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Städte & Kultur

Wo sich Baltimores Hafengeschichte ablesen lässt

Baltimores Hafengeschichte liegt noch am Wasser: ein Sternfort an der Einfahrt, das alte Werftviertel Fells Point, ein Leuchtturm auf Schraubpfählen, Museumsschiffe an den Piers und eine Konservenfabrik aus dem 19. Jahrhundert. Jeder dieser Orte steht für eine andere Aufgabe des Hafens.

Vom USA Reisen Magazin · Community-Content: Sylvia Spleth

Lesezeit etwa 8 Minuten

Grasbewachsene Wälle eines Sternforts mit gemauertem Durchgang und Kanonen, dahinter eine weite Wasserfläche unter Wolken.
Wälle und Kanonen von Fort McHenry an der Hafeneinfahrt.

Südöstlich der Innenstadt schiebt sich eine schmale Halbinsel in den Patapsco River. Whetstone Point bildet nach dem National Park Service einen natürlichen Engpass für alle Schiffe, die in den Hafen von Baltimore einlaufen. An ihrer Spitze wurde schon im Unabhängigkeitskrieg ein kleines Sternfort aus Erde aufgeworfen, Fort Whetstone. Um 1800 baute man es mit Ziegel und Stein zu einem dauerhaften Fort aus. Benannt wurde es nach James McHenry, Kriegsminister unter George Washington.

Fort McHenry: die Einfahrt sichern

Drei schwarze Kanonen auf Lafetten stehen auf einem grünen Wall, dahinter eine weite Wasserfläche.
Kanonen auf dem Wall von Fort McHenry.

Das Fort hat die Form eines fünfzackigen Sterns, damals eine verbreitete Bauweise. Der NPS erklärt ihren Vorteil: Von jeder Spitze aus sieht man die beiden benachbarten, und schon fünf Mann konnten das ganze umliegende Gelände decken.

Seine Bewährungsprobe kam im September 1814. Britische Truppen standen vor Baltimore. Statt die Verteidigungslinien anzugreifen, warteten sie auf die Royal Navy auf dem Patapsco. Dazwischen lag Fort McHenry mit etwa 1.000 Verteidigern. 25 Stunden lang fielen Bomben und Raketen auf das Fort. Am Morgen des 14. September, als sich Rauch und Nebel verzogen, waren die Verteidiger noch da, und die Briten zogen ab. Der Anwalt Francis Scott Key hatte den Beschuss beobachtet und über dem Fort eine große Flagge von etwa 9 mal 13 Metern gesehen. Er schrieb vier Strophen auf die Melodie eines damals bekannten Liedes, zuerst unter dem Titel „The Defense of Fort McHenry“. Als „The Star-Spangled Banner“ ist das Lied seit 1931 die Nationalhymne der USA.

Fells Point: wo die Schiffe entstanden

Gebaut wurden die Schiffe im Hafen selbst. Der englische Schiffbauer William Fell gründete Fells Point nach dem NPS 1726, und der Ort wurde der Tiefwasserhafen und das Schiffbauzentrum der Stadt. Die städtische Denkmalbehörde beschreibt, was davon im Straßenbild geblieben ist: kleine Häuser mit Satteldach, in denen Seeleute, Schiffszimmerer und Segelmacher wohnten. Das Robert Long House an der Ann Street stammt aus den 1760er Jahren und ist das älteste Stadthaus Baltimores.

Zwei- bis viergeschossige Backsteinhäuser mit Lokalen im Erdgeschoss an einer Uferstraße, im Vordergrund Poller und Anleger.
Backsteinhäuser an der Uferfront von Fells Point.

Hier liegt auch die Verbindung zum Fort. Schon im Unabhängigkeitskrieg bauten die Werften von Fells Point Schiffe für die Kaperfahrt gegen britische Handelsschiffe oder rüsteten sie dafür um. Im Krieg von 1812 war Fells Point der Heimathafen vieler Kaperschiffe, und nach dem NPS wollten die Briten auch diesen Hafen ausschalten.

