Balboa Park in San Diego: ein Tag zwischen Ausstellungsbauten und Gärten
Der Balboa Park am Rand der Innenstadt von San Diego kostet keinen Eintritt. Seine spanisch anmutenden Bauten entstanden für zwei Ausstellungen, viele davon als Provisorien, die später umgebaut oder nachgebaut wurden. Aus freien Gärten, einem Orgelkonzert und ein oder zwei Museen stellt man sich einen eigenen Tag zusammen.

Wer über die Cabrillo Bridge in den Balboa Park kommt, überquert auf fast 460 Metern eine Schlucht und sieht vor sich eine Kuppel, einen hohen Turm und Mauern in spanischem Stil. Ein Architekturführer, den die Denkmalnominierung von 1977 zitiert, verglich den Anblick mit einer befestigten europäischen Stadt. Dahinter führt die Hauptachse El Prado zwischen verzierten Fassaden, Arkaden und Gärten hindurch, und alles wirkt wie aus einem Guss. Das täuscht. Die meisten dieser Bauten entstanden für eine Ausstellung im Jahr 1915 und sollten nur wenige Jahre stehen. Manche wurden umgebaut, andere später nachgebaut. Wer das weiß, sieht im Balboa Park nicht nur eine Kulisse, sondern die Spuren zweier Ausstellungen und vieler Umbauten.
Gebaut für wenige Jahre
Das Gelände am Rand der Innenstadt wies die Stadt San Diego schon 1868 als Park aus, damals rund 570 Hektar. Seinen Namen erhielt es um 1910 nach Vasco Núñez de Balboa, dem ersten Europäer, der in Panama den Pazifik sah. Der Name passte zum Anlass, denn San Diego feierte 1915 und 1916 mit der Panama-California Exposition die Eröffnung des Panamakanals. Die Leitung der Bauten hatte der New Yorker Architekt Bertram Goodhue. Er wählte spanische Kolonialarchitektur mit dem verspielten Schmuck des Churriguerismus, eine Hauptachse entlang des El Prado und quer dazu die Plaza de Panama.
Die meisten Ausstellungsbauten bestanden aus Holzlatten und Putz. Nach der Denkmalnominierung von 1977 sollten sie nur wenige Jahre halten und dann ersetzt werden. Seit demselben Jahr ist der Park National Historic Landmark. Auf Dauer geplant waren vor allem das California Building mit seinem Turm und das Fine Arts Building. Das Botanical Building zählt die Stadt zu den nur vier Bauten, die nach der Ausstellung stehen bleiben sollten. Viele Provisorien blieben trotzdem stehen, und mit ihnen begann eine lange Geschichte von Umbauten. Das House of Hospitality, in dem heute das Visitors Center liegt, bauten Richard Requa und Sam Hamill für eine zweite Ausstellung Mitte der 1930er-Jahre stark um. Der heutige Bau ist laut Stadt ein fast genauer Nachbau von 1997, bei dem viele Schmuckelemente aus den 1930er-Jahren wieder verwendet wurden. Das House of Charm wurde wegen seines schlechten Zustands abgerissen und 1996 nach genauen Vorgaben neu gebaut, und die Casa del Prado war schon bei der Denkmalnominierung von 1977 ein Nachbau. Wer heute den Prado entlanggeht, sieht also an mehreren Stellen Nachbauten, die den Ausstellungsbauten möglichst genau folgen.

Die zweite Ausstellung, die California Pacific International Exposition, begann 1935. Für sie entwarf Richard Requa den Bereich der Palisades südlich des Prado mit Bauten, die an die Pueblo-Bauweise der Indianer und an Maya-Formen erinnern. Auch das Old Globe entstand damals, ein Theater nach dem Vorbild von Shakespeares Globe in London. Brandstiftung zerstörte es 1978, der heutige Bau eröffnete 1982.
California Tower und Museum of Us
Am Westende des Prado, gleich hinter der Brücke, bildeten das California Building, der Turm und ein Innenhof 1915 den Eingang der Ausstellung. Das Gebäude erinnert an eine spanische Barockkirche. Seine Fassade zeigt Eroberer und Missionare, und das Museum, das heute darin untergebracht ist, weist selbst darauf hin, dass die Indianer darauf fehlen. Es wurde 1915 als Anthropologiemuseum gegründet, hieß jahrzehntelang Museum of Man und nennt sich seit 2020 Museum of Us. Nach eigener Darstellung steht es auf dem angestammten Land der Kumeyaay, eines Indianerstamms, der in Südkalifornien und im Norden der mexikanischen Halbinsel Baja California lebt. Mit ihrer Geschichte und Kultur befasst sich das Museum in seinen Ausstellungen.
Der California Tower ist rund 60 Meter hoch und nur mit einer Führung zugänglich, die man zusammen mit dem Museumseintritt bucht. Sie dauert 40 Minuten, davon 10 bis 15 Minuten auf der Plattform im achten Stock. Bis dorthin sind es 125 Stufen, der Turm ist nicht barrierefrei, und Kinder müssen mindestens sechs Jahre alt sein. Bei klarem Wetter reicht der Blick nach Westen über die Brücke und die Innenstadt bis zur Bucht von San Diego und zum Pazifik. Wer nicht steigen kann, sieht im Museum Livebilder vom Turm auf einem großen Bildschirm. Als Glockenturm wurde er nicht gebaut, Musik erklingt dort erst seit 1946.
Botanical Building und Lily Pond
Am El Prado neben dem Timken Museum of Art liegt am langen Becken des Lily Pond ein Bau aus Holzlatten, gut 76 Meter lang, knapp 23 Meter breit und gut 18 Meter hoch. Durch die Latten fällt Licht auf mehr als 2.000 Pflanzen, darunter Palmfarne, Farne, Orchideen und Palmen. Der Eintritt ist frei.

