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Städte & Kultur

Whitney Museum und High Line: ein Nachmittag im Westen Manhattans

Die High Line sollte abgerissen werden, bevor sie zum Park wurde. Das Whitney Museum stimmte seinen Neubau an ihrem Südende auf die alte Trasse ab. Beide lassen sich an einem Nachmittag verbinden.

Vom USA Reisen Magazin · Community-Content: Sylvia Spleth

Lesezeit etwa 8 Minuten

Ein Weg aus Betonplanken führt zwischen dicht bepflanzten Beeten mit Gräsern und rosa blühenden Stauden über die High Line, auf ihm gehen Menschen spazieren. Links und rechts stehen dunkle Gebäude mit großen Fenstern, im Hintergrund ein gläsernes Hochhaus und Baukräne.
Spaziergänger auf der High Line zwischen Gräsern und Stauden auf der früheren Güterbahntrasse.

Bis 1941 ritten auf der 10th Avenue im Westen Manhattans Männer zu Pferd vor den Güterzügen her und schwenkten rote Fahnen, um Fußgänger zu warnen. Ein Teil der Trasse, für die man diese Züge schließlich von der Straße holte, ist heute ein Park: die High Line. Sie endet im Süden an der Gansevoort Street. Im selben Block steht das Whitney Museum of American Art, ein asymmetrischer Bau von Renzo Piano, der auf die alte Trasse antwortet. In ihrer heutigen Form sind beide jung: Die High Line öffnete 2009, das Whitney zog 2015 an diesen Ort.

Eine Bahn, die Leben kostete

Blick von der High Line in eine Straße mit langen Backsteinbauten und hohen Bogenfenstern, die eine Fußgängerbrücke über die Straße verbindet.
Backsteinbauten an der High Line, über die Straße durch eine Fußgängerbrücke verbunden.

Ab der Mitte des 19. Jahrhunderts fuhren die Güterzüge der New York Central Railroad auf Straßenniveau durch den Westen Manhattans und versorgten die Stadt mit Lebensmitteln. Für Fußgänger war das gefährlich. Die 10th Avenue bekam den Namen „Death Avenue“: Bis 1910 starben nach Angaben der Parkverwaltung mehr als 500 Menschen durch diese Züge. Die Reiter mit den roten Fahnen, die sogenannten West Side Cowboys, stellte die Bahngesellschaft ein; ihren letzten Ritt machten sie 1941.

Die Lösung war eine Hochbahn. 1924 ordnete die Verkehrsaufsicht an, die ebenerdigen Übergänge zu beseitigen. 1933 fuhr der erste Zug auf der erhöhten Trasse, ab 1934 lief der volle Betrieb. Die Bahn brachte Fleisch, Milchprodukte, Obst und Gemüse und führte zum Teil direkt durch Gebäude hindurch, etwa durch die Fabrik der National Biscuit Company. Mit dem Lastwagenverkehr ging der Bahnbetrieb zurück, 1980 endete er. Teile der Trasse wurden abgerissen. Seit Anfang der 1990er Jahre liegt das Südende an der Gansevoort Street.

Vom Abrissobjekt zum Park

Breiter Abschnitt der High Line mit Betonplanken, die in Sitzbänke übergehen, dazu junge Birken und Beete; darüber ein Glasgebäude auf Stützen.
Auf der High Line: Betonplanken, Sitzbänke und Pflanzbeete auf der früheren Bahntrasse.

Viele hielten die stillgelegte Trasse für einen Schandfleck, und kurz vor dem Ende seiner Amtszeit unterzeichnete Bürgermeister Rudolph Giuliani eine Abrissverfügung. Auf den Gleisen wuchs inzwischen eine wilde Vegetation. Davon angeregt, gründeten Joshua David und Robert Hammond 1999 die Organisation Friends of the High Line, um die Trasse als öffentlichen Raum zu erhalten.

2003 rief die Initiative zu einem offenen Ideenwettbewerb auf, 2004 wurde das Planungsteam ausgewählt: das Landschaftsarchitekturbüro James Corner Field Operations, das Architekturbüro Diller Scofidio + Renfro und der niederländische Pflanzplaner Piet Oudolf. Die Stadt unter Bürgermeister Michael Bloomberg unterstützte das Vorhaben, und die Bahngesellschaft CSX übertrug der Stadt das Eigentum an der Trasse als Schenkung. 2006 begann der Bau.

Im Juni 2009 öffnete der erste Abschnitt, von der Gansevoort Street bis zur 20th Street. Er beginnt in dem Block, in dem heute das Museum steht. Bis 2014 wuchs der Park schrittweise bis zur 34th Street, heute ist die High Line ein rund 2,3 Kilometer langer Grünzug. Sie gehört der Stadt, betrieben und gepflegt wird sie aber von Friends of the High Line. Nach eigenen Angaben bringt die Organisation fast das gesamte Jahresbudget auf.

