Crater Lake: der See im eingestürzten Mount Mazama
Der Crater Lake in Oregon füllt den Kessel des Mount Mazama, eines Vulkans, der vor etwa 7.700 Jahren nach einem Ausbruch in sich zusammenbrach. In den Kesselwänden lässt sich ablesen, wie der Berg gewachsen ist. Sein Wasserstand ergibt sich aus Niederschlag, Verdunstung und Versickerung.

Die Insel im Crater Lake heißt Wizard Island. Sie ist die Spitze eines Schlackenkegels, und nach Angaben des National Park Service ragen nur etwa zwei Prozent davon über den Wasserspiegel. Der Rest liegt im See, zusammen mit drei weiteren Vulkanen, die heute unter Wasser liegen. Alle vier sind jünger als der Kessel, in dem sie liegen.
Ein Vulkan, dem der Gipfel fehlt

An der Stelle des Sees stand einst der Mount Mazama. Nach Darstellung des U.S. Geological Survey war er keine einzelne Spitze, sondern eine Gruppe sich überlagernder Vulkane, die in knapp einer halben Million Jahren gewachsen war. Benannt ist er nach den Mazamas, einem Bergsteigerverein aus Portland. Der NPS schätzt, dass er vor seinem Einsturz etwa 3.700 Meter hoch war.
Vor etwa 7.700 Jahren begann der Ausbruch, der den Berg zerstörte. Aus einem einzelnen Schlot an der Nordostseite stieg eine Säule aus Bims und Asche rund 50 Kilometer hoch. Um den Gipfel herum öffneten sich ringförmige Risse. Durch sie trat weiteres Magma aus, und Ströme aus Bims und Asche füllten die Täler ringsum. Weil so viel Magma ausgetreten war, brach der Vulkan in sich zusammen. Zurück blieb ein Kessel von acht bis zehn Kilometern Durchmesser, eine Caldera.
Die Wände als Schnitt durch den Berg

Der NPS beschreibt den Blick in die Caldera als Blick ins Innere eines Vulkans. Die Steilwände zeigen Lage für Lage, wie der Mount Mazama über mehrere hunderttausend Jahre gewachsen ist.
Einige dieser Lagen lassen sich benennen. Unter dem Llao Rock liegt eine helle Schicht aus Bims und Asche, darüber ein mächtiger Lavastrom. Beide stammen nach dem USGS von einem Ausbruch vor etwa 7.900 Jahren, kurz vor dem großen Einsturz. Der orangefarbene Pumice Castle ist ein Rest älterer, kleinerer Ausbrüche. Am Südrand, etwa am Garfield Peak und am Applegate Peak, sind ältere Lavaströme übereinandergeschichtet. Das älteste Gestein über dem Wasserspiegel innerhalb der Caldera bildet das Phantom Ship, eine Felsgruppe im See aus rund 400.000 Jahre alter Lava.
Auch die Eiszeiten haben Spuren hinterlassen. Gletscher schliffen U-förmige Täler in die Flanken des Vulkans. Manche füllte spätere Lava wieder auf, andere blieben offen, darunter Kerr Notch und Sun Notch. An der Sun Notch führt ein Weg von der East Rim Drive um eine Wiese bergauf zum Rand. Von dort ist auch das Phantom Ship zu sehen.
Wasser, das nur von oben kommt
Nach dem Einsturz füllte sich der Kessel, aber nicht über Flüsse. Kein Fluss und kein Bach führt dem Crater Lake Wasser zu. Es stammt nach Angaben des NPS allein aus Regen und Schnee. Einige hundert Jahre lang stieg der Wasserspiegel. Zugleich brachen im Kessel neue Schlote auf. Sie bauten den Sockel von Wizard Island und in der Mitte einen Hügel aus Lavaströmen, die sogenannte zentrale Plattform. Eine Zeit lang hielten die Ausbrüche mit dem steigenden Wasser Schritt, doch nur Wizard Island wuchs hoch genug. Ihre letzten Ausbrüche fielen in eine Zeit, als der See noch etwa 80 Meter tiefer lag als heute. Nach dem USGS spielte sich all das innerhalb von 750 Jahren nach dem Einsturz ab.
Das Wasser stieg weiter, bis es fast die heutige Höhe erreicht hatte. Dort traf es nach dem USGS auf eine mächtige Schicht durchlässiger Ablagerungen in der Kesselwand. Durch sie sickert seitdem Wasser ab. Auf den See fällt nach Angaben des NPS doppelt so viel Niederschlag, wie an seiner Oberfläche verdunstet. Was nicht verdunstet, verliert er durch diese Schicht. Verdunstung und Versickerung zusammen halten dem Niederschlag die Waage. Jedes Jahr kommen knapp 130 Milliarden Liter hinzu, und ebenso viel geht verloren. Der Wasserstand ändert sich deshalb kaum.
Wie tief und warum so blau

Wie tief der See ist, wollte 1886 Clarence Dutton vom U.S. Geological Survey herausfinden. Seine Mannschaft ließ von einem Ruderboot aus ein Bleigewicht an Klavierdraht hinab und lotete 168-mal. Die größte Tiefe gab sie mit gut 600 Metern an. Genauer wurde die Vermessung erst mit Sonar. Heute nennen NPS und USGS eine größte Tiefe von knapp 600 Metern, mehr als bei jedem anderen See in den USA.
Die Farbe erklärt der NPS mit dem, was im See fehlt: Er enthält kaum etwas anderes als Wasser. Wassermoleküle nehmen alle Farben des Sonnenlichts auf, nur das Blau nicht. Es wird zurückgeworfen. Dafür braucht es sauberes Wasser in großer Menge, genug, um alle anderen Farben zu schlucken. Die Sichttiefe liegt im Mittel bei rund 31 Metern.
Unter dem Wasser geht es weiter
Wizard Island war nicht der letzte Ausbruch. Später drang an der Ostflanke ihres Sockels unter Wasser ein kleiner Dom aus zähflüssiger Lava empor, der nach dem NPS fast die Oberfläche erreichte. Seitdem ist der Vulkan ruhig. Erloschen ist er nach Einschätzung des USGS nicht. Künftige Ausbrüche würden wahrscheinlich innerhalb der Caldera stattfinden und vermutlich unter dem Wasserspiegel.
Am Rand entlang

