Overseas Highway: auf Flaglers Bahntrasse nach Key West
Der Overseas Highway folgt der Trasse einer Bahn, die 1912 Key West erreichte und 1935 ein Hurrikan zerstörte. Unser Vorschlag: drei Fahrtage von Florida City nach Key West mit Riff, versteinertem Riff, Bahnbrücken und Key-Hirschen, dazu ein Tag in Key West.

Bei Marathon führen zwei Brücken nebeneinander über das Wasser. Auf der neuen Seven Mile Bridge, knapp elf Kilometer lang und seit 1982 in Betrieb, rollt der Verkehr nach Key West. Daneben steht die alte Brücke aus Stahlträgern auf Betonpfeilern. Sie wurde 1912 für die Bahn von Henry Flagler fertig, trug ab 1938 Autos und ist heute auf einem sanierten Stück für Fußgänger und Radfahrer geöffnet, Besucherautos fahren dort nicht. Gut drei Kilometer weit reicht dieses Stück bis Pigeon Key, einer kleinen Insel, auf der beim Bau der Bahn die Arbeiter wohnten. An den beiden Brücken lässt sich ablesen, wie aus einer Bahn über das Meer eine Straße wurde.
Diese Straße ist der Overseas Highway, so heißt die US 1 in den Florida Keys. Sie verbindet das Festland bei Florida City mit Key West.
Eine Bahn über das Meer
Die Florida East Coast Railway baute von 1905 bis 1912 ihre Key West Extension, die bald „Over-Sea Railroad“ hieß. Am 22. Januar 1912 erreichte der erste Zug Key West, Flagler war an Bord. Die Verlängerung führte gut 250 Kilometer von Miami nach Key West, über die Inseln und das Wasser dazwischen. Auf Pigeon Key lag von 1908 bis 1912 ein Baulager mit bis zu 400 Arbeitern, danach wohnten dort die Brückenwärter.

Am 2. September 1935, dem Labor Day, traf ein Hurrikan die Keys. Nach dem Bericht der Monthly Weather Review von 1935, den die NOAA-Forschungsstelle AOML veröffentlicht, wurden auf rund 48 Kilometern zwischen Tavernier und den Vaca Keys Gebäude, Straßen und Brücken praktisch vollständig zerstört, zwischen den Inseln auch die Gleise. Ein Rettungszug wurde von den Fluten aus den Gleisen gerissen. In Lagern auf den Inseln arbeiteten damals Hunderte Veteranen des Ersten Weltkriegs am Bau einer Straße nach Key West. In einem Beitrag von 2015 nennt die AOML den Sturm den stärksten Hurrikan, der nach den Aufzeichnungen die USA getroffen hat.
Laut der Zeitleiste von Pigeon Key verkaufte die Bahngesellschaft die Trasse 1936 an den Bundesstaat. 1938 öffnete darauf die Straße, bis 1954 kostete sie Maut. Die alte Seven Mile Bridge wurde dafür zur Autobrücke umgebaut und trug 44 Jahre lang den Verkehr, bis 1982 die neue Brücke daneben öffnete.
Meilenmarker zur Orientierung
Am Straßenrand zählen grüne Meilenmarker von 127 bei Florida City bis 0 in Key West, und nach Angabe des Tourismusbüros der Keys geben Einheimische Orte danach an. Wir nennen die Halte deshalb mit ihrem Meilenmarker, kurz MM. Wie lang die Strecke ist, hängt vom Bezugspunkt ab. Die Bundesstraßenbehörde FHWA führt den Florida Keys Scenic Highway von Key Largo bis Key West mit gut 170 Kilometern. Von Florida City bis Key West sind es nach unserer Berechnung ohne Halte gut 200 Kilometer und etwa dreieinhalb Stunden.
Upper Keys: Riff und versteinertes Riff
Bei MM 102,5 in Key Largo liegt der John Pennekamp Coral Reef State Park. Die NOAA bezeichnet ihn als ersten Unterwasserpark der USA. Vor der Küste liegt das Riff, das die NOAA das einzige Korallen-Barriereriff der kontinentalen USA nennt. Seit 1990 gehören die Gewässer um die Keys zum Florida Keys National Marine Sanctuary, Ankern auf Korallen sowie Berühren und Sammeln von Korallen sind dort eingeschränkt. Laut Tourismusbüro bietet der Park Schnorcheln, Tauchen und Fahrten mit Glasbodenbooten an. Angebote und Zeiten sollte man vorher beim Park nachsehen.
Bei MM 84,9 bei Islamorada sieht man das Riff von innen. Im Windley Key Fossil Reef besteht der Boden aus fossilen Korallen, dem Key-Largo-Kalkstein. Bis in die 1960er-Jahre wurde dort Stein gebrochen, das Land gehörte der Bahn, die den Stein für ihre Strecke nutzte. Auf knapp zwei Kilometern Wegen stehen Steinbruchwände von rund zweieinhalb Metern Höhe, in denen Querschnitte alter Korallen zu sehen sind. Ruhetage und Zugang sollte man vorher beim Park prüfen.
Wer mehr Zeit hat, kann nach Indian Key übersetzen, einer kleinen Insel nahe der Straße, die man nur per Boot erreicht. Dort betrieb John Jacob Housman im 19. Jahrhundert ein Geschäft mit Strandgut, 1836 war die Insel Sitz des Dade County. Laut Tourismusbüro endete Housmans Betrieb 1840 mit einem Angriff von Seminolen.
Middle Keys: zwei Brücken und Pigeon Key
Bei MM 48,5 in Marathon liegt das Turtle Hospital, eine gemeinnützige Klinik, die kranke und verletzte Meeresschildkröten behandelt und wieder freilässt. Wer es als Option besuchen will, sollte Besuchsprogramm und Buchung beim Betreiber prüfen.
Kurz danach, bei MM 47,5, liegt das Visitors Center von Pigeon Key. Von dort fährt ein Zug über die alte Brücke zur Insel, man kann auch zu Fuß gehen. Für die Insel und die Führung von etwa einer Stunde braucht man ein Ticket. Auf Pigeon Key stehen frühere Unterkünfte der Streckenarbeiter und ein Museum im Haus des Brückenwärters. Danach geht es über die neue Seven Mile Bridge in die Lower Keys.
Lower Keys: Bahia Honda und Key-Hirsche
Bei MM 37 liegt der Bahia Honda State Park mit Stränden zum Atlantik und zum Golf von Mexiko. Laut Tourismusbüro erreicht man zu Fuß einen Teil der alten Bahnbrücke, den Zugang sollte man vorher beim Park prüfen.

