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Zwischen Sund und Bucht: Weinbau auf der North Fork von Long Island

Der Beitrag verfolgt, wie aus dem Weinberg der Hargraves die heutige Weinbranche der North Fork wurde, was die Bundesbehörde bei der Abgrenzung des Weinbaugebiets über Wasser, Frostzeiten und Böden festhielt und wie man ohne Auto zu den Weingütern kommt.

Vom USA Reisen Magazin · Community-Content: Sylvia Spleth

Lesezeit etwa 8 Minuten

Lange Rebzeilen unter blauem Himmel, im Vordergrund eine Wiese mit Holztisch und orangefarbenen Klappstühlen sowie blühende Rosen.
Rebzeilen bei einem Weingut in Jamesport auf der North Fork von Long Island.

1973 setzten Louisa und Alex Hargrave auf einer früheren Kartoffelfarm bei Cutchogue, auf der North Fork von Long Island, ihre ersten Reben: Cabernet Sauvignon, Pinot Noir und Sauvignon Blanc, europäische Edelreben also, keine Hybrid- oder heimischen Sorten. Dreizehn Jahre später erkannte eine Bundesbehörde die Halbinsel als eigenes Weinbaugebiet an. Begründet hat sie das vor allem mit dem Wasser: Long Island Sound im Norden, Peconic Bay im Süden und der Atlantik im Osten machen das Klima milder als an vielen Orten gleicher Breite im Binnenland. Ein Qualitätsurteil war damit ausdrücklich nicht verbunden. Das Gebiet sei eigenständig, nicht besser als andere.

Reben seit der Besiedlung, eine Branche seit 1973

Ein Gebäude aus verwittertem Holz im Scheunenstil mit weißen Sprossenfenstern und einem weiß gestrichenen Tor, davor Lavendel und blühende Sträucher.
Ein Weingut in Jamesport. Als Beginn der heutigen Weinbranche auf der North Fork gilt eine Pflanzung von 1973 bei Cutchogue.

Wie es zur Pflanzung von 1973 kam, beschreibt die NYWGF, die New York Wine & Grape Foundation als Branchenorganisation des Bundesstaats, in wenigen Schritten. 1963 hatte John Wickham Tafeltrauben aus Cornell gepflanzt. Ihm wird zugeschrieben, 1972 Louisa und Alex Hargrave auf die Anbaubedingungen der North Fork aufmerksam gemacht zu haben. Die beiden kauften daraufhin bei Cutchogue eine rund 27 Hektar große Kartoffelfarm und bepflanzten 1973 knapp 7 Hektar davon mit den drei Edelreben. Ab 1976 verkaufte Hargrave Vineyard Wein, bis 1981 wuchs die Rebfläche auf gut 22 Hektar. Die NYWGF bezeichnet den Betrieb als ersten erfolgreichen kommerziellen Weinberg mit Kellerei auf Long Island. 2023 feierte die Region 50 Jahre kommerziellen Weinbau.

Ganz neu waren Reben auf der Halbinsel nicht. Nach den Antragsunterlagen, auf die sich die Bundesbehörde 1986 stützte, reichen Rebanbau und eine begrenzte Weinherstellung bis in die Zeit der Besiedlung zurück. Kommerzielle Weinberge gebe es aber erst seit jüngerer Zeit. Dass der Branchenverband an anderer Stelle vom ersten Weinberg Long Islands spricht, passt zu diesen älteren Versuchen nicht.

Bis 1986 war aus dem Einzelfall eine kleine Branche geworden. Als die Bundesbehörde die North Fork in diesem Jahr als Weinbaugebiet abgrenzte, gab es dort nach ihren Angaben fünf zugelassene Kellereien und etwa 400 Hektar Reben.

