Humboldt Redwoods State Park: einen Altwald an Boden, Rinde und Wurzeln lesen
Flussebenen, Rinde, Wurzeln und liegende Stämme zeigen im Humboldt Redwoods State Park in Nordkalifornien, wie Hochwasser, Feuer und Nebel diesen Wald geprägt haben. Dazu kommt die Geschichte seines Schutzes, die auch dunkle Kapitel hat.

Knapp 7.000 Hektar des Humboldt Redwoods State Park, etwa ein Drittel seiner Fläche, sind Altwald aus Küstenmammutbäumen. Die Parkverwaltung California State Parks bezeichnet ihn als die größte zusammenhängende Fläche dieser Art, die weltweit erhalten geblieben ist. Das Wort „Altwald“ nennt dabei kein bestimmtes Alter. Es bedeutet, dass hier nie abgeholzt wurde.
Wo der Park liegt
Der Park liegt im südlichen Humboldt County in Nordkalifornien, entlang des Eel River und der Avenue of the Giants. Die rund 51 Kilometer lange Straße, offiziell State Route 254, verläuft von Phillipsville im Süden bis Pepperwood im Norden ungefähr parallel zum Highway 101. Nach Angaben der Parkverwaltung umfasst der Park selbst rund 21.000 Hektar. Ihr Infoblatt bezeichnet ihn als drittgrößten State Park Kaliforniens. Hauptarm und South Fork des Eel River durchfließen ihn auf zusammen rund 48 Kilometern.
Verwechslungsgefahr besteht mit den Redwood National and State Parks, einem eigenständigen Schutzgebiet weiter nördlich an der Küste. Angaben zu Wegen, Öffnungszeiten oder Sperrungen des einen Gebiets gelten nicht für das andere.
Der Boden: was die Flussebenen über den Wald verraten

Küstenmammutbäume wachsen im Park nicht überall gleich. Auf flachen, von Schlick bedeckten Ebenen an Flüssen und Bächen bilden sie laut State Parks fast reine Bestände, besonders auf den Bull Creek Flats und im Rockefeller Forest. Auf den trockeneren Hängen stehen sie gemischt mit Douglasien, Tanoak, Madrone, Ahorn und Kalifornischem Lorbeer. Die Humboldt Redwoods Interpretive Association, die das Visitor Center betreibt, fasst es knapp zusammen: Auf diesen Schwemmebenen wachsen viele der höchsten Bäume.
Wer auf ebenem, schlickigem Grund nahe am Wasser steht, befindet sich also wahrscheinlich auf einer solchen Schwemmebene. Sie entsteht aus dem, was zunächst wie eine Bedrohung aussieht: den Ablagerungen von Hochwassern. Was Überschwemmungen anrichten können, zeigt Stephen's Grove, einer der ersten geschützten Haine des Parks. Er diente als Campingplatz, bis ihn die Hochwasser von 1955 und 1964 unter Schlickschichten begruben. Der Wald, schreibt State Parks, erobere solche Flächen schnell zurück.
Die Hochwasser hatten eine zweite Folge. Laut der Interpretive Association stoppte die Flut von 1955 vorübergehend den Holzeinschlag im Einzugsgebiet des Bull Creek und beschleunigte den Ankauf der verwüsteten Hänge. Nach der noch schwereren Flut von 1964 verkauften viele Anwohner ihr Land. In den 1970er Jahren war der Park einschließlich des Einzugsgebiets des Bull Creek auf etwa 10.000 Hektar gewachsen.
Die Rinde: Farbe, Gerbstoff, Feuer

Ihren Namen verdanken die Redwoods der rötlichen Farbe von Rinde und Kernholz. Das Holz enthält viel Gerbstoff, Tannin, und ist dadurch sehr widerstandsfähig gegen Pilze und Insekten. Die dicke, faserige Rinde enthält noch mehr davon und schützt den Baum vor wiederkehrenden Bränden. An alten Bäumen ist sie nach Angaben der Interpretive Association oft mehr als 30 Zentimeter dick.
Die Parkverwaltung sieht Feuer nicht nur als Bedrohung für diesen Wald. Ab Herbst 2026 plant sie gemeinsam mit CAL FIRE und in Zusammenarbeit mit lokalen Stämmen kontrollierte Brände, sofern das Wetter es zulässt. Als Ziele nennt sie unter anderem, Brennmaterial zu verringern und das Feuer als natürlichen Prozess in den Redwood-Wald zurückzubringen.
Die Wurzeln: flach, aber verbunden

