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Routenvorschläge

Von Lancaster County nach Gettysburg: über den Susquehanna

Die US 30 verbindet Lancaster County mit Gettysburg. Dazwischen liegt der Susquehanna, an dem im Juni 1863 eine brennende Brücke den Konföderierten den Weg nach Osten versperrte. Unser Vorschlag: vier Nächte ab Philadelphia, je zwei in Lancaster und in Gettysburg.

Vom USA Reisen Magazin · Community-Content: Sylvia Spleth

Lesezeit etwa 9 Minuten

Eine schwarze Dampflokomotive mit der Nummer 90 an der Rauchkammertür steht mit Personenwagen an einem Bahnsteig, dahinter ein Stellwerkturm mit rotem Dach, ein Parkplatz und Maisfelder.
Dampflokomotive Nr. 90 der Strasburg Rail Road.

Zwischen Columbia und Wrightsville überspannt eine Brücke aus Betonbögen den Susquehanna, gut zwei Kilometer lang und seit 1930 in Betrieb. Sie trägt heute die Route 462, und außer Autos dürfen auch Fußgänger und Radfahrer hinüber. Knapp nördlich davon stehen noch die Pfeiler einer Holzbrücke von 1834, die 1840 Treidelwege für den Kanal und 1850 Bahngleise erhielt. Am 28. Juni 1863 erreichten Konföderierte von York her das Westufer. Die Miliz der Union zog sich über die Holzbrücke zurück und steckte sie in Brand, der Weg nach Osten blieb den Angreifern versperrt. Drei Tage später, am 1. Juli, begann bei Gettysburg die Schlacht, und die Brigade, die am Fluss gestanden hatte, kämpfte dort mit.

Über diesen Fluss führt der Weg von Lancaster County nach Gettysburg. Auf der einen Seite erklären Museen die Kultur der Pennsylvania-Deutschen und die frühe Eisenbahn, auf der anderen liegen Museum und Schlachtfeld. Beides braucht Zeit, und in Lancaster County haben Markt und Museen nicht an jedem Tag geöffnet. Philadelphia ist in unserem Vorschlag nur Start und Ziel.

Pennsylvania-Deutsche und Amish

Der Central Market in Lancaster belegt eine rote Backsteinhalle. Laut Stadt findet man dort regionale Spezialitäten wie Pennsylvania-Dutch-Wurst, Presskopf und Scrapple, ein Frühstücksfleisch aus Schweineresten und Maismehl, dazu Eingemachtes wie Chowchow, eingelegtes Gemüse. Geöffnet ist der Markt nur an einigen Wochentagen.

Rote Backsteinhäuser, grüne Bäume und ein hoher Kirchturm prägen den Blick über die Dächer von Lancaster.
Über den Dächern von Lancaster.

Nördlich der Stadt zeigt das Landis Valley Village & Farm Museum, wie die Pennsylvania-Deutschen vom 18. Jahrhundert bis 1940 auf dem Land lebten und arbeiteten. Anfang des 20. Jahrhunderts richteten die Brüder George und Henry Landis auf ihrem Hof ein kleines Museum ein. Heute gehört es zur Pennsylvania Historical and Museum Commission, der Geschichtsbehörde des Bundesstaats. Zu sehen sind historische Gebäude, ein nachgebautes Dorf an einer Straßenkreuzung und bewirtschaftete Höfe mit alten Nutztierrassen und Pflanzensorten. Die Wege bestehen aus Kies, Backstein und unebenem Belag, manche Häuser sind nicht barrierefrei.

Auskunft über die Amish gibt das Young Center am Elizabethtown College, das Täufer- und Pietistengruppen erforscht. Danach sind die Amish eine christliche Kirche, die auf die Reformation des 16. Jahrhunderts zurückgeht. Sie wanderten im 18. und 19. Jahrhundert nach Nordamerika aus, in Europa leben heute keine Amish mehr. Rund vierzig Gruppierungen unterscheiden sich in Namen, Kleidung und Regeln für den Umgang mit Technik. Ein Farmhaus von innen zeigt Amish Farm and House, ein kommerzielles Besucherangebot, das ein Unternehmer aus Lancaster 1955 eröffnete. Hof und Haus gehörten laut Betreiber früher einer Amish-Familie, die Hausführung dauert eine halbe Stunde.

Ein Mann lenkt mehrere Zugtiere mit einem Feldgerät über einen Acker; dahinter stehen ein Wohnhaus und Bäume.
Feldarbeit mit einem Gespann.