Auch hier lohnt der zweite Blick. Ursprünglich schloss sich hinten ein Gewächshaus aus Stahl und Glas an, das später entfernt wurde. Bei einer Renovierung verschwanden auch die Arkaden mit den Sprossenfenstern an der Vorderseite. Bei der jüngsten Sanierung ersetzte die Stadt die Latten aus Redwood und baute die historischen Fensterarkaden wieder auf. Ziel war der Entwurf von 1915. Was man heute sieht, ist also ein nach dem Entwurf von 1915 restaurierter Bau mit wieder aufgebauten Teilen, keine unveränderte Hülle von damals.
Alcazar Garden und Orgelpavillon
Zwischen dem California Building und dem House of Charm liegt der Alcazar Garden. Er ist nach den Gärten des Alcázar in Sevilla benannt. Zur Ausstellung von 1915 entstand an dieser Stelle ein Garten, der damals Los Jardines de Montezuma hieß. Requa gestaltete ihn für 1935 neu, und nach diesem Entwurf wurde er rekonstruiert. Buchshecken fassen die Beete ein, dazu kommen Brunnen und maurische Fliesen in Türkis, Gelb und Grün.
Südlich der Plaza de Panama steht der Spreckels Organ Pavilion, ein Bogenbau mit offener Bühne, den zwei geschwungene Kolonnaden einfassen. Die Brüder John D. und Adolph B. Spreckels schenkten Pavillon und Orgel der Stadt, laut der Plakette am Bau zum 1. Januar 1915. Die Schenkungsurkunde bestimmt, dass alle Konzerte im Pavillon frei sind. Bis heute gibt es jeden Sonntagnachmittag das ganze Jahr über und bei jedem Wetter ein etwa einstündiges Orgelkonzert. Die Orgel hat mehr als 5.000 Pfeifen, von gut 30 Zentimetern bis fast zehn Metern Länge, und vor der Bühne finden rund 2.400 Zuhörer Platz.

Museen nach Interesse
Viele Museen im Park sind eigenständige gemeinnützige Häuser mit eigenem Eintritt, und die meisten schließen am späten Nachmittag. Statt viele nur kurz zu besuchen, wählt man besser ein oder zwei nach Interesse aus.

Das San Diego Museum of Art an der Nordseite der Plaza de Panama zeigt europäische, asiatische und amerikanische Malerei und Skulptur und ist nach eigener Angabe vor allem für spanische Alte Meister bekannt. Sein Haus eröffnete 1926 als Fine Arts Gallery an der Stelle eines Ausstellungsbaus von 1915. Mittwochs ist es geschlossen. Für den Westflügel hat das Museum einen Umbau angekündigt, den Bau- und Öffnungsstand sollte man deshalb vor dem Besuch beim Museum prüfen.
Wer lieber draußen bleibt, geht in den Japanese Friendship Garden. Er öffnete 1991 als Zeichen der Freundschaft mit der Partnerstadt Yokohama, wurde zweimal erweitert und umfasst heute rund vier Hektar. Das Gelände ist uneben und teils steil, es gibt aber barrierefreie Wege. Am Abend lässt sich der Tag mit einer Vorstellung im Old Globe beschließen.
Ein Tag im Park
Als Standort eignet sich die Innenstadt von San Diego, von der aus der Park zu Fuß zu erreichen ist. Vom Bahnhof Santa Fe Depot sind es nach unserer Berechnung gut drei Kilometer bis zum Museum of Us, zu Fuß etwa eine Dreiviertelstunde, zuletzt über die Cabrillo Bridge. Für den Park selbst genügt ein Tag. Wer am Vortag anreist und am Tag danach weiterfährt, plant zwei Nächte in der Innenstadt. Stadtbusse verbinden die Innenstadt mit beiden Seiten des Parks. Im Park fährt eine kostenlose Tram mit Rampe von Inspiration Point am Park Boulevard zur Plaza de Panama, zum Orgelpavillon und zur Pan American Plaza. Wer mit dem Auto kommt, findet am Westende der Cabrillo Bridge Parkmöglichkeiten. Ob und was das Parken kostet, steht auf den Seiten des Parks.

