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Städte & Kultur

Vier Missionen am San Antonio River und die Gräben, die sie versorgten

Die vier Missionen des Nationalparks südlich von San Antonio waren Gemeinschaften mit Feldern, Werkstätten und Indianerfamilien, die nicht alle freiwillig kamen. Heute sind ihre Kirchen Pfarreien, und am Espada-System fließt noch Wasser.

Vom USA Reisen Magazin · Community-Content: Sylvia Spleth

Lesezeit etwa 10 Minuten

Eine Steinkirche mit Glockenturm und Kuppel, daneben eine lange Reihe steinerner Bögen; im Vordergrund ein gemauerter Brunnen und violett blühende Sträucher.
Mission San José war laut NPS die größte der fünf Missionen und ist heute die am stärksten restaurierte.

Noch bevor in den Missionen am San Antonio River Mauern und Steinkirchen standen, gruben ihre Bewohner Gräben. Mit diesen Acequias leiteten sie nach Darstellung des National Park Service (NPS) ab dem frühen 18. Jahrhundert Flusswasser auf die Felder, denn Mais, Bohnen, Kürbis und Paprika brauchen im Klima Südtexas Bewässerung.

Vier Missionen im Park, fünf in der Welterbestätte

Kalksteinfassade einer Missionskirche mit geschwungenem Giebel und Portal, davor Rasen und Wege.
Die Kirche des Alamo, der früheren Mission San Antonio de Valero.

Der San Antonio Missions National Historical Park umfasst von Nord nach Süd die Missionen Concepción, San José, San Juan und Espada. Seit 1978 gehören sie zum Nationalparksystem. 2015 nahm die UNESCO sie in die Welterbeliste auf, zusammen mit der Mission San Antonio de Valero, besser bekannt als das Alamo, und mit Rancho de las Cabras, einer früheren Ranch der Mission Espada. Nach Angaben des NPS ist es die einzige Welterbestätte in Texas.

Das Alamo gehört zur Welterbestätte, aber nicht zum Nationalpark. Dieser Beitrag behandelt nur die vier Missionen weiter südlich.

Wer in einer Mission lebte

Franziskanische Priester und Brüder gründeten die Missionen im 18. Jahrhundert. Der NPS nennt drei Ziele: die Indianer Südtexas zum Christentum zu bekehren, Land für die Kolonie in Besitz zu nehmen und die Menschen in die spanische Kultur zu überführen. Dazu gehörten eine neue Wirtschaftsweise, europäisches Handwerk, Ackerbau und eine andere Ernährung. In einer Mission lebten nur wenige Geistliche, dazu eine kleine Zahl Soldaten und vor allem Indianerfamilien verschiedener Gruppen aus Südtexas.

Viele dieser Gruppen fasst man unter dem Namen Coahuiltecan zusammen. Nach NPS-Angaben ist das eine Sammelbezeichnung der Spanier für viele kleine, kulturell unterschiedliche Gruppen von Jägern und Sammlern. Abgeleitet ist sie von der Region Coahuila y Tejas. Diese Gruppen spürten die Kolonisierung schon vor der Gründung der Missionen: Andere Gruppen wichen aus Norden und Osten nach Süden aus, Land, Wasser und Nahrung wurden knapper. Viele Familien in Südtexas und im Norden Mexikos führen ihre Herkunft bis heute auf diese Gruppen zurück.

Der NPS beschreibt eine Mission als Gemeinschaft, Schule, Arbeitsplatz und Kirche. An den Innenseiten der Mauern lagen die Wohnräume der Neugetauften, die Quellen „neophytes“ nennen, und einzelner Soldaten. Die Kirche bildete den Mittelpunkt, daneben stand das Convento, in dem der Missionar wohnte. Werkstätten und Lager lagen innerhalb der Mauern, Felder und Ranches außerhalb.

Freiwillig kamen nicht alle. Am Beispiel Espada schreibt der NPS, die Franziskaner hätten Indianer teils freiwillig, teils unter Zwang in die Mission geholt. Harte Arbeit, strenge Disziplin, fehlende Freiheit und der Verlust der eigenen Kultur hätten einige fliehen lassen. Nach Generationen hatten die Bewohner Teile ihrer Sprachen und Religionen verloren. Zugleich verbanden sich indianische und spanische Elemente zu einer südtexanischen Kultur, die der NPS an Fresken, Speisen, Kleidung und Bräuchen festmacht. Die UNESCO beschreibt eine Identität, die weder ganz indianisch noch ganz spanisch war.

Wasser vor Mauern: Wehr, Acequia, Aquädukt

Aquarell einer steinernen Brücke mit zwei Bögen über einem flachen Bach zwischen Bäumen.
Das Espada Aqueduct führt die Acequia über den Sixmile Creek (Aquarell).