Ein Kai, zwei Lebensläufe

Am Ende der Philpot Street lag Kennard's Wharf. Nach dem Maryland State Archives kam Frederick Douglass an diesem Kai in den 1820er Jahren als Sklave nach Baltimore. Jahrzehnte später stand dort eines der erfolgreichsten Unternehmen schwarzer Eigentümer in der Stadt, eine Werft.

Douglass lebte ab 1826 bei der Familie Auld in Fells Point. Die Chronologie des NPS hält fest, dass Sophia Auld ihm die Buchstaben beibrachte. Schreiben und Rechnen lernte er danach aus eigenem Antrieb. Von 1836 an lernte er das Kalfatern, also das Abdichten der Fugen zwischen den Planken. Weiße Mitlehrlinge verprügelten ihn schwer. Im September 1838 floh er mit Zug und Schiff in den Norden.

Isaac Myers war ebenfalls Kalfaterer, aber nach dem Maryland State Archives frei geboren. In diesem Handwerk arbeiteten freie Männer und Sklaven nebeneinander. Mit dem Ende des Bürgerkriegs wurden schwarze Arbeiter jedoch planmäßig daraus verdrängt, um Platz für die wachsende Zahl weißer Arbeiter zu schaffen. Myers und andere gründeten daraufhin 1866 die Chesapeake Marine Railway and Dry Dock Company. Sie beschäftigte schwarze und weiße Arbeiter und bestand, bis 1884 die Pacht des Geländes auslief.

An der Thames Street erinnert heute der Frederick Douglass-Isaac Myers Maritime Park an beide. Die Living Classrooms Foundation betreibt dort ein Museum über Douglass' Jahre in Baltimore. Der Park würdigt den Beitrag der Afroamerikaner zur Seefahrt und zum Schiffbau der Stadt.

Seven Foot Knoll und das Feuerschiff: den Weg weisen

An der Mündung des Patapsco markierte seit Mitte der 1850er Jahre der Seven Foot Knoll Lighthouse die äußere Einfahrt zum Hafen. Er war der erste Schraubpfahl-Leuchtturm in Maryland, und das Wort beschreibt die Bauweise: Hohle Pfähle aus Gusseisen mit einem Außengewinde wurden in den Grund des Flusses geschraubt, bis sie festen Halt fanden. Auf ihnen steht das Haus. Gebaut hat den ersten Turm die Baltimorer Firma Murray and Hazelhurst, die am Hafen lag und auch die Werften belieferte. Das heutige runde Haus stammt nach dem Antrag für das National Register wohl erst aus der Zeit um 1875, der Unterbau vermutlich noch aus der Bauzeit.

Rot gestrichenes rundes Leuchtturmhaus mit Laterne auf einem Gerüst aus eisernen Pfählen, an Land auf einem Platz aufgestellt.
Der Seven Foot Knoll Lighthouse auf seinen Schraubpfählen am Pier 5.

Die Wärter zündeten jeden Abend bei Sonnenuntergang die Lampe an, und sie musste bis zum Morgen brennen. Bei Nebel läutete die Glocke ohne Unterbrechung. Dafür musste jemand das Glockenwerk alle 45 Minuten aufziehen, bis sich der Nebel hob. 1948 wurde das Licht automatisiert. 1988 übernahm die Stadt den Leuchtturm und ließ ihn an den Pier 5 im Inner Harbor bringen, sonst wäre er für ein neues Leuchtfeuer abgerissen worden.

Am Pier 3 liegt das rote Feuerschiff Chesapeake, 1930 fertiggestellt. Vor Cape Henry an der Mündung der Chesapeake Bay wies es den Schiffen mit seinem Leuchtfeuer den Weg, bis 1965 ein fester Turm auf Pfählen seine Aufgabe übernahm. Seit Anfang der 1980er Jahre liegt es in Baltimore. Feuerschiff und Leuchtturm zeigen so die beiden Enden desselben Wegs: die Einfahrt in die Bucht und die Einfahrt in den Hafen.

