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Natur

Saguaro National Park: was Arme, Falten und Höhlen über die Riesenkakteen verraten

Im Saguaro National Park bei Tucson in Arizona stehen Riesenkakteen, die nur in einem Teil der Sonora-Wüste wachsen. Ihr Alter lässt sich nur schätzen, vor allem nach ihrer Größe. Im Stamm speichern sie Regenwasser, wobei sich ihre Falten dehnen, die Blüten öffnen sich nachts, und Spechthöhlen werden zu Wohnungen anderer Tiere. Die Stadt teilt den Park in einen Ost- und einen Westbezirk.

Vom USA Reisen Magazin · Community-Content: Sylvia Spleth

Lesezeit etwa 9 Minuten

Hohe Saguaros mit mehreren Armen und Feigenkakteen in einer Wüstenlandschaft im Abendlicht, einer der Stämme mit dunklen Öffnungen, darüber blauer Himmel mit Wolken.
Saguaros im Abendlicht im Saguaro National Park bei Tucson, Arizona.

Der höchste Saguaro, der je gemessen wurde, war knapp 24 Meter hoch, und er hatte keinen einzigen Arm. 1986 fiel er um. Arme gelten als Zeichen eines alten Saguaros, und doch fehlten sie dem größten. Wie alt ein solcher Kaktus ist, lässt sich nicht einfach ablesen. Anders als bei einem Baum gibt es keine sichtbaren Ringe zum Abzählen, und wann er gekeimt ist, weiß meist niemand. Wer die Riesenkakteen im Saguaro National Park bei Tucson in Arizona betrachtet, kann ihr Alter deshalb nur aus der Größe schätzen. Narben, Verfärbungen und fehlende Stacheln zeigen allenfalls, dass ein Saguaro schon alt ist.

Nur in einem Teil der Sonora-Wüste

Der Saguaro, botanisch Carnegiea gigantea, wächst nur in der Sonora-Wüste und auch dort nicht überall. Sein Gebiet reicht vor allem von Zentral-Arizona bis nach Sonora in Mexiko. Begrenzt wird es durch Frost. Längere Kälte schadet dem Kaktus, deshalb steht er meist vom Meeresspiegel bis auf etwa 1.370 Meter Höhe. Bis rund 1.520 Meter kommt er vor allem an Südhängen vor, wo es seltener und kürzer friert.

Aquarell: Weit verteilte hohe Saguaros und niedrige Wüstenvegetation vor einem breiten Bergrücken.
Saguaros vor den Rincon Mountains im Ostbezirk des Saguaro-Nationalparks (Aquarell).

Zehn Jahre, wenige Zentimeter

Ein junger Saguaro wächst in den ersten zehn Jahren nur wenige Zentimeter. Mit zweieinhalb bis siebeneinhalb Zentimetern ist er nach den Schätzungen des Parks etwa fünf bis zehn Jahre alt und kaum zu finden. In dieser Zeit braucht er Schutz. Er keimt meist im Schatten einer Ammenpflanze, etwa eines Palo Verde, eines Eisenholzbaums oder eines Mesquite. Die Krone hält im Sommer die Sonne und im Winter den Frost ab. Wächst der Saguaro heran, stirbt die alte Ammenpflanze manchmal ab, und der Kaktus steht allein.

Aquarell: Mehrere kleine, unverzweigte Saguaros unter dem grünen Stamm und der lichten Krone eines Palo Verde.
Junge Saguaros unter einem Palo Verde in der Sonora-Wüste bei Tucson (Aquarell).

Wie schnell er danach wächst, hängt von Regen, Temperatur und Boden ab. Ist er gut 60 Zentimeter hoch, schätzt der Park sein Alter auf 20 bis 40 Jahre, bei 1,8 bis 2,4 Metern auf 35 bis 70 Jahre. Die große Spanne hängt mit der Umgebung zusammen, vor allem mit dem Regen. Im Westbezirk des Parks fällt deutlich weniger Regen als im Ostbezirk, dort wachsen die Saguaros langsamer.

