Beignets und Kaffee mit Chicorée: Café du Monde in New Orleans
Die Karte des Café du Monde im French Market von New Orleans ist kurz, und gerade das macht sie aufschlussreich: Sie führt zurück zu den Kaffeeständen des alten Marktes, zum Kaffeehandel der Stadt und zu Rose Nicaud, die dort im 19. Jahrhundert Kaffee verkaufte.

Im Speisenteil der Online-Karte des Café du Monde steht nur ein Gericht: Beignets, drei Stück pro Portion, mit Puderzucker. Die Getränkeliste ist etwas länger, im Mittelpunkt steht Kaffee mit Chicorée, schwarz oder als Café au lait. Das wirkt einfach. Doch schon der Chicorée im Kaffee hat eine Herkunft, die sich nicht eindeutig klären lässt, und der Markt, in dem das Café steht, ist weit älter als das Café selbst.
Eine Karte mit einem Gericht

Café du Monde nennt sich selbst einen traditionellen Kaffeestand. Die Beignets beschreibt das Haus als quadratische, frittierte Teigstücke „nach französischer Art“, reichlich mit Puderzucker bestreut und in Baumwollsaatöl ausgebacken. Nach seinen Angaben wurden sie immer frittiert und nie im Ofen gebacken.
Auf der Getränkeseite stehen Café au lait, hier halb Kaffee, halb heiße Milch, und schwarzer Kaffee mit Chicorée, beide auch entkoffeiniert. Daneben gibt es heiße Schokolade, frisch gepressten Orangensaft, Milch und einige Softdrinks. Eiskaffee und Softdrinks kamen nach Darstellung des Cafés erst 1988 dazu. Separat listet die Karte Souvenirartikel, die man beim Servicepersonal kaufen kann, darunter Pralinen.
Chicorée im Kaffee

Mit Chicorée ist hier die geröstete und gemahlene Wurzel der Zichorie (Cichorium intybus) gemeint, die der Kaffeemischung beigegeben wird. In seinen Antworten auf häufige Fragen nennt Café du Monde ein Verhältnis von vier Teilen Kaffee zu einem Teil Chicorée.
Woher die Gewohnheit stammt, lässt sich anhand der von uns geprüften Quellen nicht eindeutig klären. Der National Park Service beschreibt Chicorée als koffeinfreies Kraut, das im 18. Jahrhundert aus Europa nach Nordamerika kam, und nennt es einen verbreiteten Kaffeeersatz in Zeiten, in denen Kaffee knapp war, etwa im Bürgerkrieg. Im Zweiten Weltkrieg empfahl die Zeitschrift „Life“ 1942, rationierten Kaffee mit Chicorée zu strecken. Café du Monde selbst erzählt die Geschichte anders und führt die Vorliebe auf Frankreich und auf die Akadier zurück, französischsprachige Siedler aus dem heutigen Nova Scotia in Kanada, die französische Bräuche nach Louisiana gebracht hätten. Diese Darstellung haben wir nicht unabhängig bestätigen können. Auch für die Beignets verweist der Betreiber auf die Akadier.
Der Ort: ein Markt seit dem 18. Jahrhundert

