Der Turm ohne Haube: San Xavier del Bac bei Tucson
Die Mission San Xavier del Bac südlich von Tucson ist seit dem 18. Jahrhundert die Kirche der Gemeinde Wa:k der Tohono O'odham. Ihr unvollendeter Ostturm, ihr Putz und ihr Innenraum zeigen, wie man einen Bau erhält, der weiter benutzt wird.

Von vorn sieht man zwei weiße Glockentürme. Der westliche trägt eine Kuppel mit Laterne, der östliche endet oben offen. Der Unterschied stammt aus dem Jahr 1797: Das Geld war aufgebraucht, der Gläubiger der Mission beschwerte sich, und die Arbeit stoppte, auch am Ostturm. Die Kirche wurde trotzdem für Gottesdienste geöffnet.
Als der Ostturm 2021 und 2022 instand gesetzt wurde, stellte sich die Frage nach der fehlenden Haube noch einmal. Der Patronato San Xavier, der die Erhaltung der Mission finanziert und leitet, beantwortete sie eindeutig: Der Turm sollte erhalten werden, wie er ist, Kuppel und Laterne waren nicht vorgesehen. Man müsse schützen, was da sei, statt zu deuten, was hätte sein können, sagte 2021 Miles Green, der Geschäftsführer des Patronato.
Südlich von Tucson
Die Mission liegt etwa 14,5 Kilometer südlich der Innenstadt von Tucson nahe der Interstate 19, Ausfahrt 92. Sie steht in Wa:k, dem San Xavier District der Tohono O'odham Nation. Gegründet wurde sie 1692, als der Jesuit Eusebio Francisco Kino das Dorf besuchte und es unter das Patronat des heiligen Franz Xaver stellte. Eine Kirche entstand erst Jahrzehnte später. Bis heute dient die Mission den Nachkommen der O'odham, für die sie gegründet wurde.

Auf Kredit gebaut
Dass die Kirche unfertig blieb, hat mit ihrer Finanzierung zu tun. Der Franziskaner Juan Bautista Velderrain begann den Bau 1783 mit geliehenem Geld. Es kam von einem Rancher aus Sonora, und als Sicherheit diente Weizen, der noch gar nicht gesät war. Davon bezahlte er den Architekten Ignacio Gaona aus Mexiko und viele O'odham, die die Kirche bauten.
Gebaut ist die Kirche aus niedrig gebrannten Ziegeln, Stein und Kalkmörtel. Die Mauern haben einen Kern aus Bruchstein, und auch das Dach besteht aus gemauerten Gewölben, was bei spanischen Kolonialbauten in den USA selten ist.
Warum der Putz atmen muss
Am Putz der Kirche zeigt sich, wie ein gut gemeinter Schutz schaden kann. Ursprünglich waren die Mauern mit Kalk verputzt. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts bekamen sie außen Zementputz, weil man glaubte, der dichtere Zement halte Wasser besser ab. Tatsächlich entstanden dadurch Schäden.
Irgendwann gelangt immer Wasser ins Mauerwerk, durch Risse oder von unten aufsteigend. Unter Zement kann es nach außen nicht entweichen. Es tritt deshalb innen aus, durch den weicheren Kalkputz dort. Wo es verdunstet, bleiben Salze zurück, und wenn sie kristallisieren, beschädigen sie die Oberfläche. Außerdem litten die Ziegel, und innen löste sich Putz. Der Patronato vergleicht das Äußere des Baus mit einer Haut, die atmen muss: Es soll Feuchtigkeit nach außen abgeben können.
Wegen starken Wassereintritts wurden 1989 und 1990 von den Gewölben und Kuppeln des Daches, von der Sakristei und vom Kapitelsaal eine elastische Dachbeschichtung und zwei Lagen Zementputz abgenommen. An ihre Stelle kamen drei Lagen Putz aus Kalk, Sand und Nopal, also Feigenkaktus.

Seitdem wurde außen fast der ganze Zementputz entfernt. 2021 war der Ostturm das letzte Stück, an dem er noch saß. Lose Schichten kamen herunter, gut haftender Kalkputz darunter blieb, beschädigte Ziegel wurden ausgebessert. Dann erhielt der Turm mehrere Lagen Kalk-Sand-Putz mit Kaktusschleim, ein regionales Verfahren, das den Putz besser verarbeitbar und wasserabweisender macht. Im April 2022 war das Projekt abgeschlossen.
Was die Außenhaut schützt
Was der Putz außen schützt, steht innen: Figuren und Wandmalereien aus dem 18. Jahrhundert. Für den Patronato ist jedes Stückchen Originalfarbe und Originalputz dort unersetzlich, und gerade diese Oberflächen leiden, wenn Feuchte nach innen austritt. Zu den Malereien gehören franziskanische Zeichen wie der Knotenstrick, gemalte Scheintüren und Vorhänge. Die Figuren stammen wohl von Künstlern aus Querétaro in Neuspanien.

