Ein Riff in der Wüste: die Guadalupe Mountains in Texas
Die Guadalupe Mountains im Westen von Texas sind ein gehobenes Riff aus einem Meer, das vor rund 260 Millionen Jahren hier lag. Ein kurzer Lehrpfad im McKittrick Canyon führt an Fossilien vorbei, ein langer Steilweg am Riff selbst hinauf.

Über der Wüste steht El Capitan, eine rund 300 Meter hohe Felswand. Dass sie einmal unter Wasser lag, lässt sich an ihrem Gestein ablesen, an dem, was es gebaut hat, und an dem, was unter ihr liegt. Das Gestein ist Capitan-Kalk, ein massiger, feinkörniger Kalkstein voller Fossilien.
Ein Riff aus Algen und Mikroben
Im Perm bedeckte ein flaches, tropisches Meer diesen Teil von Texas und New Mexico, die Delaware Sea. Mit dem Weltmeer war sie nur durch einen schmalen Durchlass verbunden, und an ihrem Rand wuchs ein Riff. Anders als die meisten heutigen Riffe bauten es nicht in erster Linie Korallen, sondern vor allem Algen und Mikroben. Krustenbildende Organismen überzogen das Gerüst und verkitteten es zu festem Fels. Vor rund 260 Millionen Jahren ragte dieses Riff über den Grund des Meeres.
Begraben und freigelegt
Dann wurde der Durchlass enger. Das Meer verdunstete schneller, als Wasser nachkam, und dünne Bänder aus Salzen und Schlamm füllten das Becken nach und nach, bis sie das Riff bedeckten. Viel später hob sich die Region, und an steilen Verwerfungen stieg ein lange begrabener Teil des Riffs auf. Wind und Regen trugen die weicheren Schichten darüber ab. Übrig blieb der widerstandsfähigere Riffkalk, und so entstanden die heutigen Guadalupe Mountains.
Das Riff war nur ein Teil eines größeren Systems. Zum Ufer hin lag hinter ihm ein flaches Rückriff mit ruhigem, schlammigem und salzigem Wasser. Vor der Riffkante brachen Wellen und Strömungen große Stücke ab, die den Hang hinunterrutschten und einen Schuttfächer bildeten. Davor fiel der Grund ins Becken ab, fast 800 Meter tief.

An der Westseite des Gebirges sieht man, was davon geblieben ist. Die Felswände von El Capitan und Guadalupe Peak bestehen aus Capitan-Kalk. Unter ihnen liegen feinkörnige Sand- und Siltsteine, abgelagert in Rinnen am Grund des Beckens. Der Riffkalk bildet die steile Wand, das Beckengestein liegt darunter.
Von Pine Springs in den McKittrick Canyon
Ein guter Ausgangspunkt ist das Pine Springs Visitor Center an der US 62/180. Von dort sind es mit dem Auto gut 19 Kilometer und gut 20 Minuten bis zum Besucherzentrum an der Mündung des McKittrick Canyon.

Der Canyon ist nur tagsüber zugänglich, und das Tor an der US 62/180 wird abends geschlossen. Wer im Canyon ist, muss den ganzen Bereich vor Torschluss verlassen haben, nicht nur den Wanderparkplatz erreicht. Die geltende Uhrzeit sollte man vor der Anfahrt beim Park erfragen. Der Park liegt in der Mountain Time, und das Handy zeigt dort oft eine falsche Zeit.
Kurz: der Lehrpfad
Der McKittrick Canyon Nature Trail beginnt an der Canyonmündung und ist ein Rundweg von knapp anderthalb Kilometern mit rund 66 Metern Anstieg. Er gilt als moderat und dauert etwa eine Stunde. Der Untergrund ist Fels und loses Gestein, Wanderstöcke werden ausdrücklich empfohlen.
Vom Riff zeigt der Weg zweierlei. Am höchsten Punkt blickt man hinunter in die Mündung des McKittrick Canyon, und eine Tafel erklärt dort die Geologie des Permriffs. Fossilien liegen zahlreich am Weg, manche sogar im Weg selbst. Der Nationalparkdienst bittet, statt Fossilien Fotos mitzunehmen, damit der nächste Besucher dasselbe Stück findet.

Lang: der Permian Reef Trail
Wer am Riff selbst hinaufsteigen will, braucht einen eigenen Tag. Der Permian Reef Trail führt an der Nordseite des McKittrick Canyon hinauf und wurde angelegt, um die geologischen und fossilen Spuren des Perm zu zeigen. Nach Angaben des Parks ist er der beste Ort, um Fossilien der Rifftiere zu sehen. Am häufigsten finden Besucher im Park Brachiopoden, Seelilien, Moostierchen und Fusuliniden, dazu den Algen-Gerüstkalk, aus dem das Riff selbst besteht.