Eine Halbinsel mit Wasser an drei Seiten

Aquarell eines Kiesufers mit runden Steinen im flachen, ruhigen Wasser bei tief stehender Sonne; am Horizont ein flacher Landstreifen unter pfirsichfarbenen Wolken.
Ufer bei Orient Point auf der North Fork (Aquarell). Wasser umgibt die Halbinsel an drei Seiten. · Aquarell nach „The End , North Fork Long Island, NY.jpg“ von Rob4958, Wikimedia Commons; bearbeitet für USA Reisen Magazin (Leuchtturm weggelassen, Querformat) und unter derselben Lizenz weitergegeben (CC BY-SA 4.0)

Seitdem ist die North Fork of Long Island eine American Viticultural Area (AVA), eine nach Bundesrecht abgegrenzte Herkunftsbezeichnung. Festgelegt hat sie das Bureau of Alcohol, Tobacco and Firearms (ATF), dessen Aufgabe heute das Alcohol and Tobacco Tax and Trade Bureau wahrnimmt. Die Entscheidung erschien am 10. Oktober 1986 im Federal Register, dem Amtsblatt der US-Regierung, und trat am 10. November 1986 in Kraft.

Das Gebiet umfasst alle Landflächen der drei Verwaltungsgemeinden (Towns) Riverhead, Southold und Shelter Island im Osten von Suffolk County, einschließlich Inseln wie Robins Island, Fishers Island und Plum Island, zusammen rund 410,5 Quadratkilometer. An der breitesten Stelle misst die Halbinsel nach den Antragsunterlagen knapp 10 Kilometer, an der schmalsten weniger als rund 800 Meter.

Was das Wasser bewirkt

Was das Wasser für die Reben bedeutet, machte die ATF an einer Zahl fest: an den Tagen zwischen dem letzten Frost im Frühjahr und dem ersten im Herbst. In den Jahren 1973 bis 1983, also in den ersten Jahren des Hargrave-Weinbergs, dauerte diese Zeit im Mittel in Riverhead 195 und in Greenport 201 Tage. In Bridgehampton auf der South Fork, dem südlichen Arm Long Islands mit den Hamptons, waren es 188 Tage. In 7 von 11 Jahren war die Zeit auf der North Fork eine bis mehr als drei Wochen länger. Weiter westlich, wo die beiden Arme in den Hauptteil der Insel übergehen, lässt die Wirkung des Wassers stark nach.

Für den Weinbau übersetzt Cornell Cooperative Extension of Suffolk County (CCE), die landwirtschaftliche Beratungsstelle der Cornell University, dieses Gefälle in Risiken: Westlich von Riverhead trieben die Reben früher aus und seien stärker frostgefährdet. Europäische Edelreben, die Vinifera-Sorten wie die der Hargraves, können bei etwa −18 bis −15 Grad Celsius Schaden nehmen. Solche Temperaturen sind am Ostende Long Islands aber selten.

Sandige Böden aus der Eiszeit

Sandstrand mit großen, runden Findlingen in der Brandung, links ein bewaldetes Steilufer mit freiliegenden Sandhängen.
Findlinge und Steilufer am Long Island Sound im Wildwood State Park.

Die Landformen Long Islands haben laut NYWGF die Gletscher der Eiszeit hinterlassen, darunter zwei Endmoränen, im Norden die Harbor-Hill- und im Süden die Ronkonkoma-Moräne. Die Böden enthalten nach den Unterlagen zur AVA Long Island von 2001 mehr Sand und Kies und weniger Schluff, Lehm und Ton als die der Nachbarregionen. Außerdem sind sie nach diesen Unterlagen kalkarm und sauer. Für Vinifera-Sorten hält die CCE eine Kalkung auf einen pH-Wert über 6,0 für unbedingt notwendig.

Die Böden der North Fork enthalten laut ATF weniger Schluff und Lehm als die der South Fork, halten daher weniger Wasser. Zugleich sind sie nach Einschätzung der ATF von Natur aus im Allgemeinen etwas fruchtbarer.

Drei Weinbaugebiete, viele Zahlen

Aquarell von Rebzeilen mit frischen Trieben, im Hintergrund Wasser.
Rebzeilen im Frühjahr auf der North Fork (Aquarell).

