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Städte & Kultur

Gateway Arch in St. Louis: Wie die Form des Bogens den Weg nach oben bestimmt

Der Gateway Arch in St. Louis hat kein inneres Gerüst, und seine beiden Schenkel wuchsen ohne Baugerüst aufeinander zu. Weil sie dreieckig und geneigt sind, fährt man in kippenden Kapseln zur Spitze. Unter dem 192 Meter hohen Bogen liegt ein kostenloses Museum, gegenüber dem Eingang das Old Courthouse der Dred-Scott-Klage.

Vom USA Reisen Magazin · Community-Content: Sylvia Spleth

Lesezeit etwa 9 Minuten

Ein Schenkel des silbernen Gateway Arch ragt schräg in einen Himmel mit rosa Wolken; dahinter Hochhäuser und eine Brücke.
Ein Schenkel des Gateway Arch unter rosa Wolken. Die Höhe des Bogens von 192 Metern entspricht dem Abstand der Schenkel am Boden.

Um 1960 bekam der Aufzugsspezialist Dick Bowser aus dem Büro des Architekten Eero Saarinen eine ungewöhnliche Frage: ob Aufzüge senkrecht fahren müssten. Er verneinte. So erinnerte er sich 1993 in einem Interview mit dem Parkhistoriker Bob Moore. Bowsers Antwort fährt bis heute im Gateway Arch in St. Louis: kleine Kapseln, die sich unterwegs drehen. Warum es sie brauchte, liegt an der Form des Bogens.

Ein Wettbewerb für das Ufer des Mississippi

Der Gateway Arch und die beleuchtete Skyline von St. Louis in der Abenddämmerung, gesehen über den Mississippi, auf dem sich die Lichter spiegeln.
Der Bogen steht am Westufer des Mississippi, auf dem Gelände, das seit 1935 zum National Park Service gehört.

Der Bogen steht auf einem Gelände am Fluss, das Präsident Franklin D. Roosevelt 1935 als Gedenkstätte ausweisen ließ und das heute Gateway Arch National Park heißt. Laut National Park Service (NPS) erinnert die Anlage an Thomas Jeffersons Vorstellung einer Nation, die den Kontinent umspannt, an die Rolle von St. Louis bei der Expansion nach Westen und an die Freiheitsklage der Scotts.

Im landesweiten Architekturwettbewerb 1947/48 setzte sich unter 172 Teilnehmern der Entwurf des in Finnland geborenen Saarinen durch. Weder ein Obelisk noch ein Quader noch eine Kuppel hätten an diesen Ort oder zu diesem Zweck gepasst, ist als seine Begründung überliefert. Die Machbarkeit seines Bogens ließ er von dem Bauingenieur Fred Severud prüfen. Den Bau erlebte Saarinen nicht mehr: Er starb am 1. September 1961 nach einer Gehirnoperation, anderthalb Jahre bevor die Arbeiten am Bogen begannen.

Zwei Stahlhäute statt eines Skeletts

Blick von unten durch den Gateway Arch: Die Edelstahlplatten der beiden Schenkel rahmen die Skyline von St. Louis.
Die Außenhaut des Gateway Arch besteht aus Edelstahlplatten.

Gebaut wurde der Bogen als umgekehrte Kettenlinie, als die Kurve, die eine frei hängende schwere Kette bildet, auf den Kopf gestellt. Er ist 192 Meter hoch und am Boden genauso breit. Ein Tragwerk im Inneren gibt es nicht: Nach Angaben des NPS trägt die Stahlhaut ihr eigenes Gewicht, außen Edelstahl, innen Kohlenstoffstahl, dazwischen bis in gut 91 Meter Höhe vorgespannter Stahlbeton und darüber nur noch Versteifungen aus Stahl. Jeder Schenkel hat den Querschnitt eines gleichseitigen Dreiecks, das sich von rund 16,5 Metern Seitenlänge am Boden auf rund 5,2 Meter an der Spitze verjüngt.

Genau darin lag Bowsers Aufgabe. In den schräg stehenden, immer schmaler werdenden Schenkeln kam ein gewöhnlicher Aufzug laut NPS oberhalb von gut 91 Metern nicht in Frage. Für sein Konzept hatte Bowser zwei Wochen, vorstellen sollte er es in einer etwa 45-minütigen Präsentation. Am Zeichenbrett im Keller zeigte sich, dass eine rechteckige Kabine oben nicht durch die dreieckigen, schräg stehenden Schenkel passte und Rolltreppen dort im falschen Winkel stünden. Bowser, der keinen Hochschulabschluss hatte, erinnerte sich an einen Speiseaufzug, den sein Vater für eine Kirche in Michigan gebaut hatte und der unterwegs seitlich in einen zweiten Schacht wechselte. Seine Lösung verbindet laut NPS das Prinzip des Aufzugs mit dem des Riesenrads: ein Zug aus kleinen, trommelförmigen Kapseln. Wie klein eine solche Trommel sein durfte, leitete er nach eigener Erinnerung aus der Zeichnung in einer Anzeige für den Kleinwagen Ford Falcon ab.

