Mount St. Helens: Eine Landschaft, die den Ausbruch von 1980 noch zeigt
Die Vorgänge vom 18. Mai 1980, von der Schuttlawine über die seitliche Druckwelle bis zu den Schlammströmen, sind am Mount St. Helens bis heute im Gelände zu erkennen. Die Forschung dort zeigt, wie das Leben zurückkam. Für den Besuch 2026 zählt vor allem, dass ein Erdrutsch die Straße zum Johnston Ridge unterbrochen hat.

Auf dem Spirit Lake treiben bis heute große Baumstämme, nach Angaben des Forest Service ein ganzer schwimmender Teppich. Am Morgen des 18. Mai 1980 schob eine Schuttlawine das Wasser des Sees die umliegenden Hänge hinauf. Als es zurückfloss, riss es Tausende Bäume mit in den See. Die Lawine kam vom Mount St. Helens im Südwesten des Bundesstaats Washington, der an diesem Morgen seine Nordflanke und seinen Gipfel verlor.
Viele Formen der Landschaft nördlich des Berges stammen von diesem einen Tag: Hügel aus Bergtrümmern, aufgestaute Seen, eine Ebene aus Bimsstein. Zur Ruhe gekommen ist das Gelände seither nicht. 2023 rutschte ein Hang auf die Straße zum Johnston Ridge und unterbrach sie. Und die Forschung am Berg hat eine Annahme darüber infrage gestellt, wie Leben in eine zerstörte Landschaft zurückkehrt.
Der Ablauf des 18. Mai 1980

Der Ausbruch kündigte sich zwei Monate lang an. Seit Mitte März 1980 bebte die Erde unter dem Berg, Ende März begannen Dampfexplosionen, und bis zum 17. Mai hatte sich die Nordflanke nach Angaben des U.S. Geological Survey (USGS) um rund 140 Meter nach außen gewölbt. Darunter war Magma in den Berg eingedrungen.
Um 8:32 Uhr am 18. Mai bebte die Erde mit der Magnitude 5,1, und im selben Moment glitten Nordhang und Gipfel ab. Laut USGS war es die größte Schuttlawine der Erde in geschichtlicher Zeit. Der größte Teil der rund 2,5 Kubikkilometer Gestein floss bis zu 23 Kilometer weit nach Westen in das Tal des North Fork Toutle River.
Mit der Flanke fiel der Druck weg, der auf dem Magma gelastet hatte. Explosionen brachen seitlich aus dem Berg, mitten durch die abgleitenden Massen, mit mindestens 480 Kilometern pro Stunde. Die Druckwelle verwüstete nach USGS-Angaben ein Gebiet von fast 30 Kilometern Breite und mehr als 20 Kilometern Tiefe nach Norden. Nahe am Berg blieb vom dichten Wald praktisch kein Baum stehen. Weiter außen lagen alle Bäume am Boden, am Rand der Zone starben sie stehend ab.
Weniger als eine Stunde nach Beginn des Ausbruchs stieg eine hohe Aschesäule auf, neun Stunden lang. Kurz nach Mittag strömten heiße Glutlawinen aus dem Krater bis zu acht Kilometer nach Norden und hinterließen die Pumice Plain, eine Ebene aus Bimsstein. Den ganzen Tag über trat Wasser aus der Rutschmasse aus. Daraus entstand der größte Schlammstrom des Tages, ein Lahar, der im North Fork Toutle Brücken und Häuser zerstörte.
57 Menschen kamen ums Leben. Unter ihnen war der USGS-Vulkanologe David Johnston, der an einem Beobachtungsposten Dienst hatte. Nach ihm ist der Höhenrücken benannt, auf dem heute das Johnston Ridge Observatory steht.
Wo man den Ausbruch heute sieht

Vergleicht man den Berg vor und nach 1980, fehlen gut 400 Meter: Vor dem Ausbruch maß er 2.950 Meter, nach einer Lidar-Vermessung von 2009 nennt der USGS 2.539 Meter. Wo der Gipfel war, öffnet sich heute ein hufeisenförmiger Krater nach Norden. Darin wuchsen zwei Lavadome, der erste bis 1986, der zweite während einer erneuten Ausbruchsphase von 2004 bis 2008. Zwischen der südlichen Kraterwand und dem ersten Dom bildete sich nach 1986 ein Gletscher. Beide Dome zusammen füllen laut USGS etwa sieben Prozent des Kraters.