Nach unserer Schätzung lässt sich der Tag so einteilen. Am Vormittag geht man über die Brücke zum Museum of Us und macht dort die vorher gebuchte Turmführung, mit einem kurzen Gang durch das Museum etwa eineinhalb Stunden. Danach folgt man dem Prado zum Botanical Building und zum Lily Pond, wofür eine halbe Stunde reicht, und zum Alcazar Garden, eine weitere Viertelstunde. Nach einer Mittagspause von etwa einer Stunde bleiben am Nachmittag rund zwei Stunden für einen einzigen Schwerpunkt: das San Diego Museum of Art, den Japanese Friendship Garden oder am Sonntag das Orgelkonzert. Wer lieber geführt wird, schließt sich einer der kostenlosen Parkführungen von 60 bis 75 Minuten ohne Anmeldung an, die am Visitors Center im House of Hospitality beginnen. Ihre Termine nennt das Visitors Center. Zurück in die Innenstadt geht man denselben Weg. Mit Hin- und Rückweg kommt man so auf etwa sieben Stunden.
Fragen und Antworten
Kostet der Balboa Park Eintritt?
Nein. Der Park gehört der Stadt San Diego und ist rund um die Uhr offen. Auch das Botanical Building, die meisten Gärten und die Orgelkonzerte sind frei. Viele Museen verlangen eigenen Eintritt, das Timken Museum of Art ist frei.
Kann man auf den California Tower steigen?
Ja, aber nur mit einer Führung, die man zusammen mit dem Eintritt ins Museum of Us bucht. Sie dauert 40 Minuten und führt über 125 Stufen, der Turm ist nicht barrierefrei, und Kinder müssen mindestens sechs Jahre alt sein.
Wann spielt die Orgel im Spreckels Organ Pavilion?
Jeden Sonntagnachmittag, das ganze Jahr über und bei jedem Wetter, etwa eine Stunde lang. Die Konzerte sind frei. Die genaue Uhrzeit und Programme nennt die Spreckels Organ Society.
Sind die Bauten am El Prado noch die von 1915?
Nur zum Teil. Die meisten Ausstellungsbauten waren als Provisorien aus Latten und Putz gedacht. Das House of Charm und das House of Hospitality wurden in den 1990er-Jahren als möglichst genaue Nachbauten neu errichtet, das Botanical Building wurde nach dem Entwurf von 1915 saniert, seine Fensterarkaden wurden wieder aufgebaut.
Wie kommt man ohne Auto in den Park?
Zu Fuß aus der Innenstadt oder mit Stadtbussen. Im Park fährt eine kostenlose Tram von Inspiration Point zur Plaza de Panama, zum Orgelpavillon und zur Pan American Plaza.
Weiterführende Informationen
- City of San Diego, Parks & Recreation: Balboa Park History
- City of San Diego, Parks & Recreation: Balboa Park
- City of San Diego, Parks & Recreation: Balboa Park Facilities E-H
- City of San Diego: Pressemitteilung zur Wiedereröffnung des Botanical Building
- City of San Diego: Balboa Park Botanical Building and Lily Pond (Digital Archives)
- City of San Diego, Parks & Recreation: Free Balboa Park Tram
- National Park Service: National Register of Historic Places Nomination: Balboa Park (1977)
- National Park Service: List of National Historic Landmarks by State
- Balboa Park: About Balboa Park
- Balboa Park: Balboa Park FAQs
- Balboa Park: Balboa Park Map & Directions
- Balboa Park: Cabrillo Bridge
- Balboa Park: Alcazar Garden
- Balboa Park: Botanical Building and Lily Pond
- Balboa Park: Visitor Center Public Tours
- Forever Balboa Park: Botanical Building
- Museum of Us: California Tower
- Museum of Us: History
- Spreckels Organ Society: History
- Spreckels Organ Society: Weekly Sunday Program
- The San Diego Museum of Art: West Wing Building Renovation
- The San Diego Museum of Art: FAQ
- Japanese Friendship Garden & Museum: About
- The Old Globe: History
Angaben zu Öffnungszeiten, Eintritt, Angeboten und Zugänglichkeit können sich ändern. Maßgeblich sind die verlinkten Stellen.
Weiterführende Webseiten für unsere Community:
Dieser Beitrag beruht auf Recherche in den genannten Quellen.
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