Die North Fork ist nicht das älteste Weinbaugebiet der Insel. Die AVA The Hamptons, Long Island für die Towns Southampton und East Hampton auf der South Fork wurde bereits 1985 festgelegt. Seit dem 16. Juli 2001 gilt zusätzlich die AVA Long Island, die Nassau und Suffolk County samt vorgelagerten Inseln umfasst und beide Arme einschließt. Brooklyn und Queens gehören nicht dazu. Steht Long Island als Herkunft auf dem Etikett, müssen nach Angaben des Branchenverbands mindestens 85 Prozent der Trauben aus diesem Gebiet stammen.

Zur Größe der heutigen Branche gibt es in den geprüften Quellen nur Zahlen für ganz Long Island, und sie messen Verschiedenes. Die NYWGF nennt in ihrem Handbuch von 2026 „über 80“ Weingüter sowie 53 Weinbaubetriebe mit zusammen rund 735 Hektar Reben. Andere Erhebungen zählen etwa nur die Fläche im Ertrag und kommen auf deutlich kleinere Werte. Mit den etwa 400 Hektar, die die ATF 1986 allein für die North Fork nannte, lassen sich diese Zahlen deshalb nicht vergleichen. Am häufigsten angebaut werden auf Long Island nach Angaben der CCE Merlot und Chardonnay.

Ohne Auto: Bahn, Bus und die letzte Strecke

Aquarell eines Zugs mit Diesellok an einem kleinen Bahnsteig mit Dach und Laterne, vereinfacht dargestellt.
Vereinfachte Illustration eines Zugs der Long Island Rail Road auf der Strecke nach Greenport (Aquarell).

Die Long Island Rail Road (LIRR) hält auf der North Fork in Riverhead, Mattituck, Southold und Greenport. Im Fahrplan vom 8. September bis 8. November 2026 fahren an Wochenenden und Feiertagen je Richtung vier Züge von und nach Greenport, alle mit Umstieg in Ronkonkoma. Eine Verbindung verlässt Penn Station um 7:47 Uhr und erreicht Greenport um 10:38 Uhr. Zurück geht es zum Beispiel um 16:39 Uhr mit Ankunft in Penn Station um 19:30 Uhr. An Werktagen sind einzelne Fahrten ab Ronkonkoma als Busverbindung markiert, und Fußnoten regeln abweichende Freitage. Wer werktags fährt, sollte den konkreten Tag prüfen.

Vor Ort fährt die Buslinie 92 von Suffolk County Transit laut Betreiber täglich im Stundentakt. Sie bedient den Bahnhof Riverhead und fährt entlang der Hauptstraße NY-25, unter anderem durch Jamesport, Mattituck, Cutchogue und Southold, bis zum Fähranleger von Orient Point. Zu den Bahnhöfen Mattituck, Southold und Greenport nennt der Betreiber Fußwege von rund 200 bis 400 Metern. Von Riverhead bis Greenport braucht sie nach Fahrplan rund eine Stunde. Der Sommerfahrplan gilt bis zum 25. Oktober 2026. Einen Winterfahrplan 2026/27 fanden wir am 6. Oktober 2026 auf den Seiten des Betreibers nicht; dort stand noch der Winterfahrplan 2025/26. An der NY-25 liegen nach den Adressen des Branchenverbands mehrere Weingüter, etwa Paumanok Vineyards in Aquebogue, Pellegrini Vineyards in Cutchogue sowie Lenz Winery, Pindar Vineyards und Osprey's Dominion in Peconic.

Wie weit es von einer Haltestelle zum Weingut ist und ob es Gehwege gibt, ist in den geprüften Quellen nicht belegt. Der Branchenverband schreibt, viele Weingüter lägen nah beieinander, nennt aber keine Entfernungen. Die Bahn bringt Besucher auf die Halbinsel, der Bus an die Hauptstraße. Die letzte Strecke zum Weingut sollte man vorab mit dem Betrieb klären.

