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Natur

Everglades: wie das Wasser die Landschaft ordnet

Der Everglades National Park im Süden Floridas schützt einen Teil des Feuchtgebiets, durch das Wasser langsam nach Süden zur Küste zieht. Seine drei Zugänge liegen an verschiedenen Stellen dieses Wegs und sind innerhalb des Parks nicht miteinander verbunden.

Vom USA Reisen Magazin · Community-Content: Sylvia Spleth

Lesezeit etwa 7 Minuten

Mehrere Alligatoren liegen am grasbewachsenen Ufer eines ruhigen Gewässers, zwei weitere schwimmen im Wasser.
Alligatoren am Ufer eines Gewässers.

In den Everglades entscheiden wenige Zentimeter. Liegt der Boden etwas tiefer, steht das Wasser länger, und dort wächst etwas anderes als auf einer kaum merklich höheren Stelle daneben. Nahe der Küste kommt das Salz hinzu. Aus diesen kleinen Unterschieden ergibt sich, warum die Zugänge des Nationalparks so verschiedene Landschaften zeigen.

Ein Fluss aus Gras

„River of Grass“ nannte Marjory Stoneman Douglas die Everglades 1947. Nach dem National Park Service beschrieb sie damit, wie sich flaches Wasser langsam und flächig durch die Sägegrasmarschen Südfloridas bewegt. Ihr Buch „The Everglades: River of Grass“ erschien in dem Jahr, in dem auch der Nationalpark gegründet wurde.

Ursprünglich floss das Wasser nach Angaben des South Florida Water Management District den Kissimmee River hinunter in den Lake Okeechobee. Von dort zog es nach Süden durch die Everglades bis in die Florida Bay. Weil das Marschland für Landwirtschaft, Siedlungen und Hochwasserschutz entwässert wurde, sind die Everglades heute nur noch halb so groß wie früher.

Warum das Wasser so langsam fließt, erklärt der U.S. Geological Survey mit zwei Gründen. Das Land ist fast eben, das Gefälle sehr gering. Außerdem bremsen die Pflanzen im und über dem Wasser die Strömung.

Wenige Zentimeter Unterschied

Vorne Seerosenblätter auf dunklem Wasser, dahinter ein dichter Bestand aus hohem Sägegras bis zum Horizont.
Sägegras und Seerosenblätter.

Das Sägegras, das die Marschen prägt, ist gar kein echtes Gras, sondern eine Segge mit scharfen Zähnchen an den Blatträndern. Wo es wächst und wo nicht, hängt von der Höhe ab und davon, wie lange das Wasser steht.

Am tiefsten liegen die Sloughs, die Hauptrinnen, durch die das Wasser zieht. Sie stehen am längsten unter Wasser. Etwas höher liegen im Osten des Parks die Mergelprärien. Sie sind trockener und spärlicher bewachsen, die Pflanzen bleiben meist niedriger als etwa 1,20 Meter. Am höchsten liegen die Hammocks, von Laubbäumen geprägte Wälder, die nur in den nassesten Jahren nicht trocken bleiben.

Zwei große Sloughs durchziehen den Park. Im Westen liegt der breitere Shark River Slough, im Osten der schmalere Taylor Slough. Beide münden in die Florida Bay. Über weitere Rinnen aus dem Big Cypress Swamp im Westen gelangt Süßwasser auch zu den Ten Thousand Islands.

Orientierungskarte Südflorida mit Lake Okeechobee, Everglades National Park, Florida Bay, Golf von Mexiko und Atlantik; markiert sind Shark Valley, Gulf Coast in Everglades City, Haupteingang Ernest F. Coe, Royal Palm und Flamingo sowie Naples, Miami und Homestead.

Shark Valley: mitten im Slough

Am Tamiami Trail, dem Highway 41, liegt Shark Valley nach dem NPS mitten in der Süßwassermarsch. Eine gut 24 Kilometer lange Rundstraße führt hinein in den Shark River Slough. Man kann sie zu Fuß, mit dem Rad oder mit einer kommentierten Tram zurücklegen. Auf halber Runde steht ein gut 20 Meter hoher Aussichtsturm mit Blick über die Sägegrasmarsch.

