Wo der Congaree den Wald überflutet
Etwa zehnmal im Jahr tritt der Congaree River in South Carolina über die Ufer und überflutet den alten Auwald des Nationalparks. Das Wasser kommt oft von weit flussauf und bringt Nährstoffe in den Wald. Es bestimmt, welche Bäume wo wachsen, und auch, welche Wege an einem Besuchstag offen sind und ob man auf dem Cedar Creek paddeln kann.

Vom Harry Hampton Visitor Center führt der Boardwalk Trail von einer Anhöhe, dem Bluff, hinunter in den Wald. Der erste Abschnitt des Holzstegs ist erhöht und bleibt auch bei Hochwasser begehbar. Weiter unten verläuft der Steg niedriger, dicht über dem Waldboden, den man in trockenen Zeiten aus der Nähe sieht. An der zweiten Station liegt zu beiden Seiten dunkler Schlamm aus Ton und alten Blättern, der Dorovan muck. Die Schicht ist knapp zweieinhalb Meter dick. Sie filtert das Wasser, das durch den Wald zieht, und wandelt Schadstoffe in unschädliche Verbindungen um.

Woher das Hochwasser kommt
Damit der Wald überflutet wird, muss es über dem Park nicht regnen. Am südöstlichen Rand des Parks fließen Congaree und Wateree zusammen. Ihre Zuflüsse reichen bis nach North Carolina und entwässern ein Gebiet von rund 36.000 Quadratkilometern. Schon starker Regen im Upstate, dem Nordwesten von South Carolina, kann das Wasser im Park steigen lassen. Am häufigsten geschieht das im Winter, oft ohne Vorwarnung.
Bei einem Hochwasser tritt der Fluss über seine Ufer. Zuerst füllen sich die Guts und Sloughs, flache Rinnen, die den Wald durchziehen. Über sie verteilt sich das Wasser, bevor der ganze Waldboden unter Wasser steht. Während der Flut lagern sich Schlick und Erde ab und bringen frische Nährstoffe in den Boden. An den Wassertupelos zeigt Moos am unteren Stamm, wie hoch frühere Fluten reichten.

Fast 80 Prozent des Parks liegen in dieser Aue. Steht sie unter Wasser, sind die Wege im Hinterland nicht begehbar, und auch die niedrigen Abschnitte des Boardwalks können überflutet sein. Ein Sumpf ist der Park trotzdem nicht, auch wenn das Schutzgebiet bis 2003 Congaree Swamp National Monument hieß. Ein Sumpf steht das ganze Jahr über großflächig unter Wasser. Eine Aue dagegen wird zeitweise überflutet und fällt danach wieder trocken.
Welche Bäume wo wachsen
Auf knapp 24 Kilometern ändert sich die Höhe der Aue nur um gut sechs Meter. Eben ist sie dennoch nicht. Flache Rücken, natürliche Uferdämme, tiefe Rinnen, Altwasser und Bäche wechseln einander ab, und schon ein geringer Höhenunterschied verändert, wie oft und wie lange eine Stelle unter Wasser steht. Danach richten sich die Pflanzen. In der Aue des Parks werden 22 Pflanzengesellschaften unterschieden.
In den tiefsten Lagen stehen Sumpfzypressen und Wassertupelos. Die Tupelos erkennt man an ihren angeschwollenen Stämmen, sie wachsen nur, wo es reichlich Wasser gibt. Aus den Wurzeln der Sumpfzypressen ragen die sogenannten Knie in die Höhe. Wozu sie dienen, ist nicht ganz geklärt. Vermutet wird, dass sie den Baum bei Hochwasser und Sturm zusätzlich stützen. Sumpfzypressen können über 1.000 Jahre alt werden, ihr Holz widersteht Fäulnis und Wasser. Die Indianerstämme der Catawba und Congaree bauten daraus Kanus.

