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Traumstraßen

Wie viel Zeit die Going-to-the-Sun Road verdient

Die Going-to-the-Sun Road quert den Glacier National Park in Montana zwischen West Glacier und St. Mary und steigt dabei bis zum Logan Pass auf 2.026 Meter. Man kann sie an einem Tag hin und zurück fahren. Wer zwei Nächte auf der Westseite und eine im Osten einplant, hat Zeit für Wege, die vom Auto aus nicht zu sehen sind.

Vom USA Reisen Magazin · Community-Content: Sylvia Spleth

Lesezeit etwa 9 Minuten

Blick über den St. Mary Lake auf eine kleine bewaldete Insel und die dahinterliegenden Berge.
Wild Goose Island im St. Mary Lake.

Ab The Loop, der einzigen Spitzkehre auf der Westseite, wird die Going-to-the-Sun Road schmal und ist in den Berghang hineingebaut. Bis zum Logan Pass steigt sie von hier aus mit sechs Prozent. In den 1920er-Jahren, als die Straße geplant wurde, galt das als die höchste empfohlene Steigung, denn bei sieben Prozent mussten die Autos der Zeit in den zweiten Gang zurückschalten.

Eine Kehre statt fünfzehn

Dass es auf dieser Seite nur eine Kehre gibt, ist das Ergebnis eines Streits. George Goodwin, der erste Ingenieur des National Park Service, hatte für den Anstieg zum Logan Pass 15 Spitzkehren vorgesehen. Der Landschaftsarchitekt Tom Vint hielt dagegen und schlug eine Linie mit einer einzigen Kehre vor. Bei einer Besichtigung 1924 konnten sich die Beteiligten nicht einigen. Zwei Tage später entschied Stephen Mather, der Direktor des National Park Service: Er beauftragte das Bureau of Public Roads, eine neue Trasse zu vermessen. Es ist die heutige.

Die Vermesser um Frank A. Kittredge stiegen dafür oft jeden Morgen gut 900 Meter auf, gingen über schmale Felsbänder und hingen an Seilen über den Wänden, um zu messen. Für den Bau galten strenge Vorgaben. Brücken, Stützmauern und Leitplanken sollten aus Material der Umgebung bestehen, meist aus dem Fels, der beim Bau aus den Hängen daneben gebrochen wurde. Statt weniger großer Sprengungen verlangte man viele kleine, weil große der Landschaft stärker geschadet hätten.

Blick von oben in ein bewaldetes Gebirgstal: Im Talgrund windet sich ein Bach, daneben verläuft eine schmale Straße; darüber Berge mit Schneeresten.
Blick ins Tal des McDonald Creek.

Eine Folge des Baus ist die Weeping Wall, eine Reihe kleiner Wasserfälle an der Felswand am Straßenrand. Im Frühsommer laufen sie kräftig, und wer westwärts fährt, kommt manchmal durch ihr Spritzwasser. Gegen Ende des Sommers bleibt meist nur ein Rinnsal.

Begonnen hatte der Bau 1919. Zehn Jahre später erreichten Besucher den Logan Pass, im Spätherbst 1932 fuhr das erste Auto die ganze Strecke. Eröffnet wurde die Straße am 15. Juli 1933 auf dem Logan Pass vor mehr als 4.000 Menschen. Die Blackfeet Tribal Band spielte die Nationalhymne, und zum Abschluss hielten Blackfeet, Flathead und Kootenai eine Friedenszeremonie ab. Bei dieser Eröffnung erhielt die Straße auch ihren Namen, nach dem nahen Going-to-the-Sun Mountain. Ganz asphaltiert war sie erst Ende 1952. Heute ist sie ein National Historic Landmark.

Durchfahren oder bleiben

Die Straße verbindet auf etwa 80 Kilometern den Westeingang bei West Glacier mit dem Eingang bei St. Mary im Osten. Ohne Halt braucht man nach Einschätzung des Parks etwa zwei Stunden, mit Baustellen und Verkehr auch zweieinhalb. Wer in West Glacier übernachtet und abends dorthin zurück will, fährt außen über die US 2 und den Highway 89, rund 145 Kilometer und ebenfalls zwei bis zweieinhalb Stunden. Ein solcher Tag hat also vier bis fünf Stunden reine Fahrt. Dazu kommen die Halte, und am Logan Pass ist der Parkplatz im Sommer oft schon früh am Tag voll.

Ob sich ein längerer Aufenthalt lohnt, hängt davon ab, was man unterwegs tun möchte. Für die Aussicht aus dem Auto und einige kurze Halte reicht ein Tag. Wer auf der Westseite in den alten Zedernwald und zu einem Bergsee gehen will, am Pass zum Hidden Lake Overlook und auf der Ostseite an den St. Mary Lake, verteilt das besser auf mehrere Tage und übernachtet auf beiden Seiten.

