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Städte & Kultur

Seattle Center: Was die Weltausstellung 1962 mit Glaskunst und Popkultur verbindet

Die Weltausstellung 1962 in Seattle wollte zeigen, wie man im 21. Jahrhundert leben würde. Auf ihrem Gelände lässt sich heute sehen, was aus dieser Zukunftsschau wurde: Space Needle und Monorail sind noch in Betrieb, Messebauten haben neue Aufgaben, und zwei spätere Häuser zeigen Glaskunst und Popkultur.

Vom USA Reisen Magazin · Community-Content: Sylvia Spleth

Lesezeit etwa 8 Minuten

Luftbild im warmen Abendlicht: die Space Needle vor den Hochhäusern der Innenstadt, am Horizont ein schneebedeckter Berg. Unten links steht ein Gebäude mit farbigen, gewellten Metallfassaden, rechts unten ein Glasbau.
Space Needle und MOPOP auf dem Gelände des Seattle Center, dahinter die Innenstadt.

1959 sah der Hotelmanager Edward Carlson, einer der Hauptorganisatoren der geplanten Weltausstellung in Seattle, in Stuttgart einen Fernsehturm mit Restaurant. Danach zeichnete er einen Turm für die Messe und nannte ihn „Space Needle“; nach Darstellung des heutigen Betreibers geschah das auf einer Serviette in einem Hotelcafé, nach HistoryLink, der Enzyklopädie zur Stadtgeschichte, auf Postkarten an Verantwortliche der Messe.

Der Turm sollte zu einer Messe passen, die das Leben im kommenden Jahrhundert zeigen wollte, und das Thema reichte bis in die Farbeimer. Nach Angaben des Betreibers hießen die letzten Anstriche „Astronaut White“ für die Beine, „Orbital Olive“ für den Kern, „Re-entry Red“ für den Ring am Turmkopf und „Galaxy Gold“ für das Dach. Dieses kommende Jahrhundert ist inzwischen da, und auf dem Gelände lässt sich besichtigen, was aus der Zukunftsschau von 1962 geworden ist.

Eine Messe im Zeichen des Weltraums

Mitte der 1950er-Jahre entstand die Idee, zum 50. Jahrestag der Alaska-Yukon-Pacific Exposition von 1909 erneut eine Weltausstellung nach Seattle zu holen. Dann startete die Sowjetunion 1957 den Satelliten Sputnik, und das Thema änderte sich: Nun ging es um „Century 21“, das Leben im kommenden Jahrhundert. Aus Bundesmitteln kamen zehn Millionen Dollar für einen Wissenschaftspavillon, den United States Science Pavilion. Präsident John F. Kennedy eröffnete die Messe am 21. April 1962, laut HistoryLink kamen knapp zehn Millionen Besucher.

Unternehmen wie Boeing und Ford zeigten Zukunftsschauen. Im Coliseum fuhr der „Bubbleator“, ein gläserner Kugelaufzug, bis zu 100 Besucher auf einmal hinauf in eine Ausstellung über die Welt von morgen. Neben der Technik stand die Kunst: Für den Bereich „World of Art“ stellten laut HistoryLink 61 Museen aus aller Welt Meisterwerke als Leihgaben bereit.

Die Space Needle: vom Einfall zum Turm

Der Kopf der Space Needle mit umlaufender Aussichtsplattform in Nahaufnahme. Dahinter liegen Hochhäuser, eine Bucht und in der Ferne ein schneebedeckter Berg im Dunst.
Der Kopf der Space Needle hat die Form einer fliegenden Untertasse. Die Aussichtsplattform liegt auf rund 158 Metern.

Auf Carlsons Zeichnung folgten weitere Ideen. Laut Betreiber waren unter anderem Entwürfe im Gespräch, die an ein gelandetes UFO, einen Fesselballon und einen Cocktailshaker mit einer Bahn erinnerten, die Besucher nach oben brachte. Durchgesetzt hat sich der Entwurf der Architekten John Graham Jr. und Victor Steinbrueck: ein Kopf in Form einer fliegenden Untertasse auf einem schlanken Schaft, dessen Form auf eine kleine abstrakte Tänzerinnenskulptur zurückgehen soll. Der Chefingenieur John Minasian hatte nach Angaben des Betreibers auch Startgerüste für Raketen der NASA entworfen.

