Dicht und segelfähig: Handwerk um die Charles W. Morgan in Mystic Seaport
Im Mystic Seaport Museum in Connecticut lässt sich an drei Stellen verfolgen, was ein hölzernes Walfangschiff dicht und segelfähig hält: an Bord der Charles W. Morgan, in der Werft des Museums und in den Werkstätten seines Dorfs.

An Deck der Charles W. Morgan stehen die großen Kessel, in denen Walspeck zu Tran ausgekocht wurde. Der Tran kam in Fässer. Damit das Schiff seinen Fang heimbrachte, mussten also zwei Dinge dicht sein: der Rumpf, der das Meer draußen hielt, und jedes einzelne Fass, das den Tran drinnen hielt. Dazu kam das Tauwerk, denn ohne Seile ließ sich kein Segel setzen.
Die Morgan lief am 21. Juli 1841 in New Bedford, Massachusetts, vom Stapel. In 80 Jahren unternahm sie 37 Walfangfahrten. Das Museum nennt sie das letzte Schiff einer amerikanischen Walfangflotte, die einmal mehr als 2.700 Schiffe zählte. Im November 1941 kam sie nach Mystic an den Chubb’s Wharf.
Am Mystic River
Das Museum liegt am Mystic River, nicht weit vor dessen Mündung in den Long Island Sound. Seine beiden Eingänge an der Greenmanville Avenue (Route 27) haben jeweils eine Rampe: im Süden das Besucherzentrum, im Norden das Thompson Exhibition Building. Die Parkplätze liegen jeweils gegenüber auf der anderen Straßenseite. Auf knapp 8 Hektar stehen mehr als 40 historische und nachgebaute Gebäude. Für das Museumsdorf wurden Werkstätten, Läden und Wohnhäuser aus dem 19. Jahrhundert aus verschiedenen Orten Neuenglands hierher versetzt.

An Bord der Morgan
Die Morgan ist an Deck knapp 35 Meter lang. Gewöhnlich fuhren rund 35 Mann mit, Seeleute aus vielen Ländern. Sie lebten unter Deck in engen Quartieren, und das auf Fahrten, die meist drei Jahre oder länger dauerten. Gebaut war das Schiff für Haltbarkeit, nicht für Tempo.
Ab 1968 ließ das Museum die Morgan in einem großen Programm instand setzen. Dabei erhielt sie die Takelage zurück, die sie von 1867 bis zum Ende ihrer Walfangzeit getragen hatte. Wie ein Schiff dieses Alters schwimmfähig bleibt, erklärt sich in der Werft.
In der Werft
Die Zukunft der Morgan hängt nach den Worten des Museums davon ab, dass sie fortlaufend erhalten wird. In der Henry B. du Pont Preservation Shipyard, der Werft des Museums, gilt das nicht nur für sie. Etwa alle dreißig Jahre braucht nahezu jedes Holzschiff eine große Überholung, und einige Schiffe des Museums waren schon zweimal dort.
Wie verschieden solche Arbeiten ausfallen, zeigen zwei große Werftaufenthalte der Morgan. 1974, beim ersten großen Projekt der Werft, genügten ein neuer Loskiel, eine Schutzplanke darunter und einige Planken. Ab November 2008 dagegen wurden Bereiche von der Wasserlinie bis hinunter zum Kiel erneuert und Schäden an Bug und Heck behoben. Am 21. Juli 2013 lief die Morgan wieder vom Stapel, auf den Tag genau 172 Jahre nach ihrem ersten Stapellauf.

Damit ein Holzrumpf dicht ist, müssen die Nähte zwischen den Planken geschlossen sein. Beim Kalfatern werden sie mit Fasern abgedichtet. Das Werkzeug dafür sind Kalfathammer und Kalfateisen.