Zwei Schenkel ohne Gerüst, 1963 bis 1965

Am 12. Februar 1963 begann der Bau des Bogens. Die beiden Schenkel wuchsen gleichzeitig und ohne Gerüst in die Höhe, aus insgesamt 142 Segmenten. Bis in rund 22 Meter Höhe setzten Raupenkräne die Segmente, darüber übernahmen zwei Kletterkräne, die auf den gekrümmten Schenkeln selbst nach oben krochen.

Wer auf dieser Baustelle arbeiten durfte, war umstritten. Nach Darstellung des NPS wurden zu Baubeginn Afroamerikaner nur für ungelernte Arbeiten eingestellt. Percy Green und Richard Daly protestierten dagegen. Am 14. Juli 1964, zwölf Tage nach der Verabschiedung des Civil Rights Act, der Diskriminierung bei der Einstellung verbot, stiegen sie an der Arbeitsleiter des Nordschenkels rund 38 Meter hoch und blieben mehr als vier Stunden oben. Sie forderten, für diesen und andere Bauvorhaben des Bundes mehr Afroamerikaner einzustellen. Danach begann der NPS laut eigener Darstellung, seine Einstellungspraxis zu ändern. 1966 erhielt eine Installationsfirma in afroamerikanischem Besitz einen Auftrag am Bogen.

In rund 162 Metern Höhe setzten die Kletterkräne eine etwa 78 Meter lange Strebe zwischen die beiden Schenkel, die sie von da an gegeneinander abstützte. Für das letzte Segment drückte ein Spannrahmen die Schenkel auseinander, damit es eingesetzt werden konnte. Am 28. Oktober 1965 war der Bogen geschlossen. In das Schlussstück ist eine Zeitkapsel mit Unterschriftenbögen eingeschweißt; sie lässt sich nicht entfernen, solange der Bogen steht.

In fünfsitzigen Kapseln zur Spitze

Blick aus großer Höhe auf die Innenstadt von St. Louis mit Hochhäusern, einem Baseballstadion und einem langen Grünstreifen; unten zeichnet sich der Schatten des Bogens ab.
Die Innenstadt von St. Louis von oben. Aus der Aussichtskammer blicken je 16 Fenster nach Westen auf die Stadt und nach Osten über den Mississippi.

Heute fährt in jedem Schenkel eine Tram aus acht Kapseln mit je fünf Sitzen; Bowsers erstes Konzept sah noch zehn Kapseln mit vier Plätzen vor. Die Kapseln messen etwa 1,5 Meter im Durchmesser und haben durchsichtige Türen. Während der Fahrt dreht sich jede um etwa 155 Grad, damit die Fahrgäste aufrecht sitzen. Ein leichtes Kippen bleibt. Die heutige Steuerung könnte es ausgleichen, doch die herkömmliche Fahrt wurde als „character-defining feature“ eingestuft, als prägendes Merkmal des Bauwerks. Die Nordtram nahm am 24. Juli 1967 den öffentlichen Betrieb auf, die Südtram wurde 1968 fertig.

Nach oben dauert die Fahrt etwa vier Minuten, mit Vorprogramm, Aufenthalt und Rückfahrt rechnen NPS und Betreiber mit 45 bis 60 Minuten; für die Zeit oben nennen ihre Seiten sieben bis zehn Minuten. In der Aussichtskammer blicken je 16 Fenster nach Osten über den Mississippi und nach Westen auf die Stadt. Jedes ist nur etwa 18 mal 69 Zentimeter groß, laut NPS wegen des Drucks, mit dem die Schenkel für das letzte Segment auseinandergedrückt wurden. Bei klarem Wetter reicht die Sicht bis etwa 48 Kilometer weit. Toiletten, Sitze oder einen Imbiss gibt es oben nicht.

Barrierefrei ist die Fahrt nicht: Auf dem Weg hin und zurück liegen mindestens 96 Stufen in sechs Abschnitten, und Rollstühle sind oben nicht erlaubt. Auch das geht zum Teil auf die Technik zurück. Nach Bowsers Erinnerung mussten die Gleise im unteren Ladebereich geneigt sein, deshalb liegen dort Stufen zwischen den Türen der einzelnen Kapseln. Wer sich in engen Räumen unwohl fühlt, kann sich vor dem Kauf in eine Kapsel-Nachbildung nahe dem Ticketschalter setzen. Im Museum zeigt eine Nachbildung des Schlusssegments Livebilder von der Spitze.

