Cuyahoga Valley National Park: drei Stationen am Wasser
Der Cuyahoga Valley National Park liegt zwischen Cleveland und Akron im Tal des Cuyahoga River. An einem Wasserfall, einer alten Kanalschleuse und einem Feuchtgebiet lässt sich an einem Tag verfolgen, wie Wasser das Tal geformt hat und wie Menschen und Biber es genutzt haben.

Gut 18 Meter tief fällt der Brandywine Creek, und die Felswand zeigt, warum er gerade hier eine Kante bildet. Den oberen Abschluss bildet eine Bank aus hartem Berea-Sandstein. Unter ihr liegen weichere Schichten, Bedford- und Cleveland-Schiefer, und die harte Bank schützt sie.
Ein Tag, drei Stationen
Brandywine Falls, die Schleuse Lock 29 in Peninsula und der Beaver Marsh liegen in dieser Folge von Norden nach Süden im Park, jede Station mit eigenem Parkplatz. Mit dem Auto ab Cleveland passen alle drei in einen Tag ohne Übernachtung.
Der Wasserfall kommt zuerst. Sein Parkplatz ist bei schönem Wetter und im Sommer meist zwischen 10 und 16 Uhr voll, einen Ausweichparkplatz gibt es nicht, und an der Straße darf man nicht parken. Wer früh kommt, hat die besseren Chancen. Danach folgt man der Lage nach Süden zur Schleuse und zum Marsh. Als eigene Richtwerte rechnen wir am Wasserfall mit einer halben bis einer Dreiviertelstunde, an der Schleuse samt Dorf mit 45 bis 60 Minuten und am Marsh mit 60 bis 90 Minuten. Vor Ort sind das zwei Stunden und eine Viertelstunde bis drei Stunden und eine Viertelstunde. Die Fahrten im Park dauern zusammen rund 25 Minuten, An- und Rückfahrt von Cleveland rund 80 Minuten. Ohne Pausen und Parkplatzsuche kommt man so auf vier bis fünf Stunden. Einen Puffer sollte man dazurechnen.
Wer am Wasserfall den Gorge Loop durch die Schlucht geht, braucht dort ein bis zwei Stunden statt des kurzen Besuchs. Der Tag wächst dann auf viereinhalb bis gut sechs Stunden. Die Ritchie Ledges sind eine Ergänzung für einen langen Tag: Sie kosten ein bis zwei Stunden mehr und gut acht Minuten zusätzliche Fahrt. An kurzen Wintertagen passt nicht alles hinein, denn der Bereich am Wasserfall und die Parkplätze an den Ledges schließen mit der Abenddämmerung. Knapp kann es auch am Ira Trailhead werden, dem Zugang zum Marsh. An schönen Wochenenden ist sein Parkplatz meist bis Mittag gefüllt, und ungefähr um diese Zeit erreicht man ihn in diesem Plan.