Dass Wasser auf ein Feld läuft, wirkt selbstverständlich. In den Missionen war es das Ergebnis mehrerer Schritte, die der NPS einzeln beschreibt.

Am Anfang stand die Wahl des Ortes. Regen fällt in Südtexas zu selten, um sich auf ihn zu verlassen. Eine Mission brauchte deshalb einen Fluss, der verlässlich Wasser führte und dessen Ufer und Gefälle eine Ableitung erlaubten. Der San Antonio River erfüllte diese Bedingungen.

Dann folgte das Wehr. Es hob den Wasserspiegel und drückte das Wasser in einen von Hand gegrabenen Erdgraben, die Acequia. Diese begann etwa fünf Kilometer oberhalb der Felder und folgte dem Gelände so, dass allein die Schwerkraft das Wasser zu den Feldern und von dort zurück in den Fluss leitete. Am Feld verteilten Schleusentore das Wasser auf die einzelnen Reihen. Rund 21 Kilometer historischer Acequias, in denen noch Wasser fließt, gehören nach NPS-Angaben heute zur Welterbestätte.

Am besten nachvollziehen lässt sich das System bei Espada. Der Espada Dam wurde bis 1745 fertiggestellt. Nach NPS-Angaben ist er das einzige erhaltene von Spaniern gebaute Wehr in San Antonio. Er besteht aus Schichten flacher Steinplatten auf einer natürlichen Felsstufe. Ungewöhnlich ist seine Form: Sie zeigt nicht flussaufwärts, sondern flussabwärts. Bis heute leitet er Wasser in die Espada-Acequia, die zwischen 1731 und 1745 entstand. Sie ist das älteste ununterbrochen genutzte Acequia-System in San Antonio.

Wo die Acequia auf den Sixmile Creek traf, brauchte sie eine Brücke. Bevor es das Espada Aqueduct gab, trugen laut NPS vermutlich ausgehöhlte Baumstämme, Canoas genannt, das Wasser über den Bach. Das Aquädukt entstand zwischen 1740 und 1745, hat zwei Bögen und einen Stützpfeiler. Oben fließt das Wasser in einer Rinne hinüber und läuft auf der anderen Seite im Erdgraben weiter nach Süden zur Mission. Der NPS bezeichnet es als ältestes spanisches Aquädukt in den Vereinigten Staaten.

Concepción und San José

Die Steinfassade einer Kirche mit zwei Glockentürmen, davor Palmen, Bäume und eine Wiese im Abendlicht.
Mission Concepción, 1755 fertiggestellt, ist laut NPS eine der ältesten unrestaurierten Steinkirchen der Vereinigten Staaten.

Mission Concepción wurde 1716 in Osttexas gegründet und 1731 an den San Antonio River verlegt. Die Kirche war 1755 fertig. Laut NPS ist sie eine der ältesten unrestaurierten Steinkirchen der Vereinigten Staaten. Außen sind die Fresken verblasst, innen noch zu sehen. Das bekannteste, das „Eye of God“, das Auge Gottes, befindet sich an der Decke der früheren Bibliothek im Convento. Neben Kirche und Convento ist der Steinbruch erhalten, dessen tuffhaltiger Kalkstein auch für Mörtel und Putz diente.

Mission San José, 1720 gegründet, war die größte der fünf Missionen. Nach zwei Verlegungen kam sie um 1740 an ihren heutigen Platz, 1755 waren die Steinmauern fertig. Sie schützten die Bewohner und enthielten zugleich ihre Wohnungen. Nach NPS-Angaben bestand eine Einheit aus einem Raum und einer Küche. Zur Ausstattung gehörten unter anderem ein Mahlstein (Metate), eine Backplatte (Comal), ein Topf, ein Wasserkrug und ein Bett. 1768 lebten 350 Menschen innerhalb der Mauern.

Der NPS nennt San José die am stärksten restaurierte Mission. In den 1930er-Jahren stellte die Works Progress Administration Mauern, Teile der Kirche und den Kornspeicher wieder her. Die UNESCO bescheinigt allen Kirchen außer der von San José, Material, Gestaltung und Ausführung des ursprünglichen Baus zu bewahren.

San Juan und Espada: Felder, Flucht und eine Ranch

Eine kleine Steinkirche mit Glockengiebel und drei Glocken, davor ein gepflasterter Vorplatz mit Pflanzkübeln, links ein Bogengang und ein Baum.
Mission Espada entstand 1731 am San Antonio River als südlichste der Missionskette.