Das Museum unter dem Bogen

Aquarell einer Ausstellungshalle mit Vitrinen und großen Wandbildern, dazu einige Besucher.
Frei gestaltete Illustration einer Museumsgalerie, angelehnt an das Museum unter dem Gateway Arch (Aquarell).

Woran der Bogen erinnert, erzählt das Museum unter ihm, kostenlos und ohne Ticket. Es öffnete am 3. Juli 2018 und führt in sechs Galerien von der Stadtgründung 1764 bis zur Fertigstellung des Bogens 1965. Zwei davon behandeln nach der Pressemitteilung zur Eröffnung, was die Westwanderung für Indianer, Mexikaner und Pioniere bedeutete und wie die Industrialisierung die Besiedlung beschleunigte, während Indianer ihr Land ganz oder teilweise verloren.

Auch die Deutung des Bogens selbst lässt der NPS offen: Für manche stehe er für Mut und Entdeckergeist, für andere für „a legacy of conquest and displacement“, ein Erbe von Eroberung und Vertreibung. Für den Rundgang veranschlagt der NPS im Schnitt eine Stunde. Im Tucker Theater läuft gegen Gebühr der Dokumentarfilm „Monument to the Dream“ über den Bau.

Das Old Courthouse und die Klage der Scotts

Das Old Courthouse mit grüner Kuppel und hellen Säulenflügeln zwischen Hochhäusern, dahinter der Gateway Arch und der Fluss.
Im Old Courthouse, zwei Blocks westlich des Bogens, wurde 1847 und 1850 über die Freiheitsklage von Dred und Harriet Scott verhandelt.

Gegenüber dem Westeingang des Bogens, zwei Blocks westlich, steht das Old Courthouse. Hier reichten Dred und Harriet Scott, die versklavt waren, 1846 Klage ein, um ihre Freiheit zu erlangen, und die ersten beiden Verhandlungen ihres Falls fanden in diesem Gebäude statt. Elf Jahre später entschied der Supreme Court gegen sie: Afroamerikaner hätten keinen Anspruch auf Bürgerrecht. Laut NPS beschleunigte das Urteil die Entwicklung zum Bürgerkrieg.

Die Scotts waren nicht die Einzigen. Rund 300 weitere Versklavte suchten in diesem Haus vor Gericht ihre Freiheit. Und von den Stufen des Ostflügels wurden bei Nachlassverfahren mitunter versklavte Menschen verkauft, nach NPS-Angaben aber nicht als regelmäßiges Geschäft.

Den Saal, in dem die Scotts verhandelten, gibt es nicht mehr: 1855 teilte ein neuer Korridor ihn in zwei kleinere Säle. Zu sehen sind heute zwei restaurierte Gerichtssäle im ersten Obergeschoss und, seit der Wiedereröffnung im Mai 2025, vier neue Galerien, eine davon über Dred und Harriet Scott; eine weitere ist in einem nachgebildeten Gerichtssaal der 1850er-Jahre untergebracht. Das Gebäude ist täglich von 9 bis 17 Uhr geöffnet, der Eintritt ist frei. Rangerführungen beginnen täglich um 14:15 Uhr.

Tickets, Kontrolle und Anreise

Nach den Angaben des Ticketanbieters Bi-State Development vom 28. September 2026 kostet die Tram je nach Besuchstag 15 bis 19 US-Dollar für Erwachsene ab 16 Jahren und 11 bis 15 US-Dollar für Kinder von 3 bis 15 Jahren, mit Nationalparkpass 12 bis 16 US-Dollar. Im Sommer sind die Fahrten oft früh ausverkauft, eine Buchung im Voraus wird empfohlen. Das Visitor Center mit Museum öffnet laut NPS täglich von 9 bis 18 Uhr, im Sommer zwischen Memorial Day und Labor Day freitags und samstags bis 20 Uhr. Die letzte Tram fährt eine Stunde vor Schluss.

Hinein geht es nur über den Westeingang gegenüber der Fourth Street und dem Old Courthouse; die Schenkel sind reine Ausgänge. Alle Besucher passieren eine Sicherheitskontrolle wie am Flughafen. Ohne Auto fährt man mit der Stadtbahn MetroLink bis Laclede's Landing und geht laut Betreiber von dort acht Minuten durch den Park nach Süden; der NPS nennt außerdem die Station 8th & Pine.