Kettensägen kommen nach Darstellung des Museums bei manchen Projekten in den ersten Arbeitsschritten zum Einsatz. Fertig gemacht wird jedes Schiff aber von Hand, nach historischen Methoden und mit Werkzeugen wie Äxten und Handhobeln.
Von einer Besuchergalerie blickt man von oben in die Werft. Ob dort gerade gearbeitet wird und an welchem Schiff, hängt vom jeweiligen Projekt ab. Die Ausstellung der Werft geht auf Fragen ein, die sich beim Blick hinunter stellen: Warum brauchen Holzschiffe so viel Pflege, und welche Werkstoffe und Werkzeuge verwendet man? Das Museum weist außerdem darauf hin, dass gewerbliche Werften Holzschiffe immer seltener annehmen, selbst wenn ein Schiff nur routinemäßig aus dem Wasser geholt werden soll.

Fass und Seil im Dorf
Für die Fässer war an Bord eines Walfängers ein Böttcher zuständig. Er gehörte zur Mannschaft, setzte vorgefertigte Fässer zusammen, sobald Tran hineinsollte, und war verantwortlich für Dichtigkeit und Maß. Ein Fass für Tran musste wasserdicht sein, eines für Mehl oder Kartoffeln nicht. Weil Fässer nach Augenmaß gebaut wurden, ließ sich erst mit einem besonderen Messstab feststellen, wie viel eines tatsächlich fasste.

Die Böttcherei im Museumsdorf war früher eine Scheune auf dem Grundstück von Thomas Greenman. Für die Ausstellung wurde sie mit dem eingerichtet, was eine Böttcherei typischerweise hatte: Feuerstelle, Kran und Lagerboden.
Ein Seil entsteht in drei Schritten. Zuerst werden Fasern zu Garn gesponnen. Dann dreht man viele Garne zu einer Litze. Zuletzt werden drei Litzen gegenläufig zum Seil gedreht. Weil bei jedem Schritt gegen die vorige Richtung gedreht wird, hält das Seil zusammen.
Gesponnen und gedreht wurde auf gerader Strecke. Für ein knapp 183 Meter langes Seil brauchte man deshalb eine gut 300 Meter lange Bahn. Die Reeperbahn im Dorf ist ein gut 76 Meter langes Teilstück der Reeperbahn der Plymouth Cordage Company in Plymouth, Massachusetts. Das Original war mehr als 300 Meter lang, wurde 1824 gebaut und blieb bis 1947 in Betrieb. Die Maschinen in Mystic stehen bereit, als könnten sie laufen, haben aber keinen Antrieb.
Auf See musste ein Seil Regen und Salzwasser aushalten. Ein Seil aus Hanf brauchte dafür Teer, eines aus Manila nicht. Ab den 1830er-Jahren wurde Manila von den Philippinen zur bevorzugten Faser. Plymouth Cordage machte Seile besonders für Walfänger, auf denen es auf Festigkeit und Ausdauer ankam.
An Bord hat das Tauwerk zwei Aufgaben. Das stehende Gut hält die Masten, mit dem laufenden Gut werden die Segel gesetzt. Wo die Masten getragen werden müssen, zählt Festigkeit, und deshalb kamen beim stehenden Gut nach 1850 zunehmend Drahtseil und Kette zum Einsatz. Eingebaut haben das Tauwerk die Takler, deren Handwerk der Takelboden im Dorf zeigt.

