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Städte & Kultur

Henry Ford Museum: Was in Dearborn als neu galt

Das Henry Ford Museum of American Innovation in Dearborn sammelt Autos, Präsidentenwagen, einen Bus der Bürgerrechtsgeschichte und ein Haus aus Aluminium. Für einen Tag reicht das nur, wenn man auswählt. Wenige Stücke zeigen, was Neuerung im Alltag bedeutete.

Vom USA Reisen Magazin · Community-Content: Sylvia Spleth

Lesezeit etwa 8 Minuten

Weißer Uhrturm mit Kuppel und hoher Spitze über grünen Baumkronen am Henry Ford Museum in Dearborn.
Uhrturm des Henry Ford Museum in Dearborn, Michigan (Aquarell). · Aquarell nach „Ford Museum Independence Hall facade tower“ von Dacoslett, Wikimedia Commons; bearbeitet für USA Reisen Magazin und unter derselben Lizenz weitergegeben (CC BY-SA 3.0)

„Innovation“ steht im Namen des Museums, und das Wort ist so oft benutzt worden, dass es kaum noch etwas sagt. Am ersten Auto, das Henry Ford baute, bekommt es wieder Umrisse. Das Quadricycle von 1896 war Fords eigener erster Versuch, ein Auto mit Benzinmotor zu bauen, und der Fahrer saß auf dem Sitz einer Kutsche. Fertig war die Sache damit nicht: Ford verkaufte das Fahrzeug für 200 Dollar und bezahlte mit dem Geld sein zweites Auto. An einzelnen Stücken lässt sich in diesem Museum verfolgen, wie Neues in solchen Schritten entstand.

Was man an einem Tag weglässt

Das Henry Ford Museum of American Innovation in Dearborn, Michigan, ist eines von mehreren Angeboten unter dem Namen The Henry Ford. Greenfield Village, die Führung durch das Ford-Werk am River Rouge und das Großbildkino brauchen eigene Tickets. Wer nur einen Tag hat, streicht sie am besten von vornherein und plant sie, wenn überhaupt, als eigene Besuche.

Auch im Museum selbst hilft das Weglassen. Unter einem Dach stehen Ausstellungen zu Autos, Präsidentenwagen, Luftfahrt, Eisenbahn, Landwirtschaft, Möbeln und Industrie, dazu wechselnde Sonderschauen. Statt alles abzuhaken, lohnt es sich, einer Frage zu folgen: Was hieß „neu“ für die Menschen, die mit diesen Dingen lebten? Einzelne Stücke geben darauf ganz unterschiedliche Antworten.

Wann das Auto alltäglich wurde

Die Ausstellung Driving America reicht vom ältesten erhaltenen amerikanischen Auto bis zum Toyota Prius mit Hybridantrieb aus dem Jahr 2002. Auch das Quadricycle gehört dazu. Wie langsam sich das Auto durchsetzte, zeigt ein Oldsmobile Curved Dash von 1903. Es war von 1902 bis 1905 das meistverkaufte Auto der Vereinigten Staaten. Trotzdem kauften im Jahr 1903 rund 4.000 Menschen ein Oldsmobile, aber mehr als 900.000 eine Kutsche oder einen Wagen mit Pferd.

Offenes Quadricycle mit vier schmalen Speichenrädern, schwarzer Sitzbank und Hebellenkung im Henry Ford Museum in Dearborn.
Ford Quadricycle im Henry Ford Museum, Dearborn (Aquarell).

Neu konnte auch heißen, dass eine Technik lange allein blieb. Der Cord 812 von 1937 fiel mit seinen geschwungenen Kotflügeln und versenkten Scheinwerfern auf. Er war nicht das erste Auto mit Frontantrieb, aber drei Jahrzehnte lang das einzige in Serie gebaute, das man in den USA kaufen konnte.