Arme nach Jahrzehnten

Arme bilden sich erst nach Jahrzehnten. Die Naturseite des Parks nennt dafür meist ein Alter von 60 bis 75 Jahren, die Seite eines Forschungsprojekts mit Freiwilligen 50 bis 70 Jahre. In trockenen Gebieten kann es bis zu 100 Jahre dauern. Der Park vermutet inzwischen, dass weniger das Alter als die Größe entscheidet. Nach den ersten Daten des Projekts bildeten einige gemessene Saguaros ihren ersten Arm bei rund 3,25 Metern Höhe, und er wuchs eher zur Süd- oder Südostseite. Der zweite Arm zeigte häufig nach Norden. Weitere Arme scheinen so zu wachsen, dass der Kaktus im Gleichgewicht bleibt, doch die Auswertung läuft noch. Ein einzelner großer Arm kann rund 110 Kilogramm wiegen.

Für den Saguaro sind die Arme wichtig, weil jeder eigene Blüten und Früchte bilden kann. Mehr Arme bedeuten mehr Samen. Ein erwachsener Saguaro wird nach Schätzung des Parks im Mittel 150 bis 175 Jahre alt, einige vermutlich über 200.

Wasser im Stamm

Warum übersteht ein Saguaro monatelange Trockenheit? Er speichert Wasser im Stamm. Ein großer Kaktus besteht überwiegend aus Wasser und wiegt deshalb rund 120 Kilogramm pro Meter Stamm. Aufgefüllt wird der Vorrat bei starkem Regen. Die Wurzeln verlaufen strahlenförmig nur wenige Zentimeter unter der Oberfläche, und der Saguaro nimmt so viel Wasser auf, wie sein Wurzelsystem in dieser Zeit aufnehmen kann.

Damit der Stamm diese Menge fassen kann, ist seine Oberfläche gefaltet. Nach dem Regen dehnen sich die Falten aus, in trockenen Monaten, wenn der Kaktus von seinem Vorrat lebt, ziehen sie sich wieder zusammen. Das Gewicht trägt ein Gerüst im Inneren, ein Ring aus verholzten, miteinander verbundenen Rippen. Zu jeder Rippe gehört außen eine Falte. Wächst der Stamm, gabelt sich gelegentlich eine Rippe, und an derselben Stelle teilt sich auch die Falte.

Aquarell: Hohe verzweigte Saguaros vor felsigen Hängen und gezackten Bergen.
Saguaros an den Hängen der Tucson Mountains im Westbezirk des Saguaro-Nationalparks (Aquarell).

Selten wächst die Spitze eines Saguaros nicht rund, sondern als breiter Fächer. Solche Kammformen, auch cristat genannt, sind ungewöhnlich, im Park stehen aber mehr als 50 davon. Woher sie kommen, weiß man nicht. Über die Samen wird die Form nicht weitergegeben, und dass eine Verletzung der Spitze dahintersteckt, ist nur eine Vermutung.

Stirbt ein Saguaro, verrottet das Fleisch, und das Gerüst aus Rippen bleibt oft jahrelang stehen oder liegt am Boden. Die meisten Saguaros sterben an Altersschwäche, andere durch Blitz, Sturm, starken Frost oder eine Fäulnis durch Bakterien.

Blüten in der Nacht, Früchte im Sommer

Zum ersten Mal blüht ein Saguaro, wenn er ungefähr 2,2 Meter hoch ist, nach rund 30 bis 65 Jahren. Die großen, cremeweißen Blüten sitzen an den Spitzen von Stamm und Armen und sind die Staatsblume von Arizona. Die ersten öffnen sich in den letzten beiden Aprilwochen, die meisten Ende Mai und Anfang Juni. Jede Blüte öffnet sich nachts und schließt sich am folgenden Nachmittag wieder. In dieser Zeit muss sie bestäubt werden, von Fledermäusen, Vögeln oder Insekten. Weißflügeltauben ziehen dann von Blüte zu Blüte, trinken Nektar und tragen dabei Pollen weiter.

Aquarell: Graubraune Taube mit weißem Flügelstreifen an weißen Saguaroblüten.
Weißflügeltaube an Saguaroblüten in der Sonora-Wüste (Aquarell).

Freiwillige des Parks haben mehrere Jahre lang die Blütenkronen fotografiert. Die Knospen erscheinen zuerst auf der Ostseite, dann im Norden und Westen, also gegen den Uhrzeigersinn. Eine andere Pflanze mit diesem Muster kennt der Park nicht.