Ein Baum von über hundert Metern Höhe braucht, so würde man annehmen, tiefe Wurzeln. Küstenmammutbäume haben keine Pfahlwurzel. Ihr Wurzelwerk reicht nur wenige Meter tief – die Angaben der Quellen schwanken zwischen weniger als zwei und knapp vier Metern. Dafür breitet es sich weit aus und verflicht sich mit dem der Nachbarbäume. Die Bäume stützen sich gewissermaßen gegenseitig. Starker Wind und Überschwemmungen können sie trotzdem umwerfen.
Aus diesen Wurzeln wächst auch neuer Wald. Küstenmammutbäume vermehren sich über Samen, aber auch über Austriebe aus Wurzeln und Stamm. Fällt ein alter Baum, treiben um den Stumpf oft neue Stämme aus, häufig fast im Kreis. Verrottet der Stumpf, bleibt ein Ring jüngerer Bäume zurück. Die Save the Redwoods League beschreibt solche Kreise als „fairy rings“ und verweist auf eine Studie, nach der bis zu zehn Prozent der Bäume in einem solchen Ring keine direkten Klone sind. Wer im Wald einen Kreis ähnlich starker Stämme um eine Lücke sieht, kann darin den Umriss eines verschwundenen Baums vermuten. Belegt ist das aber nur im Einzelfall.
Die liegenden Riesen

Rund 6,6 Kilometer nördlich des Visitor Center führt ein kurzer Rundweg durch Founders Grove zum Founders Tree, benannt nach den Gründern der Save the Redwoods League, und zum Dyerville Giant. Dieser Baum war laut State Parks gut 110 Meter hoch. Das aktuelle Infoblatt des Parks nennt umgerechnet knapp 113 Meter. 1991 stürzte er um.
Er liegt noch dort und gibt, so State Parks, seitdem Nährstoffe an den Wald ab. Wie ernst die Parkverwaltung das nimmt, zeigen ihre Meldungen aus dem Jahr 2026: Mehrfach meldete sie Diebstahl von liegendem Altwaldholz an der Mattole Road und erklärte, wer einen solchen Stamm entferne, nehme dem Wald Nährstoffe, die er über Hunderte Jahre erhalten hätte. Das Sammeln oder Mitnehmen natürlicher Objekte ist im Park verboten.
Bei Altersangaben zu solchen Stämmen ist Vorsicht geboten. Die Zahlen auf Schildern und in Broschüren sind nach Aussage der League meist Schätzungen, und die Größe eines Baums verrät sein Alter nicht zuverlässig. Einige Bäume im Park sind laut State Parks vermutlich bis zu 2.000 Jahre alt.
Wasser aus der Luft
Die Informationsseite der Parkverwaltung nennt jährlich etwa 1.500 bis 2.000 Millimeter Regen, der überwiegend zwischen Oktober und Mai fällt. Andere Angaben des Parks liegen höher. Im Sommer regnet es selten. Dann liegt morgens häufig Nebel, der sich meist bis Mittag auflöst.
Für die Bäume ist dieser Nebel eine Wasserquelle. Forschungsergebnisse des Biologen Todd Dawson von der University of California, Berkeley, auf die sich die League beruft, zeigen: Sommernebel kann 30 Prozent oder mehr des Wassers liefern, das Küstenmammutbäume im Jahr aufnehmen. Der Nebel schlägt sich an den Nadeln nieder. Einen Teil nehmen die Bäume direkt auf, der Rest tropft zu Boden. Das ist ein allgemeiner Forschungsbefund zu Küstenmammutbäumen, kein Messwert für diesen Park.
Weniger Sommernebel könnte für die Bäume deshalb zum Problem werden. Eine 2010 veröffentlichte Studie von James A. Johnstone und Todd E. Dawson wertete Messungen der Wolkenuntergrenze von 1951 bis 2008 aus. Aus langfristigen Temperaturdaten leiteten die Autoren ab, dass sommerlicher Nebel an der Küste seit dem frühen 20. Jahrhundert um etwa ein Drittel seltener geworden ist. Eine Messung speziell in diesem Park ist das nicht. Auch die Parkbroschüre nennt die Sorge, dass steigende Temperaturen und weniger Sommernebel den Küstenmammutbäumen schaden könnten.
Wie der Wald geschützt wurde
Der Park liegt nach Angaben von State Parks auf dem Land der Lolangkok Sinkyone, deren Vorfahren das Gebiet schon Jahrtausende vor dem ersten Kontakt mit Europäern bewohnten. Für die Mitte des 19. Jahrhunderts nennt die Parkverwaltung Zwangsvertreibung und Völkermord an vielen Sinkyone. Ab den 1850er Jahren begannen Siedler, große Redwood-Bestände zu roden. Anfang des 20. Jahrhunderts fielen auch im heutigen Parkgebiet uralte Bäume, unter anderem für Rebpfähle und Schindeln.
1918 wurde die Save the Redwoods League gegründet. 1921 entstand der Park mit einem einzigen kleinen Hain, dem Bolling Memorial Grove. Nach Angaben der Humboldt Redwoods Interpretive Association wurden 1931 gut 3.600 Hektar von der Pacific Lumber Company erworben. Finanziert wurde der Kauf durch Spenden von John D. Rockefeller Jr., zu denen der Bundesstaat Kalifornien nach einem Gesetz von 1928 jeweils denselben Betrag beisteuerte. Das Gebiet ist heute als Rockefeller Forest bekannt, einer der Orte, an denen die Mammutbäume auf den Schwemmebenen fast reine Bestände bilden.
Zur Geschichte gehört auch, was die Parkverwaltung und die League heute offen benennen: Zwei der League-Gründer, Madison Grant und Henry Fairfield Osborn, waren führende Vertreter der Eugenik. Darüber informiert in Founders Grove eine Tafel, die State Parks, die League und Studenten der damaligen Humboldt State University gemeinsam aufgestellt haben.
Was man von der Straße aus sieht und was nicht