Bezahlt haben den Turm private Geldgeber: Nachdem King County die Finanzierung abgelehnt hatte, übernahmen laut HistoryLink fünf Investoren das Projekt. Für das Fundament hoben die Bauleute eine rund neun Meter tiefe Grube aus. 467 Betonmischer brauchten nach Angaben des Betreibers einen ganzen Tag, um sie zu füllen, und danach wog das Fundament so viel wie der Turm selbst. Im Dezember 1961, acht Monate nach Baubeginn, stand das Grundgerüst. Bis zur Spitze der Flugwarnleuchte ist der Turm rund 184 Meter hoch, die Aussichtsplattform liegt auf rund 158 Metern.

Die Monorail: Züge aus Westdeutschland

Aquarell eines silbernen Zugs mit rotem Streifen auf einem erhöhten Betonfahrweg über einer Straße mit Bäumen.
Ein Zug der Monorail. Seit März 1962 verbindet sie das Gelände mit der Innenstadt (Aquarell). · Aquarell nach „Seattle monorail01 2008-02-25.jpg“ von Klaus with K, Wikimedia Commons; bearbeitet für USA Reisen Magazin und unter derselben Lizenz weitergegeben (CC BY-SA 3.0)

Zur Messe fuhr man mit einer Einschienenbahn aus der Innenstadt, und sie fährt bis heute. Gebaut hat sie ab 1961 die Firma Alweg. Ihre Züge entstanden in Westdeutschland, kamen per Schiff nach New York und von dort per Bahn nach Seattle. Im März 1962, knapp einen Monat vor der Messe, nahm die Monorail den Betrieb auf; HistoryLink nennt sie das erste Alweg-System dieser Größe in den USA.

Heute gehört die Bahn der Stadt und ist seit 2003 als städtisches Wahrzeichen anerkannt. Für die Strecke zwischen Westlake Center und Seattle Center braucht sie laut Betreiber etwa zwei Minuten.

Spuren von 1962 auf dem Gelände

Luftbild bei tief stehender Sonne. In der Mitte liegt ein großes, spitz zulaufendes Hallendach zwischen Bäumen. Dahinter stehen die Space Needle, ein Gebäude mit weißen Spitzbögen und die Hochhäuser der Innenstadt.
Bauten der Messe von 1962 im Luftbild: vorn das denkmalgeschützte Dach der heutigen Climate Pledge Arena, dahinter die Space Needle und die weißen Bögen des Pacific Science Center.

Am 21. Oktober 1962 endete die Messe. 1963 übernahm die Stadt das Gelände, und mehrere Messebauten bekamen eine neue Aufgabe. Der frühere Wissenschaftspavillon des Architekten Minoru Yamasaki ist seit Oktober 1962 das Pacific Science Center. Aus dem Coliseum von Paul Thiry, dem leitenden Architekten der Messe, ging die heutige Climate Pledge Arena hervor; beim Umbau blieben Dach und Tragwerk unter Denkmalschutz erhalten.

Wie aus einer Zukunftsschau ein Ort zum Spielen wurde, zeigt der International Fountain. Er wurde 1961 für die Weltausstellung gebaut und sollte die Erforschung des Weltraums spiegeln. Vorstehende Düsen und zackige weiße Steine rund um die silberne Kuppel sollten nach Angaben des Seattle Center an eine Mondlandschaft erinnern, machten den Brunnen aber unzugänglich. Beim Umbau 1995 verschwanden Düsen und Steine, flache Düsen in der neuen Edelstahlkuppel erlauben seither das Spielen im Wasser. Bald planschten Kinder in der Schale und versuchten, die großen Fontänen zu überlisten. Heute laufen zu den Wasserspielen Musikprogramme. Eine Glocke aus der Partnerstadt Kobe war ein Geschenk zur Messe.