Im Tal hinterließ die Schuttlawine eine hügelige Ablagerung, im Englischen „hummocky“. Der Hummocks Trail an der Westseite führt zwischen solchen Hügeln hindurch, die laut Forest Service Bruchstücke des Berges sind; eine kleine Insel im Coldwater Lake ist ebenfalls einer. Den Coldwater Lake selbst gab es vor 1980 nicht. Er entstand, weil die Schuttlawine den Coldwater Creek aufstaute. Insgesamt wurden drei Seen im Einzugsgebiet des North Fork Toutle durch Schuttdämme neu gebildet oder verändert, neben Coldwater Lake auch Castle Lake und Spirit Lake.
Am Spirit Lake stieg der Wasserspiegel um 64 Meter, und die Schuttmassen verschlossen seinen natürlichen Abfluss. Damit der aufgestaute See nicht durchbricht, leitet seit 1985 ein Tunnel durch den Fels Wasser in den South Coldwater Creek. Flussabwärts wirken die Sedimente von 1980 bis heute nach: Laut USGS führen Toutle und Cowlitz River weiterhin weit mehr Sediment als vor dem Ausbruch, und im oberen North Fork Toutle hält ein Bauwerk des U.S. Army Corps of Engineers Sediment zurück.
Wie das Leben zurückkam

Die Forschungsstation des Forest Service im pazifischen Nordwesten nennt den Mount St. Helens den am besten untersuchten Vulkan der Welt; fast die Hälfte aller Fachveröffentlichungen zur Ökologie von Vulkanen stamme von dort. Ihre Wissenschaftler gehörten zu den Ersten am Berg. Der Ökologe Charlie Crisafulli, damals noch Student, landete wenige Wochen nach dem Ausbruch mit dem Hubschrauber in der kahlen Landschaft. Er begann, die Folgen zu erfassen, und half, eine Strategie zu entwickeln, mit der sich die ersten und die langfristigen Reaktionen der Natur untersuchen ließen. Noch 1980 legten Forscher dauerhafte Beobachtungsflächen an. Crisafulli forschte sein ganzes Berufsleben am Berg, bis er 2021 in den Ruhestand ging.
Was die Forscher vorfanden, überraschte sie nach Darstellung der Station. Der aschebedeckte Boden wirkte leblos, doch in weiten Teilen des zerstörten Gebiets hatten Tausende Pflanzen, Tiere und Pilze überlebt. Diese Überlebenden und die abgestorbenen Organismen, im Fachbegriff biologische Hinterlassenschaften, beschleunigten die Erholung. Der Befund stellte die Annahme infrage, neue Besiedlung komme vor allem von außerhalb des zerstörten Gebiets.
Dass so viel überlebte, hing auch vom Zeitpunkt ab. Der Ausbruch geschah an einem Frühlingsmorgen. Die Knospen waren noch geschlossen, Reste von Schnee und Eis schützten Organismen, nachtaktive Tiere lagen in ihren Bauen. Viele Zugvögel waren noch nicht in ihre Brutgebiete am Berg zurückgekehrt, manche Lachse und Steelhead-Forellen waren auf See. Bei einem Ausbruch in einer Sommernacht wären nach Einschätzung der Forscher mehr Pflanzen und Tiere umgekommen.
Wasser und Land erholten sich unterschiedlich schnell. Die meisten Seen entsprachen laut Forschungsstation nach etwa sechs Jahren wieder typischen ungestörten Bergseen der Kaskaden. An Land dauerte es länger, weil die Asche wenig Nährstoffe enthielt. Rund 230 Quadratkilometer Waldlebensraum gingen verloren. Zugleich verfünffachte sich die Fläche von Seen und Teichen, und Amphibien, Insekten, Plankton und Pflanzen besiedelten die neuen Gewässer laut Forschungsstation schnell. Im 1982 eingerichteten Mount St. Helens National Volcanic Monument dürfen natürliche Vorgänge seither ungestört ablaufen. Dort sind andere Pflanzengemeinschaften entstanden als auf den aufgeforsteten Flächen außerhalb des Schutzgebiets, obwohl auch sie in der Zone der Druckwelle liegen.