Ein Garten nach dem Vorbild der Wildnis

Rostige Schienen liegen zwischen Gräsern, Stauden, Laubstreu und einem weiß blühenden Strauch. Dahinter sind ein dunkles Geländer und Fassaden mit großen Fenstern zu sehen.
Alte Schienen zwischen den Beeten: Beim Umbau wurden Schienen markiert, eingelagert und später wieder eingesetzt.

Die Bepflanzung greift die Landschaft auf, die nach dem Ende des Zugverkehrs 25 Jahre lang von selbst auf der Trasse gewachsen war. Oudolf wählte Stauden, Gräser, Sträucher und Bäume, die widerstandsfähig sind und in allen Jahreszeiten wechselnde Formen und Farben zeigen. Auf der Website von Friends of the High Line wird er mit den Worten zitiert, seine größte Inspiration sei die Natur. Er wolle sie aber nicht kopieren, sondern das Gefühl nachbilden. Der natürliche Eindruck ist dennoch gestaltet: Ein Gärtnerteam pflegt und entwickelt die Anlage weiter.

Auch die industrielle Vergangenheit bleibt sichtbar. Beim Umbau wurden die Schienen Stück für Stück markiert, vermessen und eingelagert. Viele kamen später an ihre ursprünglichen Stellen zurück. Die Gleise, auf denen früher Fleisch und Milch in die Stadt kamen, sind heute Teil der Gartenanlage. Die Wege bestehen aus Betonplanken, die Regenwasser in die Beete leiten. Im Herbst werden die Pflanzen auf der High Line nicht zurückgeschnitten: Laub, Stängel und Samenstände bleiben als Lebensraum für Vögel über den Winter stehen. Im März wird von Hand zurückgeschnitten, Hunderte Freiwillige helfen dabei.

Am Südende, direkt beim Museum, liegt das Gansevoort Woodland, ein schattiger Abschnitt mit Birken und Felsenbirnen, der bis zur 13th Street reicht. Weiter nördlich folgen unter anderem ein Sonnendeck zwischen 14th und 15th Street und die Chelsea Market Passage, wo die Trasse am früheren Gebäude der National Biscuit Company entlangführt.

Ein Bau, der auf die Trasse antwortet

Das helle Whitney Museum mit dem Schriftzug WHITNEY an der Fassade; davor eine begrünte Anlage auf tulpenförmigen Pfeilern am Hudson, dahinter die Stadt.
Das Whitney Museum am Hudson, erkennbar am Schriftzug an der Fassade.

Dass am Südende ein Museum entstehen sollte, stand schon bei der Eröffnung des Parks fest. Laut der Chronik des Museums nannte Bürgermeister Bloomberg den geplanten Neubau des Whitney 2009 einen wichtigen kulturellen Anker für den neuen Park. Am 1. Mai 2015 eröffnete das Haus an der Gansevoort Street.

Renzo Pianos Entwurf ist deutlich asymmetrisch. Nach Darstellung des Museums reagiert er auf den industriellen Charakter der benachbarten Lagerhäuser und der Hochbahntrasse: Nach Westen blicken die oberen Geschosse auf den Hudson, nach Osten treten sie stufenweise von der High Line zurück. Auf diese Seite öffnen sich die Außenterrassen des Museums auf mehreren Etagen. Unter dem weit auskragenden Eingang liegt wenige Schritte vom südlichen Aufgang der High Line ein öffentlicher Platz, den das Museum „Largo“ nennt. Östlich des Museums markiert ein Aussichtsbalkon auf der High Line die Stelle, an der die Trasse einst abgetrennt wurde.

Im Freien setzt sich die Verbindung in beide Richtungen fort. Auf der Trasse gibt das Programm High Line Art seit 2009 jedes Jahr Arbeiten in Auftrag, weiter im Norden steht mit dem High Line Plinth ein eigener Sockel für große Skulpturen. Nach Westen, wohin die oberen Geschosse des Museums blicken, steht gegenüber am Südrand der Gansevoort Peninsula im Hudson „Day’s End“ von David Hammons. Die dauerhafte Installation hat das Whitney gemeinsam mit dem Hudson River Park entwickelt. Ihre offene Konstruktion zeichnet die Umrisse der früheren Halle auf Pier 52 nach.

Was das Museum sammelt

Das Whitney geht auf Gertrude Vanderbilt Whitney zurück, die selbst Skulpturen schuf. Sie kaufte und zeigte Werke amerikanischer Künstler, die in den etablierten Häusern kaum Platz fanden. Als das Metropolitan Museum of Art ihre Sammlung von über 500 Werken als Schenkung ablehnte, gründete sie 1930 ein eigenes Museum. Nach eigener Darstellung war es das erste, das sich lebenden amerikanischen Künstlern widmete. Seit 1932 richtet es die Biennale aus, eine Übersicht über neue amerikanische Kunst.