Das Café steht an der Decatur Street im French Market. Nach der Darstellung der Marktverwaltung, der French Market Corporation, begann der Markt als informeller Freiluftmarkt am Deich. Um 1782 errichteten die Spanier ein erstes Marktgebäude, das 1790 an die heutige Decatur Street verlegt wurde. Ein 1813 als Fleischmarkt errichteter Bau steht bis heute. Café du Monde gibt an, in diesem Gebäude zu liegen, das damals „Butcher's Hall“ hieß. In den 1930er Jahren wurden die Marktgebäude umfassend saniert.
Der Kaffeeausschank im Markt ist älter als das Café. Laut der Historic New Orleans Collection wurde dort bereits im 19. Jahrhundert Kaffee ausgeschenkt. 1859 berichtete ein Journalist, die Kaffeetische seien eines der ersten Lebenszeichen am Marktmorgen.
Kaffee kam in dieser Zeit reichlich über den Hafen. Laut der Historic New Orleans Collection, einem Museums- und Forschungszentrum vor Ort, war New Orleans in den 1840er Jahren nach New York der zweitgrößte Kaffeeimporteur der USA.
Rose Nicaud: eine Kaffeeverkäuferin im Markt
Eine der Frauen hinter diesen Tischen ist bis heute namentlich bekannt. Rose Nicaud wurde nach Recherchen des Familienhistorikers Jari C. Honora für die Historic New Orleans Collection 1812 oder 1813 versklavt geboren. Mit ihrer Mutter und ihren Geschwistern wurde sie mehrfach innerhalb einer Gruppe von Bäckern im French Quarter verkauft, und wie ihre Mutter und ihre Schwestern verkaufte sie Brot auf der Straße. Um 1840 war sie frei. Ein Adressbuch führt sie spätestens 1851 als Kaffeeverkäuferin, Honora setzt den Beginn ihres Standes im French Market schon in die frühen 1840er Jahre. Überliefert sind ihre Rufe „Café noir!“ und „Café au lait!“.
Zu ihrer Geschichte gehört auch, dass sie in den 1850er Jahren selbst mindestens drei junge Frauen kaufte und wieder verkaufte. Honora hält es für möglich, dass sie darin einen Weg zu wirtschaftlicher Sicherheit sah.
Am 25. September 1868 erschoss ein weißer Mann an ihrem Stand Edward Forrest, einen Mann gemischter Herkunft, der am anderen Ende des Marktes einen Stand für Erfrischungsgetränke betrieb. Mehrere Zeugen sagten aus, der Schütze habe sich vorher rassistisch geäußert. Nicaud gab vor der Grand Jury an, nichts dergleichen gehört zu haben, und sagte, an ihrem Stand trinke jeder Kaffee. Die Historikerin Robyn Andermann deutet den Satz eher als geschäftliche Notwendigkeit denn als Geste der Gastfreundschaft: Nicaud war auf schwarze wie weiße Kundschaft angewiesen. Der Schütze wurde nicht angeklagt.
Als Nicaud 1880 starb, nannte eine Zeitung sie in der Überschrift die letzte Café-au-lait-Verkäuferin des French Market. Eine Linie von ihrem Stand zu Café du Monde belegen die Quellen nicht.
Das Café und seine Besitzer
Nach eigener Darstellung besteht der Kaffeestand von Café du Monde seit 1862. Eine unabhängige Bestätigung dieses Jahres haben wir nicht gefunden. Auch die Marktverwaltung nennt 1862 in ihrem Verzeichnis, führt dort aber keinen eigenständigen historischen Beleg an. Nach Angaben des Hauses kaufte Hubert Fernandez den Kaffeestand im Mai 1942. Die Familie Fernandez führte damals bereits gegenüber einen Weinkeller. 1972 schloss sie ihn, um sich ganz auf das Café zu konzentrieren.
1986 eröffnete die erste Filiale außerhalb des Marktes. Heute nennt der Betreiber neun Kaffeestände im Großraum New Orleans. Franchise-Anfragen lehnt die Familie nach eigenen Angaben ab.
Was die kurze Karte erzählt
Die kurze Karte passt zum Selbstverständnis des Hauses als Kaffeestand, mit Beignets und Kaffee mit Chicorée im Mittelpunkt. Wer im French Market Beignets und Café au lait bestellt, tut das an einem Ort, an dem nach den Quellen schon im 19. Jahrhundert morgens Kaffee ausgeschenkt wurde. Eine direkte Linie von den alten Kaffeetischen zu diesem Café lässt sich allerdings nicht belegen.
Fragen und Antworten
Kann man im Café du Monde im French Market reservieren oder mit Karte zahlen?
Nein. Im Café du Monde im French Market werden Reservierungen nicht angenommen, und im Café wird laut Karte nur bar bezahlt. Die Souvenirläden gegenüber und am anderen Gebäudeende nehmen Kreditkarten. Das sind Angaben von Café du Monde und der French Market Corporation (Stand: 29. September 2026).
Was kostet eine Portion Beignets im Café du Monde?
Eine Portion mit drei Beignets kostet im Café du Monde im French Market laut Online-Karte 4,53 US-Dollar zuzüglich Umsatzsteuer (Stand: 6. Oktober 2026).
Wann hat das Café du Monde im French Market geöffnet?
Sonntags bis donnerstags von 7:15 bis 23 Uhr, freitags und samstags von 7:15 bis 24 Uhr, nach Angaben von Café du Monde und der French Market Corporation (Stand: 29. September 2026). Geschlossen ist es am ersten Weihnachtstag und an Tagen, an denen ein Hurrikan zu nahe an New Orleans vorbeizieht.
Weiterführende Informationen
- Café du Monde: History
- Café du Monde: Cafe Menu
- Café du Monde: Coffee Black or Au Lait
- Café du Monde: Beignets
- Café du Monde: Frequently Asked Questions
- Café du Monde: Franchising
- Café du Monde: Locations
- French Market Corporation: History
- French Market Corporation: Dining
- National Park Service: Coffee Rationing on the World War II Home Front
- USDA National Agricultural Library: Cichorium intybus (Ethnobotanical Plant)
- Historic New Orleans Collection: Coffee Seller Rose Nicaud and Her Journey from Enslavement to Entrepreneurship
- Historic New Orleans Collection: Taste: Creole and Cajun Cuisine in 10 Stories
- Louisiana State Legislature: Revised Statutes, Title 49 (Staatssymbole)
- The Historic New Orleans Collection (Robyn Andermann): Murder Before Breakfast: The French Market Killing That Shook Reconstruction-Era New Orleans
- USDA, Dr. Duke's Phytochemical and Ethnobotanical Databases: Cichorium intybus
Angaben zu Öffnungszeiten, Eintritt, Angeboten und Zugänglichkeit können sich ändern. Maßgeblich sind die verlinkten Stellen.
Weiterführende Webseiten für unsere Community:
Dieser Beitrag beruht auf Recherche in den genannten Quellen.
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