Lake Champlain zwischen Vermont und New York: Brücke oder Fähre
Der Lake Champlain trennt Vermont und New York. Von Burlington aus lassen sich beide Ufer an zwei Ausflugstagen erkunden, im Süden über eine Brücke zu zwei Festungen, im Norden mit zwei Fähren.

Bei einer Prüfung unter Wasser wurden im Oktober 2009 schwere Risse in den Pfeilern der Brücke zwischen Chimney Point in Vermont und Crown Point in New York festgestellt. Die rund 666 Meter lange Fachwerkbrücke von 1929 wurde gesperrt und am 28. Dezember 2009 abgerissen. Wer an dieser Stelle über den See wollte, musste von einem Tag auf den anderen umplanen. Heute verbindet wieder eine Brücke die beiden Ufer, und auf ihren Gehwegen kann man zu Fuß von einem Staat in den anderen gehen. Auch eine Reise am See hängt an den wenigen Übergängen: Wo man den See überquert, bestimmt den Tag.
Burlington als Standort für drei Nächte
Für eine Rundreise auf beiden Seiten des Sees eignet sich Burlington in Vermont als fester Standort. Drei Nächte reichen für einen Tag im Süden, einen im Norden und einen An- und einen Abreisetag. Vom Flughafen BTV bis zum Rathaus an der Church Street sind es knapp 5 Kilometer, knapp zehn Minuten mit dem Auto. Wer früh genug ankommt, hat am ersten Tag noch Zeit für einen Gang durch die Innenstadt.

Wer an einem der beiden Randtage Zeit übrig hat, kann von etwa Mitte Mai bis Mitte Oktober die Shelburne Farms in Shelburne besuchen. Der rund 570 Hektar große Bauernhof liegt auf dem Stammesland der Winooskik-Gruppe der Abenaki und betreibt Landwirtschaft und Bildungsarbeit. Besucher gehen auf den Wegen über das Gelände, sehen die Tiere auf dem Kinderbauernhof und können bei der Käseherstellung zusehen. Hunde sind nicht erlaubt, ausgebildete Assistenzhunde ausgenommen, und auch Fahrräder und Drohnen bleiben draußen. Auf einen der beiden Ausflugstage gehört dieser Besuch nicht, denn beide sind auch ohne ihn lang.
Der Süden: über die Brücke zu den Festungen
Der Tag im Süden führt auf der Vermont-Seite bis zur Brücke, über den See nach Crown Point, weiter nach Fort Ticonderoga und auf demselben Weg zurück. Nach unserer Messung mit dem Autorouting des Dienstes OSRM sind das gut 180 Kilometer und knapp dreieinhalb Stunden reine Fahrt, ohne Fähre. Rechnet man eine Stunde für Crown Point, drei für Fort Ticonderoga und eine für ein Essen hinzu, ist man rund achteinhalb Stunden unterwegs. Ein Halt in Chimney Point und die Bootsfahrt am Fort sind darin nicht enthalten.

Am Vermont-Ende der Brücke steht in Chimney Point eine Taverne aus der Zeit um 1785. Sie wurde nach dem Unabhängigkeitskrieg gebaut und hat seitdem Besucher empfangen, heute als Teil eines Museums des Staates Vermont. Von ihrer breiten Veranda sieht man über den See. Die Ausstellungen zeigen, was Indianer, französische Kolonisten und frühe Amerikaner an dieser Stelle hinterlassen haben. Die Franzosen bauten hier 1731 ein Fort, um die Engländer vom See fernzuhalten. Damit begann ihre dauerhafte Besiedlung der Gegend, und Chimney Point lag an der Grenze Neufrankreichs. Wer hier hält, kann auch den Weg mit Informationstafeln nehmen, der über die Gehwege der Brücke bis zu den Wegen in Crown Point führt. Ob das Museum am Reisetag geöffnet hat, sollte man vorher erfragen. Ist es geschlossen, fährt man ohne Halt über die Brücke.

Die alte Brücke, die hier bis 2009 stand, war die erste Straßenbrücke über den See, ein gemeinsames Vorhaben von New York und Vermont nach Plänen von Charles M. Spofford. Ihre durchgehende Fachwerkkonstruktion wurde nach Angaben der Denkmalbehörde von Vermont jahrzehntelang bei anderen Brücken nachgeahmt. Im Februar 2009 wurde sie ins National Register of Historic Places aufgenommen, acht Monate, bevor die Risse ihre Sperrung erzwangen.
Crown Point: zwei Festungen auf einer Halbinsel
Auf der New-York-Seite liegt am Ende der Brücke die Halbinsel Crown Point. Im 18. Jahrhundert beanspruchten Franzosen und Briten das Tal des Sees, und die Halbinsel lag an der Verbindung zwischen Albany und Montreal, einer wichtigen Strecke für Feldzüge nach Kanada und aus Kanada. Beide Mächte bauten deshalb hier, und so liegen auf der Halbinsel heute die Ruinen zweier Festungen.
Beim Gang über das Gelände hat man also zwei Bauphasen vor sich. Die ältere Ruine ist Fort St. Frédéric, das die Franzosen in den 1730er-Jahren errichteten. Die jüngere gehört zu der neuen Festung, die die Briten sofort zu bauen begannen, nachdem sie die Halbinsel 1759 eingenommen hatten: „His Majesty's Fort of Crown Point“.

