Annapolis: zwei Kreise, das State House und der Weg hinunter zum Hafen
Ein halber Tag zu Fuß durch die Hauptstadt von Maryland an der Chesapeake Bay: vom State House auf dem Hügel über den Kreis um St. Anne's die Main Street hinunter zum Hafen.

Der Rundgang durch Annapolis beginnt oben auf dem Hügel, am State House, dem Sitz von Parlament und Regierung des Bundesstaats Maryland. Es steht mitten auf einem runden Platz, dem State Circle. Von hier geht man hinüber zu einem zweiten Kreis mit der Kirche St. Anne's und dann die Main Street hinunter bis ans Wasser. Wer sich vor allem für die Jahre interessiert, in denen Annapolis kurz die Hauptstadt der jungen Vereinigten Staaten war, verbringt die meiste Zeit im State House. Wer lieber durch die Gassen streift, hält sich dort kürzer auf und nimmt sich unten am Hafen mehr Zeit.
Zwei Kreise auf dem Hügel

Wer den State Circle einmal umrundet, kommt an den Einmündungen der Straßen vorbei, die auf ihn zulaufen. Keine davon zielt genau auf die Mitte des Platzes. Die Unterlagen zum National Historic Landmark vermerken das als Eigenheit dieses Stadtkerns, und es hat mit seiner Entstehung zu tun.
Annapolis wurde nicht als Gitter angelegt. Als die Hauptstadt der Kolonie Maryland von St. Mary's City auf die Halbinsel zwischen Spa Creek und College Creek verlegt wurde, entstand die neue Stadt 1695 unter dem königlichen Gouverneur Francis Nicholson nach einem abgewandelten Barockplan. Das Regierungsgebäude kam auf die höchste Stelle, die Kirche auf die zweithöchste, und jedes bekam einen eigenen Kreis. Deshalb geht man hier nicht durch rechtwinklige Blocks, sondern von einem runden Platz zum nächsten.
Der Weg dorthin ist kurz. Die School Street verbindet die beiden Kreise, ihre Mittelpunkte liegen nach unserer Messung auf den Straßendaten nur rund 190 Meter Luftlinie auseinander. Dass man dabei Wegen folgt, die schon im 18. Jahrhundert so verliefen, zeigt die älteste erhaltene Darstellung des Plans von 1748: Neben dem heutigen Stadtkern gelegt, weicht sie nur wenig ab. Einige Straßen wurden verbreitert oder umbenannt, der Grundriss selbst blieb fast unverändert. Zuerst aber geht es in das Gebäude in der Mitte des ersten Kreises.
Im State House

Hinein kommt man täglich, ausgenommen am Weihnachtstag und am Neujahrstag. Am Eingang stehen Metalldetektoren wie in den übrigen Regierungsgebäuden der Stadt, und man braucht einen Lichtbildausweis. Für Schulgruppen gilt eine eigene Regel: Nur die begleitenden Erwachsenen brauchen einen Ausweis, die Schüler keinen, und die Taschen der Gruppe werden durchsucht. Führungen durch das Parlamentsgebäude bietet der Parlamentsdienst nur Gruppen an, von Montag bis Freitag und nach vorheriger Reservierung, möglichst zwei Wochen im Voraus. Alle anderen gehen auf eigene Faust. Informationen für den Rundgang liegen am Archives Room im Erdgeschoss aus.
In der Old Senate Chamber stehen die Möbel so, wie sie am 23. Dezember 1783 standen. An diesem Tag gab George Washington hier vor dem Kongress sein Kommando über die Kontinentalarmee zurück. Die Broschüre des State House sieht darin den Präzedenzfall dafür, dass das Militär der zivilen Gewalt untersteht. Der Saal ist in seinen damaligen Zustand zurückversetzt. Von November 1783 bis August 1784 tagte hier der Kontinentalkongress, und Annapolis war in dieser Zeit Sitz der Vereinigten Staaten. Gut drei Wochen nach Washingtons Rücktritt, am 14. Januar 1784, ratifizierte der Kongress in diesem Raum den Frieden von Paris, der den Unabhängigkeitskrieg offiziell beendete. Wer mehr darüber wissen möchte, findet in den angrenzenden Räumen Ausstellungen dazu.
Die Rede selbst liegt in der Rotunde unter der Kuppel: Dort ist in einer Vitrine Washingtons eigene Abschrift ausgestellt. Die Kuppel über einem ist aus Holz und ohne Metallnägel gebaut. Hölzerne Dübel halten sie zusammen, verstärkt durch eiserne Bänder, die ein Schmied aus Annapolis anfertigte. Gegenüber der Old Senate Chamber liegt der Saal des früheren Abgeordnetenhauses. Er erinnert an die Erweiterung von Rechten im 19. Jahrhundert, darunter die Abschaffung der Sklaverei in Maryland, und dort stehen Bronzefiguren von Harriet Tubman und Frederick Douglass.