Vorher sollte man sein Fahrzeug prüfen. Zwischen Avalanche Creek und Rising Sun sind Fahrzeuge verboten, die mit Stoßstangen länger als 6,4 Meter oder mit Spiegeln breiter als 2,4 Meter sind. Fahrzeuge, die höher als drei Meter sind, können westwärts zwischen Logan Pass und The Loop wegen überhängender Felsen Schwierigkeiten bekommen. Tanken muss man vor dem Park, denn innerhalb gibt es kein Benzin. Wer nicht selbst fahren möchte, kann die Strecke mit einem der historischen roten Busse fahren, deren Verdeck bei klarem Wetter offen ist, oder mit Sun Tours, deren Fahrten die Kultur der Blackfeet erklären.

Der Hochabschnitt öffnet nicht zu einem festen Datum. Je nach Schnee und Räumung ist die ganze Straße in der Regel ab Anfang Juli befahrbar und bleibt in der Regel bis zum dritten Montag im Oktober offen, wenn das Wetter sie nicht früher schließt. Die tieferen Abschnitte sind das ganze Jahr erreichbar. Den Shuttlebetrieb passt der Park jedes Jahr an. Ob für den Reisetermin weitere Regeln gelten, steht auf seiner Seite.

Routenkarte der Going-to-the-Sun Road zwischen West Glacier und St. Mary mit neun nummerierten Halten, Anreise vom Flughafen und Rückweg über Browning, US 89 und US 2.

Westseite: Lake McDonald und der Zedernwald

Gut drei Kilometer nördlich des Westeingangs liegt das Apgar Visitor Center, von dem ein kurzer Weg zum Dorf Apgar und an den Lake McDonald führt. Das Dorf ist nach Milo Apgar benannt, der in den 1890er-Jahren als Farmer an den See kam und mit der Zeit merkte, dass sich mit Touristen mehr verdienen ließ. Für die Kootenai ist das Ufer am Fuß des Sees seit Tausenden von Jahren ein wichtiger Ort.

Am Ufer des Sees, des größten im Park, steht die Lake McDonald Lodge. Im Winter 1913/14 ließ John Lewis hier ein Hotel mit 65 Zimmern bauen. Was sich nicht vor Ort beschaffen ließ, kam vom Bahnhof in Belton und wurde fast 16 Kilometer über den See gebracht. In der Halle erzählte zuweilen der Maler Charlie Russell Geschichten. Seit 1930 heißt das Haus Lake McDonald Lodge, heute ist es wie die Straße ein National Historic Landmark.

Ruhiges Seewasser spiegelt bewaldete Ufer und schneebedeckte Berge; im Vordergrund liegen einzelne Holzstücke.
Bergspiegelung im Lake McDonald.

Am Avalanche Creek beginnt der Trail of the Cedars, ein rollstuhlgerechter Rundweg auf Holzstegen durch alten Zedernwald und an der Schlucht entlang, die der Bach in den Fels gegraben hat. Von ihm zweigt der Weg zum Avalanche Lake ab. Er steigt stetig durch den Wald zu einem Bergsee mit Wasserfällen, gut sieben Kilometer hin und zurück. Diese Wanderung passt besser an einen eigenen Tag auf der Westseite als in den Tag, an dem man über den Pass fährt.

Ein Bach stürzt durch eine enge Felsschlucht in einem dichten grünen Wald.
Der Avalanche Creek zwischen moosbewachsenen Felsen.

Über den Pass

Vom Bird Woman Falls Overlook hinter The Loop sieht man über das Tal auf einen der höchsten Wasserfälle des Parks. Er fällt rund 150 Meter zwischen Mount Oberlin und Mount Cannon hinab. Danach passiert man die Weeping Wall und erreicht den Logan Pass, den höchsten Punkt der Straße auf 2.026 Metern. Hier überquert sie die kontinentale Wasserscheide. Nahe dem Pass sieht man regelmäßig Bergziegen und Dickhornschafe.

Hinter dem Visitor Center am Pass beginnt der Weg zum Hidden Lake Overlook, über Treppen und Kehren, auf Holzstegen und festgetretenem Boden. Am Aussichtspunkt sieht man auf den Hidden Lake hinab. Hin und zurück sind es rund vier bis viereinhalb Kilometer. Der See selbst liegt noch weiter unten und ist ein eigenes, längeres Ziel. Der Parkplatz am Pass ist im Sommer oft schon früh am Morgen voll. Am ehesten findet man früh oder spät am Tag einen Platz, sicher ist das nicht.

Ein steiniger Wanderweg führt durch eine alpine Landschaft mit Seen, Schneefeldern und steilen Bergen.
Am Weg vom Logan Pass zum Hidden Lake.

Ostseite: St. Mary Lake

Auf der Ostseite liegt der Jackson Glacier Overlook. Von seinem Parkplatz aus hat man den besten Blick auf einen Gletscher, den die Straße bietet. Weiter östlich liegt der St. Mary Lake. Am Wild Goose Island Overlook sieht man auf eine kleine Insel, die nur gut vier Meter aus dem Wasser ragt, mit den Bergen dahinter. Ein Parkplatz und ein barrierefreier Aussichtsbereich machen ihn zu einem leichten Halt.

