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Traumstraßen

Auf dem Seward Highway am Turnagain Arm entlang nach Seward

Rund 204 Kilometer liegen zwischen Anchorage und Seward. Zum Halten sind Haltebuchten ausgewiesen, Lawinenschilder und ein örtliches Parkverbot setzen Grenzen.

Vom USA Reisen Magazin · Community-Content: Sylvia Spleth

Lesezeit etwa 5 Minuten

Eine Straße zieht sich am Fuß eines grünen Hangs am Ufer eines breiten Meeresarms entlang, gegenüber schneebedeckte Berge.
Der Seward Highway am Turnagain Arm.

Am Turnagain Arm südlich von Anchorage erinnert die Landschaft am Straßenrand an das Erdbeben von 1964. Nach Angaben der Verkehrsbehörde Alaska DOT&PF sank damals der Boden ab, Hunderte Fichten standen danach in Salzwasser und starben ab. Wer heute auf dem Seward Highway von Anchorage nach Süden fährt, sieht die Folgen dieses Bebens noch entlang der Straße, zusammen mit dem Meeresarm, den Bergen und den Schildern, die das Halten an vielen Stellen verbieten.

Eine Straße, zwei Maßstäbe

Der Seward Highway verbindet Anchorage mit der Hafenstadt Seward auf der Kenai-Halbinsel, rund 204 Kilometer weit. Er trägt drei Auszeichnungen: Scenic Byway des Forest Service, Alaska Scenic Byway und All-American Road. Die Federal Highway Administration rechnet mit fünf Stunden Fahrt für die ganze Strecke oder zwei Tagen, um sie mit Halten zu erleben.

Für die Planung zerfällt die Straße in zwei Teile. Auf den ersten rund 80 Kilometern hinter Anchorage folgt sie dem Fuß der Chugach Mountains am Ufer des Turnagain Arm. Danach führt sie durch die Berge der Kenai-Halbinsel bis Seward. Nach unserer Einschätzung reicht ein halber Tag für den ersten Teil bis Girdwood oder Portage und zurück. Für die ganze Straße plant man besser einen vollen Tag oder eine Nacht in Seward.

Am Turnagain Arm: wo man hält

Aquarellkarte des Seward Highway von Anchorage am Turnagain Arm entlang nach Seward, mit den Abstechern nach Hope und ins Portage Valley, der Bahnlinie und Orten zur Orientierung.
Holzbohlenweg mit Geländer führt durch ein Feuchtgebiet mit goldgelbem Gras, am Horizont Berge in der tief stehenden Sonne.
Bohlenweg in der Potter Marsh bei Anchorage.

Am Wasser gibt es nach Angaben von Alaska State Parks zahlreiche Haltebuchten auf der Seeseite der Straße, manche mit Informationstafeln. Ein ausgewiesener Aussichtspunkt ist Beluga Point. Hinter Bird Point folgen bis zur Abzweigung nach Girdwood vier weitere Haltebuchten. Am Anfang der Strecke, kurz hinter Anchorage, erklärt der Potter Creek Viewpoint mit einem Weg und Tafeln, wie Elche sich ernähren, wie der boreale Wald aufgebaut ist und welche Rolle die Alaska Railroad spielt.

Die Verkehrsbehörde schreibt, am Turnagain Arm seien oft Belugawale, Dallschafe, Wasserfälle und Adler zu sehen. Eine Garantie ist das nicht. Außerdem nennt sie die Gezeitenwellen, die „bore tides“, mit denen die Flut in den Meeresarm hineinläuft. Wer das Ufer anders erleben will, nimmt den asphaltierten Radweg zwischen Indian und Girdwood. Er ist nach Angaben von Alaska State Parks gut 21 Kilometer lang, gerechnet in eine Richtung. Starke Böen vom Wasser können das Fahren allerdings erschweren.

Warum das Halten hier geregelt ist

An den Hängen über der Straße gehen im Winter Lawinen ab. Alaska DOT&PF löst sie gezielt aus, auch mit Militärartillerie. Die meisten Lawinen treffen die Straße zwischen Dezember und März, möglich sind sie nach Angaben der Behörde von September bis Juni. In vielen Lawinengebieten stehen Schilder. Dort soll man weder halten noch aussteigen. Nach den allgemeinen Angaben der Behörde dauern solche Unterbrechungen meist etwa 45 Minuten, längere sind möglich. Einmal war die Straße zwischen Anchorage und Girdwood vier Tage am Stück gesperrt. Der Radweg zwischen Bird und Girdwood wird von November bis Mai zeitweise für Sprengungen geschlossen. Aktuelle Meldungen gibt es über die Verkehrsinformation 511.

Auch im Sommer gilt nicht überall freies Halten. Auf einem knapp 5 Kilometer langen Abschnitt hinter der Abzweigung nach Girdwood, wo Angler Hooligan fischen, ist das Parken auf der Straße nicht erlaubt. Stattdessen gibt es dort drei Parkplätze, die ein Weg verbindet.