Am Wasserfall
Vom Parkplatz am Brandywine Falls Trailhead führt ein Steg zu einem oberen Aussichtspunkt, den man auch im Rollstuhl erreicht. Zur unteren Plattform, die frontal auf den Fall blickt, steigt man über etwa 80 Stufen hinab. Auf dem Steg kommt man nah an den Sandstein heran. Wer genau hinsieht, erkennt einzelne Sandkörner, und wo die Schlucht feucht ist, wächst Moos darauf. Berea-Sandstein ist in der Gegend häufig und wurde auch in Gebäuden und Kanalschleusen verbaut.
Wer mehr sehen will, geht den Brandywine Gorge Loop, einen Rundweg von gut 2,2 Kilometern mit knapp 50 Metern Höhenunterschied. Er führt im Uhrzeigersinn in die Schlucht hinab, über eine Fußbrücke und auf der anderen Seite wieder hinauf. Am Ende überquert man oberhalb des Falls den Bach und kommt zum Steg zurück. Der Weg ist hügelig, unbefestigt und stellenweise steinig, für Rollstühle nicht geeignet. Feste Schuhe sind angebracht. Im Frühjahr füllen sich entlang des Weges zeitweise Tümpel, in denen Salamander laichen.
Kurz vor dem Rückweg über den Bach passiert der Loop das Inn at Brandywine Falls, ein Bed & Breakfast in einem alten Wohnhaus. Gebaut hat es James Wallace, der Sohn jenes George Wallace, der 1814 oben an der Kante des Falls eine Sägemühle errichtete. Getreide- und Wollmühlen kamen hinzu, und um die Mühlen wuchs das Dorf Brandywine, eine der frühesten Siedlungen im Tal. Den größten Teil des Dorfes nahm später der Bau der nahen Interstate 271.
Am Fall selbst gelten feste Grenzen. Klettern am Fall, an den Zäunen und an den Felsen ist verboten. Unfälle haben hier zu schweren Verletzungen und Todesfällen geführt. Als Mindestabstand zur oberen und zur unteren Kante nennt der Nationalparkdienst gut 15 Meter. Wir empfehlen, mindestens 16 Meter Abstand zu halten. Der Bereich ist täglich von der Morgen- bis zur Abenddämmerung zugänglich, bei Eis kann der Steg gesperrt sein.
Wie das Tal entstand
Durch das Tal fließt heute der Cuyahoga River, doch vor ihm hat schon ein anderer Fluss ein tiefes Tal in den Fels geschnitten. Das geschah vor der Eiszeit, nahe dem heutigen Tal. Zwischen zwei Millionen und 10.000 Jahren vor heute rückten dann viermal große Gletscher vor. Das Eis war hier zu dünn, um den Boden auszuschürfen. Es füllte die alten Flusstäler mit Sand, Schluff, Ton und Gestein. Nach dem Rückzug der Gletscher schnitten Flüsse wie der Cuyahoga ihre Täler neu ein, manchmal entlang der verschütteten, manchmal auf anderen Wegen.
Der Cuyahoga selbst nimmt einen Umweg. Von seiner Quelle im Geauga County fließt er zunächst nach Südwesten, vom Eriesee weg. Erst in Akron, an einer von Norden nach Süden verlaufenden Wasserscheide, macht er kehrt und wendet sich nach Norden. Daher stammt sein Beiname Crooked River, der krumme Fluss.
Dass zwischen Cleveland und Akron so viel offenes Land erhalten blieb, hat mit dem Untergrund zu tun. Als nach dem Zweiten Weltkrieg rund um beide Städte die Vororte wuchsen, kamen sie erst spät ins Tal. Die Böden waren instabil, und es fehlte an Grundwasser. Aus diesem Freiraum ist der Nationalpark entstanden. Lange vorher hatte das Tal den Menschen einen bequemen Weg geboten: Der Ohio & Erie Canal und später die Valley Railway nutzten den Korridor, den die Flüsse vorgegeben hatten.

Kanal und Schleuse in Peninsula
Der flache Weg aus verdichtetem Kalkschotter, der heute als Towpath Trail gut 32 Kilometer durch den Park führt, war früher der Treidelpfad des Kanals. Auf ihm liefen Maultiere und zogen die Kanalboote mit Waren und Fahrgästen. Der Ohio & Erie Canal wurde zwischen 1825 und 1832 gebaut und verband den Ohio River bei Portsmouth mit dem Eriesee bei Cleveland. Bis dahin war es in Ohio kaum möglich gewesen, eine Ernte zu den Märkten zu bringen. Heute ist der Pfad rund um die Uhr offen, teils befestigt und auch mit Rollstuhl, Fahrrad oder Kinderwagen nutzbar. Fußgänger teilen ihn mit Radfahrern.

Am Lock 29 Trailhead in Peninsula führt ein Weg hinter dem Infokiosk direkt in die Kammer der Schleuse, nach der dieser Ausgangspunkt benannt ist. Tafeln erklären dort die Schleuse und ein Aquädukt, auf dem der Kanal einst den Cuyahoga River überquerte. Der Parkplatz ist beliebt und oft voll.