Nach dem Franzosen- und Indianerkrieg verlor die britische Festung ihren wichtigsten Zweck. Als der Unabhängigkeitskrieg begann, war sie nur schwach besetzt, doch in ihr lagen viele Geschütze, die die Amerikaner dringend brauchten. Am 11. Mai 1775 nahmen Seth Warner und die Green Mountain Boys sie ein und bargen die Kanonen, die beim Einsturz der Mauern verschüttet worden waren.
Das Gelände mit den Erd- und Steinruinen beider Festungen ist das ganze Jahr von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang frei zugänglich. Das Museum mit Modellen und Fundstücken der Archäologen hat nur in der Saison geöffnet. In dieser Zeit gibt es auch Führungen über das Gelände, wenn das Wetter es zulässt. Zum Gelände gehören außerdem der alte Pier, der Champlain Memorial Lighthouse und die Gehwege der Brücke.

Fort Ticonderoga
Rund eine halbe Stunde südlich von Crown Point liegt Fort Ticonderoga, mit seinem Gelände und dem Mount Defiance rund 800 Hektar groß, zwischen den Adirondacks und den Green Mountains. Der reguläre Besuchsbetrieb des Forts ist an eine Saison gebunden. Tage und Zeiten stehen auf der Seite des Forts und sollten für den Reisetermin geprüft werden. Drei Stunden sind für die Anlage und die Ausstellungen ein vernünftiger Ansatz. Den See sieht man dort auch vom Wasser aus: Das Fort bietet eine Rundfahrt mit dem Boot Carillon an, 75 Minuten lang und mit Erklärungen an Bord. Wer mitfährt und den Rundgang durch das Fort nicht kürzen will, verlängert den Tag um diese Zeit. Ob das Boot am Reisetag fährt, steht im Programm des Forts.

Zurück nach Burlington geht es über Crown Point und die Brücke. In der Saison gibt es eine zweite Möglichkeit: Die kleine Fähre zwischen Ticonderoga und Shoreham in Vermont braucht etwa sieben Minuten über den See, nimmt höchstens 18 Autos mit und fährt nur zu den angeschlagenen Zeiten, etwa dreimal pro Stunde hin und zurück. Bezahlt wird bar, Karten nimmt sie nicht. Für diesen Vorschlag ist sie eine zusätzliche Wahl und keine Voraussetzung. Ihre Zeit ist in der Rechnung oben nicht enthalten.

Der Norden: über die Inseln und mit zwei Fähren
Im Norden quert man den See an zwei verschiedenen Stellen, hinüber nach New York und weiter südlich zurück nach Vermont. So wird aus dem Tag eine Runde. Von Burlington geht es auf der Interstate 89 und dann auf der US 2 über die Inseln im See nach South Hero und weiter zum Anleger in Grand Isle. Die Fähre nach Plattsburgh in New York ist die nördlichste Querung der Lake Champlain Transportation, einer Gesellschaft, die seit 1826 Menschen über den See bringt. Sie fährt rund um die Uhr, das ganze Jahr, braucht für gut 3 Kilometer etwa eine Viertelstunde und ist nach Angaben der Gesellschaft die bequemste Verbindung zwischen den Interstates 87 und 89. Bei starkem Wind können sich die Abfahrten verschieben. Eine Reservierung ist bei beiden Querungen der Gesellschaft nicht nötig.

Von Plattsburgh führt die Runde auf der New-York-Seite nach Süden bis Essex. Dort setzt die zweite Fähre über nach Charlotte in Vermont, knapp 5 Kilometer in 25 bis 30 Minuten, mit Blick auf die Adirondacks und die Green Mountains. Die Gesellschaft bittet, eine Viertelstunde vor der gewünschten Abfahrt am Anleger zu sein. Von Charlotte sind es noch knapp 24 Kilometer zurück nach Burlington.
Nach unserer Messung umfasst die Runde gut 130 Kilometer und knapp drei Stunden Fahrt einschließlich beider Überfahrten, aber ohne Wartezeit. Mit einer Stunde auf den Inseln, anderthalb Stunden in Plattsburgh für ein Essen, einer Dreiviertelstunde in Essex und Puffern an den Anlegern ist man rund sieben Stunden unterwegs. Die Puffer sind Annahmen, keine Fahrplanangaben.