Auch die Space Needle wurde verändert, und zwar in Richtung ihrer Anfänge. Seit 1999 steht sie unter städtischem Denkmalschutz. Zwischen 2017 und 2018 wurde sie für 100 Millionen Dollar umgebaut, um sich den ursprünglichen Entwurfsskizzen mit großen Fensterflächen anzunähern. Seitdem gibt es in gut 152 Metern Höhe „The Loupe“, laut Betreiber den weltweit ersten und einzigen drehbaren Glasboden. Durch ihn sieht man auf die Mechanik der Drehscheibe, angetrieben von zwölf Motoren; eine Umdrehung dauert 45 Minuten. Auf derselben Ebene endet eine neue offene Wendeltreppe. An ihrem Fuß liegt ein gläserner Bodenausschnitt, das Oculus. Durch ihn sieht man nach Angaben des Betreibers das Stahltragwerk und die Aufzüge und Gegengewichte, die daran auf- und abfahren.

MOPOP: ein Museum für Popkultur

Im Jahr 2000 kam ein neues Museum auf das Gelände. Das heutige Museum of Pop Culture, abgekürzt MOPOP, eröffnete damals unter dem Namen Experience Music Project. Laut HistoryLink wuchs es aus der Bewunderung des Microsoft-Mitgründers Paul G. Allen für Jimi Hendrix, den in Seattle geborenen Gitarristen. Das Gebäude entwarf Frank O. Gehry. Seine Fassade aus Tausenden einzeln geformten Schindeln aus Edelstahl und lackiertem Aluminium verändert nach Angaben des Museums ihr Aussehen mit Licht und Blickwinkel, als Erinnerung daran, dass Musik und Kultur sich ständig wandeln.

Innen wechseln die Ausstellungen regelmäßig. Aus Allens Nachlass kamen 2023 unter anderem eine akustische Gitarre von Hendrix und ein Helm von Darth Vader in die Sammlung; ob ein Stück gerade ausgestellt ist, kann nur das Museum sagen. Im Sound Lab können Besucher nach Angaben des Museums selbst Gitarre, Schlagzeug und Keyboard spielen und in einem Jam Studio einen eigenen Song aufnehmen. Ob es beim Besuch geöffnet ist, geht aus der Museumsseite derzeit nicht eindeutig hervor; das sollte man vorab beim Museum klären.

Chihuly Garden and Glass: Glas im Garten

Aquarell eines hohen, gewölbten Glashauses mit Stahlrippen, davor Gartenbeete.
Das Glashaus von Chihuly Garden and Glass von außen (Aquarell).

Glas als Kunstmaterial gab es auf dem Gelände schon zur Messe. Paul Horiuchi begann sein „Seattle Mural“ nach Angaben des Seattle Center als Collage aus bunt gerissenem Papier. Vergrößert und umgearbeitet wurde daraus eine rund 18 Meter lange Wand aus 54 Paneelen venezianischen Glases, gefertigt in Italien, in 160 Farbnuancen. Bis heute wirft die Wand den Schall der Bühne davor zurück.

Ein halbes Jahrhundert später, im Mai 2012, eröffnete Chihuly Garden and Glass mit Arbeiten des Glaskünstlers Dale Chihuly, der 1941 in Tacoma im Bundesstaat Washington geboren wurde. Mit Glas kam er beim Studium an der University of Washington in Berührung. 1968 arbeitete er in der Glasfabrik Venini in Venedig und lernte dort das Glasblasen im Team kennen. Nach Angaben des Hauses ist diese Arbeitsweise bis heute entscheidend für ihn. Bei Live-Vorführungen ist zu sehen, wie Glas geblasen wird, und Kurzfilme im hauseigenen Kino zeigen mit Interviews und Aufnahmen vom Glasblasen und von großen Installationen, wie Chihuly arbeitet.