Fragen und Antworten

Warum hat der Gateway Arch kein inneres Gerüst?

Laut NPS trägt die Stahlhaut ihr eigenes Gewicht. Sie besteht außen aus Edelstahl, innen aus Kohlenstoffstahl. Bis in gut 91 Meter Höhe ist der Raum zwischen beiden Häuten mit vorgespanntem Stahlbeton gefüllt, darüber versteifen nur Stahlteile die Wände.

Wie lange dauert die Fahrt zur Spitze?

Hinauf etwa vier Minuten. Für das gesamte Erlebnis mit Vorprogramm, Aufenthalt und Rückfahrt rechnen NPS und Betreiber mit 45 bis 60 Minuten. Die Zeit oben ist begrenzt – die Angaben liegen zwischen sieben und zehn Minuten.

Was kostet die Tram, und was ist kostenlos?

Laut Betreiber, Stand 28. September 2026, kostet die Fahrt je nach Tag 15 bis 19 US-Dollar für Erwachsene ab 16 Jahren und 11 bis 15 US-Dollar für Kinder von 3 bis 15 Jahren. Das Museum unter dem Bogen und das Old Courthouse sind kostenlos und ohne Ticket zugänglich.

Kann man im Old Courthouse den Saal der Dred-Scott-Prozesse sehen?

Nein. Dieser Gerichtssaal wurde 1855 durch einen neuen Korridor in zwei kleinere Säle geteilt und existiert laut NPS nicht mehr. Zu sehen sind zwei restaurierte Gerichtssäle sowie seit Mai 2025 vier neue Galerien, eine davon über Dred und Harriet Scott.

Ist die Fahrt zur Spitze barrierefrei?

Nein. Laut NPS sind auf dem Weg mindestens 96 Stufen zu bewältigen, Rollstühle sind oben nicht erlaubt. Im Museum zeigt eine Nachbildung des Schlusssegments Livebilder von der Aussichtskammer.

Weiterführende Informationen

  1. National Park Service, Gateway Arch National Park: Gateway Arch National Park
  2. National Park Service, Gateway Arch National Park: Basic Information
  3. National Park Service, Gateway Arch National Park: Frequently Asked Questions
  4. National Park Service, Gateway Arch National Park: Gateway Arch National Park Purpose and Significance
  5. National Park Service, Gateway Arch National Park: History & Culture
  6. National Park Service, Gateway Arch National Park: Gateway Arch
  7. National Park Service: National Expansion Memorial Cultural Landscape
  8. National Park Service, Gateway Arch National Park: Architect Eero Saarinen
  9. National Park Service, Gateway Arch National Park: Materials and Techniques
  10. National Park Service, Gateway Arch National Park: Gateway Arch Architecture
  11. National Park Service, Gateway Arch National Park: Gateway Arch Still A Modern Engineering Marvel
  12. National Park Service, Gateway Arch National Park: Gateway Arch Fact Sheet
  13. National Park Service, Gateway Arch National Park: Tram System
  14. National Park Service, Gateway Arch National Park: Oral History Interview with Dick Bowser (Interview: Bob Moore, 08.10.1993)
  15. Bi-State Development (gatewayarch.com): Buy Tickets
  16. National Park Service, Gateway Arch National Park: Accessibility
  17. National Park Service, Gateway Arch National Park: Grand Opening Events for New Gateway Arch National Park Experience (Pressemitteilung 13.06.2018)
  18. National Park Service, Gateway Arch National Park: Museum at the Gateway Arch
  19. Bi-State Development (gatewayarch.com): Tram Ride to the Top
  20. National Park Service, Gateway Arch National Park: Films
  21. National Park Service, Gateway Arch National Park: Old Courthouse FAQ
  22. National Park Service, Gateway Arch National Park: Old Courthouse
  23. National Park Service, Gateway Arch National Park: The Dred Scott Case
  24. National Park Service, Gateway Arch National Park: New Exhibits in the Old Courthouse
  25. National Park Service, Gateway Arch National Park: Old Courthouse Renovation
  26. National Park Service, Gateway Arch National Park: Operating Hours & Seasons
  27. National Park Service, Gateway Arch National Park: Fees & Passes
  28. National Park Service, Gateway Arch National Park: Directions
  29. Bi-State Development (gatewayarch.com): Directions
  30. Metro Transit St. Louis: MetroLink
  31. National Park Service, Gateway Arch National Park: A Brief History of African Americans in St. Louis

Angaben zu Öffnungszeiten, Eintritt, Angeboten und Zugänglichkeit können sich ändern. Maßgeblich sind die verlinkten Stellen.

Dieser Beitrag beruht auf Recherche in den genannten Quellen.

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