Ende Juni und Anfang Juli reifen die Früchte zu einem tiefen Rot. Jede enthält etwa 2.000 bis 3.500 schwarze Samen. Ein Saguaro bringt im Leben schätzungsweise 20 bis 40 Millionen Samen hervor, doch nur ein oder zwei werden wohl zu einem ausgewachsenen Kaktus. Trockenheit, Frost und Tiere, die die Keimlinge fressen, lassen die meisten verderben. Im Hochsommer, wenn sonst wenig Nahrung und Wasser zu finden sind, liefern die Früchte vielen Tieren Feuchtigkeit und Energie. Fressen Kojoten oder Kaktuszaunkönige sie, gehen die Samen unverdaut durch den Darm und landen anderswo in der Wüste. Bei Tauben und Wachteln werden sie dagegen vollständig verdaut.

Aquarell: Aufgeplatzte rote und noch geschlossene grüne Saguarofrüchte auf einer Kaktusspitze.
Reife Saguarofrüchte mit rotem Fruchtfleisch und schwarzen Samen (Aquarell).

Höhlen im Stamm

Der Gila-Specht und der Wüstengoldspecht hacken ihre Nisthöhlen in das Fleisch des Saguaros, zwischen Haut und Rippen. Der Kaktus versiegelt die Wunde mit einer harten Schicht, die das Wasser im Stamm hält. Verlassen die Spechte ihre Höhle, ziehen andere ein: Elfenkäuze, Buntfalken, Purpurschwalben, Kaktuszaunkönige und Stare, aber auch Spinnen, Schlangen und Mäuse. Stirbt der Saguaro, bleiben die verhärteten Höhlenwände zwischen den Rippen liegen. Weil sie entfernt an Schuhe erinnern, nennt man sie Saguaro-„Boots“.

Aquarell: Schwarzweiß gebänderter Specht mit kleinem rotem Scheitelfleck neben einer ovalen Öffnung im Kaktusstamm.
Gila-Specht an einer Höhlenöffnung im Saguarostamm (Aquarell).

Auch außen am Kaktus wird gewohnt. Wüstenbussarde und Rotschwanzbussarde bauen ihre Horste aus Zweigen zwischen den Armen großer Saguaros und nutzen sie zur Jagd. Kolkraben und Virginia-Uhus ziehen später in verlassene Horste ein. Elfenkäuze, die oft in alten Spechthöhlen brüten, kommen im März aus Mexiko und ziehen vor Ende Oktober wieder nach Süden.

Die Ernte der Tohono O'odham

Der Park liegt im traditionellen Land der Tohono O'odham. Bis heute ernten sie jedes Jahr im Park die Früchte der Saguaros. Dazu binden sie mehrere Saguaro-Rippen zu langen Stangen mit einem Querstück am Ende zusammen, heute kuïpad genannt, und holen damit die reifen Früchte von den Spitzen. Aus den Früchten entstehen zeremonieller Wein, Gelee und Süßigkeiten, die Samen werden an Hühner verfüttert. Schon frühere Bewohner der Wüste nutzten die festen Rippen für das Gerüst ihrer Hauswände.

Osten oder Westen

Die Stadt Tucson trennt den Park in zwei Bezirke. Zwischen dem Rincon Mountain District im Osten und dem Tucson Mountain District im Westen braucht man je nach Strecke und Verkehr 30 bis 60 Minuten. Der Eintritt gilt sieben Tage für beide Teile, gezahlt wird nur mit Karte.

Karte des Saguaro National Park in Arizona mit Tucson Mountain District im Westen und Rincon Mountain District im Osten, beiderseits von Tucson, mit Rundstraßen und den Besucherzentren Red Hills und Rincon Mountain.

Im Osten führt der Cactus Forest Loop Drive als asphaltierte Rundstraße 12,9 Kilometer durch den Kakteenwald, mit Aussichtspunkten und Ausgangspunkten für Wanderungen. Er ist täglich von 5 bis 20:30 Uhr offen, Parkplätze für Wohnmobile hat er nicht. Am Desert Ecology Trail stellen Tafeln auf 400 asphaltierten Metern die häufigsten Pflanzen vor. Der Mica View Trail führt in einer Richtung 1,1 Kilometer weit durch Saguaros verschiedener Formen, mit Blick auf den Mica Mountain, den höchsten Gipfel des Parks.

Detailkarte des Ostbezirks im Saguaro National Park mit Cactus Forest Loop Drive, Rincon Mountain Visitor Center, Desert Ecology Trailhead und Mica View Picnic Area.