Der NPS nennt den Shark River Slough ebenfalls „River of Grass“. Nach dem USGS liegt der größte noch frei fließende Teil der Everglades im Nationalpark, und der Shark River Slough leitet das Süßwasser bis in die Mangrovenzone an der Küste. Entlang der Rundstraße kann man nach dem NPS Alligatoren, Reiher, Silberreiher, Hirsche, Schildkröten und Schneckenweihen sehen. Manche Wege stehen im Sommer unter Wasser.

Royal Palm: zwei Wege, zwei Lebensräume

Ein Holzsteg mit Geländer führt durch dichten, schattigen Wald mit verschlungenen Ästen.
Ein Holzsteg durch dichten Wald.

Der Haupteingang des Parks liegt bei Homestead am Ernest F. Coe Visitor Center. Rund sechs Kilometer dahinter beginnen in Royal Palm zwei befestigte, rollstuhlgerechte Wege, die nach dem NPS je einen anderen Lebensraum zeigen. Der Anhinga Trail führt gut einen Kilometer hin und zurück durch eine Sägegrasmarsch. Dort kann man Alligatoren, Schildkröten, Schlangenhalsvögel und Reiher sehen, besonders im Winter. Der Gumbo Limbo Trail führt rund 600 Meter hin und zurück durch einen schattigen Hammock mit Gumbo-Limbo-Bäumen, Königspalmen, Farnen und Aufsitzerpflanzen. Royal Palm war seit 1916 ein State Park und gehörte 1947 zu den ersten Teilen des Nationalparks.

Richtung Flamingo: wo das Salz beginnt

Ein Mensch im gelben Kajak paddelt, von hinten gesehen, durch einen engen Tunnel aus Mangrovenästen.
Mit dem Kajak durch einen Mangroventunnel.

Vom Haupteingang führt die Parkstraße gut 60 Kilometer nach Süden bis Flamingo, zum südlichsten Besucherzentrum. Unterwegs geht das Süßwasser in Salzwasser über. Für Angler zieht der NPS die Grenze am Nine Mile Pond.

An der Küste beginnen die Mangroven. Der Name bezeichnet nach dem NPS keine Pflanzenfamilie, sondern mehrere salztolerante Baumarten. Die Rote Mangrove erkennt man an ihren Stelzwurzeln, dazu wachsen Schwarze und Weiße Mangroven. Sie gedeihen im Gezeitenwasser, wo sich das Süßwasser aus den Everglades mit Salzwasser mischt. Am West Lake führt ein Steg durch diesen Wald aus Mangroven und Buttonwood-Bäumen bis ans Seeufer.

Die Mangroven sind nach dem NPS eine Kinderstube für viele Meerestiere und schützen die Küste im Sommer vor Sturm und Flut der Hurrikane. Vor Flamingo liegt die Florida Bay, mit mehr als 2.000 Quadratkilometern die größte Wasserfläche des Parks. Mehr als ein Drittel des Nationalparks besteht aus Meer und Brackwasser.

Gulf Coast: nur mit dem Boot

Luftbild: grüne Mangroveninseln, dazwischen verzweigte Wasserläufe und offene Wasserflächen bis zum Horizont.
Mangroveninseln und Wasserwege von oben.

Der dritte Zugang liegt im Nordwesten in Everglades City, nahe dem Golf von Mexiko. Vom Marjory Stoneman Douglas Visitor Center aus geht es zu den Ten Thousand Islands, ein Gewirr aus Mangroveninseln und Wasserwegen, das bis nach Flamingo und in die Florida Bay reicht. Diesen Teil des Parks erreicht man nach dem NPS nur mit dem Boot. Bootstouren in den Park starten in Everglades City. Die Geschäfte und Restaurants dieses Zugangsbereichs liegen in Everglades City, außerhalb des Parks.

Trocken- und Regenzeit

Die Everglades kennen nach dem NPS zwei deutlich verschiedene Jahreszeiten. Die Trockenzeit dauert typischerweise von Dezember bis April, die Regenzeit von Mai bis November, doch die Grenzen schwanken von Jahr zu Jahr.

In der Trockenzeit ist es mild, mit Höchstwerten um 25 und Tiefstwerten um 12 Grad im Mittel. Mücken gibt es weniger, verschwunden sind sie nicht. Wenn das Wasser zurückgeht, drängen sich die Fische auf kleinerem Raum, und die Watvögel brüten in der Regel in dieser Zeit. Nach dem NPS ist die Trockenzeit auch die Hauptsaison, weil die milden Winter viele Watvögel und ihre Fressfeinde anziehen.