Eisenbahn in Strasburg

Die Philadelphia & Columbia Railroad, die ab 1831 von Philadelphia nach Columbia gebaut wurde, führte fast acht Kilometer an Strasburg vorbei. Der Ort erhielt 1832 die Konzession für eine eigene Bahn. Nach 1851 fuhr die Strasburg Rail Road Personen und Güter zur Abzweigstelle in Paradise an der Hauptstrecke. Gut hundert Jahre später stand sie kurz vor der Stilllegung. Eine Gruppe von Bahnfreunden aus der Gegend kaufte sie, der Kauf war am 1. November 1958 abgeschlossen, und 1959 begann der Ausflugsverkehr.

Heute fährt der Zug auf demselben Gleis nach Paradise und zurück, gut sieben Kilometer je Richtung, zusammen 45 Minuten. An der Endstelle koppelt die Lok ab und setzt sich an das andere Ende des Zugs, eine Tonspur erklärt unterwegs Bahn und Umgebung. Loks und Wagen sind laut Betreiber keine Nachbauten.

Rund hundert Meter vom Bahnhof entfernt liegt das Railroad Museum of Pennsylvania. Es geht auf ein Landesgesetz von 1963 zurück, öffnete 1975 und gehört ebenfalls zur Geschichtsbehörde des Staats. Es widmet sich nicht nur der Pennsylvania Railroad, sondern allen Bahnen im Bundesstaat, und zeigt mehr als hundert Lokomotiven und Wagen, die in Pennsylvania gebaut wurden oder dort fuhren.

Über den Susquehanna

Von Lancaster nach Gettysburg fährt man auf der US 30. Eine Tafel der Geschichtsbehörde in Columbia erinnert an den Lincoln Highway, den die Lincoln Highway Association 1913 von New York nach San Francisco anlegte, meist aus vorhandenen Straßen. 1925 wurde ein großer Teil seiner Strecke durch Pennsylvania zur Route 30. Am Susquehanna lief die alte Route über die Brücke von 1930. Die heutige US 30 quert den Fluss auf einer eigenen, jüngeren Brücke.

Wer die alte Brücke fahren will, verlässt in Columbia die US 30 und nimmt die Route 462 nach Wrightsville. Nach unserer Berechnung kostet das nur wenige Minuten. Für schwere Fahrzeuge gilt auf der Brücke eine Gewichtsgrenze, die aktuellen Beschränkungen sollte man vor der Fahrt bei der Straßenbaubehörde PennDOT nachsehen.

Die Holzbrücke war rund 1,7 Kilometer lang. Laut einer Tafel der Geschichtsbehörde von 1947 sollten die Konföderierten, die General Early von York aus schickte, den Fluss überqueren und auf Harrisburg marschieren. Nach den Berichten der konföderierten Generäle Ewell und Gordon griff das Feuer von der Brücke auf Wrightsville über, und Gordons Soldaten halfen beim Löschen. Am Morgen des 29. Juni zog Gordon ab. Am selben Tag erhielt Ewells Korps den Befehl, nach Cashtown bei Gettysburg zu marschieren, und am 1. Juli stand Gordons Brigade in der Schlacht.

Gettysburg: erst das Museum, dann das Feld

Das Museum and Visitor Center am Baltimore Pike gehört der gemeinnützigen Gettysburg Foundation, die es zusammen mit dem National Park Service betreibt. Ein 20 Minuten langer Film führt in die Schlacht ein. Das Rundgemälde des Franzosen Paul Philippoteaux, rund 115 Meter im Umfang und knapp 13 Meter hoch, zeigt Pickett's Charge: Am 3. Juli 1863 griffen rund 12.000 Konföderierte über offenes Feld die Mitte der Union an, der Angriff scheiterte. Dazu kommt ein Museum mit rund 2.040 Quadratmetern Ausstellungsfläche. Film, Rundgemälde und Museum kosten Eintritt, das Schlachtfeld nicht. Für das Visitor Center allein rechnet der National Park Service mit mindestens zwei bis drei Stunden.

Mit diesem Überblick fährt man danach aufs Feld. Die Auto Tour beginnt am Visitor Center, folgt auf rund 39 Kilometern mit 16 Stationen den wichtigsten Ereignissen der Schlacht und endet am Nationalfriedhof. Der Park veranschlagt dafür mindestens drei Stunden, zusätzlich zur Zeit im Visitor Center. Einen Plan mit den Stationen gibt es am Kiosk vor dem Gebäude auch dann, wenn es geschlossen ist. Wer sich führen lassen will, kann am Visitor Center einen lizenzierten Battlefield Guide nehmen, der zwei Stunden im eigenen Auto mitfährt.

