Site Status
- National Park Service, Natchez Trace Parkway: Recreational Vehicles
- National Park Service, Natchez Trace Parkway: Access Points to the Parkway
- National Park Service: Cypress Swamp, Milepost 122
Angaben zu Öffnungszeiten, Eintritt, Angeboten und Zugänglichkeit können sich ändern. Maßgeblich sind die verlinkten Stellen.
Weiterführende Webseiten für unsere Community:
Dieser Beitrag beruht auf Recherche in den genannten Quellen.
Weiterlesen
Weitere passende Beiträge
-
Traumstraßen
Flint Hills Scenic Byway: 76 Kilometer Prärie und eine Nacht in Cottonwood Falls
-
Traumstraßen
Ein oder zwei Tage am Blue Ridge Parkway
-
Routenvorschläge
Nashville und Memphis: vier Nächte für Country, Blues und Soul
-
Traumstraßen
Über den Cherohala Skyway von Tellico Plains nach Robbinsville
-
Routenvorschläge
Alabamas Bürgerrechtsorte von Birmingham bis Montgomery
-
Traumstraßen
Zwei Tagesfahrten auf dem Creole Nature Trail in Louisiana
-
Saisonzeiten
Great Smoky Mountains: Jahreszeiten zwischen Kuwohi und Cades Cove
-
Traumstraßen
Overseas Highway: auf Flaglers Bahntrasse nach Key West
-
Traumstraßen
Talimena Scenic Drive: auf dem Kamm der Ouachita Mountains








