Bourbon und Handarbeit bei Maker's Mark in Loretto
In Loretto, anderthalb Autostunden südlich von Louisville, brennt Maker's Mark seit 1953 Bourbon. Für einen Besuch der Brennerei reicht ein langer Tagesausflug.

Rotes Wachs am Hals und ein Etikett bekommt eine Flasche Maker's Mark in Loretto erst zum Schluss der Herstellung. Davor liegen Getreide, Hefe, zwei Durchgänge durch Kupfer und mehrere Jahre in einem Eichenfass. Manche dieser Schritte schreibt das amerikanische Recht jedem Bourbon vor. Andere hat die Brennerei selbst festgelegt, und an ihnen erkennt man, was sie von anderen unterscheidet.
Weizen, wo andere Roggen nahmen
Bourbon beginnt mit einer Maische, die zu mindestens 51 Prozent aus Mais besteht. So steht es in der Bundesvorschrift, die festlegt, was in den USA Bourbon heißen darf. Welches Getreide den Rest ausmacht, bleibt den Brennereien überlassen. Bill Samuels Sr. wählte für Maker's Mark roten Winterweizen, zu einer Zeit, als die meisten Whiskybrenner auf Roggen setzten.

Auch Wasser und Hefe führt die Brennerei auf ihren Ort und ihre Geschichte zurück. Nach ihrer Darstellung prägt eine Kalksteinschicht nahe der Brennerei den Geschmack: Das Wasser sei reich an Calcium und Magnesium und ergebe eine bessere Sauermaische, in der die Hefe gut gedeihe. Diese Hefe beschreibt Maker's Mark als eigenen Stamm, über 60 Jahre alt und an jeder Flasche seit der ersten beteiligt.
Zweimal durch Kupfer
Beim Brennen setzt das Gesetz eine Obergrenze: Das Destillat darf höchstens 80 Prozent Alkohol haben. Maker's Mark brennt in kupfernen Säulenbrennapparaten und destilliert zweimal. Die Brennerei begründet das damit, dass so die meisten unerwünschten Stoffe aus dem Destillat verschwinden. Gebrannt wird seit 1953 in derselben Brennerei.

Neues Holz, innen verkohlt
Bourbon muss in neuen Fässern aus Eichenholz reifen, die innen ausgebrannt sind. Beim Einfüllen darf der Brand höchstens 62,5 Prozent Alkohol haben. Neutralalkohol ist nicht erlaubt, ebenso wenig zugesetzte Farb- oder Aromastoffe. Wer „Straight Bourbon“ auf das Etikett schreibt, wie Maker's Mark, muss den Whisky mindestens zwei Jahre im Fass lassen.
Bevor ein Fass ausgebrannt wird, lagert die Küferei das Holz der weißen Eiche neun Monate und einen Kentucky-Sommer im Freien. So sollen bittere Gerbstoffe verschwinden. Das Feuer öffnet danach die Poren der Dauben und karamellisiert den Zucker im Holz. Wie lange der Whisky im Fass bleibt, richtet sich bei Maker's Mark nach dem Geschmack, nicht nach einem festen Termin. Meist sind es nach Angabe der Brennerei sechs bis sieben Jahre, deutlich mehr als die gesetzlichen zwei.

Gelagert wird in hohen, dunkel verkleideten Lagerhäusern, die man in Loretto schon von außen sieht. In einem solchen Haus ist es nicht überall gleich warm. Bei Maker's Mark werden die Fässer deshalb während der Reifung von Hand umgesetzt. Nach Darstellung der Brennerei bekommen die knapp 240 Kilogramm schweren Fässer so die unterschiedlichen Temperaturen ab und unterscheiden sich von Fass zu Fass weniger. Andere Brennereien hätten diese Arbeit längst aufgegeben.

Rotes Wachs und eine alte Presse
Abgefüllt wird nach Gesetz mit mindestens 40 Prozent Alkohol, der klassische Maker's Mark mit 45. Dann bekommt jede Flasche ihr Siegel. An der Tauchlinie stecken Mitarbeiter die Flaschenhälse von Hand in rotes Wachs, und nicht jeder taucht gleich: Die Brennerei unterscheidet mehrere Tauchstile. Die Etiketten werden auf einer handbetriebenen Presse von 1935 geschnitten. Ihre Form geht auf Margie Samuels zurück.

Dass Bourbon aus Kentucky kommen muss, verlangt das Gesetz nicht. Er muss in den USA gebrannt und gelagert sein. Ein Bundesstaat darf nur dann auf dem Etikett stehen, wenn beides dort geschehen ist. Die Vorschrift nennt als Beispiel einen „New York Bourbon Whisky“.
Im Laden der Brennerei lassen sich Flaschen auch selbst in das rote Wachs tauchen, Mitarbeiter zeigen dabei, wie es geht. Eine Reservierung braucht man dafür nicht.
Ein Tag ab Louisville
Loretto liegt rund anderthalb Autostunden südlich von Louisville. Nach unserer Berechnung sind es rund 100 Kilometer in jede Richtung, zusammen also rund drei Stunden reine Fahrt. Die Brennerei rät, mit großen Fahrzeugen nicht über die Maker's Mark Road zu fahren, sondern über die durchgehend zweispurige Bill Samuels Jr. Road vom Highway 52 aus. Auf Uber oder Lyft ist kein Verlass: Sie bringen Besucher hin, aber nicht zuverlässig zurück.