Wie sehr das Auto auch die Freizeit veränderte, zeigt ein großes Schild aus der Zeit um 1955. Es stand an der Einfahrt eines Autokinos, das Platz für 800 Wagen hatte und von 1955 bis 1985 in Betrieb war. Das erste Kino dieser Art hatte 1933 in Camden, New Jersey, eröffnet, doch erst in den 1950er-Jahren entdeckten Familien und Jugendliche den Film im eigenen Auto für sich. Zu den jüngsten Stücken gehört ein Testfahrzeug von General Motors aus dem Jahr 2016. Es stammt aus einer Serie selbstfahrender Versuchswagen auf der Grundlage des elektrischen Chevrolet Bolt. Mit Kameras, Radar, Lidar und Rechnern fuhren diese Wagen in jenem Jahr selbstständig durch San Francisco und Scottsdale in Arizona.

Gesehen werden oder geschützt sein

Eine eigene Ausstellung zeigt die Wagen der Präsidenten. Sie mussten zwei Dinge leisten, die sich schlecht vertragen: Der Präsident sollte gesehen werden, und er sollte sicher sein. Wie sich das Gewicht zwischen beiden verschob, lässt sich hier an einzelnen Fahrzeugen ablesen. Die Kutsche von Theodore Roosevelt aus dem Jahr 1902 diente später noch für Einkäufe des Weißen Hauses, bis 1928 ein Ford Model A diese Aufgabe übernahm. Franklin D. Roosevelts Lincoln von 1939, der „Sunshine Special“, war das erste Auto, das eigens für einen Präsidenten gebaut wurde. Nach dem japanischen Angriff auf Pearl Harbor 1941 bekam er eine Panzerung. Dwight D. Eisenhower ließ auf einen Lincoln von 1950 eine durchsichtige Kunststoffhaube setzen, die „bubble top“.

Lange schwarze Lincoln-Limousine mit festem geschlossenem Dach, Chromgrill und zwei kleinen Flaggen im Henry Ford Museum in Dearborn.
Kennedy-Limousine nach dem Umbau im Henry Ford Museum, Dearborn (Aquarell). · Aquarell nach „1961 Lincoln model 74A“ von Alvintrusty, Wikimedia Commons; bearbeitet für USA Reisen Magazin und unter derselben Lizenz weitergegeben (CC BY-SA 3.0)

Am deutlichsten wird der Wandel an dem Lincoln Continental von 1961, in dem John F. Kennedy am 22. November 1963 erschossen wurde. Damals war er ein mitternachtsblaues, ungepanzertes Cabrio. Danach wurde er mit einem festen Dach, einer Panzerung aus Titan und schwarzer Farbe umgebaut. Lyndon B. Johnson und Richard Nixon fuhren regelmäßig in ihm, bis 1977 blieb er im Dienst. Im Museum steht der Wagen in diesem späteren Zustand. Zu sehen ist auch der Lincoln, in den Ronald Reagan gerade einstieg, als am 30. März 1981 auf ihn geschossen wurde. Mit diesem Wagen kam er ins Krankenhaus.

Ein Bus und ein Schaukelstuhl

Die Ausstellung With Liberty and Justice for All folgt vier Abschnitten der amerikanischen Freiheitsgeschichte: der Revolution, dem Kampf gegen die Sklaverei und dem Bürgerkrieg, dem Frauenwahlrecht und der Bürgerrechtsbewegung. Zwei ihrer bekanntesten Stücke waren zunächst Gegenstände des Alltags, ein Linienbus und ein Schaukelstuhl. In dem Bus weigerte sich die Näherin Rosa Parks am 1. Dezember 1955 in Montgomery, Alabama, ihren Sitzplatz einem weißen Mann zu überlassen, und stellte damit die Gesetze zur Rassentrennung in Frage. Ihr Widerstand löste den Busboykott von Montgomery aus. Viele sehen darin, so formuliert es das Museum, den Auslöser der Bürgerrechtsbewegung.

Als The Henry Ford den Bus 2001 erwarb, stand er verrostet in Montgomery und diente als Lagerschuppen. Notizen im Sammelalbum eines Managers der städtischen Buslinien halfen dem Museum zu bestätigen, dass es tatsächlich Wagen Nummer 2857 war. Nach der Restaurierung steht er nun in der Ausstellung, und Besucher können sich hineinsetzen.