Geht man weiter, überquert man ein dunkles Band im Fußboden, in dessen Kalkstein Fossilien eingeschlossen sind. Es markiert den Übergang in den Anbau von 1902 bis 1905, in dem heute Senat und Abgeordnetenhaus tagen, wenn die General Assembly von Januar bis April zusammenkommt. Für den ganzen Besuch planen wir etwa anderthalb Stunden ein. Danach führt die School Street hinüber zum zweiten Kreis.
Church Circle und St. Anne's

Im Turm von St. Anne's sitzt eine Uhr, die auf Wunsch der Stadt eingebaut wurde. Die Stadt unterhält sie bis heute. Fertig wurde der Turm erst Ende 1865. Zu diesem Zeitpunkt wurde in der Kirche schon seit gut sechs Jahren Gottesdienst gefeiert, zum ersten Mal im Juli 1859.
Nötig geworden war der neuromanische Bau, weil sein Vorgänger am Valentinstag 1858 abgebrannt war; keine anderthalb Jahre später wurde der neue schon genutzt. Es ist die dritte Kirche an dieser Stelle. Die erste stand hier seit dem Anfang des 18. Jahrhunderts, die zweite wurde nach dem Unabhängigkeitskrieg gebaut.
Geht man um die Kirche herum, steht man auf dem Rest eines alten Kirchhofs. Er war anfangs der einzige Friedhof der Stadt und viel größer als heute; das Wachstum der Stadt und vor allem die Straße um den Kreis haben ihn verkleinert. Hier liegt unter anderem Robert Eden, der letzte britische Gouverneur von Maryland. Den Hauptfriedhof der Gemeinde gibt es seit 1790 an anderer Stelle, an der Northwest Street zum College Creek hin.
Für den Kreis genügt eine halbe Stunde, wenn man die Kirche von außen betrachtet. Hinein kann man nach Angaben der Gemeinde von Montag bis Freitag tagsüber; die genauen Zeiten stehen auf ihrer Website.
Hinunter zum Wasser

Vom Church Circle geht man die Main Street hinunter. Zusammen mit dem Hafen bildet sie das Geschäftsviertel der Altstadt. Biegt man in die Gassen abseits davon ein, kommt man an Reihenhäusern aus Holz und Backstein vorbei. Straßen und Gehwege sind teils gepflastert, und die Stadt rät deshalb zu bequemen, flachen Schuhen.
Unten liegt der City Dock mit dem schmalen Hafenbecken, das in Annapolis „Ego Alley“ heißt. Er gehört zum historischen Stadtkern und war jahrhundertelang der Arbeitshafen der Stadt. Derzeit baut die Stadt das Gelände um, damit es bei Hochwasser besser geschützt ist. Wie nah man dabei ans Wasser kommt, hängt vom jeweiligen Bauabschnitt ab, und die Angaben der Stadt dazu sind nicht einheitlich. Wer den Rundgang am Wasser beenden möchte, schaut vorher in die aktuellen Hinweise der Stadt zum City Dock und folgt vor Ort der Beschilderung.