Ohne Fähre bis kurz vor Kanada
Wer keine Fähre nehmen will, fährt im Norden auf der US 2 über die Inseln bis Alburgh, dann über Rouses Point nach Plattsburgh und auf demselben Weg zurück. Die Strecke bleibt in den USA, führt aber nah an der kanadischen Grenze vorbei. Sie ist mit gut 250 Kilometern und knapp vier Stunden reiner Fahrt fast doppelt so lang wie die Runde mit den Fähren. Die Wahl hängt also davon ab, ob man den See lieber zweimal quert oder an seinem Nordende umfährt.
Was im Winter bleibt
Ein Teil der Reise funktioniert das ganze Jahr. Die Fähre zwischen Grand Isle und Plattsburgh fährt auch im Winter, und das Gelände von Crown Point bleibt offen, dann auch für Schneeschuhwandern und Langlauf. Die Fähre zwischen Charlotte und Essex verkehrt grundsätzlich ebenfalls ganzjährig, wenn das Wetter es zulässt. Im Winter kann sie bei ungünstigen Eisverhältnissen oder starkem Nordwind vorübergehend ausfallen.
An eine Saison gebunden sind dagegen der reguläre Besuchsbetrieb im Museum von Crown Point und in Fort Ticonderoga, die Fort-Ti-Fähre und der Tagesbesuch der Shelburne Farms mit Wegen, Tieren und Käserei. Shelburne Farms gibt eigene Hinweise für Besuche von November bis April, und Fort Ticonderoga verweist für Veranstaltungen auf seinen Kalender. Was davon am Reisetermin angeboten wird, steht bei den Betreibern. Für Chimney Point sollte man die Öffnung vor jedem Besuch erfragen.
Den Tag vom Ziel her planen
Ob Brücke oder Fähre, lässt sich am einfachsten vom Ziel her entscheiden. Wer die Festungen sehen will, fährt in den Süden und braucht nur die Brücke. Wer den See vom Wasser aus erleben und zwischen den Ufern wechseln will, nimmt im Norden die beiden Fähren. Wer sie meiden möchte, hat mit dem Weg über Rouses Point eine längere Alternative. Öffnungszeiten, Saisondaten und Fährfahrpläne ändern sich, deshalb gehören die aktuellen Angaben der Betreiber vor jeden Ausflugstag.
Fragen und Antworten
Wie viele Nächte braucht eine Rundreise am Lake Champlain?
Drei Nächte in Burlington reichen für einen Tag im Süden mit Crown Point und Fort Ticonderoga, einen Tag im Norden mit den beiden Fähren sowie An- und Abreise.
Muss man die Fähren über den Lake Champlain reservieren?
Für die beiden Querungen der Lake Champlain Transportation, Grand Isle–Plattsburgh und Charlotte–Essex, ist keine Reservierung nötig. In Charlotte und Essex soll man eine Viertelstunde vor der Abfahrt am Anleger sein. Die kleine Fähre bei Fort Ticonderoga fährt nur zu den angeschlagenen Zeiten und nimmt keine Karten.
Fahren die Fähren auch im Winter?
Die Fähre zwischen Grand Isle und Plattsburgh fährt rund um die Uhr und das ganze Jahr. Die Fähre zwischen Charlotte und Essex fährt ganzjährig, wenn das Wetter es zulässt, kann aber bei ungünstigen Eisverhältnissen oder starkem Nordwind ausfallen. Die kleine Fähre bei Fort Ticonderoga fährt nur in der Saison.
Ist Crown Point das ganze Jahr zugänglich?
Das Gelände mit den Ruinen ist das ganze Jahr von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang frei zugänglich. Das Museum hat nur in der Saison geöffnet.
Wie lang ist der Tag im Süden?
Nach unserer Messung gut 180 Kilometer und knapp dreieinhalb Stunden reine Fahrt. Mit einer Stunde in Crown Point, drei Stunden in Fort Ticonderoga und einer Stunde für ein Essen sind es rund achteinhalb Stunden. Ein Halt in Chimney Point und die Bootsfahrt am Fort kommen hinzu.
Gibt es eine Strecke ohne Fähre in den Norden?
Ja, über die Inseln, Alburgh und Rouses Point nach Plattsburgh und zurück. Sie bleibt in den USA, ist mit gut 250 Kilometern und knapp vier Stunden reiner Fahrt aber fast doppelt so lang wie die Runde mit den Fähren.
Weiterführende Informationen
- New York State Parks: Crown Point State Historic Site
- Vermont State Historic Sites: Chimney Point
- Vermont State Historic Sites: Lake Champlain Bridge Commemoration
- Fort Ticonderoga: Hours & Directions
- Fort Ticonderoga: Buy Tickets
- Fort Ti Ferry: Startseite
- Lake Champlain Transportation: Startseite
- Lake Champlain Transportation: Grand Isle, VT – Plattsburgh, NY
- Lake Champlain Transportation: Charlotte, VT – Essex, NY
- Lake Champlain Transportation: Charlotte–Essex Current Schedule
- Shelburne Farms: Visit & Learn
- Lake Champlain Region: First Time Visitors
Angaben zu Öffnungszeiten, Eintritt, Angeboten und Zugänglichkeit können sich ändern. Maßgeblich sind die verlinkten Stellen.
Weiterführende Webseiten für unsere Community:
Dieser Beitrag beruht auf Recherche in den genannten Quellen.
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