Die Sammlung umfasst heute mehr als 25.000 Werke vom frühen 20. Jahrhundert bis zur Gegenwart, darunter mehr als 3.000 Arbeiten von Edward Hopper. Einen Überblick über andere Epochen oder Regionen bietet das Whitney nicht, denn es konzentriert sich bewusst auf Kunst aus den USA. Vor dem Umzug an die High Line war es von 1966 bis 2014 in einem Bau von Marcel Breuer an der Madison Avenue untergebracht.

Einen Nachmittag planen

Als Ausgangspunkt bietet sich das Whitney Museum am Südende der High Line an. Das Museum empfiehlt selbst, oben im achten Stock zu beginnen, auf die Terrasse zu gehen und dann über die Treppen Etage für Etage nach unten zu gehen. Danach führt der Aufgang an der Gansevoort Street auf die High Line, und von dort geht es nach Norden. Wer nur einen Teil der Trasse gehen möchte, kann sie an mehreren Zugängen wieder verlassen.

Zwei Dinge sind für die Planung wichtig. Das Whitney ist dienstags geschlossen, freitags dagegen bis 22 Uhr geöffnet, und am Freitagabend ist der Eintritt frei, ein Ticket braucht man trotzdem. Die High Line ist täglich kostenlos zugänglich, im Winter aber kürzer geöffnet als im Sommer.

Im Norden sind laut Betreiber (Stand: 6. Oktober 2026) der Interim Walkway an den Western Rail Yards zwischen 30th und 34th Street und der Zugang an der 34th Street vorübergehend geschlossen. Ende September hatte er außerdem die Treppen an der 20th und 26th Street als gesperrt gemeldet. Ob diese Sperrungen fortbestehen, ist nicht bestätigt. Den aktuellen Stand vor dem Besuch auf der Website des Betreibers prüfen.

Fragen und Antworten

Wann ist der Eintritt ins Whitney Museum frei?

Nach Angaben des Whitney Museum (Stand: 29. September 2026) freitags von 17 bis 22 Uhr und am zweiten Sonntag im Monat. Ein Ticket braucht man trotzdem. Besucher bis 25 Jahre haben mit Zeitfenster-Ticket unabhängig von diesen Terminen freien Eintritt. Dienstags ist das Museum geschlossen.

Kostet die High Line Eintritt, und wann ist sie geöffnet?

Nach Angaben von Friends of the High Line (Stand: 29. September 2026) ist die High Line täglich und kostenlos zugänglich, vom 1. April bis 30. November von 7 bis 22 Uhr und vom 1. Dezember bis 31. März von 7 bis 20 Uhr. Im Norden sind laut Betreiber (Stand: 6. Oktober 2026) der Interim Walkway an den Western Rail Yards zwischen 30th und 34th Street und der Zugang an der 34th Street vorübergehend geschlossen. Die Ende September gemeldete Sperrung der Treppen an der 20th und 26th Street ist nicht aktuell bestätigt. Den aktuellen Stand nennt der Betreiber auf seiner Website. Fahrräder, Hunde (außer Assistenzhunden) und Rollschuhe sind nicht erlaubt.

Sind Whitney Museum und High Line barrierefrei?

Das Whitney ist laut Museum über Rampe und Aufzug vollständig zugänglich. Die High Line ist laut Betreiber rollstuhlgerecht, mit Aufzügen unter anderem an der Gansevoort, 14th, 23rd und 30th Street (Stand: 29. September 2026). Den aktuellen Aufzugsstatus vor dem Besuch auf der Seite des Betreibers prüfen.

Weiterführende Informationen

  1. Whitney Museum of American Art: History
  2. Whitney Museum of American Art: Our Building
  3. Whitney Museum of American Art: The Neighborhood
  4. Whitney Museum of American Art: FAQ
  5. Whitney Museum of American Art: Visit
  6. Whitney Museum of American Art: Free Admission
  7. Friends of the High Line: History
  8. Friends of the High Line: Design
  9. Friends of the High Line: Gardens
  10. Friends of the High Line: Park Features
  11. Friends of the High Line: FAQ
  12. Friends of the High Line: Visit
  13. NYC Department of Parks & Recreation: The High Line – History
  14. Whitney Museum of American Art: David Hammons: Day's End

Angaben zu Öffnungszeiten, Eintritt, Angeboten und Zugänglichkeit können sich ändern. Maßgeblich sind die verlinkten Stellen.

Dieser Beitrag beruht auf Recherche in den genannten Quellen.

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