Wer den Kessel aus verschiedenen Richtungen sehen will, fährt die Rim Drive. Die Straße um den See ist rund 53 Kilometer lang und hat rund 30 Aussichtspunkte mit Parkplätzen. Sie ist schmal, kurvig und hat keinen Seitenstreifen. Der NPS rechnet für eine Runde mit dem Auto oder Motorrad mit mindestens zwei Stunden einschließlich der Aussichtshalte, mit größeren Fahrzeugen oder Anhänger länger.
Zwei Aussichtspunkte erreicht man nur über einen Fußweg. Am Watchman Peak an der West Rim Drive, nordwestlich des Rim Village, führt ein mäßig ansteigender Weg zu einem Feuerwachturm mit Rundblick über den See und die Umgebung. Zum Sonnenuntergang ist er nach Angaben des NPS besonders voll. Im Osten steigt ein Weg auf den Mount Scott, mit gut 2.700 Metern der höchste Gipfel des Parks. Nur von dort aus ist im Park der ganze See auf einmal zu sehen. Am Mount Scott begannen nach dem USGS auch die ersten Ausbrüche, aus denen der Mount Mazama wuchs.
Schnee bestimmt das Jahr

Der Park ist das ganze Jahr geöffnet, doch der Schnee bestimmt, was erreichbar ist. Am Parkhauptquartier fallen im Mittel mehr als zwölf Meter Schnee im Jahr. Der NPS führt das auf die Lage auf dem Kamm der Kaskaden zurück. Die Rim Drive und die Nordzufahrt werden am 1. November oder mit dem ersten starken Schneefall für Autos gesperrt. Ab Mai öffnen sie je nach Schneelage abschnittsweise wieder. Auch im Sommer kann es Teilsperrungen geben, etwa nach Steinschlag.
Die knapp fünf Kilometer lange Straße vom Parkhauptquartier hinauf zum Rim Village hält der Park so weit wie möglich frei. Bei starkem Schnee kann sie aber für Tage oder Wochen gesperrt sein. Viele Wege am Rand liegen von Dezember bis in den Juni unter Schnee und Eis, und im Winter verdecken oft Wolken den See. Warme, trockene Tage sind nach dem NPS am ehesten im Juli, August und September zu erwarten.
Der See selbst friert dagegen selten zu, denn seine große Wassermenge speichert nach Angaben des NPS viel Wärme.
Fragen und Antworten
Woher bekommt der Crater Lake sein Wasser?
Nur aus Regen und Schnee. Flüsse oder Bäche münden nicht in den See. Dass er trotzdem nicht überläuft, liegt nach Angaben von NPS und USGS an der Verdunstung und an einer durchlässigen Schicht in der Kesselwand, durch die Wasser absickert.
Wie tief ist der Crater Lake?
An der tiefsten Stelle knapp 600 Meter. Damit ist er nach Angaben von NPS und USGS der tiefste See der USA.
Wie lange braucht man für die Rim Drive?
Der NPS rechnet für die rund 53 Kilometer lange Runde mit dem Auto oder Motorrad mit mindestens zwei Stunden einschließlich der Aussichtshalte, mit größeren Fahrzeugen oder Anhänger länger. Je nach Schneelage sind Abschnitte gesperrt.
Ist der Park im Winter geöffnet?
Ja. Die Zufahrten über den Highway 62 von Süden und Westen sind ganzjährig offen, Schneeketten können vorgeschrieben sein. Die Rim Drive und die Nordzufahrt werden am 1. November oder mit dem ersten starken Schneefall für Autos gesperrt und öffnen ab Mai je nach Schneelage abschnittsweise. Die Straße zum Rim Village kann bei starkem Schnee zeitweise gesperrt sein.
Ist der Vulkan noch aktiv?
Nach Einschätzung des USGS ist der Vulkan nicht erloschen. Künftige Ausbrüche würden wahrscheinlich innerhalb der Caldera stattfinden und vermutlich unter dem Wasserspiegel. Seit dem letzten bekannten Ausbruch, einem Lavadom unter Wasser, ist er ruhig.
Weiterführende Informationen
- National Park Service, Crater Lake National Park: Crater Lake
- National Park Service, Crater Lake National Park: Geology of Mount Mazama
- National Park Service, Crater Lake National Park: Wizard Island and Other Post-Caldera Eruptions
- National Park Service, Crater Lake National Park: Frequently Asked Questions
- U.S. Geological Survey: Mount Mazama and Crater Lake: Growth and Destruction of a Cascade Volcano (Fact Sheet 092-02)
- U.S. Geological Survey: Crater Lake
- U.S. Geological Survey: Crater Lake: Geology and History
- National Park Service, Crater Lake National Park: Scenic Rim Drive
- National Park Service, Crater Lake National Park: Hiking
- National Park Service, Crater Lake National Park: Weather
- National Park Service, Crater Lake National Park: Visiting in Winter
- National Park Service, Crater Lake National Park: Directions
- National Park Service, Crater Lake National Park: Basic Information
- National Park Service, Crater Lake National Park: Cleetwood Cove
Angaben zu Öffnungszeiten, Eintritt, Angeboten und Zugänglichkeit können sich ändern. Maßgeblich sind die verlinkten Stellen.
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