Mission San Juan begann 1716 in Osttexas als San José de los Nazonis. 1731 wurde sie an den San Antonio River verlegt und in San Juan Capistrano umbenannt, weil es dort bereits eine Mission San José gab. 1756 lebten hier 265 Indianer. Die heutige Kirche ist die zweite und war 1772 fertig. Eine dritte wurde um 1775 begonnen, aber nie vollendet, weil die Bevölkerung zurückging. Südlich der Mission werden laut NPS historische Felder noch bewirtschaftet, und die Acequias führen weiter Wasser. Eine Schaufarm zeigt die Landwirtschaft der Kolonialzeit. Der Yanaguana Trail, ein befestigter, rund 400 Meter langer Rundweg, führt zu einem Flussabschnitt in ursprünglichem Zustand.

Mission Espada geht auf eine Gründung von 1690 in Osttexas zurück, die 1693 aufgegeben wurde. 1731 entstand am San Antonio River die Mission San Francisco de la Espada, die südlichste der Kette. 1737 verließen aus Furcht vor Überfällen der Lipan-Apachen alle 230 Neugetauften die Mission. Zwei Jahre später starben viele der Zurückgekehrten an Pocken und Masern. Heute sind Kirche und Parkmuseum zugänglich.

Zu Espada gehörte Rancho de las Cabras, die „Ranch der Ziegen“, bei Floresville. Die meisten Vaqueros dort waren nach Angaben des NPS getaufte Indianer. Archäologen fanden Reste einer Mauer mit Verteidigungstürmen, die wahrscheinlichen Standorte von vier Hütten, sogenannten Jacales, und eine später errichtete Kapelle. Frei zugänglich ist die Ranch nicht – Besucher kommen nur mit einer Rangerführung hin.

Pfarrkirchen mit Gemeinde

Innenraum einer Missionskirche mit farbig gefasstem Altaraufsatz, Kruzifix und Heiligenfiguren, davor Altar und Stuhlreihen.
Im Kirchenraum von Mission San José.

1794 wurden die vier Missionen teilweise säkularisiert, also als Missionen aufgelöst, 1824 durch Mexiko vollständig. In Espada wurde ein großer Teil des Besitzes per Los unter den indianischen Bewohnern verteilt. Die Kirchen blieben: Alle vier sind heute aktive katholische Pfarreien der Erzdiözese San Antonio mit regelmäßigen Gottesdiensten. Eine Ausstellung des NPS stellt Familien mit indianischen, lateinamerikanischen und europäischen Wurzeln vor, die die Missionen nach Darstellung des Parks zu einer lebendigen Gemeinschaft machen.

Für den Besuch hat das Folgen. Laut NPS sind die Kirchen während der Parköffnungszeiten von 9 bis 17 Uhr offen, außer bei besonderen Gottesdiensten wie Hochzeiten und Beerdigungen. An anderer Stelle schreibt der Park, die Zeiten wichen ab, weil es aktive Pfarreien seien. Messzeiten nennt er nicht. Sie sind bei den Pfarreien zu erfragen. In einem Video für Schulklassen rät er, während Messen, Hochzeiten, Taufen, Quinceañeras und Beerdigungen die Kirche nicht zu betreten, sonst Hüte abzunehmen, still zu sein und nur das Gebäude zu fotografieren, nicht die Menschen. Außerdem bittet er, nicht auf Mauern zu sitzen, zu stehen oder zu klettern. Die Böden sind uneben, die Durchgänge unterschiedlich hoch.

Öffnungszeiten und Wege zwischen den Missionen

An Mission San José liegt das Visitor Center mit Museum, Laden und dem 23 Minuten langen Parkfilm „Gente de Razón“. Der Park ist täglich von 9 bis 17 Uhr geöffnet, das Außengelände von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang. An Thanksgiving, am 25. Dezember und am 1. Januar bleibt er geschlossen. Eintritt wird nicht erhoben. Die Rangerführungen sind kostenlos. Laut Programmübersicht des NPS beginnen sie in San José täglich um 10 und 11 Uhr am Visitor Center. Am ersten Mittwoch im Monat entfallen alle Rangerprogramme.

Nach NPS-Angaben liegt Concepción knapp fünf Kilometer südlich der Innenstadt. Von Concepción bis Espada sind es etwa 10,5 Kilometer. Mit dem Auto dauert die Strecke an einem gewöhnlichen Tag etwa 15 Minuten. An jeder Mission gibt es kostenlose Parkplätze.