Die Classic Maker's Mark Tour dauert etwa eine Stunde und 15 Minuten. Man soll mindestens 15 Minuten vor Beginn da sein, und Loretto liegt in der Eastern Time. Beim Check-in braucht jeder einen Ausweis. Bargeld nimmt die Brennerei derzeit nicht an. Der Rundgang führt drinnen und draußen über Gelände mit Steigungen, geschlossene Schuhe sind vorgeschrieben.
Unter 21 Jahren darf niemand ohne Eltern oder Vormund auf das Gelände. Die Classic Tour steht Kindern und Jugendlichen offen, viele andere Angebote sind nur für Erwachsene ab 21. Welche das sind, steht jeweils bei der Buchung. Einige historische Gebäude sind eng oder haben unebene Stellen. Vom Empfangsgebäude, dem Homeplace, fährt ein Shuttle ins Zentrum des Geländes. Touren in amerikanischer Gebärdensprache und Angebote für blinde Besucher vermittelt die Brennerei auf Anfrage. Haustiere sind nicht erlaubt, nur Assistenztiere.
Nach unserer Planung braucht der Tag sechs bis sieben Stunden. Das sind drei Stunden Fahrt, anderthalb Stunden für Tour und Vorlauf, etwa eine Stunde für Gelände und Laden und eine Pause im Restaurant der Brennerei. Flaschen kann man im Laden kaufen, aber nicht von dort verschicken lassen. Wer fliegt, klärt die Mitnahme vorher mit der Fluggesellschaft.
Fragen und Antworten
Muss Bourbon aus Kentucky kommen?
Nein. Bourbon muss in den USA gebrannt und gelagert werden. Einen Bundesstaat darf das Etikett nur nennen, wenn der Whisky dort gebrannt und gelagert wurde.
Was unterscheidet Maker's Mark von anderen Bourbons?
Neben Mais verwendet Maker's Mark roten Winterweizen statt Roggen. Die Fässer werden während der Reifung von Hand umgesetzt, und jede Flasche wird von Hand in rotes Wachs getaucht.
Wie lange dauert die Tour?
Die Classic Maker's Mark Tour dauert etwa eine Stunde und 15 Minuten. Man sollte 15 Minuten vorher da sein.
Dürfen Kinder mit?
Ja, zur Classic Tour in Begleitung von Eltern oder Vormund. Viele andere Angebote sind nur für Erwachsene ab 21 Jahren, das steht jeweils bei der Buchung.
Kann man eine Flasche selbst in Wachs tauchen?
Ja, im Laden der Brennerei, ohne Reservierung. Verschicken lassen kann man Flaschen von dort nicht.
Wie kommt man ohne eigenes Auto zurück?
Nur mit vorab geregelter Rückfahrt. Uber und Lyft fahren nach Loretto, nach Angabe der Brennerei aber nicht zuverlässig zurück.
Weiterführende Informationen
- Maker's Mark: How It's Made
- Maker's Mark: Visit Us
- Maker's Mark: Know Before You Go
- Maker's Mark: FAQs
- Electronic Code of Federal Regulations: 27 CFR § 5.143 Whisky
Angaben zu Öffnungszeiten, Eintritt, Angeboten und Zugänglichkeit können sich ändern. Maßgeblich sind die verlinkten Stellen.
Weiterführende Webseiten für unsere Community:
Dieser Beitrag beruht auf Recherche in den genannten Quellen.
Weiterlesen
Weitere passende Beiträge
-
Natur
Die Mammoth Cave von unten und von oben
-
Essen & Trinken
Vom Ahornsaft zum Sirup: Zuckerhäuser in Vermont
-
Essen & Trinken
Green County in Wisconsin: Käse als Handwerk mit Lizenz
-
Essen & Trinken
Key Lime Pie, Floridas Staatskuchen mit ungeklärter Herkunft
-
Essen & Trinken
Barbecue in Zentraltexas: vom Fleischmarkt an die Theke
-
Essen & Trinken
Wo in Louisiana Reis und Crawfish auf demselben Feld wachsen
-
Essen & Trinken
Beignets und Kaffee mit Chicorée: Café du Monde in New Orleans
-
Essen & Trinken
Reis und die Geschichte der Lowcountry-Küche in Charleston
-
Essen & Trinken
Rot oder grün: was hinter der Chile-Frage in New Mexico steckt