Die Constellation und ihre Herkunft

Am Pier 1 liegt die USS Constellation, und an ihr lässt sich eine Frage klären. Ist sie die Fregatte Constellation, die 1797 in Baltimore gebaut wurde? Nach dem Naval History and Heritage Command ist das heutige Schiff eine Sloop, 1854 auf der Werft Gosport Navy Yard gebaut und 1855 in Dienst gestellt. Eine Untersuchung kam zu dem Ergebnis, dass es nicht die alte Fregatte ist. Allenfalls etwa ein Prozent der Hölzer der Fregatte könnte anfangs beim Bau verwendet worden sein. Die Frage war nicht abwegig. Nachdem das Schiff 1955 nach Baltimore gekommen war, hatte man es eine Zeit lang so hergerichtet, dass es der Fregatte von 1797 glich.

Die Constellation ist das letzte Kriegsschiff, das die US Navy allein für den Segelantrieb entwarf und baute. Ab 1859 war sie Flaggschiff des Afrikageschwaders, das gegen den Sklavenhandel vorging. Im September 1860 brachte sie die Bark Cora auf, die keine Flagge zeigte und nach der Navy 705 Sklaven an Bord hatte. Die Befreiten wurden nach Monrovia in Liberia gebracht.

Ein weißes Küstenwachschiff mit der Nummer 37 am Bug liegt an einer Promenade, links ein Hafenbecken und rote Backsteingebäude mit hohen Schornsteinen.
Cutter 37, früher USCGC Taney, am Pier 5 im Inner Harbor.

Das U-Boot Torsk am Pier 3 kam 1944 in Dienst. In seinen engen Gängen kam man nur seitwärts aneinander vorbei. Der knapp 100 Meter lange Cutter 37, früher USCGC Taney, lag beim japanischen Angriff auf Pearl Harbor am 7. Dezember 1941 in Honolulu und beschoss mehrfach japanische Flugzeuge über der Stadt.

Austern an der Kaje

Auf der anderen Seite des Hafenbeckens, an der Key Highway, steht das Baltimore Museum of Industry in einer Austernkonservenfabrik aus den 1860er Jahren. Das Inventar des Maryland Historical Trust beschreibt den Ablauf: Hölzerne Schuppen reichten bis ans Wasser. Dort wurden Austern und Gemüse von den Booten der Bucht entladen und gereinigt, bevor sie in Dosen kamen. Baltimore war im 19. Jahrhundert ein großes Zentrum der Konservenindustrie, und die Betriebe lagen rund um den Hafen, vor allem in Fells Point, Canton, Federal Hill und Locust Point. Das Museum nennt sein Gebäude die einzige erhaltene Konservenfabrik Baltimores.

In welcher Reihenfolge

Orientierungskarte des Hafens von Baltimore mit dem Inner Harbor, Historic Ships, Federal Hill, dem Museum of Industry, Fells Point mit dem Douglass-Myers-Park, Canton und Fort McHenry an der Spitze der Halbinsel. Wasserflächen sind blau, die Maßstabsleiste zeigt 1 Kilometer.

Die Schiffe und der Leuchtturm liegen an den Piers 1, 3 und 5 entlang der Pratt Street nahe beieinander. Fells Point mit dem Douglass-Myers-Park liegt östlich davon, das Museum of Industry am Südufer des Hafenbeckens. Fort McHenry liegt knapp fünf Kilometer südöstlich des Inner Harbor. Aus unserer Sicht lohnt es sich, dort zu beginnen. An der Spitze von Whetstone Point wird sichtbar, warum Baltimore seine Einfahrt verteidigen musste, und die übrigen Orte folgen dann dem Weg der Schiffe in den Hafen. Wassertaxis verbinden verschiedene Anlegestellen am Inner Harbor mit dem Fort, ihr Fahrplan wechselt mit der Saison. Fahrkarten dafür gibt es am Fort nicht. Wer die Schiffe besichtigen will, steigt über Schiffsleitern in die unteren Decks.

Fragen und Antworten

Welche Orte zeigen Baltimores Hafengeschichte?