Die Wanderung ist anstrengend, und hin und zurück geht es auf demselben Weg. Angesetzt sind fünf bis sieben Stunden bei gut 600 Höhenmetern. Hinzu kommen Anfahrt, Pausen und die rechtzeitige Ausfahrt vor Torschluss. Der Hang über dem Canyon schaut nach Süden und liegt den ganzen Tag in der Sonne, in heißen Sommerwochen meidet man die Wanderung deshalb besser. Wer sich genauer für die Geologie interessiert, bekommt im Besucherzentrum einen ausführlichen Führer des Texas Bureau of Economic Geology zu den Stellen am Weg.

Den Besuch planen
Im Park gibt es kein Benzin, auf etwa 56 Kilometern in beiden Richtungen ab dem Besucherzentrum keine Tankstelle, dazu weder Restaurant noch Lebensmittelgeschäft. Ab El Paso sind es rund 177 Kilometer, ab Carlsbad in New Mexico gut 90 Kilometer. Öffentliche Verkehrsmittel gibt es nicht.
Ab 16 Jahren kostet der Park Eintritt, sofern kein gültiger Nationalparkpass den Besuch abdeckt. Bezahlt wird im Pine Springs Visitor Center oder an Selbstzahlstellen an den Ausgangspunkten, und der Beleg gehört sichtbar ins Auto. Auf den Lehrpfad und den Permian Reef Trail dürfen Hunde nicht, ausgebildete Assistenztiere schon. Angeleint erlaubt sind Hunde nur auf dem kurzen Pinery Trail am Pine Springs Visitor Center. An allen Ausgangspunkten gibt es barrierefreie Parkplätze, der Lehrpfad selbst ist nicht barrierefrei.

Für den kurzen Besuch ab Pine Springs genügen nach unserer Planung gut 40 Minuten Fahrt hin und zurück und etwa eine Stunde auf dem Lehrpfad. Dazu kommt Zeit für Tafeln, Ausblick und Pausen. Ein halber Tag lässt dafür Luft.
Fragen und Antworten
Wie lang ist der McKittrick Canyon Nature Trail?
Ein Rundweg von knapp anderthalb Kilometern mit rund 66 Metern Anstieg. Er gilt als moderat und dauert etwa eine Stunde. Der Untergrund ist steinig, Wanderstöcke helfen.
Wo sieht man in den Guadalupe Mountains Fossilien?
Vor allem auf dem Permian Reef Trail, der eigens angelegt wurde, um die geologischen und fossilen Spuren des Perm zu zeigen. Er ist eine anstrengende Tageswanderung von fünf bis sieben Stunden. Auch am kurzen McKittrick Canyon Nature Trail liegen zahlreiche Fossilien, manche sogar im Weg. Statt Fossilien nimmt man Fotos mit.
Wann schließt das Tor zum McKittrick Canyon?
Abends. Die geltende Uhrzeit sollte man vor der Anfahrt beim Park erfragen und den ganzen Canyonbereich vorher verlassen haben. Der Park liegt in der Mountain Time, das Handy zeigt dort oft eine falsche Zeit.
Woraus bestand das Riff?
Gebaut haben es vor allem Algen und Mikroben, nicht in erster Linie Korallen wie bei den meisten heutigen Riffen. Krustenbildende Organismen verkitteten das Gerüst zu festem Fels.
Gibt es im Park eine Tankstelle?
Nein. Auf etwa 56 Kilometern in beiden Richtungen ab dem Besucherzentrum gibt es kein Benzin, im Park auch kein Restaurant und kein Lebensmittelgeschäft.
Darf man Hunde mitnehmen?
Auf den Lehrpfad und den Permian Reef Trail nicht, ausgebildete Assistenztiere schon. Angeleint dürfen Hunde auf den kurzen Pinery Trail am Pine Springs Visitor Center, den einzigen Weg im Park, der ihnen offensteht.
Weiterführende Informationen
- National Park Service: Coral Reefs
- National Park Service: Geologic Formations
- National Park Service: McKittrick Canyon Nature Trail
- National Park Service: Permian Reef Trail
- National Park Service: McKittrick Canyon
- National Park Service: Trails
- National Park Service: Operating Hours & Seasons
- National Park Service: Directions
- National Park Service: Fees & Passes
Angaben zu Öffnungszeiten, Eintritt, Angeboten und Zugänglichkeit können sich ändern. Maßgeblich sind die verlinkten Stellen.
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Dieser Beitrag beruht auf Recherche in den genannten Quellen.
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