Oregon-Küste von Astoria bis Newport: Wracks, Kaps und Leuchttürme
Die US 101 führt von der Columbia-Mündung bei Astoria an der Küste Oregons entlang nach Newport. Unser Vorschlag: fünf Nächte ab Portland mit Seefahrtsgeschichte, Fort Clatsop, Stränden, den Leuchttürmen bei Newport und den Kaps als Option.

Am Strand des Fort Stevens State Park, an der Mündung des Columbia, liegen die Reste eines Segelschiffs im Sand. Die Peter Iredale, eine Viermastbark aus Stahl, lief am 25. Oktober 1906 am Clatsop Beach auf. Niemand kam dabei ums Leben, wie es genau zur Strandung kam, schildern die Quellen unterschiedlich. Die Barre vor der Mündung, wo der Fluss auf den Pazifik trifft, nennt Oregon State Parks den „Graveyard of the Pacific“.
Von hier führt die US 101 an der Küste entlang nach Süden bis Newport. Dazwischen liegen Kaps, Strände mit Felsen in der Brandung und Leuchttürme. Mit fünf Nächten bleibt Zeit für die Seefahrtsgeschichte, das Winterlager von Lewis und Clark und die Kaps, mit vier Nächten fallen die Kaps weg.
Astoria an der Mündung
Das Columbia River Maritime Museum in Astoria erklärt nach eigener Darstellung, warum die Barre ihren Beinamen trägt, und zeigt Rettungseinsätze der Küstenwache. Zum Museum gehört das Feuerschiff Columbia, das von 1951 bis 1979 als schwimmender Leuchtturm vor der Mündung lag. Der Besuch an Bord ist im Eintritt enthalten, für Menschen mit eingeschränkter Beweglichkeit empfiehlt das Museum ihn nicht. Das Schiff ist kürzer geöffnet als das Museum, die Zeiten erfragt man vorher.

Auf dem Coxcomb Hill, rund 180 Meter über dem Südufer des Columbia, steht die Astoria Column. Die Säule ist gut 38 Meter hoch, 164 Stufen führen zur Aussichtsplattform. Sie entstand 1926 auf Betreiben von Ralph Budd, dem Präsidenten der Bahngesellschaft Great Northern. Ein 160 Meter langes Band in Sgraffito-Technik von Attilio Pusterla windet sich um die Säule und zeigt Szenen mit Indianern, dem Seefahrer Robert Gray, Lewis und Clark, Siedlern, der Gründung Astorias und der Ankunft der Bahn. Park und Aufstieg kosten nichts, Parken ist gebührenpflichtig.
Fort Stevens schützte 84 Jahre lang die Mündung, vom Bürgerkrieg bis zum Zweiten Weltkrieg. Das erste Erdwerk wurde 1865 fertig. Laut State Parks beschoss ein japanisches U-Boot das Fort am 21. Juni 1942. Heute gehören zum Park ein Militärmuseum, Betonbatterien aus der Zeit um 1900 und das Wrack der Peter Iredale. Für die Tagesbereiche braucht man einen Parkschein.
Fort Clatsop und die Clatsop
Südwestlich von Astoria verbrachte das Corps of Discovery unter Lewis und Clark den Winter 1805/06 in einem Fort, das es nach den Clatsop benannte. Laut NPS lebten bei der Ankunft der Expedition rund 400 Clatsop in mehreren Dörfern südlich des Columbia und entlang der Küste bis Tillamook Head. Am Nordufer lebten die Chinook, südlich von Tillamook Head die Nehalem als nördlichste Gruppe der Tillamook. Clatsop und Chinook kamen im Winter fast täglich zu Besuch und zum Handel ins Fort. Als die Expedition am 23. März 1806 aufbrach, überließen Lewis und Clark das Fort samt Einrichtung Coboway, einem Anführer der Clatsop.
Was man heute sieht, ist ein Nachbau. Eine erste Rekonstruktion von 1955 nach Clarks Skizze brannte 2005 ab, die zweite Replik von 2006 steht am selben Ort. Man geht durch ihre Räume und auf Wegen in den Wald, in der Hauptsaison begegnet man kostümierten Rangern. Den Eintritt bezahlt man im Visitor Center bargeldlos. Bei Sturm schließen Park und Wege.