Halt gemacht wurde in Peninsula schon zur Kanalzeit. Für Kanalreisende war das Dorf ein beliebter Ort zum Übernachten, und mit Bootswerften und Mühlen wurde es ein geschäftiger Industrieort. Wer an der Schleuse eine Pause einlegen will, erreicht es heute über einen Fußweg vom Parkplatz, dort gibt es Restaurants und Läden. Eine Schleuse in Betrieb zeigt der Park im Sommer und Herbst bei Vorführungen am Canal Exploration Center in Valley View. Die Termine stehen im Veranstaltungskalender des Parks.
Beaver Marsh: der gestaute Kanal
Vom Ira Trailhead geht man auf dem Towpath Trail 400 bis 500 Meter nach Norden. Dann wird derselbe Treidelpfad, auf dem einst die Maultiere liefen, zu einem Steg über dem Wasser. Der Beaver Marsh ist gut 28 Hektar groß und gehört zu den gesündesten der mehr als 1.500 Feuchtgebiete im Park. In Ohio hat das Gewicht, denn der Bundesstaat hat mehr als 90 Prozent seiner ursprünglichen Feuchtgebiete verloren. Der Weg ist auch für Rollstuhl und Kinderwagen geeignet und oft belebt. Man hält sich rechts und achtet auf Radfahrer.

Naheliegend wäre die Erklärung, dass sich die Natur das Gelände zurückgeholt hat. Die Geschichte des Marsh besteht aber aus zwei Vorgängen. Auf dem Gelände war zuerst ein Milchviehbetrieb, dann standen dort eine Autoverwertung und Privathäuser. Anfang der 1980er-Jahre, einige Jahre nach der Gründung des Parks, räumten der Park und Freiwillige des Sierra Club auf. Etwa zur selben Zeit kehrten nach 150 Jahren die Biber ins Tal zurück. Sie bauten ein System von Dämmen, das Wasser im Marsh hält, darunter einen Damm quer über den Ohio & Erie Canal. Vom Steg aus sieht man Wälle aus Schlamm und Ästen, die das tiefste Wasser umschließen.
Das Wasser selbst kommt aus drei Richtungen: Grundwasser sickert von unten herauf, Regen und Schnee fallen von oben, Bäche und der Fluss fließen hinein. Eine Aussichtsplattform am Steg blickt nach Westen über den Marsh, Tafeln dort zeigen seine vier Pflanzengemeinschaften.

Wer Biber sehen möchte, kann ihr Erscheinen nicht planen, aber die Tageszeit wählen. Für die Wildtiere am Marsh allgemein sind der frühe Morgen und der späte Abend die regsten Zeiten. Für Biber kommen zwei Besonderheiten hinzu. Im zeitigen Frühjahr lohnt auch der späte Nachmittag, denn nach dem Winter im Bau passt ihre innere Uhr noch nicht zur Dämmerung. Und im Winter, wenn der Marsh ab Mitte Dezember meist zugefroren ist, halten sie keinen Winterschlaf. Sie bleiben aktiv, aber meist im Bau, und kommen vor allem zum Fressen heraus.

Ritchie Ledges als Ergänzung
Ein ganz anderes Gestein liegt wenige Autominuten von Peninsula entfernt. Die Ritchie Ledges bestehen aus Sharon-Konglomerat, einem Gestein aus Sand und Quarzkieseln, die alte Flüsse herangetragen haben. Die Felsen bilden ein Plateau auf den Höhen über dem Tal, um das der Ledges Trail als Rundweg führt. An kühlen, feuchten Stellen der Ledges haben sich Pflanzen gehalten, die hier gegen Ende der Eiszeit wuchsen.