Den Besuch planen
Für die drei Stationen haben wir eigene Richtwerte angesetzt: 45 Minuten an Bord der Morgan, eine halbe Stunde an der Werft und anderthalb bis zwei Stunden für die Werkstätten im Dorf. Das ergibt zwei Stunden und drei Viertel bis drei Stunden und eine Viertelstunde reine Aufenthaltszeit. Wege über das Gelände, Pausen und die Anreise kommen hinzu. Wer einen ganzen Tag einplant, hat Zeit für weitere Schiffe, etwa den Fischereischoner L. A. Dunton von 1921.
Mitarbeiter des Museums führen in einzelnen Werkstätten Handwerk vor, etwa in der Böttcherei und der Schiffsschmiede. Das Tagesprogramm kann sich ändern. Auch die Öffnungszeiten wechseln mit der Saison: Im Winter können Dorf, Werft und Südeingang zeitweise geschlossen sein. Für den hier beschriebenen Rundgang reicht dann eine Teilöffnung nicht. Wer Werft und Dorf sehen will, prüft deshalb vor der Reise den aktuellen Saisonplan.
Die Wege im Dorf sind unbefestigt, aber meist fest und eben genug für Rollstühle und Kinderwagen. Die Gehwege sind mit Kopfsteinpflaster belegt, an Bord geht es über hölzerne Gangways mit Querleisten. Nur etwa ein Drittel der Gebäude hat einen rollstuhlgerechten Eingang, drinnen ist der Zugang unterschiedlich. Rollstühle verleiht das Museum am Besucherzentrum.
Fotografieren für private Zwecke ist erlaubt. Auf den Schiffen und in den Ausstellungen sind Stative und Einbeinstative verboten, Drohnen sind ganz untersagt.
Fragen und Antworten
Wie viel Zeit braucht man in Mystic Seaport für die Morgan, die Werft und das Museumsdorf?
Nach unseren eigenen Richtwerten zwei Stunden und drei Viertel bis drei Stunden und eine Viertelstunde reine Aufenthaltszeit: 45 Minuten an Bord, eine halbe Stunde an der Werft, anderthalb bis zwei Stunden im Dorf. Wege, Pausen und Anreise kommen hinzu. Ein ganzer Tag lässt Zeit für weitere Schiffe und Ausstellungen.
Sind Werft und Museumsdorf das ganze Jahr geöffnet?
Nein. Die Öffnungszeiten wechseln mit der Saison, und im Winter können Dorf, Werft und Südeingang zeitweise geschlossen sein. Den aktuellen Saisonplan vor der Reise auf der Website des Museums prüfen.
Wird im Museumsdorf altes Handwerk vorgeführt?
Ja, Mitarbeiter des Museums führen in einzelnen Werkstätten Handwerk vor, etwa in der Böttcherei und der Schiffsschmiede. Das Tagesprogramm kann sich ändern. Ob in der Werft gerade gearbeitet wird, hängt vom jeweiligen Projekt ab.
Kann man die Charles W. Morgan betreten?
Ja. Über eine hölzerne Gangway mit Querleisten geht es an Bord. An Deck stehen die Kessel, in denen Walspeck zu Tran ausgekocht wurde, unter Deck liegen die engen Quartiere der Mannschaft.
Ist Mystic Seaport für Rollstuhlfahrer geeignet?
Teilweise. Beide Eingänge haben eine Rampe, und die unbefestigten Wege sind meist fest und eben. Nur etwa ein Drittel der Gebäude hat aber einen rollstuhlgerechten Eingang, und drinnen ist der Zugang unterschiedlich. Rollstühle verleiht das Museum am Besucherzentrum.
Darf man in Mystic Seaport fotografieren und ein Stativ mitbringen?
Fotografieren für private Zwecke ist erlaubt. Stative und Einbeinstative sind auf den Schiffen und in den Ausstellungen verboten, Drohnen ganz untersagt.
Weiterführende Informationen
- Mystic Seaport Museum: Charles W. Morgan
- Mystic Seaport Museum: Henry B. du Pont Preservation Shipyard
- Mystic Seaport Museum: Maintaining History: Historic Vessel Maintenance at Mystic Seaport
- Mystic Seaport Museum: Historic Seaport Village
- Mystic Seaport Museum: Cooperage
- Mystic Seaport Museum: Plymouth Cordage Company Ropewalk
- Mystic Seaport Museum: Rigging Loft
- Mystic Seaport Museum: Historic Vessels
- Mystic Seaport Museum: Hours & Tickets
- Mystic Seaport Museum: Accessibility Guide
- Mystic Seaport Museum: Visit
Angaben zu Öffnungszeiten, Eintritt, Angeboten und Zugänglichkeit können sich ändern. Maßgeblich sind die verlinkten Stellen.
Weiterführende Webseiten für unsere Community:
Dieser Beitrag beruht auf Recherche in den genannten Quellen.
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