Nach Süden: Ecola, Cannon Beach, Tillamook
Der Ecola State Park umfasst Tillamook Head zwischen Seaside und Cannon Beach. Die Zufahrt führt durch Sitkafichtenwald zu einer Wiese über dem Meer mit Blick nach Süden auf Felsnadeln und Cannon Beach. Sie ist sehr eng und kurvig, für Wohnmobile und Gespanne rät der Park davon ab. Weil der Untergrund im Park rutscht, sind Wege und Zufahrt zeitweise gesperrt. Im Januar 1806 zog Clark mit zwölf Begleitern durch dieses Gebiet, um einen gestrandeten Wal bei Cannon Beach zu sehen, und kam dabei an Bestattungskanus der Tillamook vorbei.

Am Strand von Cannon Beach steht Haystack Rock, ein gut 70 Meter hoher Basaltfels mit Gezeitentümpeln und Brutvögeln wie dem Gelbschopflund. Der Fels gehört zum Oregon Islands National Wildlife Refuge, das seit 1935 Brutplätze schützt, und ist einer von sieben Marine Gardens in Oregon. Bei Ebbe kann man bis an den Fuß gehen. Die Regeln zum Schutz von Tieren und Tümpeln sollte man vorher beim Refuge nachlesen. Den Ortsnamen führt Oregon State Parks auf das Kriegsschiff USS Shark zurück, das 1846 an der Barre zerbrach und von dem später kleine Kanonen gefunden wurden.

Wer eine kurze Wanderung einlegen will, hält im Oswald West State Park. Vom Parkplatz an der US 101 führt ein Weg von gut 800 Metern durch Regenwald und unter der Straße hindurch zum Short Sand Beach. In Tillamook liegt an der US 101 die Tillamook Creamery. Der Eintritt ist frei, von einer Galerie aus blickt man in die Käserei. Große Fahrzeuge parken auf einem eigenen Platz.
Die Kaps: wer sie auslassen kann
Dieser Abschnitt ist eine Option. Wer nur vier Nächte hat, lässt ihn aus und fährt von Tillamook auf der US 101 weiter nach Süden.
Zum Cape Meares fährt man von Tillamook über die Route 131 nach Oceanside und auf der Cape Meares Loop Road zum Kap. Die kürzere Bayocean Road war schon zeitweise für Bauarbeiten gesperrt, ihren Zustand prüft man vorher. Der Leuchtturm am Kap ist knapp zwölf Meter hoch, wurde am 1. Januar 1890 erstmals in Betrieb genommen und trägt eine Fresnel-Linse aus Paris. Ein befestigter Weg von gut 300 Metern führt hin. Von April bis Juli brüten Tausende Seevögel an den Klippen. Zurück geht es über Oceanside nach Tillamook.
Cape Lookout liegt zwischen den beiden anderen Kaps. Wir planen dort keinen Halt ein: Tagesbereich und Campingplatz waren bei unserer Prüfung wegen Bauarbeiten geschlossen, einzelne Wege vom Parkplatz am Cape Trailhead blieben zugänglich. Den Stand prüft man vor der Reise.
Weiter südlich ragt bei Pacific City Cape Kiwanda ins Meer, ein Kap aus Sandstein. Vom Parkplatz geht man rund 400 Meter über weichen Sand und dann sehr steil die Düne hinauf. Jenseits des Zauns kann die Kante ohne Vorwarnung abbrechen. Menschen sind nach dem Übersteigen der Zäune gestorben, und nach zwei Erdfällen im Jahr 2023 wurde der Zaun um etwa 15 Meter zurückgesetzt. Pacific City ist Heimathafen von Dory-Booten.
Newport: Yaquina Head und Aquarium
Nördlich von Newport liegt die Yaquina Head Outstanding Natural Area der Bundesbehörde BLM. Ihr Leuchtturm ist gut 28 Meter hoch und brennt seit dem 20. August 1873, die BLM nennt ihn Oregons höchsten Leuchtturm. Ins Innere kommt nur eine begrenzte Zahl Besucher mit Führung, eine Reservierung wird dringend empfohlen. Befestigte Wege führen zu Gezeitentümpeln und Robbenplätzen. Den Cobble Beach und die Tümpel kann die BLM in der Wurf- und Brutzeit sperren. Große Fahrzeuge parken nur am Interpretive Center.