Gelb-grüner Bus 2857 mit cremefarbenem Dach und offener vorderer Tür im Henry Ford Museum in Dearborn.
Rosa-Parks-Bus 2857 im Henry Ford Museum, Dearborn (Aquarell). · Aquarell nach „Rosa parks bus“ von Rmhermen, Wikimedia Commons; bearbeitet für USA Reisen Magazin und unter derselben Lizenz weitergegeben (CC BY-SA 3.0)

Der Schaukelstuhl stand im Ford’s Theatre in Washington. Abraham Lincoln saß am 14. April 1865 während einer Aufführung darin, als er erschossen wurde. Henry Ford kaufte den Stuhl 1929 für sein Museum.

Monochrome historische Ansicht von Lincolns gepolstertem Schaukelstuhl aus Ford’s Theatre mit geschnitzten Armlehnen und gebogenen Kufen.
Lincolns Schaukelstuhl aus Ford’s Theatre, historische Ansicht (Aquarell).

Ein Haus aus Aluminium

Das Dymaxion House des Architekten Buckminster Fuller ist ein runder Bau aus Aluminium. Fuller verstand es als Haus der Zukunft und dachte es von der Fabrik her. Zusammen mit dem Flugzeughersteller Beech Aircraft in Wichita, Kansas, ließ er Prototypen bauen, aus Aluminium-Kupfer-Legierungen, wie sie im Zweiten Weltkrieg für Flugzeuge verwendet wurden. Die Teile sollten zu den Käufern geschickt und von Arbeitern in nur zwei Tagen montiert werden. Nach Angaben des Museums wog das ganze Haus höchstens rund 2,7 Tonnen. Es hängt an einem Mast in seiner Mitte.

Rundes Dymaxion House mit silberner Aluminiumhülle, umlaufenden Fenstern und erhöhtem Dachlüfter im Henry Ford Museum in Dearborn.
Dymaxion House im Henry Ford Museum, Dearborn (Aquarell). · Aquarell nach „Dymaxion House exterior“ von Alasdair McLellan, Wikimedia Commons; bearbeitet für USA Reisen Magazin und unter derselben Lizenz weitergegeben (CC BY-SA 3.0)

Auch innen ist der Entwurf konkret. Die Wohnfläche von gut 94 Quadratmetern ist fest eingeteilt, Schränke und Regale sind in die Raumteiler eingebaut, und das Badezimmer aus gepresstem Metall ähnelt der Toilette eines Flugzeugs. Gebaut und bewohnt wurde nur ein einziges Haus. Fuller löste einige technische Probleme nie und gab das Vorhaben auf. 1990 erhielt das Museum den einzigen erhaltenen Prototyp, der verlassen in Kansas stand. Die ausgestellte Fassung setzt sich aus Teilen von Fullers zwei fertigen Prototypen, einigen Versuchsteilen und neu angefertigten Stücken zusammen. Dass der Boden frei über dem Untergrund schwebt, hat das Museum bei einer Reparatur bewusst erhalten: Man soll sehen, dass das Haus tatsächlich hängt.

Hinein kommt man nur mit einer Führung. Für Rollstühle und Kinderwagen ist das Haus nicht ausgelegt. Vom Deck am oberen Ende der Rampe lässt es sich aber ansehen, und auf Anfrage gibt es eine Vorstellung von außen.

Eine Pause im Diner

Im Museum steht ein Ausstellungsstück, in dem man essen kann: Lamy’s Diner. Solche Lokale wurden in Fabriken gebaut und fertig geliefert. Sie hießen „dining cars“, kurz Diner, damit man an die eleganten Speisewagen der Eisenbahn dachte. Clovis Lamy bestellte seinen nach der Entlassung aus der Armee bei der Worcester Lunch Car Company in Massachusetts, mit 16 festen Hockern an der Theke, sechs Nischen aus Hartholz und einem Buffet aus Edelstahl hinter der Theke, zusammen 40 Plätze. Farben, Türen und die Schrift außen durfte er selbst bestimmen.