Auf flachen Rücken wachsen große alte Eichen. Dazu kommen Loblolly-Kiefern, eine Kiefernart, die nasse Standorte besser verträgt als andere. Eine von ihnen ist der höchste Baum des Parks. Sie ist als National Champion verzeichnet, als größter bekannter Baum ihrer Art in den USA, und war bei der letzten Messung knapp 52 Meter hoch. An einer Station des Boardwalks erreichen die Bäume im Schnitt mehr als 39 Meter. Der Park nennt seinen Wald deshalb einen der höchsten Laubwälder der Welt und führt die Höhe auf den nährstoffreichen Boden, die häufigen Fluten, die lange Wachstumszeit und das Fehlen intensiver Abholzung zurück.
Auch Stürme hinterlassen in diesem Wald Spuren. Am 21. September 1989 traf Hurrikan Hugo einen Abschnitt am Boardwalk. Vermutlich gingen dort auch Tornados nieder und rissen große Lücken ins Kronendach. Viele große Bäume überstanden den Sturm nicht, im Licht darunter wuchsen Sämlinge und Ranken nach. Solche Störungen gehören zur Erneuerung eines alten Waldes, in dem Bäume jeden Alters stehen und liegen, vom Sämling bis zum morschen Stamm.

Am Nordrand der Aue, oben auf dem Bluff, wächst ein anderer Wald. Dort stehen Kiefern, heute vor allem Loblollys, dazwischen Reste von Longleaf-Kiefern. Diese brauchen regelmäßiges Feuer, das ihnen Konkurrenz vom Leib hält. Am Bluff Trail sieht man Spuren kontrollierter Brände.
Warum der Wald stehen blieb
Benannt sind Fluss und Park nach dem Indianerstamm der Congaree, der in dieser Gegend lebte. Über ihn ist wenig bekannt. Viele Congaree starben im 17. und 18. Jahrhundert, vermutlich an Kriegen und an Krankheiten, die mit der europäischen Kolonisierung kamen. Archäologische Funde deuten darauf hin, dass Menschen hier seit mindestens 10.000 Jahren leben.
Mitte des 18. Jahrhunderts zogen Pflanzer in das Land zwischen Congaree und Wateree. Sie rodeten, legten Plantagen und Straßen an und bauten Deiche gegen die Fluten. Wirklich bändigen ließ sich das Wasser kaum. Für Sklaven, die von den Plantagen flohen, wurde der schwer zugängliche Wald zur Zuflucht. Manche lebten hier jahrelang, man nannte sie Maroons. Spuren früherer Nutzung liegen noch heute im Wald: Reste von Feldern, Brückenwiderlager, Deiche und Erdhügel, die das Vieh bei Hochwasser schützen sollten.
Dass hier noch alter Wald steht, geht auf Stellen zurück, die schwer zu erreichen waren. Im 19. und 20. Jahrhundert wurde bis zu einem Viertel der heutigen Parkfläche kahlgeschlagen oder ausgelichtet. Die unzugänglichen Bereiche blieben verschont und bilden heute den rund 4.500 Hektar großen Kern der Wildnis. Auch wo gefällt wurde, war die Arbeit mühsam. Auf den rund 6.000 Hektar, die der Holzunternehmer Francis Beidler aus Chicago wegen der alten Sumpfzypressen gekauft hatte, mussten die Stämme flussabwärts zu seinem Sägewerk geflößt werden. Der Transport war schwierig und teuer, bis 1917 endete dort der Einschlag.

Die Familie Beidler behielt das Land und verpachtete Teile an Jagdclubs. In einem davon war Harry Hampton Mitglied, Reporter und Redakteur der Zeitung The State. Ab den 1950er-Jahren warb er in seinen Kolumnen dafür, den Wald zu erhalten. Ende der 1960er-Jahre drohte erneut Einschlag. In den 1970er-Jahren setzten sich Naturschützer aus South Carolina und dem ganzen Land beim Kongress für einen Schutz ein. Sie überzeugten die Eigentümer zum Verkauf, und 1976 entstand das Congaree Swamp National Monument. Seit 2003 ist es ein Nationalpark. Das Visitor Center trägt Hamptons Namen.
Zu Fuß, je nach Wasserstand
Wer ein bis zwei Stunden Zeit hat, geht den Boardwalk Trail, einen Rundweg von gut vier Kilometern. Er ist eben, hat Bänke und ist mit Rollstuhl und Kinderwagen befahrbar. Im Visitor Center liegt ein Faltblatt aus, dessen Nummern zu den Stationen am Steg passen. An Station 12 blickt man auf den Weston Lake. Der See war einst eine Schleife des Congaree. Vor mehr als 2.000 Jahren verlegte der Fluss sein Bett allmählich nach Süden, zurück blieb ein Altwasser, das langsam verlandet. In der warmen Jahreszeit sieht man dort oft Wasserschildkröten.