Dass Annapolis eine Stadt am Wasser ist, sieht man nicht nur am Hafen. Die Altstadt liegt auf einer Halbinsel, im Süden begrenzt vom Spa Creek, im Norden vom College Creek.
Ein halber Tag zu Fuß

Als Ausgangspunkt eignet sich die Hillman Garage. Das Parkhaus liegt nach Angaben der Stadt nur wenige Gehminuten vom City Dock entfernt. Bis zum Church Circle sind es nach unserer Messung gut 300 Meter Luftlinie, zu Fuß entsprechend mehr.
Für die Runde planen wir etwa vier Stunden ein: anderthalb Stunden für das State House, eine halbe Stunde für Church Circle und St. Anne's von außen, eine Stunde für die Wege durch die Altstadt einschließlich des Rückwegs zur Garage und eine Stunde für eine Pause. Das ist eine eigene Planung, keine Angabe einer Behörde. Wer weniger Zeit hat, lässt das Innere des State House aus und bleibt bei den Kreisen und Gassen. Die Reihenfolge lässt sich auch umdrehen, mit dem Hafen am Anfang. Wo man am Wasser aufhört, richtet sich aber immer danach, welche Wege rund um den City Dock gerade offen sind.
Fragen und Antworten
Kann man das State House ohne Führung besichtigen?
Ja. Das State House ist täglich geöffnet, außer am Weihnachtstag und am Neujahrstag. Besucher gehen auf eigene Faust hindurch, Informationen liegen am Archives Room im Erdgeschoss aus. Führungen gibt es nur für angemeldete Gruppen von Montag bis Freitag.
Was braucht man für den Einlass ins State House?
Einen Lichtbildausweis, am Eingang stehen außerdem Metalldetektoren. Für Schulgruppen gilt: Nur die begleitenden Erwachsenen brauchen einen Ausweis, die Schüler nicht, und die Taschen der Gruppe werden durchsucht.
Warum hat Annapolis zwei runde Plätze?
Der Stadtplan von 1695 setzte das Regierungsgebäude auf die höchste Stelle und die Kirche auf die zweithöchste, jedes in einen eigenen Kreis. Der Grundriss hat sich seither kaum verändert.
Wie lange dauert ein Rundgang durch den Stadtkern?
Nach unserer Planung etwa vier Stunden mit State House, Church Circle, Altstadtwegen, Rückweg zur Garage und einer Pause. Ohne Besuch im State House geht es deutlich schneller.
Kann man am City Dock bis ans Wasser gehen?
Das hängt vom Stand der Bauarbeiten ab. Die Stadt baut das Gelände um, und die Zugänge ändern sich mit den Bauabschnitten. Vor dem Besuch die aktuellen Hinweise der Stadt prüfen und vor Ort der Beschilderung folgen.
Kann man die Kirche St. Anne's besichtigen?
Von außen jederzeit, sie steht mitten im Church Circle. Innen ist sie nach Angaben der Gemeinde von Montag bis Freitag tagsüber geöffnet; die genauen Zeiten stehen auf ihrer Website.
Weiterführende Informationen
- Maryland State Archives: Visiting the Maryland State House
- Maryland State Archives: Maryland State House Tours
- Maryland State Archives: History of the State House and Its Dome
- Maryland State Archives: Welcome to the Maryland State House (Faltblatt)
- National Park Service: Colonial Annapolis Historic District, National Historic Landmark Nomination
- National Park Service: Annapolis City Dock
- St. Anne's Parish: The History of St. Anne's
- City of Annapolis: Annapolis City Dock Project
- St. Anne's Episcopal Church: St. Anne's Episcopal Church, Annapolis
Angaben zu Öffnungszeiten, Eintritt, Angeboten und Zugänglichkeit können sich ändern. Maßgeblich sind die verlinkten Stellen.
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Dieser Beitrag beruht auf Recherche in den genannten Quellen.
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