Auf Big Pine Key und den Nachbarinseln leben die Key-Hirsche, die kleinste Unterart des Weißwedelhirschs. Sie kommen nur auf den Lower Keys vor. Zu ihrem Schutz entstand 1957 das National Key Deer Refuge. Ausgangspunkt ist das Nature Center unter der Adresse 30587 Overseas Highway auf Big Pine Key. Knapp fünf Kilometer nördlich liegt am Key Deer Boulevard der Blue Hole, ein ehemaliger Kalksteinbruch voll Süßwasser. Ein kurzer, befestigter Weg führt vom Parkplatz zu einer Aussichtsplattform und ist für alle zugänglich. Etwas weiter nördlich beginnt der Watson Trail, ein Rundweg von gut einem Kilometer durch Kiefernwald und Sumpf. Am ehesten sieht man Key-Hirsche früh am Morgen oder gegen Sonnenuntergang, sicher ist es nicht. Zwischen Big Pine Key und Lower Sugarloaf fährt man vorsichtig, vor allem nachts, und füttert die Tiere nicht.

Key West als Ziel
Als bekannte Ziele in Key West nennt das Tourismusbüro den Southernmost Point und das Hemingway Home. Ob man den Southernmost Point zum Reisetermin erreicht, sollte man vorher bei der Stadt Key West prüfen. Das Hemingway Home ist ein privates Museum in einem Haus von 1851, das 1931 für Hemingway und seine Frau Pauline gekauft wurde. Fort Zachary Taylor, ein Fort aus der Mitte des 19. Jahrhunderts, ist heute ein Strandpark.
Weiter draußen liegt der Dry-Tortugas-Nationalpark, rund 113 Kilometer westlich von Key West. Laut NPS gibt es keine Straße dorthin, man kommt nur mit Fähre, Wasserflugzeug, eigenem Boot oder einem genehmigten Charterboot hin. Fähr- und Flugzeuggäste landen auf Garden Key am Fort Jefferson. Für den Ausflug rechnen wir mit einem ganzen Tag.
Vier Nächte zwischen Miami und Key West
Die Fahrzeiten sind eigene Berechnungen ohne Halte, die Aufenthaltszeiten eigene Schätzungen. Am ersten Tag fährt man von Miami nach Florida City, gut 55 Kilometer und knapp 50 Minuten, zum Teil auf der mautpflichtigen Verlängerung des Florida's Turnpike, und weiter gut 40 Kilometer zum Pennekamp-Park. Für eine Bootsfahrt oder Schnorcheln am Riff rechnen wir mit einem halben Tag. Am Nachmittag folgen knapp 30 Kilometer bis Windley Key, wo etwa eine Stunde für die Wege genügt. Übernachtet wird in Islamorada.
Am zweiten Tag fährt man von Windley Key bei Islamorada rund 60 Kilometer, knapp eine Stunde, nach Marathon. Wer das Turtle Hospital besuchen will, hält dort zuerst. Für Pigeon Key mit Führung und Rückweg über die Brücke rechnen wir mit zwei bis drei Stunden. Übernachtet wird in Marathon.