Von Hochwasser nicht betroffen sind nur der erhöhte Teil des Boardwalks, der Bluff Trail und zwei weitere kurze Wege, der Firefly und der Longleaf Trail. Alle anderen Wege können unter Wasser stehen. Ob gerade Hochwasser herrscht, steht in den aktuellen Hinweisen auf der Website des Parks.
Wer mehr Zeit hat, kann einen von drei Wegen anschließen, die am Visitor Center beginnen. Der Bluff Trail führt als Rundweg knapp drei Kilometer durch jungen Kiefernwald auf der Anhöhe. Der Sims Trail folgt auf gut fünf Kilometern hin und zurück einer alten Schotterstraße bis zum Cedar Creek. Wo er den Weston Lake Trail kreuzt, lag der Jagdclub, in dem Hampton Mitglied war. Ein kurzer Abzweig führt zum Wise Lake, einem weiteren Altwasser. Der Weston Lake Trail ist gut sieben Kilometer lang und als mittelschwer eingestuft, denn auf tiefer liegenden Stücken muss man mit Schlamm und stehendem Wasser rechnen. Auf seinem östlichen Teil folgt er einer Rinne mit Sumpfzypressen und Tupelos, aus deren Wasser viele Knie ragen. Unterwegs blickt man auf den Cedar Creek, an dem regelmäßig Otter und Watvögel zu beobachten sind.

Die längeren Wege durch die Wildnis verlangen Erfahrung im Orientieren. Umgestürzte Bäume und überflutete Abschnitte gehören dort dazu, und Hilfe kann Stunden brauchen. Den Congaree River selbst erreicht man kürzer über den Bates Ferry Trail im wenig besuchten Ostteil des Parks. Er beginnt an der US 601 etwa drei Kilometer südlich der Kreuzung mit der SC 48 und führt gut dreieinhalb Kilometer hin und zurück zum Fluss. Der Weg verläuft auf einem schmalen Landstreifen in einer früheren Flussschleife, dem heutigen Altwasser Bates Old River. Es entstand 1852 durch einen Hurrikan. Am Fluss ist das Ufer steil und kann rutschig sein.
Auf dem Cedar Creek
Mitten durch den Park fließt der Cedar Creek. Ein markierter Kanuweg folgt ihm etwa 24 Kilometer weit von Bannister's Bridge bis zum Congaree River. Boote muss man selbst mitbringen, der Park verleiht keine. Verleiher gibt es in Columbia, außerdem bieten Veranstalter mit einer Genehmigung des Parks geführte Kanutouren an.
Mit nur einem Auto startet man an der South Cedar Creek Landing, paddelt flussauf oder flussab und kehrt um, wann man will. An beiden Ufern stehen hier große Sumpfzypressen über dem dunklen Wasser. Flussab liegt Dawson's Lake, eine gute Stelle, um Otter zu beobachten. Zur Einsetzstelle führen acht Stufen hinunter.

Wer zwei Autos hat, paddelt von Bannister's Bridge zur Cedar Creek Landing, etwa zehn Kilometer in vier bis sechs Stunden. Der Bach ist anfangs schmal und wird allmählich breiter, an den Ufern wachsen Eichen und große Loblolly-Kiefern. Am Ziel überspannt eine Eisenbrücke den Bach. Diese Tour füllt einen eigenen Tag. Von der Cedar Creek Landing bis zur Route 601 Landing am Congaree River sind es etwa 32 Kilometer und 12 bis 14 Stunden. Diese Strecke plant man besser mit einer Übernachtung, für die man vorab eine Genehmigung braucht.