Pink-blaues Neonschild mit den Worten Lamy’s Diner über einem Ausschnitt des Diners im Henry Ford Museum in Dearborn.
Neonschild von Lamy’s Diner im Henry Ford Museum, Dearborn (Aquarell). · Aquarell nach „Lamy’s Diner neon sign“ von PunkToad, Wikimedia Commons; bearbeitet für USA Reisen Magazin (CC BY 2.0)

Im April 1946 eröffnete Lamy den Diner in Marlborough, mittags kamen die Arbeiter aus den Schuhfabriken der Stadt. 1950 verkaufte er das Geschäft, und der neue Besitzer stellte den Diner in Hudson auf. Dort erwarb ihn das Museum 1984 und restaurierte ihn drei Jahre lang auf den Zustand von 1946. Heute ist er wieder ein Lokal, mit einer Karte nach dem Vorbild von 1946. Wer den Tag teilen will, kann hier Mittagspause machen. Öffnungszeiten und Speisen stehen auf der Seite des Museums.

Lage des Henry Ford Museum in Dearborn, Michigan, mit I-94, M-39, Michigan Avenue und River Rouge; der Museumsmarker zeigt die ungefähre Adresslage.

Tickets, Anfahrt und Fotos

Die Adresse lautet 20900 Oakwood Blvd., Dearborn. Geparkt wird auf dem West Lot am Oakwood Boulevard neben dem Welcome Center oder auf dem East Lot an der Village Road. Wer Museum und Greenfield Village verbinden will, findet Kombitickets. Zur Werksführung am River Rouge kann man nicht selbst fahren. Ein Bus, der im Ticket enthalten ist, fährt vor dem Museum ab und bringt die Besucher zurück. Nur Gruppen und Schulklassen können eine direkte Anreise vereinbaren.

Fotografieren für private Zwecke ist im Museum mit dem Eintritt erlaubt. Selfiesticks sind verboten. Eine kleine Menge eigenes Essen darf man mitbringen, Alkohol nicht. Am Welcome Center lassen sich Elektroscooter, Rollstühle und Bollerwagen leihen, und den Besucherplan gibt es auch auf Deutsch.

Fragen und Antworten

Braucht man für Greenfield Village ein eigenes Ticket?

Ja. Museum, Greenfield Village, die Führung durch das Ford-Werk am River Rouge und das Großbildkino haben eigene Tickets. Es gibt Kombitickets für mehrere Angebote.

Kann man mit dem Auto zur Ford Rouge Factory Tour fahren?

Nein. Ein Bus fährt vor dem Museum ab und ist im Ticket enthalten. Nur Gruppen und Schulklassen können eine direkte Anreise vereinbaren.

Ist das Dymaxion House barrierefrei?

Nein. Das Haus ist nur mit Führung zugänglich und nicht für Rollstühle und Kinderwagen ausgelegt. Vom Deck am oberen Ende der Rampe kann man es ansehen, auf Anfrage gibt es eine Vorstellung von außen.

Darf man im Museum fotografieren?

Ja, für private Zwecke ist das mit dem Eintritt erlaubt. Selfiesticks sind nicht erlaubt.

Kann man sich in den Rosa-Parks-Bus setzen?

Ja, der Bus in der Ausstellung With Liberty and Justice for All ist begehbar, und Besucher können sich hineinsetzen.

Weiterführende Informationen

  1. The Henry Ford: Driving America
  2. The Henry Ford: Presidential Vehicles
  3. The Henry Ford: With Liberty and Justice for All
  4. The Henry Ford: Dymaxion House
  5. The Henry Ford: Lamy's Diner
  6. The Henry Ford: Curating & Preserving The Dymaxion House
  7. The Henry Ford: The Dymaxion House: A New Way of Living
  8. The Henry Ford: Lamy's: A Diner from the Golden Age
  9. The Henry Ford: Restoring the Rosa Parks Bus
  10. The Henry Ford: Frequently Asked Questions
  11. The Henry Ford: Accessibility

Angaben zu Öffnungszeiten, Eintritt, Angeboten und Zugänglichkeit können sich ändern. Maßgeblich sind die verlinkten Stellen.

Dieser Beitrag beruht auf Recherche in den genannten Quellen.

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