In Newport selbst steht am Hafen der zweite Leuchtturm, das Yaquina Bay Lighthouse. Der Holzbau mit angebautem Wohnteil wurde 1871 errichtet und schon 1874 zugunsten von Yaquina Head aufgegeben, der Laternenraum ist nicht öffentlich. Der Fluss ist nach dem Indianerstamm der Yaquina benannt. Das Oregon Coast Aquarium ist ein gemeinnütziges Haus, das 1992 eröffnete. Auf dem Tagesprogramm stehen Fütterungen bei Ottern, Robben und in einer Voliere mit Seevögeln, dazu gibt es ein Tastbecken. Begegnungen mit Oktopus oder Quallen sind ab acht Jahren möglich und brauchen eine Anmeldung. Als Option kommt das Hatfield Marine Science Visitor Center der Oregon State University hinzu, mit Tastbecken und dem gut 21 Meter langen Skelett eines Blauwals.
Nördlich von Newport liegt Depoe Bay mit dem Whale Watching Center von Oregon State Parks. Im Winter ziehen laut State Parks fast 20.000 Grauwale vorbei, eine Sichtung ist nicht sicher. Das Zentrum und sein Aussichtsbereich können wegen Bauarbeiten geschlossen sein, den Stand erfragt man vorher. Als andere Aussichtspunkte nennt der Park Boiler Bay, Rocky Creek und Cape Foulweather.
Sicher am Strand
An der Küste Oregons laufen sogenannte Sneaker Waves plötzlich weit den Strand hinauf, nach Angaben des Wetterdienstes NWS manchmal mehr als 45 Meter, oft nach 10 bis 20 Minuten ruhiger See. Der Wetterdienst rät, das Meer vor dem Aufenthalt eine Weile zu beobachten, weiter vom Wasser wegzubleiben, als man für nötig hält, und dem Meer nie den Rücken zuzukehren. Eine ruhige Phase ist keine Garantie. Treibholzstämme saugen sich voll und werden sehr schwer, eine Welle kann sie anheben und über Menschen rollen. Auf Stämmen steht, sitzt und spielt man deshalb nicht. Auflaufendes Wasser kann an Gezeitentümpeln und abgelegenen Stränden den Rückweg abschneiden, die Gezeiten prüft man vorher. An Kliffen bleibt man auf markierten Wegen und hinter den Absperrungen.
Fünf Nächte zwischen Portland und Newport
Die Fahrzeiten sind eigene Berechnungen ohne Halte, die Aufenthaltszeiten eigene Schätzungen. Am ersten Tag fährt man von Portland nach Astoria, rund 155 Kilometer und gut zwei Stunden, über Longview und den Highway 30, wie es auch der NPS beschreibt. Am Nachmittag bleibt Zeit für das Museum. Den zweiten Tag verbringt man rund um Astoria: Für die Wege zwischen Column, Fort Clatsop und Fort Stevens mit dem Wrack kommen rund 40 Kilometer zusammen, für alle drei rechnen wir mit einem Tag. Übernachtet wird beide Male in Astoria.
Am dritten Tag geht es nach Süden, gut 40 Kilometer zum Ecola State Park, dann nach Cannon Beach, zum Short Sand Beach und weiter nach Tillamook, zusammen rund 110 Kilometer und gut zwei Stunden Fahrt. Für Ecola und Short Sand rechnen wir je etwa eine Stunde, für Cannon Beach ein bis zwei Stunden und für die Käserei eine Stunde. Übernachtet wird in Tillamook.

Der vierte Tag gehört den Kaps. Von Tillamook fährt man über Oceanside zum Cape Meares und über Oceanside zurück nach Tillamook, dann nach Süden zum Cape Kiwanda und weiter nach Yaquina Head. Das sind rund 170 Kilometer und gut drei Stunden Fahrt. Dazu kommen je etwa eine Stunde an den beiden Kaps und zwei Stunden in Yaquina Head. Zwei Nächte verbringt man in Newport, den fünften Tag mit Aquarium, Hafen und Leuchtturm. Zurück nach Portland sind es über die US 20 rund 215 Kilometer, über die Route 18 und Lincoln City knapp 190 Kilometer, beide Wege dauern gut drei Stunden.
Mit vier Nächten fährt man am dritten Tag von Astoria über Ecola, Cannon Beach und Tillamook bis Newport. Das sind gut 225 Kilometer und ohne Halte gut vier Stunden, mit den Halten ein sehr langer Tag. Die Kaps entfallen dann.
