Yakima River Canyon: die langsamere Straße zwischen Ellensburg und Selah
Ein halber Tag auf der langsameren Straße zwischen Ellensburg und Selah: anhalten am Fluss, zu Fuß über die letzte Hängebrücke des Canyons und weiter bis zum letzten Platz vor dem Roza-Damm.

Wer in Ellensburg im Zentrum Washingtons nach Süden aufbricht, hat zwei Möglichkeiten. Auf der Interstate 82 ist man schnell in Selah. Wer stattdessen die State Route 821 nimmt, vor Ort Canyon Road genannt, fährt am Yakima River entlang durch einen Canyon aus trockenen Hügeln und Basaltklippen und kann an mehreren Plätzen direkt am Ufer anhalten. An einem davon geht man über eine alte Hängebrücke auf die andere Seite des Flusses.
Zwei Straßen zwischen denselben Orten
Die Bundesstraßenbehörde nennt die Canyon Road eine recht zügige Alternative zur Interstate. Wie lange man unterwegs ist, entscheidet man vor allem selbst, nämlich an jedem Platz, an dem man aussteigt. Ohne Halte braucht man für die Strecke über die Plätze am Fluss bis Selah nach unserer Berechnung gut eine Stunde. Für die Gegenrichtung über die Interstate braucht man eine knappe Dreiviertelstunde.
Wer Längenangaben vergleicht, stößt auf drei verschiedene Zahlen. Den ausgewiesenen Scenic Byway gibt die Bundesstraßenbehörde mit rund 29 Kilometern an. Der Fluss windet sich nach Angaben des Bureau of Land Management, das große Flächen im Canyon verwaltet, auf rund 43 Kilometern durch den Canyon. Die State Route 821 selbst ist nach unserer Messung auf den Straßendaten rund 40 Kilometer lang.
Der eigentliche Unterschied liegt deshalb weniger in den Minuten als in der Art der Fahrt. Auf der Canyon Road bleibt man unten am Wasser, hält an einem der Plätze am Fluss, steigt aus und geht ans Ufer.
Wie der Fluss den Canyon schnitt

Südlich von Ellensburg fährt man am Fluss entlang. Das Wasser läuft neben einem her, darüber steigen die Hänge an, an manchen Stellen mehr als 600 Meter hoch. Die dunklen Klippen sind Basalt, erstarrte Lava aus dem Miozän.
Diese Schichten liegen hier nicht flach. Sie sind zu langen Rücken gefaltet, darunter die Manastash Ridge und die Umtanum Ridge, und der Yakima River schneidet quer durch sie hindurch. An den Ufern sind alte Flussterrassen erhalten, Stufen früherer Flussböden. Sie liegen als flache Absätze zwischen Wasser und Hang.
Umtanum: eine Brücke ans andere Ufer
Etwa auf halber Strecke biegt man nach Umtanum ab, in Fahrtrichtung Süden der erste Halt dieses Vorschlags. Man stellt das Auto auf dem Parkplatz ab und geht auf einem Kiesweg an Picknicktischen und den Plätzen des Campingplatzes vorbei bis zur Brücke. Daneben liegt ein kleiner Aussichtspunkt mit zwei Bänken und einer Hinweistafel. Wer erst einmal schauen möchte, bevor er hinübergeht, findet hier den Platz dafür.

Die Hängebrücke wurde um 1925 gebaut und spannt sich frei über 67 Meter. Damals trug sie Fahrzeuge über den Fluss und die Gleise der Northern Pacific zu Gehöften im Umtanum Creek Canyon, zeitweise sogar Model Ts. Mehrere ähnliche Brücken überquerten einst den Canyon, Umtanum ist die einzige, die geblieben ist. Seit Mitte der 1980er Jahre gehört sie den Fußgängern. 2021 wurde sie saniert und bekam ein stabileres Deck und ein verbessertes Geländer.
Für Besucher ist sie mehr als ein Denkmal. Sie ist im ganzen Canyon der einzige Weg zu Fuß auf die Westseite des Flusses. Drüben beginnen Wanderwege, und das öffentliche Land reicht bis in die Wenas Wildlife Area der Wildtierbehörde des Bundesstaats. Der rund 13 Kilometer lange Umtanum Creek Trail führt in das Seitental hinein, der Skyline Trail verbindet Ellensburg mit Selah. Wie weit man geht, hängt vom eigenen Tag ab. Für diesen Vorschlag genügt ein kurzes Stück auf der Westseite, bevor man über die Brücke zurückkehrt. Die Bahnlinie, deren Gleise die Brücke einst überquerte, verläuft bis heute neben dem Fluss.
Am Ufer entlang
Zurück am Auto fährt man weiter nach Süden. Wer am Lmuma Creek anhält, kann vom Campingplatz auf einem Pfad bergauf zu einem Aussichtspunkt mit einer Bank gehen. Big Pines ist der größte Campingplatz im Canyon. Dort führt ein befestigter Weg hinunter zu den Picknicktischen am Fluss, und einige Campingplätze am Wasser liegen im Schatten von Bäumen. Wer ein Boot dabeihat, findet hier eine Rampe mit barrierefreier Einstiegsplattform. Trinkwasser gibt es an keinem der Plätze.

Zwischen den trockenen Hängen zieht der Fluss einen grünen Saum aus Bäumen und Sträuchern. Der Fluss wird hier auch zum Angeln genutzt. Die Bundesbehörde, die das Land verwaltet, bezeichnet den Yakima River hier als den einzigen Forellenfluss Washingtons mit der Auszeichnung Blue Ribbon. Nach ihren Angaben brüten in den Spalten und Klippen über dem Ufer außerdem so viele Habichte, Adler und Falken wie nirgends sonst im Bundesstaat. Eine Sichtung kann niemand versprechen. Wer an einem Tisch am Wasser Pause macht, hat aber beides vor sich: den Fluss und die Felsen, in denen sie brüten.