Den Mittelpunkt bildet das Glasshouse, ein rund zwölf Meter hoher Bau aus Glas und Stahl, der nach Angaben des Hauses auf Chihulys Vorliebe für Wintergärten zurückgeht. Darin hängt eine rund 30 Meter lange Skulptur aus Hunderten mundgeblasener Formen in Rot, Gelb und Orange. Dazu kommen Galerien und ein Garten.

Kunst oder Technik: welcher Weg passt

Wer der Technik von 1962 folgt, kommt mit der Monorail an, fährt auf die Space Needle, blickt durch das Oculus auf Tragwerk und Aufzüge und geht weiter zum Pacific Science Center im früheren Wissenschaftspavillon. Wer Kunst sucht, beginnt am Glaswandbild von Horiuchi und geht von dort zu Chihuly Garden and Glass. MOPOP verbindet beides: Gehrys Architektur und eine Sammlung zur Musik- und Filmgeschichte. Für Space Needle und Chihuly Garden and Glass gibt es ein gemeinsames Ticket für denselben Tag. Am International Fountain läuft die Musik bis 21 Uhr.

Fragen und Antworten

Wie kommt man aus der Innenstadt von Seattle zum Seattle Center?

Mit der Monorail ab Westlake Center (400 Pine Street, 3. Etage). Nach Angaben des Betreibers (Stand: 29. September 2026) dauert die Fahrt etwa zwei Minuten, die Bahn fährt etwa alle 8 bis 10 Minuten, und die einfache Fahrt kostet für Erwachsene 4 US-Dollar. Bezahlt wird nur mit Karte, kontaktlos oder mit ORCA, nicht bar.

Gibt es ein gemeinsames Ticket für Space Needle und Chihuly Garden and Glass?

Ja. Nach Angaben der Betreiber (Stand: 29. September 2026) gilt ein Kombiticket für beide am selben Tag. Die Space Needle arbeitet mit Zeitfenster-Tickets, und einzelne Ebenen können früher schließen. Deshalb vor der Buchung die Sonderzeiten prüfen.

Wann ist das Gelände des Seattle Center geöffnet?

Täglich von 7 bis 21 Uhr, nach Angaben des Seattle Center (Stand: 29. September 2026). Die Musik am International Fountain läuft von 10 bis 21 Uhr. Die Häuser auf dem Gelände haben eigene Öffnungszeiten.

Weiterführende Informationen

  1. Seattle Center (City of Seattle): History
  2. Seattle Center (City of Seattle): Public Art
  3. Seattle Center (City of Seattle): International Fountain
  4. Space Needle LLC: History
  5. Space Needle LLC: Facts
  6. Space Needle LLC: Renovation
  7. Chihuly Garden and Glass: Exhibition
  8. Chihuly Garden and Glass: Dale Chihuly
  9. Chihuly Garden and Glass: Glasshouse
  10. MOPOP: About
  11. MOPOP: Pressemitteilung vom 26.07.2023
  12. MOPOP: Sound Lab
  13. Seattle Center Monorail: About the Monorail
  14. Pacific Science Center: History
  15. HistoryLink.org: Century 21 — The 1962 Seattle World's Fair, Part 1
  16. HistoryLink.org: Century 21 — The 1962 Seattle World's Fair, Part 2
  17. HistoryLink.org: Century 21 World's Fair opens on April 21, 1962
  18. HistoryLink.org: Seattle Center: After Century 21
  19. HistoryLink.org: Monorail (Seattle)
  20. HistoryLink.org: Space Needle (Seattle)
  21. HistoryLink.org: Experience Music Project opens on June 23, 2000
  22. City of Seattle, Office of the City Clerk: Ordinance 121240 (Seattle Center Monorail als Wahrzeichen, 2003, PDF)

Angaben zu Öffnungszeiten, Eintritt, Angeboten und Zugänglichkeit können sich ändern. Maßgeblich sind die verlinkten Stellen.

Dieser Beitrag beruht auf Recherche in den genannten Quellen.

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