Ohne Auto ist der Mission Reach Hike & Bike Trail der naheliegende Weg. Nach NPS-Angaben folgt er dem San Antonio River, ist befestigt und verbindet auf etwa 16 Kilometern alle vier Missionen. Nach Norden reicht er bis zum Alamo. Ein Rundweg ist er nicht: Wer zum Ausgangspunkt zurückkehren möchte, muss den Rückweg zusätzlich einplanen. Zwischen zwei Missionen liegen auf dem Weg jeweils etwa vier Kilometer, und der Park schlägt ausdrücklich vor, auch nur einen solchen Abschnitt zu gehen oder zu fahren. Wer mit dem Bus kommt, kann so etwa Concepción und San José verbinden und von dort zurückfahren. Schatten gibt es wenig, und im Sommer steigen die Temperaturen oft über 39 Grad Celsius. Bei Hochwasser kann der Weg vorübergehend gesperrt sein. An jeder Mission steht eine Station des Verleihs San Antonio Bike Share (B-cycle). Der Park weist darauf hin, dass man das Rad alle 60 Minuten an einer Station andocken sollte, um Zusatzkosten zu vermeiden. Innerhalb der Missionen wird das Rad geschoben.

Mit dem Bus erreicht man laut NPS nur die beiden nördlichen Missionen: Die Linie 42 von VIA Metropolitan Transit fährt Concepción und San José an. Für San Juan und Espada nennt die Anfahrtsseite des NPS keine Busverbindung.

Fragen und Antworten

Kostet der Besuch der Missionen Eintritt?

Nein. Laut NPS braucht man für den San Antonio Missions National Historical Park keinen Eintrittspass. Auch die Rangerführungen und der Parkfilm im Visitor Center an Mission San José sind kostenlos.

Gehört das Alamo zum Nationalpark?

Nein. Das Alamo, die frühere Mission San Antonio de Valero, gehört wie die vier Missionen des Parks zur 2015 eingetragenen UNESCO-Welterbestätte. Zum Nationalpark zählen nur Concepción, San José, San Juan und Espada.

Kann man die Missionen ohne Auto besuchen?

Ja. Der Mission Reach Hike & Bike Trail verbindet nach NPS-Angaben auf etwa 16 Kilometern alle vier Missionen und führt nach Norden bis zum Alamo. Er ist kein Rundweg und bietet wenig Schatten. An jeder Mission gibt es eine Station des Fahrradverleihs B-cycle. Busse der VIA-Linie 42 fahren laut NPS nur Concepción und San José an.

Darf man die Kirchen während eines Gottesdienstes besichtigen?

Die vier Kirchen sind aktive Pfarreien. Bei Messen, Hochzeiten, Taufen, Quinceañeras und Beerdigungen rät der NPS, sie nicht zu betreten. Sonst sind sie zu den Parkzeiten von 9 bis 17 Uhr offen, die Zeiten können aber abweichen. Messzeiten erfährt man bei den Pfarreien.

Kann man Rancho de las Cabras besuchen?

Nur mit einer Rangerführung. Laut NPS finden diese Führungen von Oktober bis März einmal im Monat statt, dauern etwa zwei Stunden, sind kostenlos und nur mit Reservierung möglich.

Weiterführende Informationen

  1. National Park Service, San Antonio Missions National Historical Park: Directions & Transportation
  2. National Park Service, San Antonio Missions National Historical Park: Learn About the Park
  3. National Park Service, San Antonio Missions National Historical Park: San Antonio Missions World Heritage Site
  4. National Park Service, San Antonio Missions National Historical Park: History & Culture
  5. National Park Service, San Antonio Missions National Historical Park: Basic Information
  6. National Park Service, San Antonio Missions National Historical Park: Acequias
  7. National Park Service, San Antonio Missions National Historical Park: Mission Concepción
  8. National Park Service, San Antonio Missions National Historical Park: Mission San José
  9. National Park Service, San Antonio Missions National Historical Park: Mission San Juan
  10. National Park Service, San Antonio Missions National Historical Park: Mission Espada
  11. National Park Service, San Antonio Missions National Historical Park: Espada Dam
  12. National Park Service, San Antonio Missions National Historical Park: Espada Aqueduct
  13. National Park Service, San Antonio Missions National Historical Park: Rancho de las Cabras
  14. National Park Service, San Antonio Missions National Historical Park: Plan Your Visit
  15. National Park Service, San Antonio Missions National Historical Park: Church Information
  16. National Park Service, San Antonio Missions National Historical Park: Operating Hours & Seasons
  17. National Park Service, San Antonio Missions National Historical Park: Fees & Passes
  18. National Park Service, San Antonio Missions National Historical Park: Visitor Centers
  19. National Park Service, San Antonio Missions National Historical Park: Guided Programs
  20. National Park Service, San Antonio Missions National Historical Park: Hike and Bike Trail
  21. National Park Service, San Antonio Missions National Historical Park: Startseite
  22. UNESCO World Heritage Centre: World Heritage List, Datensatz „San Antonio Missions“ (id_no 1466)

Angaben zu Öffnungszeiten, Eintritt, Angeboten und Zugänglichkeit können sich ändern. Maßgeblich sind die verlinkten Stellen.

Dieser Beitrag beruht auf Recherche in den genannten Quellen.

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