Die Avenue of the Giants erschließt den Park vom Auto aus. Die Parkverwaltung beschreibt eine Autotour mit acht Stopps, Broschüren dazu liegen an beiden Enden der Straße und im Visitor Center aus. Näher an Boden, Rinde und liegendes Holz kommt man auf den kurzen Wegen, die State Parks beschreibt. Mehrere davon sind barrierefrei, darunter der Gould Grove Nature Trail gegenüber dem Visitor Center, der Founders Grove Loop und der Rockefeller Loop. Keiner dieser drei Wege ist länger als rund einen Kilometer. Die Detailangaben der Parkverwaltung nennen allerdings auch Steigungen und eine Straßenquerung.
Wer lange Wanderungen ins Hinterland plant, sollte vorab beim Visitor Center den Zustand von Wegen und saisonalen Brücken erfragen.
Fragen und Antworten
Kostet der Humboldt Redwoods State Park Eintritt?
Laut Infoblatt der Parkverwaltung (Mai 2026) gibt es keine Eintritts- oder Parkgebühren. Ausnahme ist der Tagesbereich Williams Grove mit 8 US-Dollar pro Fahrzeug und Tag.
Wie viel Zeit sollte man für den Park einplanen?
Die Parkverwaltung schlägt für eine Stunde das Visitor Center und den barrierefreien Gould Grove Nature Trail gegenüber vor. Für einen halben Tag nennt sie die Fahrt über die Avenue of the Giants und den kurzen Rundweg durch Founders Grove zum Dyerville Giant. Das sind Vorschläge des Parks, keine redaktionell erprobte Route.
Darf man Hunde mitnehmen?
Im Park ja, auf den Wegen jedoch nicht – ausgenommen sind Assistenzhunde. Die Leine darf höchstens 1,83 Meter lang sein.
Ist der Park dasselbe wie die Redwood National and State Parks?
Nein. Die Redwood National and State Parks sind ein eigenständiges Schutzgebiet weiter nördlich an der Küste. Angaben zu Wegen, Öffnungszeiten oder Sperrungen des einen Gebiets gelten nicht für das andere.
Weiterführende Informationen
- California State Parks: Humboldt Redwoods State Park
- California State Parks: Humboldt Redwoods SP – Park Information
- California State Parks: Humboldt Redwoods SP – Park Adventures
- California State Parks: Infoblatt Humboldt Redwoods SP (PDF, Mai 2026)
- California State Parks: Barrierefreie Angebote Humboldt Redwoods SP
- California State Parks: Pressemitteilung zu kontrollierten Bränden (16.09.2026)
- California State Parks: Humboldt Redwoods SP – Geschichte und Eugenik-Hinweis
- Save the Redwoods League: Coast Redwoods
- Save the Redwoods League: How Old Are These Redwoods, Really?
- Save the Redwoods League: Reckoning with the League Founders’ Eugenics Past
- Save the Redwoods League: The Science of Redwoods and Fog
- Humboldt Redwoods Interpretive Association: Park History
- Humboldt Redwoods Interpretive Association: Redwoods
- California State Parks: Parkbroschüre Humboldt Redwoods SP (PDF, 2017)
- California State Parks: Humboldt Redwoods SP – Land Acknowledgement
- California State Parks: Pressemitteilung zum Diebstahl von Redwood-Holz (26.06.2026)
- Save the Redwoods League: Explaining the Mystery Behind Fairy Rings in the Redwoods
- J. A. Johnstone, T. E. Dawson, PNAS 107 (2010): Climatic context and ecological implications of summer fog decline in the coast redwood region (Abstract)
- Humboldt Redwoods Interpretive Association: Visitor Center
- Veranstalter Humboldt Redwoods Marathon: Avenue of the Giants / Humboldt Redwoods Marathon
- Caltrans: Straßenzustand State Route 254
Angaben zu Öffnungszeiten, Eintritt, Angeboten und Zugänglichkeit können sich ändern. Maßgeblich sind die verlinkten Stellen.
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Dieser Beitrag beruht auf Recherche in den genannten Quellen.
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