Am dritten Tag sind es vom Visitors Center von Pigeon Key rund 17 Kilometer bis Bahia Honda, wo man ein bis zwei Stunden bleibt. Für Nature Center, Blue Hole und Watson Trail rechnen wir mit zwei Stunden, danach folgen die letzten gut 50 Kilometer nach Key West. Der vierte Tag gehört Key West oder dem Ausflug zu den Dry Tortugas, der fünfte der Rückfahrt nach Miami, rund 260 Kilometer und gut vier Stunden. Wer nicht zurückfahren will, kann ab Key West fliegen.
Die offizielle atlantische Hurrikansaison dauert vom 1. Juni bis zum 30. November, ihren Höhepunkt hat sie laut National Hurricane Center um den 10. September. Wer in dieser Zeit fährt, verfolgt die Vorhersagen und die Hinweise der Behörden.
Fragen und Antworten
Wie lange braucht man für den Overseas Highway?
Von Florida City bis Key West sind es ohne Halte nach unserer Berechnung gut 200 Kilometer und etwa dreieinhalb Stunden. Mit Halten an Riff, Brücken und Key-Hirschen planen wir drei Fahrtage.
Kann man über die alte Seven Mile Bridge gehen?
Ja, ein saniertes Stück von gut drei Kilometern bis Pigeon Key ist für Fußgänger und Radfahrer offen, Autos dürfen nicht darauf. Für die Insel selbst braucht man ein Ticket.
Wo sieht man Key-Hirsche?
Auf den Lower Keys, vor allem auf Big Pine Key. Gute Zeiten sind früher Morgen und Abend, eine Sichtung ist nicht sicher. Die Tiere darf man nicht füttern.
Wie kommt man zu den Dry Tortugas?
Nur mit Fähre, Wasserflugzeug oder Boot, eine Straße gibt es nicht. Wir rechnen mit einem ganzen Tag.
Wann ist Hurrikansaison?
Vom 1. Juni bis zum 30. November, mit dem Höhepunkt um den 10. September.
Weiterführende Informationen
- Florida Keys & Key West (Monroe County Tourist Development Council): Florida Keys Over-Sea Railroad
- Flagler Museum: First Train to Paradise: The Railroad That Went to Sea
- NOAA Atlantic Oceanographic and Meteorological Laboratory: Labor Day 1935 Hurricane, Monthly Weather Review Article
- NOAA Atlantic Oceanographic and Meteorological Laboratory: 80th Anniversary of the Labor Day Hurricane and first hurricane reconnaissance
- Pigeon Key Foundation: Pigeon Key History
- Pigeon Key Foundation: Pigeon Key FAQs
- Pigeon Key Foundation: Guided Tours of the Old Seven Mile Bridge & Pigeon Key
- Florida Keys & Key West (Monroe County Tourist Development Council): Seven Mile Bridge
- Federal Highway Administration, America's Byways: Florida Keys Scenic Highway
- Florida Keys & Key West (Monroe County Tourist Development Council): How to Get Here
- NOAA, Florida Keys National Marine Sanctuary: Florida Keys National Marine Sanctuary
- NOAA, Florida Keys National Marine Sanctuary: The Sanctuary
- NOAA, Florida Keys National Marine Sanctuary: Key Largo Management Area
- Florida Keys & Key West (Monroe County Tourist Development Council): Florida Keys State Parks
- Florida Keys & Key West (Monroe County Tourist Development Council): Six State Parks of Upper Florida Keys
- The Turtle Hospital: The Turtle Hospital
- U.S. Fish & Wildlife Service: National Key Deer Refuge
- U.S. Fish & Wildlife Service: National Key Deer Refuge: Visit Us
- Florida Keys & Key West (Monroe County Tourist Development Council): Key West
- City of Key West: Southernmost Point Roadway Project
- The Hemingway Home & Museum: His Life
- National Park Service, Dry Tortugas National Park: Directions
- National Park Service, Dry Tortugas National Park: Garden Key
- NOAA National Hurricane Center: Tropical Cyclone Climatology
Angaben zu Öffnungszeiten, Eintritt, Angeboten und Zugänglichkeit können sich ändern. Maßgeblich sind die verlinkten Stellen.
Weiterführende Webseiten für unsere Community:
Dieser Beitrag beruht auf Recherche in den genannten Quellen.
Weiterlesen
Mehr zu Key West
Weitere passende Beiträge
-
Natur
Everglades: wie das Wasser die Landschaft ordnet
-
Saisonzeiten
Golf- oder Atlantikküste? Naples und St. Augustine im Vergleich
-
Traumstraßen
Vom Moor auf den Kamm am Highland Scenic Highway
-
Traumstraßen
Der Natchez Trace Parkway zwischen Natchez und Nashville
-
Traumstraßen
Zwei Tagesfahrten auf dem Creole Nature Trail in Louisiana
-
Traumstraßen
Talimena Scenic Drive: auf dem Kamm der Ouachita Mountains
-
Traumstraßen
Beartooth Highway: Die Passstraße zum Yellowstone und was gilt, wenn sie gesperrt ist
-
Traumstraßen
Sandhills Journey: zwei Tage Grasland auf Nebraskas Highway 2