Roza am Südende
Roza ist der letzte Platz am Fluss, rund 800 Meter oberhalb des Roza-Damms. Vom Parkplatz geht man zu den Picknicktischen am Ufer und kann vor der Weiterfahrt noch einmal am Wasser sitzen.

Für Bootsfahrer ist Roza der wichtigste Ausstieg, denn weiter flussabwärts versperrt der Damm den Weg. Wer auf dem Fluss unterwegs war, zieht hier das Boot an Land. Rafting gehört zu den Nutzungen, die der Canyon bietet, und viele Fahrten enden an diesem Platz. Wer ohne Boot kommt, hat hier den letzten Halt am Wasser, bevor die Straße den Canyon verlässt. Danach ist es nicht mehr weit nach Selah am Südende des Canyons, kurz vor der Stadt Yakima.

Die Fahrt planen
Von Ellensburg bis Umtanum sind es nach unserer Berechnung rund 22 Kilometer, etwa 26 Minuten. Für die Brücke und ein kurzes Stück am anderen Ufer plant man eine Stunde ein. Weiter nach Roza sind es rund 15 Kilometer, etwa 18 Minuten, und dort genügt eine halbe Stunde. Von Roza bis Selah bleiben noch rund 17 Kilometer und etwa 18 Minuten. Wer lieber in Selah beginnt, fährt die Halte in umgekehrter Folge: zuerst Roza, zuletzt die Brücke bei Umtanum.
Zurück nach Ellensburg nimmt man den schnelleren Weg. Er führt ab Selah zunächst kurz über die State Route 823, dann überwiegend über die Interstate 82 und am Ende ein kurzes Stück über die Interstate 90, zusammen gut 53 Kilometer in einer knappen Dreiviertelstunde. Mit den Halten ergibt das einen Ausflug von rund dreieinhalb Stunden. Wer die Westseite länger erkunden möchte, gibt sich mehr Zeit.

Die Plätze im Canyon sind das ganze Jahr geöffnet. Trinkwasser nimmt man selbst mit, denn es gibt keines. Auch auf das Telefon ist nicht überall Verlass, weil der Mobilfunk in weiten Teilen des Canyons schwach ist. Ob für Parken, Tagesnutzung oder Camping Gebühren anfallen und wann man reservieren kann, steht in den aktuellen Angaben des Bureau of Land Management.
Fragen und Antworten
Lohnt sich die Canyon Road statt der Interstate 82?
Wer Zeit hat und den Fluss erleben möchte, ja. Die Canyon Road folgt dem Yakima River durch einen Canyon aus Basaltklippen und hat mehrere Plätze am Ufer. Die Interstate ist schneller.
Wie lang ist die Strecke?
Das hängt vom Bezug ab: Der Scenic Byway ist rund 29 Kilometer lang, der Fluss im Canyon rund 43 Kilometer, die ganze State Route 821 nach unserer Messung rund 40 Kilometer.
Was ist die Umtanum-Brücke?
Eine Hängebrücke aus der Zeit um 1925 mit 67 Metern Spannweite. Sie ist die einzige erhaltene von mehreren ähnlichen Brücken im Canyon und der einzige Fußweg auf die Westseite des Flusses. 2021 wurde sie saniert.
Gibt es im Canyon Trinkwasser?
Nein. An den Plätzen am Fluss gibt es kein Trinkwasser und keine Anschlüsse. Auch der Mobilfunk ist vielerorts schwach.
Kann man im Canyon übernachten?
An mehreren Plätzen am Fluss gibt es Campingplätze, der größte ist Big Pines. Gebühren und Reservierungsmöglichkeiten nennt das Bureau of Land Management.
Kann man zum Roza-Damm gehen?
Der Roza-Platz liegt rund 800 Meter oberhalb des Damms und ist der letzte Ausstieg für Boote. Einen Zugang zum Damm selbst beschreiben die Angaben des Bureau of Land Management nicht.
Weiterführende Informationen
- Bureau of Land Management: Yakima River Canyon
- Bureau of Land Management: Historic Umtanum Suspension Bridge wins international footbridge award
- Federal Highway Administration: Yakima River Canyon Scenic Byway
- U.S. Geological Survey: Differential uplift and incision of the Yakima River terraces, central Washington State
Angaben zu Öffnungszeiten, Eintritt, Angeboten und Zugänglichkeit können sich ändern. Maßgeblich sind die verlinkten Stellen.
Weiterführende Webseiten für unsere Community:
Dieser Beitrag beruht auf Recherche in den genannten Quellen.
Weiterlesen
Weitere passende Beiträge
-
Routenvorschläge
Mount Rainier, Olympic und North Cascades auf einer Runde ab Seattle
-
Traumstraßen
Historic Columbia River Highway: Wo man die alte Straße fährt und wo man sie geht
-
Städte & Kultur
Seattle Center: Was die Weltausstellung 1962 mit Glaskunst und Popkultur verbindet
-
Natur
Mount St. Helens: Eine Landschaft, die den Ausbruch von 1980 noch zeigt
-
Traumstraßen
Ein Küstentag in Big Sur, hin und zurück ab Carmel
-
Traumstraßen
Seen aus Lava und Eis am Cascade Lakes Highway
-
Traumstraßen
North Shore Scenic Drive: am Nordufer des Lake Superior bis zur Grenze
-
Traumstraßen
Halte am Kancamagus Highway zwischen Lincoln und Conway
-
Traumstraßen
Talimena Scenic Drive: auf dem Kamm der Ouachita Mountains