Fort McHenry an der Hafeneinfahrt, das alte Werftviertel Fells Point mit dem Frederick Douglass-Isaac Myers Maritime Park, der Seven Foot Knoll Lighthouse und die Museumsschiffe an den Piers des Inner Harbor sowie das Baltimore Museum of Industry in einer ehemaligen Austernkonservenfabrik.

Wie weit ist Fort McHenry vom Inner Harbor entfernt?

Nach dem National Park Service knapp fünf Kilometer südöstlich. Wassertaxis fahren von verschiedenen Anlegestellen am Inner Harbor zum Fort, der Fahrplan wechselt mit der Saison. Fahrkarten dafür werden am Fort nicht verkauft.

Ist die USS Constellation die Fregatte von 1797?

Nein. Nach dem Naval History and Heritage Command ist sie eine 1854 gebaute Sloop, die 1855 in Dienst gestellt wurde. Allenfalls etwa ein Prozent der Hölzer könnte von der alten Fregatte stammen.

Was ist ein Schraubpfahl-Leuchtturm?

Ein Leuchtturm, dessen Haus auf hohlen Gusseisenpfählen steht. Die Pfähle haben ein Außengewinde und wurden in den Grund geschraubt. Der Seven Foot Knoll Lighthouse war der erste dieser Bauart in Maryland.

Sind die Museumsschiffe barrierefrei?

Nur teilweise. Nach Historic Ships in Baltimore erreicht man die unteren Decks über Schiffsleitern, und auf den Stahlschiffen muss man über Süllkanten von 15 bis 20 Zentimetern steigen. Zum Leuchtturm führt eine Außentreppe mit zwei Treppenläufen.

Weiterführende Informationen

  1. National Park Service, Fort McHenry National Monument and Historic Shrine: Directions
  2. National Park Service, Fort McHenry National Monument and Historic Shrine: History of Fort McHenry
  3. National Park Service, Fort McHenry National Monument and Historic Shrine: The Star Fort
  4. National Park Service, Fort McHenry National Monument and Historic Shrine: Fort Whetstone
  5. National Park Service, Fort McHenry National Monument and Historic Shrine: The Star-Spangled Banner
  6. National Park Service, Fort McHenry National Monument and Historic Shrine: National Anthem
  7. National Park Service, Fort McHenry National Monument and Historic Shrine: Fort McHenry National Monument and Historic Shrine
  8. National Park Service: Fells Point
  9. City of Baltimore, Commission for Historical and Architectural Preservation: Fells Point
  10. Maryland State Archives: Black Baltimore 1870–1920: The Chesapeake Marine Railway and Dry Dock Company
  11. Maryland State Archives: Black Baltimore 1870–1920: Isaac Myers
  12. National Park Service, Frederick Douglass National Historic Site: Chronology of the Life of Frederick Douglass
  13. Maryland State Archives: The Maryland State House: Frederick Douglass
  14. Living Classrooms Foundation: Frederick Douglass-Isaac Myers Maritime Park
  15. Maryland Historical Trust: National Register of Historic Places Inventory: Seven Foot Knoll Lighthouse (NR-1040)
  16. Maryland State Archives: Maryland Manual: Lighthouses
  17. Historic Ships in Baltimore: Seven Foot Knoll Lighthouse
  18. Historic Ships in Baltimore: LS-116 Chesapeake
  19. Naval History and Heritage Command: Constellation II (Sloop-of-War)
  20. Historic Ships in Baltimore: USS Constellation
  21. Historic Ships in Baltimore: USS Torsk
  22. Historic Ships in Baltimore: USCG Cutter 37
  23. Historic Ships in Baltimore: Directions & Parking
  24. Historic Ships in Baltimore: Accessibility
  25. Baltimore Museum of Industry: The Baltimore Museum of Industry
  26. Baltimore Museum of Industry: Cannery
  27. Maryland Historical Trust: Maryland Inventory of Historic Properties: Platt & Company Packing House (B-997)

Angaben zu Öffnungszeiten, Eintritt, Angeboten und Zugänglichkeit können sich ändern. Maßgeblich sind die verlinkten Stellen.

Dieser Beitrag beruht auf Recherche in den genannten Quellen.

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