Die Beobachtung geht weiter. Heute leitet der Forschungsökologe Donald Brown das Programm am Berg. Mit automatischen Aufnahmegeräten und Kamerafallen erfasst er in den großen Störungszonen Vögel, Fledermäuse und bodenlebende Säugetiere, um zu verfolgen, wie diese Arten auf die sich rasch verändernde Landschaft reagieren. Alle fünf Jahre treffen sich Forscher am Berg zu einem gemeinsamen Arbeitstreffen. Das nächste ist für 2030 geplant, das Jahr des 50. Jahrestags.
Süd- und Ostseite
An der Südseite liegt Ape Cave, eine Lavaröhre, die laut USGS vor etwa 1.895 Jahren entstand und damit weit älter ist als der Ausbruch von 1980. In der Höhle herrschen nach Angaben des Forest Service ganzjährig knapp 6 Grad. Besucht wird sie saisonal, nach Angaben von Recreation.gov mit einem Zeitfenster-Ticket, eines pro Fahrzeug, dazu Parkgebühr oder gültigem Pass; die aktuellen Saisondaten nennt der Forest Service. Den Gipfel darf besteigen, wer eine Erlaubnis hat. Sie ist oberhalb von rund 1.460 Metern das ganze Jahr nötig. Der Krater selbst ist für Besucher gesperrt.
Von Osten führen die Forest Roads 25 und 99 durch den großflächig umgeworfenen Wald bis Windy Ridge, von wo der Blick in den Krater und hinunter auf den Spirit Lake reicht. Diese Straßen sind laut Forest Service typischerweise von Ende Juni bis November befahrbar. Im Juni 2026 meldete er die Forest Road 99 noch als gesperrt; den aktuellen Stand sollte man vor der Fahrt beim Forest Service prüfen.
Die Westseite 2026: bis Coldwater

Von Westen führt die State Route 504 zum Berg, der Spirit Lake Memorial Highway, benannt zu Ehren der Opfer des Ausbruchs. Am 14. Mai 2023 glitt nach Angaben des Verkehrsministeriums von Washington (WSDOT) oberhalb der Straße ein Hang ab, verschüttete die Fahrbahn und zerstörte die Brücke am Abfluss des Spirit Lake. Innerhalb von zwei Monaten legten Bautrupps eine provisorische Umgehung an, damit die am Observatorium zurückgebliebenen Fahrzeuge geborgen werden konnten. Nach vier Monaten hatten Erosion, Wasser und der rutschende Untergrund auch das Provisorium zerstört. Seitdem ist die Zufahrt zum Johnston Ridge gesperrt, die Sperrgrenze liegt an einem Tor kurz hinter dem Ausgangspunkt des Hummocks Trail.
Der Neubau der Brücke begann am 27. April 2026. Nach einer geplanten Pause im August, in der WSDOT auf die Stahlträger wartete, setzen die Bautrupps sie seit September ein. Danach folgen Fahrbahnplatte und Geländer; nach einer Winterpause soll die Straße im Frühjahr 2027 asphaltiert und fertig sein. Erst dann kann der Forest Service das Johnston Ridge Observatory instand setzen, das Besucherzentrum mit Blick in den Krater. 2026 ist es geschlossen. Es könne 2027 wieder öffnen, schreibt der Forest Service, abhängig vom Fortschritt der Straßenarbeiten; einen festen Termin nennt er nicht.
Bis zur Sperrgrenze bleibt die Westseite laut WSDOT erreichbar, mit saisonalen Schließungen und Winterzeiten. Am Anfang der Straße liegt das Besucherzentrum am Silver Lake, betrieben von Washington State Parks und nach Angaben des Betreibers bis Sommer 2025 renoviert. Weiter oben zeigen der Hummocks Trail und der Coldwater Lake die Ablagerungen der Schuttlawine aus der Nähe. Und am Science and Learning Center at Coldwater erklärt ein kurzer Weg mit Tafeln, wie die seitliche Druckwelle Pflanzen und Tiere getroffen hat.
Fragen und Antworten
Ist das Johnston Ridge Observatory 2026 geöffnet?
Nein. Ein Erdrutsch im Mai 2023 hat die Zufahrt über die State Route 504 unterbrochen. Die Sperrgrenze liegt heute kurz hinter dem Ausgangspunkt des Hummocks Trail. Die Straße soll laut WSDOT im Frühjahr 2027 fertig sein. Der Forest Service schreibt, das Observatorium könne 2027 wieder öffnen, nennt aber keinen festen Termin.
Was ist an der Westseite 2026 erreichbar?