Vom Parkplatz am Ledges Trailhead erreicht man den Ledges Overlook über den Rundweg oder auf kurzem Weg quer über eine große Spielwiese. Diese Wiese legte während der Weltwirtschaftskrise das Civilian Conservation Corps an, zusammen mit Parkplätzen, Wegen und Schutzhütten. Das Gelände hatte der Industrielle Hayward Kendall 1928 der Öffentlichkeit vermacht. Der Rundweg ist felsig, unbefestigt und nicht für Rollstühle geeignet. Für die kürzeren Varianten sind ein bis zwei Stunden zu rechnen. Klettern an den Felsen ist verboten. Die Ice Box Cave ist geschlossen, um die Ausbreitung des Weißnasen-Syndroms zu bremsen, einer Pilzkrankheit, an der im Nordosten und Osten der USA Millionen Fledermäuse gestorben sind. Die Parkplätze schließen mit der Dämmerung.
Der Overlook selbst ist eine Fläche aus nacktem Fels, die nach Westen über das Tal blickt. Von hier überblickt man ein großes Stück des bewaldeten Freiraums zwischen Akron und Cleveland, des Landes, in das die Vororte so spät kamen.
Fragen und Antworten
Wie viel Zeit braucht man für Brandywine Falls, Lock 29 und den Beaver Marsh?
Als eigene Richtwerte rechnen wir vor Ort mit zwei Stunden und einer Viertelstunde bis drei Stunden und einer Viertelstunde. Dazu kommen rund 25 Minuten Fahrt im Park und rund 80 Minuten An- und Rückfahrt ab Cleveland, zusammen vier bis fünf Stunden ohne Pausen und Parkplatzsuche. Mit dem Gorge Loop am Wasserfall sind es viereinhalb bis gut sechs Stunden.
Kostet der Cuyahoga Valley National Park Eintritt?
Für den Park selbst braucht man keinen Eintrittspass.
Kann man Brandywine Falls mit dem Rollstuhl besuchen?
Den oberen Aussichtspunkt am Ende des Stegs erreicht man im Rollstuhl. Zur unteren Plattform führen etwa 80 Stufen, und der Gorge Loop ist für Rollstühle nicht geeignet.
Wo parkt man am Wasserfall, und wann ist der Parkplatz voll?
Am Brandywine Falls Trailhead, 8176 Brandywine Road in Sagamore Hills. Bei schönem Wetter und im Sommer ist er meist zwischen 10 und 16 Uhr voll. Einen Ausweichparkplatz gibt es nicht, an der Straße darf man nicht parken. Früh oder spät am Tag kommen hilft.
Wann sieht man im Beaver Marsh Biber?
Eine Sichtung lässt sich nicht planen. Die Wildtiere am Marsh sind allgemein am frühen Morgen und am späten Abend am regsten. Biber zeigen sich im zeitigen Frühjahr oft schon am späten Nachmittag. Im Winter halten sie keinen Winterschlaf und bleiben aktiv, im zugefrorenen Marsh aber meist im Bau.
Darf man an den Ritchie Ledges klettern oder in die Ice Box Cave?
Nein. Klettern an den Felsen ist verboten, und die Ice Box Cave ist geschlossen, um die Ausbreitung des Weißnasen-Syndroms unter Fledermäusen zu bremsen.
Weiterführende Informationen
- National Park Service: Brandywine Falls
- National Park Service: Brandywine Falls Trailhead Information
- National Park Service: Hike the Brandywine Gorge Loop
- National Park Service: Learn about Geology: Rocks, Ice, and River
- National Park Service: Ohio and Erie Canal Towpath Trail
- National Park Service: The Ohio & Erie Canal
- National Park Service: Lock 29 Trailhead Information
- National Park Service: Canal Exploration Center Trailhead
- National Park Service: Ira Trailhead Information
- National Park Service: Beaver Marsh Viewing Platform
- National Park Service: The Beaver Marsh
- National Park Service: Ledges Trailhead Information
- National Park Service: Hike the Ledges Trail
- National Park Service: Ledges Overlook
- National Park Service: Current Conditions
- National Park Service: Fees & Passes
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Dieser Beitrag beruht auf Recherche in den genannten Quellen.
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