Im trockeneren Westen stehen die Saguaros auf felsigen Hängen der Tucson Mountains. Der Bajada Loop Drive ist eine Schotterstraße von 9,7 Kilometern, die auch ohne Geländewagen befahrbar ist und von der Morgen- bis zur Abenddämmerung offen ist. Sie beginnt 2,4 Kilometer westlich des Red Hills Visitor Center. An ihr liegt der Valley View Overlook Trail, hin und zurück 1,3 Kilometer bis zu einem Grat mit Bänken. Der Desert Discovery Trail ist 600 Meter lang, asphaltiert und hat Schattendächer. Felsbilder findet man im Park am Signal Hill, an dem auch ein Picknickplatz liegt. Ob die Zufahrt offen ist, prüft man vor dem Besuch, denn der Park meldet dort Bauarbeiten und Sperrungen gesondert.

Detailkarte des Westbezirks im Saguaro National Park mit Bajada Loop Drive, Valley View Trailhead, Desert Discovery Trailhead und Red Hills Visitor Center.

Wann man kommt

Die meisten Besucher kommen von November bis März. Im Winter werden es tagsüber im Mittel um 18 Grad, nachts um 4 Grad. Ab Ende Februar blühen andere Kakteen und Wildblumen, ab Ende April die Saguaros. Im Sommer steigt die Temperatur am Tag oft weit über 38 Grad. Liegt die Höchsttemperatur zwischen 35 und 43 Grad, rät der Park, Wanderungen bis 10 Uhr zu beenden, darüber gar nicht zu wandern. Vom 15. Juni bis zum 30. September ist Monsunzeit. Gewitter ziehen meist nachmittags über die Berge, und trockene Bachbetten füllen sich schnell mit Wasser.

Wasser gibt es nur an den beiden Besucherzentren, Restaurants oder Kioske gibt es im Park nicht. Der Handyempfang ist lückenhaft. Von den Besucherzentren selbst beginnen keine Wanderwege, man fährt zu den Ausgangspunkten an den Rundstraßen.

Fragen und Antworten

Wie alt ist ein Saguaro mit Armen?

Das lässt sich nur schätzen. Arme bilden sich nach Jahrzehnten, nach Angaben des Parks meist nach 60 bis 75 Jahren, laut einem Forschungsprojekt nach 50 bis 70, in trockenen Gebieten auch später. Der Park vermutet, dass dabei die Größe mehr zählt als das Alter.

Wann blühen die Saguaros?

Die ersten Blüten öffnen sich in den letzten Aprilwochen, die meisten Ende Mai und Anfang Juni. Jede Blüte öffnet sich nachts und schließt sich am nächsten Nachmittag.

Welcher Bezirk des Saguaro National Park passt für einen kurzen Besuch?

Beide. Im Osten führt eine asphaltierte Rundstraße von 12,9 Kilometern durch den Kakteenwald, im Westen eine Schotterstraße von 9,7 Kilometern unter den Tucson Mountains. Zwischen den Bezirken liegen 30 bis 60 Minuten Fahrt.

Gilt der Eintritt für beide Bezirke?

Ja, sieben Tage lang. Bezahlt wird nur mit Karte.

Wann ist es zu heiß zum Wandern?

Liegt die Höchsttemperatur zwischen 35 und 43 Grad, sollte eine Wanderung bis 10 Uhr beendet sein. Bei mehr als 43 Grad rät der Park davon ab.

Weiterführende Informationen

  1. National Park Service, Saguaro National Park: The Saguaro Cactus
  2. National Park Service, Saguaro National Park: Saguaro Growth
  3. National Park Service, Saguaro National Park: Saguaro Arms Citizen Science Project
  4. National Park Service, Saguaro National Park: Saguaro Flower Power Project
  5. National Park Service, Saguaro National Park: Birds
  6. National Park Service, Saguaro National Park: Signs of Life, Stop 12
  7. National Park Service, Saguaro National Park: Getting Around
  8. National Park Service, Saguaro National Park: Trail Accessibility, Rincon Mountain District
  9. National Park Service, Saguaro National Park: Trail Accessibility, Tucson Mountain District
  10. National Park Service, Saguaro National Park: Weather
  11. National Park Service, Saguaro National Park: Superintendent's Compendium

Angaben zu Öffnungszeiten, Eintritt, Angeboten und Zugänglichkeit können sich ändern. Maßgeblich sind die verlinkten Stellen.

Dieser Beitrag beruht auf Recherche in den genannten Quellen.

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