In den 1990er-Jahren reinigte und sicherte ein internationales Restauratorenteam unter Paul Schwartzbaum über mehrere Saisons die Wandmalereien und Figuren. Ab 2002 führten Tim Lewis aus der Gemeinde Wa:k und seine Frau Matilde Rubio, die beide zu diesem Team gehört hatten, die Arbeit am Innenraum weiter. 2016 begannen junge Lehrlinge aus der Tohono O'odham Nation an der Mission eine Ausbildung zu Restauratoren.
Fassade und Holz
Auch die Fassade um das Hauptportal bekam Zement. Bei einer Restaurierung in den 1950er-Jahren wurde sie damit überzogen, getönt im Terrakottaton, den sie nach 150 Jahren Wüstenklima angenommen hatte. Ursprünglich war sie farbig, vor allem in Schwarz, Rot, Ockergelb und Weiß, und Reste dieser Farben waren nach Angaben des Patronato 2022 noch vorhanden. Er nannte die Fassade damals als nächste große Aufgabe.

Auch Holz gehört zu den Bauteilen, die der Erhaltungsplan von 2020 aufführt, darunter Türen, Balken und Fenster. Die ersten originalen Türen wurden 2019 und 2020 konserviert.

Den Besuch planen
Der Besuch beginnt vor der Tür, mit dem Wissen, dass dies eine Pfarrkirche ist. Die Mission liegt auf Stammesland und folgt den Regeln des Stammes. Die Kirche ist täglich 9–16 Uhr geöffnet, auch an Feiertagen, und der Eintritt ist frei.
Die Führungen der Ehrenamtlichen des Patronato dauern etwa 30 Minuten und finden auf dem Gelände statt, nicht in der Kirche: Die Pfarrei will den Raum für die Gläubigen bewahren. Die Kirche besucht man vorher oder nachher auf eigene Faust. Geführt wird von Montag bis Freitag und, wenn möglich, auch samstags, mehrmals am Tag und ohne Anmeldung. Welche Zeiten gelten, zeigt der Monatsplan auf der Website des Patronato. Eine Gebühr gibt es nicht, Spenden in den Umschlägen der Führer fließen in die Erhaltung.

Steigt die Temperatur über 35 °C, fallen die Führungen aus. Die Kirche hat weder Klimaanlage noch Heizung, und draußen gibt es kaum Schatten. Im Sommer gehören Wasser und Sonnenschutz ins Gepäck, im Winter warme Kleidung. Wer im Sommer kommt, plant den Besuch am besten früh am Tag.
Unsere Richtwerte für den Aufenthalt: etwa 30 Minuten Führung, eine halbe bis eine Dreiviertelstunde in der Kirche und eine Viertel- bis halbe Stunde für einen Gang um den Bau, zusammen eineinviertel bis eindreiviertel Stunden. Vom Rathaus in Tucson sind es mit dem Auto gut 16 Kilometer und gut eine Viertelstunde, zurück etwa ebenso lang, ohne Stau und Parkplatzsuche.
Fragen und Antworten
Wann ist die Kirche von San Xavier del Bac geöffnet?
Täglich 9–16 Uhr, auch an Feiertagen. Der Eintritt ist frei. Die Kirche ist zugleich Pfarrkirche, die die Pfarrei als Raum für die Gläubigen bewahren will.
Führen die Führungen auch in die Kirche?
Nein. Die etwa 30-minütigen Führungen der Ehrenamtlichen des Patronato San Xavier finden auf dem Gelände statt. Die Kirche besucht man vorher oder nachher auf eigene Faust.
An welchen Tagen gibt es Führungen?
Von Montag bis Freitag und, wenn möglich, auch samstags, mehrmals am Tag und ohne Anmeldung. Die genauen Zeiten stehen im Monatsplan auf der Website des Patronato. Bei Temperaturen über 35 °C fallen die Führungen aus.
Warum hat der Ostturm keine Kuppel?
1797 war das Geld aufgebraucht, und die Arbeit stoppte, auch am Ostturm. Bei der Erhaltung 2021 und 2022 wurde der Turm bewusst so belassen. Kuppel und Laterne waren nicht vorgesehen.
Was kostet ein Besuch?
Der Eintritt ist frei, und auch die Führungen kosten nichts. Spenden für die Erhaltung sind willkommen.
Wie kommt man von Tucson zur Mission?
Die Mission liegt etwa 14,5 Kilometer südlich der Innenstadt nahe der Interstate 19, Ausfahrt 92. Vom Rathaus in Tucson sind es mit dem Auto gut 16 Kilometer und gut eine Viertelstunde, ohne Stau und Parkplatzsuche.
Weiterführende Informationen
- Patronato San Xavier: History of The Mission
- Patronato San Xavier: Conservation & Preservation
- Patronato San Xavier: Visit San Xavier Mission
- Patronato San Xavier: Conservation of Mission San Xavier’s East Tower underway
- Patronato San Xavier: Two New Priority Projects
- San Xavier del Bac Mission: Our History
- San Xavier del Bac Mission: Visitor Information
Angaben zu Öffnungszeiten, Eintritt, Angeboten und Zugänglichkeit können sich ändern. Maßgeblich sind die verlinkten Stellen.
Weiterführende Webseiten für unsere Community:
Dieser Beitrag beruht auf Recherche in den genannten Quellen.
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