Die Straße endet am St. Mary Visitor Center. Es steht bereits auf der Blackfeet Indian Reservation, die im Osten an den Park grenzt. Als die ersten weißen Entdecker kamen, beherrschten die Blackfeet die Prärien östlich des heutigen Parks, während Salish, Pend d'Oreille und Kootenai im bewaldeten Westen lebten. Ausstellungen im Visitor Center erzählen von den Indianerstämmen und ihrer Verbindung zu dem Land, das heute der Park ist.

Von Kalispell nach St. Mary und zurück

Für diesen Plan reichen drei Nächte, zwei auf der Westseite und eine auf der Ostseite. Der Flughafen Glacier Park International bei Kalispell liegt rund 48 Kilometer westlich des Westeingangs. Bis Apgar sind es nach unserer Berechnung ohne Verkehr gut 40 Minuten. Am ersten Tag kommt man an und geht abends an den Lake McDonald.

Der zweite Tag gehört der Westseite mit der Lodge, dem Trail of the Cedars und dem Weg zum Avalanche Lake. Für die gut sieben Kilometer hin und zurück sollte man nach unserer Schätzung drei bis vier Stunden einplanen, mit einer Pause am See.

Am dritten Tag fährt man früh über den Pass, von West nach Ost: zuerst The Loop, wo es nur wenige Parkplätze gibt, und der Aussichtspunkt an den Bird Woman Falls, dann der Logan Pass mit dem Weg zum Hidden Lake Overlook. Für ihn rechnen wir mit Aufenthalt am Aussichtspunkt etwa zwei Stunden. Danach folgen der Jackson Glacier Overlook und Wild Goose Island, bevor man in St. Mary übernachtet. Zu den zwei bis zweieinhalb Stunden reiner Fahrt kommen so nach unserer Schätzung vier bis fünf Stunden für Halte und Wege. Ist am Logan Pass kein Platz frei, fährt man ohne den Weg zum Overlook weiter zu den Aussichtspunkten der Ostseite. Im Sommer hält am Pass auch der Shuttle des Parks, dessen Betrieb jedes Jahr neu festgelegt wird.

Am vierten Tag führt der Rückweg über den Highway 89 und die US 2 nach West Glacier, zwei bis zweieinhalb Stunden ohne Halt, und von dort weiter zum Flughafen. Mit Pausen und etwas Reserve sollte man dafür einen halben Tag rechnen.

Fragen und Antworten

Wie lange dauert die Fahrt über die Going-to-the-Sun Road?

Ohne Halt etwa zwei bis zweieinhalb Stunden für die rund 80 Kilometer zwischen West Glacier und St. Mary. Mit Halten und einem Weg am Logan Pass wird daraus leicht ein ganzer Tag.

Darf man mit dem Wohnmobil fahren?

Zwischen Avalanche Creek und Rising Sun nur mit Fahrzeugen bis 6,4 Meter Länge einschließlich Stoßstangen und bis 2,4 Meter Breite einschließlich Spiegeln. Über drei Meter hohe Fahrzeuge können westwärts zwischen Logan Pass und The Loop Probleme mit überhängenden Felsen bekommen.

Wann ist die ganze Straße offen?

Ein festes Datum gibt es nicht. In der Regel ist sie ab Anfang Juli ganz befahrbar und bis zum dritten Montag im Oktober offen, wetterbedingt auch kürzer. Den aktuellen Stand nennt der Park auf seiner Seite.

Wie weit ist es zum Hidden Lake Overlook?

Hin und zurück rund vier bis viereinhalb Kilometer ab dem Visitor Center am Logan Pass, mit Treppen und Holzstegen. Zum See selbst ist es deutlich weiter.

Gibt es im Park eine Tankstelle?

Nein, innerhalb des Parks gibt es kein Benzin. Getankt wird vor der Einfahrt.

Weiterführende Informationen

  1. National Park Service, Glacier National Park: Going-to-the-Sun Road General Info
  2. National Park Service, Glacier National Park: Directions, Transportation, & Road Conditions
  3. National Park Service, Glacier National Park: Getting Around
  4. National Park Service, Glacier National Park / Historic American Engineering Record: Going-to-the-Sun Road – An Engineering Feat
  5. National Park Service, Glacier National Park: Places (Historic Places)
  6. National Park Service, Glacier National Park: Visitor Centers
  7. National Park Service: The Loop
  8. National Park Service: The Weeping Wall
  9. National Park Service: Bird Woman Falls Overlook
  10. National Park Service: Logan Pass
  11. National Park Service: Hidden Lake Trailhead
  12. National Park Service: Trail of the Cedars
  13. National Park Service: Avalanche Lake Trail
  14. National Park Service: Lake McDonald Lodge
  15. National Park Service: Apgar Village
  16. National Park Service: Jackson Glacier Overlook
  17. National Park Service: Wild Goose Island Overlook
  18. National Park Service, Glacier National Park: American Indian Tribes

Angaben zu Öffnungszeiten, Eintritt, Angeboten und Zugänglichkeit können sich ändern. Maßgeblich sind die verlinkten Stellen.

Dieser Beitrag beruht auf Recherche in den genannten Quellen.

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