Der private Busbetreiber Hampton Jitney nennt auf seiner Website eine Linie ab Manhattan mit Halten auf der North Fork. Fahrplan und Preise haben wir nicht geprüft. Für Gruppen mit Bus oder Limousine empfiehlt der Branchenverband eine vorherige Reservierung, weil nicht alle Verkostungsräume solche Gruppen annehmen. Besuchen lassen sich die Weingüter laut Verband das ganze Jahr. Der Herbst gehört zu den beliebtesten Zeiten, die Lese dauert von Ende August bis Mitte Oktober.

Fragen und Antworten

Seit wann gibt es Weinbau auf der North Fork?

Reben wurden dort laut der Bundesbehörde ATF schon seit der Besiedlung angebaut. Als Beginn der heutigen Branche gilt die Pflanzung von Alex und Louisa Hargrave 1973 in Cutchogue. Die New York Wine & Grape Foundation nennt Hargrave Vineyard den ersten erfolgreichen kommerziellen Weinberg mit Kellerei auf Long Island.

Seit wann ist die North Fork ein eigenes Weinbaugebiet?

Die AVA North Fork of Long Island wurde am 10. Oktober 1986 im Federal Register veröffentlicht und trat am 10. November 1986 in Kraft. Die AVA The Hamptons auf der South Fork wurde schon 1985 festgelegt, die übergreifende AVA Long Island gilt seit dem 16. Juli 2001.

Was unterscheidet die North Fork beim Weinbau von der South Fork?

Laut ATF vor allem die längere Zeit zwischen Frühjahrs- und Herbstfrost. In der Messreihe 1973 bis 1983 waren es im Mittel 195 Tage in Riverhead und 201 in Greenport, aber 188 in Bridgehampton auf der South Fork.

Kommt man ohne Auto zu den Weingütern?

Teilweise. Die LIRR fährt nach Riverhead, Mattituck, Southold und Greenport, an Wochenenden laut Fahrplan bis 8. November 2026 viermal je Richtung mit Umstieg in Ronkonkoma. Die Buslinie 92 fährt laut Sommerfahrplan bis 25. Oktober 2026 stündlich entlang der NY-25, an der mehrere Weingüter liegen. Die Wege von den Haltestellen zu den Betrieben wurden für diesen Beitrag nicht geprüft und sollten vorab geklärt werden.

Wann ist Lesezeit auf Long Island?

Nach Angaben von Long Island Wine Country dauert die Lese von Ende August bis Mitte Oktober. Besuchen lassen sich die Weingüter laut Verband das ganze Jahr.

Weiterführende Informationen

  1. Bureau of Alcohol, Tobacco and Firearms / Federal Register: North Fork of Long Island Viticultural Area (T.D. ATF-240), 51 FR 36396–36398, 10.10.1986
  2. eCFR: 27 CFR 9.113 North Fork of Long Island
  3. Bureau of Alcohol, Tobacco and Firearms / Federal Register: Long Island Viticultural Area (T.D. ATF-453), 66 FR 26789, 15.05.2001
  4. eCFR: 27 CFR 9.170 Long Island
  5. eCFR: 27 CFR 9.101 The Hamptons, Long Island
  6. New York Wine & Grape Foundation: New York Wine Reference Guide 2026
  7. New York Wine & Grape Foundation: Long Island
  8. Cornell Cooperative Extension of Suffolk County: Starting a vineyard
  9. Long Island Wine Country: About
  10. Long Island Wine Country: FAQ
  11. Long Island Wine Country: Startseite (Featured Experiences)
  12. MTA Long Island Rail Road: Ronkonkoma Branch Timetable, Effective September 8, 2026 – November 8, 2026
  13. MTA Long Island Rail Road: MTA/Long Island Rail Road Station Fares – Effective: January 4, 2026
  14. Suffolk County Transit: Route 92
  15. Suffolk County Transit: Route 92 Summer Schedule, Effective March 16 to October 25, 2026
  16. Hampton Jitney: Startseite, Haltestellenliste

Angaben zu Öffnungszeiten, Eintritt, Angeboten und Zugänglichkeit können sich ändern. Maßgeblich sind die verlinkten Stellen.

Dieser Beitrag beruht auf Recherche in den genannten Quellen.

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