Fragen und Antworten
Wie viele Tage braucht man von Astoria bis Newport?
Wir schlagen fünf Nächte vor: zwei in Astoria, eine in Tillamook und zwei in Newport. Mit vier Nächten fallen die Kaps weg.
Kann man das Wrack der Peter Iredale noch sehen?
Ja, die Reste liegen am Strand im Fort Stevens State Park. Gestrandet ist das Schiff am 25. Oktober 1906, niemand kam dabei ums Leben.
Ist das Fort Clatsop original?
Nein. Die heutige Anlage ist eine Replik von 2006 am Ort des Winterlagers, die erste Rekonstruktion von 1955 brannte 2005 ab.
Was sind Sneaker Waves?
Wellen, die plötzlich weit den Strand hinauflaufen, oft nach einer ruhigen Phase. Man behält das Meer im Blick, hält Abstand und steigt nicht auf Treibholz.
Kann man den Leuchtturm von Yaquina Head besteigen?
Ins Innere kommt man nur mit einer Führung für eine begrenzte Zahl Besucher. Eine Reservierung wird dringend empfohlen.
Weiterführende Informationen
- Oregon State Parks: Graveyard of the Pacific (Faltblatt)
- Oregon Historical Society, Oregon History Project: The Wreck of the Peter Iredale
- Oregon State Parks: Fort Stevens State Park
- Columbia River Maritime Museum: Lightship Columbia
- Columbia River Maritime Museum: Visit
- Friends of Astoria Column: History of the Column
- Friends of Astoria Column: Know Before You Go
- National Park Service: Fort Clatsop
- National Park Service, Lewis and Clark National Historical Park: History & Culture: Tribes
- National Park Service, Lewis and Clark National Historical Park: Directions
- National Park Service, Lewis and Clark National Historical Park: Alerts & Conditions
- National Park Service, Lewis and Clark National Historical Park: Fees & Passes
- Oregon State Parks: Ecola State Park
- National Park Service: Haystack Rock at the Oregon Islands National Wildlife Refuge
- U.S. Fish & Wildlife Service: Oregon Islands National Wildlife Refuge
- Oregon State Parks: Oswald West State Park
- Tillamook County Creamery Association: Tillamook Creamery: Plan your visit
- Oregon State Parks: Cape Meares State Scenic Viewpoint
- Oregon State Parks: Cape Lookout State Park
- Tillamook County Pioneer: Extension of Bayocean Road Closure to Sept. 24
- Oregon State Parks: Cape Kiwanda State Natural Area
- Bureau of Land Management: Yaquina Head Outstanding Natural Area: Plan Your Visit
- Bureau of Land Management: Yaquina Lighthouse History
- Bureau of Land Management: Yaquina Head Lighthouse Tours
- Oregon State Parks: Yaquina Bay State Recreation Site
- Oregon Coast Aquarium: Plan Your Visit
- Oregon State University, Oregon Sea Grant: Hatfield Marine Visitor Center
- Oregon State Parks: Whale Watching Center
- Oregon State Parks: Be safe exploring the beach
- National Weather Service: Sneaker/High Waves and Log Rolls Can Be Deadly
Angaben zu Öffnungszeiten, Eintritt, Angeboten und Zugänglichkeit können sich ändern. Maßgeblich sind die verlinkten Stellen.
Weiterführende Webseiten für unsere Community:
Dieser Beitrag beruht auf Recherche in den genannten Quellen.
Weiterlesen
Weitere passende Beiträge
-
Traumstraßen
Historic Columbia River Highway: Wo man die alte Straße fährt und wo man sie geht
-
Natur
Crater Lake: der See im eingestürzten Mount Mazama
-
Routenvorschläge
Von Portland an der Küste von Maine nach Acadia
-
Traumstraßen
Seen aus Lava und Eis am Cascade Lakes Highway
-
Traumstraßen
Ein Küstentag in Big Sur, hin und zurück ab Carmel
-
Städte & Kultur
Portland Japanese Garden: Mehrere Gartenstile auf einem Hang lesen
-
Routenvorschläge
Mount Rainier, Olympic und North Cascades auf einer Runde ab Seattle
-
Routenvorschläge
Finger Lakes mit zwei Quartieren: erst Geneva, dann Ithaca
-
Routenvorschläge
Lake Champlain zwischen Vermont und New York: Brücke oder Fähre