Wichtig für die Entscheidung, ob man aufs Wasser geht, ist der Pegel des Cedar Creek. Die Flutstufe des Bachs liegt bei etwa 2,4 Metern, und der Wasserstand kann um bis zu drei Meter schwanken. Steigt er über diese Marke, wird die Strömung unberechenbar, die Markierungen sind kaum noch zu erkennen, und vom Paddeln ist abzuraten, vor allem ohne Erfahrung im Park. Häufig liegen umgestürzte Bäume im Bach, je nach Wasserstand muss man das Boot um sie herumtragen. Erfahrung und Ausrüstung zählen deshalb ebenso: Schwimmweste, Pfeife, Karte und Kompass gehören ins Boot. Trinken sollte man das Wasser des Baches nicht. Wie das übrige Wasser im Park enthält es viel Gerbstoff aus zerfallendem Laub und Holz. Es schmeckt sehr bitter, und filtern lässt sich der Gerbstoff nicht.
Wann und wie lange
Am angenehmsten sind Frühling und Herbst. Von März bis Mai liegen die durchschnittlichen Tageshöchstwerte bei etwa 23 bis 26 Grad. Im Sommer steigen die Temperaturen oft über 32 Grad, die Luft ist feucht, und Gewitter ziehen schnell auf. Mücken gibt es von der Mitte des Frühlings bis zur Mitte des Herbstes. Im Herbst ist die Luft trockener, das Laub färbt sich am stärksten zwischen Ende Oktober und Anfang November, und der Wasserstand im Cedar Creek ist dann oft gut für eine Kanutour geeignet. Den aktuellen Pegel prüft man trotzdem vorher. Der Winter bleibt mild, nachts kann es frieren. In dieser Jahreszeit kommen die meisten Hochwasser.
Von Columbia fährt man gut eine halbe Stunde zum Visitor Center. Für den Boardwalk reicht samt Anfahrt ein halber Tag. Wer dazu den Sims Trail oder den Weston Lake Trail gehen möchte, plant einen ganzen Tag ein. Eine Kanutour von Bannister's Bridge braucht einen weiteren Tag und vor der Abfahrt einen Blick auf den Pegel. Zwei Nächte in Columbia genügen für beide Tage. Eintritt verlangt der Park nicht.
Fragen und Antworten
Steht der Congaree National Park das ganze Jahr unter Wasser?
Nein. Der Park ist eine Aue, die etwa zehnmal im Jahr überflutet wird, am häufigsten im Winter. Von Hochwasser nicht betroffen sind der erhöhte Teil des Boardwalks, der Bluff Trail sowie der Firefly und der Longleaf Trail. Andere Wege können dann überflutet sein.
Wie lange braucht man für den Boardwalk Trail?
Der Rundweg ist gut vier Kilometer lang, für ihn reichen ein bis zwei Stunden. Er ist eben und mit Rollstuhl und Kinderwagen befahrbar.
Kann man im Park ein Kanu leihen?
Nein. Boote muss man mitbringen oder in Columbia leihen. Veranstalter mit Genehmigung des Parks bieten geführte Touren an. Liegt der Pegel des Cedar Creek über der Flutstufe von etwa 2,4 Metern, ist vom Paddeln abzuraten.
Wann ist die beste Reisezeit?
Frühling und Herbst, wenn es nicht zu heiß ist. Von Mitte Frühling bis Mitte Herbst gibt es Mücken. Im Herbst ist der Wasserstand oft gut zum Paddeln geeignet, den Pegel prüft man trotzdem vorher. Im Winter kommt es am häufigsten zu Hochwasser.
Kostet der Besuch Eintritt?
Nein, der Park verlangt keinen Eintritt. Wege und Parkplätze sind grundsätzlich rund um die Uhr zugänglich, das Visitor Center ist tagsüber geöffnet und an einigen Feiertagen geschlossen.
Weiterführende Informationen
- National Park Service, Congaree National Park: Nature & Science
- National Park Service: NPS Geodiversity Atlas – Congaree National Park, South Carolina
- National Park Service, Congaree National Park: Weather
- National Park Service, Congaree National Park: Current Conditions
- National Park Service, Congaree National Park: Frequently Asked Questions
- National Park Service, Congaree National Park: Trail Information
- National Park Service, Congaree National Park: Congaree Trail Guide
- National Park Service: Congaree Self Guided Boardwalk Tour, Stops 2, 3, 4, 7, 8, 9, 11, 12, 16, 18
- National Park Service, Congaree National Park: People in the Floodplain
- National Park Service, Congaree National Park: Congaree Wilderness
- National Park Service, Congaree National Park: Places: Bates Ferry Trail
- National Park Service, Congaree National Park: Canoeing and Kayaking
- National Park Service, Congaree National Park: Canoe Trail Information
- National Park Service, Congaree National Park: Trip Ideas
- National Park Service, Congaree National Park: Accessibility
- National Park Service, Congaree National Park: Hiking Safety
- National Park Service, Congaree National Park: Directions
- National Park Service, Congaree National Park: Superintendent's Compendium
Angaben zu Öffnungszeiten, Eintritt, Angeboten und Zugänglichkeit können sich ändern. Maßgeblich sind die verlinkten Stellen.
Weiterführende Webseiten für unsere Community:
Dieser Beitrag beruht auf Recherche in den genannten Quellen.
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