Nach Angaben des Verkehrsministeriums von Washington (WSDOT, Stand 5. Oktober 2026) sind es acht Ziele, alle mit saisonalen Schließungen und Winterzeiten: das Besucherzentrum am Silver Lake, das Forest Learning Center, die Aussichtspunkte Elk Rock und Castle Lake, das Science and Learning Center at Coldwater, der Coldwater Lake, der Hummocks Trail und der Ausgangspunkt des South Coldwater Trail. Diesen erreicht man 2026 nach Angaben des Mount St. Helens Institute nicht mit dem Auto, sondern nur zu Fuß oder mit dem Fahrrad hinter dem Tor.
Braucht man für die Ape Cave eine Reservierung?
Ja. Nach Angaben von Recreation.gov ist für den Besuch ein Zeitfenster-Ticket nötig, eines pro Fahrzeug, dazu eine Parkgebühr oder ein gültiger Pass. Die Höhle ist nur saisonal zugänglich. Die aktuellen Daten nennt der Forest Service.
Darf man auf den Gipfel des Mount St. Helens steigen?
Ja, mit einer Klettererlaubnis, die oberhalb von rund 1.460 Metern das ganze Jahr nötig ist. Vom 1. April bis 31. Oktober wird sie laut Recreation.gov dort gebucht und kostet 20 US-Dollar pro Person und Tag, dazu eine Reservierungsgebühr. Außerhalb dieser Zeit stellt man sie kostenlos selbst am Ausgangspunkt aus. Den Krater zu betreten ist verboten.
Wie kam das Leben an den Berg zurück?
Nach Angaben der Forschungsstation des Forest Service spielten Pflanzen, Pilze und Tiere, die vor Ort überlebt hatten, eine wichtige Rolle: Sie beschleunigten die Erholung. Das stellte die Annahme infrage, neue Besiedlung komme vor allem von außerhalb. Der Zeitpunkt an einem Frühlingsmorgen half: Knospen waren geschlossen, Schnee schützte, nachtaktive Tiere lagen in ihren Bauen, und viele Zugvögel waren noch nicht an den Berg zurückgekehrt.
Weiterführende Informationen
- U.S. Geological Survey: 1980 Cataclysmic Eruption
- U.S. Geological Survey: Mount St. Helens
- U.S. Geological Survey: Geologic History Summary for Mount St. Helens
- U.S. Geological Survey: Impact and aftermath
- U.S. Geological Survey: Mount St. Helens National Volcanic Monument
- U.S. Geological Survey: Lakes and Drainages Around Mount St. Helens
- U.S. Geological Survey: Hazards from Post-Eruption Excess Sediment at Mount St. Helens
- U.S. Geological Survey: 2004-2008 Renewed Volcanic Activity
- USDA Forest Service, Pacific Northwest Research Station: Mount St. Helens: A Living Laboratory for Ecological Research
- USDA Forest Service, Gifford Pinchot National Forest: Mount St. Helens National Volcanic Monument & Surrounding Area
- USDA Forest Service, Gifford Pinchot National Forest: Johnston Ridge Observatory
- USDA Forest Service, Gifford Pinchot National Forest: Mount St. Helens West: State Highway 504
- USDA Forest Service, Gifford Pinchot National Forest: Science and Learning Center at Coldwater
- USDA Forest Service, Gifford Pinchot National Forest: Mount St. Helens East: Forest Roads 25 & 99
- USDA Forest Service, Gifford Pinchot National Forest: Windy Ridge Interpretive Site
- USDA Forest Service, Gifford Pinchot National Forest: Seasonal Road Closures
- USDA Forest Service, Gifford Pinchot National Forest: Ape Cave Interpretive Site
- USDA Forest Service, Gifford Pinchot National Forest: Mount St. Helens Volcanic Monument Restrictions
- Recreation.gov: Mount St. Helens Climbing Permit
- Washington State Department of Transportation: SR 504 South Coldwater Slide – Spirit Lake Outlet Bridge Washout
- Washington State Department of Transportation: SR 504 bridge replacement on pause until September
- Washington State Parks: Mount St Helens Visitor Center
- Mount St. Helens Institute: Visit Mount St. Helens: Plan Your Trip Now
Angaben zu Öffnungszeiten, Eintritt, Angeboten und Zugänglichkeit können sich ändern. Maßgeblich sind die verlinkten Stellen.
Weiterführende Webseiten für unsere Community:
Dieser Beitrag beruht auf Recherche in den genannten Quellen.
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