In der Regenzeit wird es heiß und feucht, mit Höchstwerten um 32 Grad im Mittel. Nachmittags ist fast täglich mit Gewittern zu rechnen. Mit dem steigenden Wasser verteilen sich die Tiere über eine größere Fläche, und nach dem NPS wird es schwieriger, sie zu beobachten. Auch Rangerprogramme und Touren gibt es dann weniger.

Die drei Zugänge sind innerhalb des Parks nicht verbunden. Zwischen ihnen und dem Besucherzentrum in Flamingo liegt nach dem NPS jeweils mindestens eine Stunde Autofahrt. Ein öffentliches Verkehrsmittel verbindet sie nicht. Nur ungefähr von Dezember bis April fährt ein Trolley der Stadt Homestead zum Ernest F. Coe Visitor Center und nach Royal Palm, der Fahrplan kann sich ändern. Wer mehrere Teile des Wassersystems sehen will, plant für jeden Zugang einen eigenen Teil der Reise.

Fragen und Antworten

Welcher Zugang zeigt welchen Teil der Everglades?

Shark Valley am Tamiami Trail liegt mitten in der Süßwassermarsch des Shark River Slough. Vom Haupteingang bei Homestead erreicht man Royal Palm mit zwei Lebensräumen auf engem Raum und weiter südlich Flamingo mit Mangroven an der Florida Bay. Von Everglades City im Nordwesten geht es mit dem Boot zu den Ten Thousand Islands.

Sind die Zugänge innerhalb des Parks verbunden?

Nein. Zwischen den drei Zugängen und dem Besucherzentrum in Flamingo liegt nach dem NPS jeweils mindestens eine Stunde Autofahrt, ein öffentliches Verkehrsmittel verbindet sie nicht. Ungefähr von Dezember bis April fährt nur ein Trolley der Stadt Homestead zum Haupteingang und nach Royal Palm.

Wann ist Trockenzeit in den Everglades?

Nach dem NPS typischerweise von Dezember bis April, die Regenzeit von Mai bis November. Die Grenzen schwanken von Jahr zu Jahr.

Was ist Sägegras?

Eine Segge, kein echtes Gras, mit scharfen Zähnchen an den Blatträndern. Sie prägt die Marschen, durch die das Wasser langsam nach Süden zieht.

Kann man die Ten Thousand Islands mit dem Auto erreichen?

Nein. Dieser Teil des Parks ist nach dem NPS nur mit dem Boot zugänglich. Bootstouren starten in Everglades City.

Weiterführende Informationen

  1. National Park Service, Everglades National Park: Grasses
  2. National Park Service, Everglades National Park: Ecosystems: Freshwater Slough
  3. National Park Service, Everglades National Park: Habitats
  4. National Park Service, Everglades National Park: Nature
  5. National Park Service, Everglades National Park: Ecosystems: Mangrove
  6. National Park Service, Everglades National Park: Ecosystems: Marine & Estuarine
  7. National Park Service, Everglades National Park: Shark Valley – Tamiami
  8. National Park Service, Everglades National Park: Shark Valley Trails
  9. National Park Service, Everglades National Park: Anhinga Trail
  10. National Park Service, Everglades National Park: Royal Palm
  11. National Park Service, Everglades National Park: Gumbo Limbo Trail
  12. National Park Service, Everglades National Park: Flamingo Trails
  13. National Park Service, Everglades National Park: Marjory Stoneman Douglas Visitor Center
  14. National Park Service, Everglades National Park: Directions
  15. National Park Service, Everglades National Park: The Dry Season
  16. National Park Service, Everglades National Park: The Wet Season
  17. National Park Service, Everglades National Park: Basic Information
  18. National Park Service, Everglades National Park: Fees
  19. National Park Service, Everglades National Park: Frequently Asked Questions
  20. National Park Service, Everglades National Park: Marjory Stoneman Douglas
  21. South Florida Water Management District: Everglades
  22. U.S. Geological Survey: Sheet-flow Velocities and Factors Affecting Sheet-flow Behavior of Importance to Restoration of the Florida Everglades (Fact Sheet 2004–3123)

Angaben zu Öffnungszeiten, Eintritt, Angeboten und Zugänglichkeit können sich ändern. Maßgeblich sind die verlinkten Stellen.

Dieser Beitrag beruht auf Recherche in den genannten Quellen.

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