Hinter Girdwood: Portage, Pässe, Seen

Rotes Wasserflugzeug auf einem See vor bewaldeten Hängen und einem Berg mit Schneeresten, im Vordergrund eine junge Fichte.
Upper Trail Lake bei Moose Pass. An den Trail Lakes werden Rundflüge angeboten.

Hinter Girdwood zweigt eine Straße ins Portage Valley ab. Das Begich, Boggs Visitor Center des Forest Service steht dort auf der Endmoräne, die der Portage Glacier 1914 zurückließ. Den Gletscher selbst sieht man vom Besucherzentrum aus nicht mehr. Geöffnet ist es nur im Sommer. Der Forest Service hat darauf hingewiesen, dass rund 3 Kilometer entfernt ein Hang in den Portage Lake rutschen und eine Flutwelle auslösen könnte. Wer ins Portage Valley fährt, prüft deshalb vorher die aktuellen Sicherheits- und Zugangshinweise des Forest Service.

Weiter südlich verlässt der Seward Highway das Ufer und steigt in die Berge. Wer die ganze Strecke an einem Tag fährt, wählt hier nach unserer Einschätzung nur wenige Halte, etwa Summit Lake, wo im Frühjahr und Herbst Schwäne auf dem Zug rasten, oder die Trail Lakes bei Moose Pass, an denen Rundflüge angeboten werden. Der Abstecher von knapp 29 Kilometern ab der Canyon Creek Bridge in die alte Bergbausiedlung Hope und der rund 37 Kilometer lange Johnson Pass Trail auf dem Verlauf des alten Iditarod Trail passen eher zu einer Reise mit Übernachtung. In Seward endet die Straße, von dort empfiehlt die Verkehrsbehörde einen Besuch am Exit Glacier.

Mit dem Zug statt mit dem Auto

Fischerboote an beleuchteten Hafenanlagen im Abendlicht, dahinter Berge mit Schneefeldern, die sich im Wasser spiegeln.
Seward am Ende des Highways.

Wer nicht selbst fahren will, erreicht Seward auch mit der Bahn. Der Coastal Classic der Alaska Railroad fährt morgens in Anchorage ab, hält kurz in Girdwood und erreicht Seward nach Angaben der Bahn am späten Vormittag. Zurück geht es am selben Abend. Fahrtage und genaue Zeiten nennt der Fahrplan der Bahn. Was die Bahn für eine längere Reise nach Norden bedeutet, beschreibt unser Beitrag über den Denali Star von Anchorage nach Fairbanks.

Fragen und Antworten

Wie lange fährt man von Anchorage nach Seward?

Die Federal Highway Administration nennt für die rund 204 Kilometer fünf Stunden Fahrt und zwei Tage, wenn man die Strecke mit Halten erleben will. Der Abschnitt am Turnagain Arm umfasst die ersten rund 80 Kilometer, mit Girdwood und dem Abzweig ins Portage Valley.

Wo kann man am Turnagain Arm anhalten?

In den ausgewiesenen Haltebuchten auf der Seeseite der Straße, etwa am Beluga Point und in den vier Haltebuchten zwischen Bird Point und der Abzweigung nach Girdwood. In beschilderten Lawinengebieten soll man nicht halten. Auf einem knapp 5 Kilometer langen Abschnitt hinter der Abzweigung nach Girdwood ist das Parken auf der Straße nicht erlaubt, dafür gibt es dort drei Parkplätze.

Ist der Seward Highway im Winter offen?

Ja, aber Lawinen und Sprengarbeiten können ihn sperren. Die meisten Lawinen gehen zwischen Dezember und März ab. Sprengarbeiten unterbrechen den Verkehr nach den allgemeinen Angaben der Behörde meist etwa 45 Minuten, längere Sperrungen sind möglich. Aktuelle Meldungen gibt es über 511.

Kann man ohne Auto nach Seward?

Ja, an den Fahrtagen des Coastal Classic, die der Fahrplan der Alaska Railroad nennt. Der Zug fährt morgens nach Seward und abends zurück.

Weiterführende Informationen

  1. Alaska Department of Transportation & Public Facilities: Seward Highway (Alaska's Scenic Byways)
  2. Alaska Department of Transportation & Public Facilities: Snow Avalanche Programs
  3. Alaska Department of Transportation & Public Facilities: Parking Areas and Pathway Improve Access for Hooligan Fishing Along Turnagain Arm (Press Release 26-0012)
  4. Alaska Department of Natural Resources, Chugach State Park: Recreational Opportunities
  5. Federal Highway Administration: Seward Highway (America's Byways)
  6. USDA Forest Service, Chugach National Forest: Seward Highway
  7. USDA Forest Service, Chugach National Forest: Begich, Boggs Visitor Center
  8. Alaska Railroad: Coastal Classic Train
  9. Alaska Railroad: Schedules

Angaben zu Öffnungszeiten, Eintritt, Angeboten und Zugänglichkeit können sich ändern. Maßgeblich sind die verlinkten Stellen.

Dieser Beitrag beruht auf Recherche in den genannten Quellen.

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