Ein weißes Denkmal mit Kuppel, Siegesfigur auf der Spitze und Bronzestatuen zwischen den Säulen, am Sockel Reihen von Bronzetafeln, darüber Sommerwolken.
Das Pennsylvania Memorial auf dem Schlachtfeld von Gettysburg.

An der Strecke liegt das Seminary Ridge Museum. Es erzählt vom ersten Kampftag und vom Lazarett, in Räumen, in denen laut Museum mehr als 600 Verwundete versorgt wurden. Die Ausstellung ist bis auf Dachboden und Kuppel barrierefrei. Die geführte Kuppeltour dauert eine halbe Stunde, Kinder müssen laut Museum mindestens rund 1,22 Meter groß sein, die aktuellen Bedingungen nennt das Museum.

Ein historisches Geschütz mit großen Speichenrädern steht unter einem Baum über der weiten Landschaft des Schlachtfelds.
Ein Geschütz auf Little Round Top, einem Hügel des Schlachtfelds von Gettysburg.

In der Stadt steht das Haus des Anwalts David Wills. Dort übernachtete Abraham Lincoln am Abend des 18. November 1863, am nächsten Tag hielt er bei der Einweihung des Nationalfriedhofs die Gettysburg Address. Wir planen das Haus nur als Außenansicht ein, ob es geöffnet ist, steht beim Park.

Die Eisenhower-Farm

Gleich neben dem Schlachtfeld liegt die Farm von Dwight D. Eisenhower, General und 34. Präsident der USA. Der Präsident und die First Lady nutzten sie als Wochenendsitz, hier trafen sie auch Staatsgäste. Man fährt mit dem eigenen Auto direkt hin, über die Emmitsburg Road und dann der Beschilderung zum Parkplatz auf dem Gelände nach. Als Navigationsadresse dient 250 Eisenhower Farm Rd. Nach unserer Berechnung sind es vom Visitor Center gut fünf Kilometer und gut zehn Minuten bis zum Haupttor der Farm, die Fahrt auf dem Gelände kommt hinzu. Die Parkplätze sind knapp und für Pkw gedacht, Wohnmobile, Anhänger und Busse brauchen vorher eine Genehmigung.

Das Gelände ist tagsüber offen und kostet keinen Eintritt. Das Wohnhaus kann man nur in einem Teil des Jahres und an bestimmten Tagen besichtigen. Termine und Anmeldung stehen auf der Seite des Parks.

Vier Nächte zwischen Philadelphia und Gettysburg

Unser Vorschlag sieht zwei Nächte in Lancaster und zwei in Gettysburg vor. Die Fahrzeiten sind eigene Berechnungen ohne Halte.

Am ersten Tag fährt man von Philadelphia nach Lancaster, rund 130 Kilometer und etwa eine Stunde und 45 Minuten, zum Teil auf dem mautpflichtigen Pennsylvania Turnpike. Der Nachmittag gehört dem Central Market, wenn Markttag ist, sonst Landis Valley, gut zehn Minuten nördlich der Stadt. Den zweiten Tag verbringt man in Strasburg, gut 20 Minuten entfernt: die Zugfahrt, dazu nach unserer Schätzung zwei Stunden im Railroad Museum. Am Nachmittag bleibt Zeit für den Teil, der am ersten Tag fehlte.

Der dritte Tag ist der Wechseltag. Von Lancaster über die alte Brücke nach Gettysburg sind es rund 92 Kilometer und etwa eine Stunde und 40 Minuten. Am Nachmittag folgt das Visitor Center mit Film, Rundgemälde und Museum. Den vierten Tag beginnt man mit der Auto Tour, die mindestens den Vormittag füllt. Mittags folgt das Seminary Ridge Museum, nach unserer Schätzung etwa eine Stunde. Am Nachmittag bleibt Zeit für die Eisenhower-Farm, mit Anfahrt nach unserer Schätzung etwa zwei Stunden, oder für weitere Stationen auf dem Schlachtfeld. Am fünften Tag geht es nach einem Blick auf das Wills House zurück nach Philadelphia, rund 230 Kilometer und knapp drei Stunden, wieder zum Teil auf dem Turnpike.

Karte vom Süden Pennsylvanias mit der Rundreise ab Philadelphia: nach Lancaster, über die Brücke zwischen Columbia und Wrightsville am Susquehanna nach Gettysburg und zurück, Maryland, Delaware und New Jersey als Nachbarn. Detailansichten zeigen Lancaster mit Central Market, Landis Valley, Bahnhof und Railroad Museum sowie Gettysburg mit Visitor Center, Seminary Ridge Museum, Wills House und dem Haupttor der Eisenhower-Farm.

Drei Dinge können den Plan stören. Der Markt hat nur an einigen Wochentagen offen. Landis Valley und das Railroad Museum haben feste Ruhetage, die bei unserer Prüfung auf dieselben zwei Tage fielen. An diesen Tagen sind beide Museen geschlossen, und Tauschen hilft dann nicht. Man verschiebt die Anreise oder plant das Museumsprogramm anders. Die Öffnungstage von Markt und Museen gleicht man deshalb ab, bevor man die Reise festlegt. Das Wohnhaus der Eisenhower-Farm ist nicht ganzjährig zugänglich. Wer es sehen will, legt den Gettysburg-Tag auf einen Führungstag. Das Schlachtfeld selbst ist täglich frei zugänglich.

Fragen und Antworten

Wie viele Tage braucht man für Lancaster County und Gettysburg?

Wir schlagen vier Nächte vor, zwei in Lancaster und zwei in Gettysburg. Allein in Gettysburg rechnet man mit zwei bis drei Stunden im Visitor Center und mindestens drei Stunden für die Auto Tour.

In welcher Reihenfolge besucht man Gettysburg?

Zuerst das Visitor Center mit Film, Rundgemälde und Museum, dann die Auto Tour über das Schlachtfeld. Sie beginnt am Visitor Center und folgt den Ereignissen der drei Tage.

Kann man über die alte Brücke bei Columbia fahren?

Ja, über die Route 462 zwischen Columbia und Wrightsville, auch zu Fuß oder mit dem Rad. Für schwere Fahrzeuge gilt eine Gewichtsgrenze, die man vor der Fahrt prüfen sollte.

Wie kommt man zur Eisenhower-Farm?

Mit dem eigenen Auto über die Emmitsburg Road, dann der Beschilderung zum Parkplatz nach. Für Wohnmobile, Anhänger und Busse braucht man vorher eine Genehmigung.

Kann man Amish-Höfe besuchen?

Amish Farm and House ist ein kommerzielles Besucherangebot mit Hausführung auf einem Hof, der laut Betreiber früher einer Amish-Familie gehörte. Mehr über die Amish erfährt man über das Young Center am Elizabethtown College.

Weiterführende Informationen

  1. City of Lancaster: Lancaster Central Market
  2. Pennsylvania Historical and Museum Commission, Landis Valley Village & Farm Museum: About
  3. Pennsylvania Historical and Museum Commission, Landis Valley Village & Farm Museum: Hours and Rates
  4. Young Center for Anabaptist and Pietist Studies, Elizabethtown College: Young Center
  5. Young Center, Elizabethtown College: Amish Studies
  6. Amish Farm and House: About Us
  7. Amish Farm and House: House Tour
  8. Strasburg Rail Road: History
  9. Strasburg Rail Road: What to Expect
  10. Pennsylvania Historical and Museum Commission, Railroad Museum of Pennsylvania: About Us
  11. Pennsylvania Historical and Museum Commission: Historical Markers (Lincoln Highway)
  12. Pennsylvania Department of Transportation: Columbia-Wrightsville Bridge (SR 462)
  13. Susquehanna National Heritage Area: Bridging the Susquehanna
  14. WITF, ExplorePAhistory.com: Burning of the Columbia-Wrightsville Bridge (Markertext PHMC)
  15. National Park Service, Gettysburg National Military Park: Civil War Timeline
  16. National Park Service, Gettysburg National Military Park: Official Report of Lieut. General Richard Ewell
  17. National Park Service, Gettysburg National Military Park: Official Report of Brig. General John Gordon
  18. National Park Service, Gettysburg National Military Park: Gettysburg Overview
  19. National Park Service, Gettysburg National Military Park: Visitor Centers
  20. National Park Service: Gettysburg Museum and Visitor Center
  21. National Park Service: Gettysburg Auto Tour
  22. National Park Service, Gettysburg National Military Park: Basic Information
  23. National Park Service, Gettysburg National Military Park: David Wills House
  24. Seminary Ridge Museum: Visit
  25. National Park Service, Eisenhower National Historic Site: Eisenhower National Historic Site
  26. National Park Service, Eisenhower National Historic Site: Directions
  27. National Park Service, Eisenhower National Historic Site: Ranger Programs
  28. Pennsylvania Turnpike Commission: Pennsylvania Turnpike

Angaben zu Öffnungszeiten, Eintritt, Angeboten und Zugänglichkeit können sich ändern. Maßgeblich sind die verlinkten Stellen.

Dieser Beitrag beruht auf Recherche in den genannten Quellen.

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